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Das Haus Digeon in Frankreich (1096–1856)

Eine genealogische Studie im adelsrechtlichen Kontext des Ancien Régime

Charles Philippe Graf Dijon

Wenig ist bisher über das Haus Digeon, das vom Hundertjährigen Krieg bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Aquitanien ansässig war, bekannt gewesen. Dieses Buch schafft erstmals eine Grundlage dafür, die einzelnen Zweige Autramat, Boisverdun und Monteton in eine ordnende und quellenbasierte Gesamtkohärenz zu bringen. Dabei bietet die Darlegung der genealogischen Beziehungen ein nicht unerhebliches Erklärungspotential für die Entwicklung einer vornehmlich protestantischen Adelsfamilie, welche mit prägenden Ereignissen der französischen Geschichte direkt konfrontiert war. Durch den Besitz verschiedener Herrschaftseinheiten wie Baronie, Grafschaft, Marquisat sowie der kleinen Stadt Francescas in Personalunion mit dem König von Frankreich, welche mit der niederen, mittleren und hohen Gerichtsbarkeit einhergingen, war das Geschlecht fest in das seinerzeitige Feudalsystem eingebunden. Damit bewegten sich die Digeons im Kontext des Adelsrechts des Ancien Régime, welches für ihren Aufstieg und weitere Genese maßgeblich sein sollte. Die Ursprünge und Grundlagen des droit nobiliaire werden neben spezifischen Fragen wie dem Erwerb sowie der Transmission von Adelstiteln und -stand sowie Usurpation und Verlust des Adels systematisch behandelt. Mithin dient dieser Teil nicht allein als Referenzgeber; im Verbund mit der Analyse der familiären Zusammenhänge wird das französische Adelsrecht in seiner unmittelbaren Anwendung illustriert.
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2.3.2.4 Erste Emigration (1685) und preußisches Exil

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Ungleich mehr ist hingegen über die Kinder aus dieser Heirat bekannt. So entsproß daraus eine Tochter namens Isabeau und ein Sohn Pierre III. Digeon de Boisverdun. Letztgenannter war noch bei der Eheschließung seiner Schwester mit Jean d.Ä. d’Estutt de Solminihac am 21. November 1684 zugegen und leistete 1683 den Lehenseid für seine Güter,102 jedoch spätestens im September des folgenden Jahres, mit dem Inkrafttreten des Edikts von Fontainebleau, emigrierte er gen Preußen. Auf diese Weise war nicht nur sein Erbe verwirkt (Bernard 2003: 106 u. 134), sondern gleichergestalt die Möglichkeit, auf die Aufteilung des nicht unbeträchtlichen Besitzes zu Gunsten seiner Vettern ersten Grades einzuwirken. Diese, die d’Estutt de Solminihac, blieben nach einigen Prozessen, welche die Digeons de Monteton wider sie führten, alleinige Eigentümer des Nachlasses von Charles III. Digeon de Boisverdun.103

Auf Grund der Zerstörung des Heeresarchivs in Potsdam im April 1945 läßt sich der militärische Werdegang von Pierre III. kaum mehr in toto rekonstruieren (Zala 2001: 145). Trotzdem sind einige Fragmente aus diversen gedruckten Offiziersmatrikeln des 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf uns gekommen, welche zumindest Anhaltspunkte liefern, wie sich die militärische Karriere von Pierre III. Digeon de Boisverdun vollzogen haben könnte. Dabei ist bemerkenswert, daß sich die früheste Erwähnung eines Boisverdun im “Kurbrandenburgischen Kriegs-Etat für das Jahr 1688” nicht in Person von Pierre, sondern eines “Charles de Boyverdun” nachweisen läßt, welcher expressis verbis unter den...

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