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Von Freinet zu Freud: Die institutionelle Pädagogik von Fernand Oury

Übersetzt von Renate Kock und Erdmuthe Mouchet unter Mitwirkung von Claude Mouchet

Claude Mouchet and Raymond Bénévent

Das Buch widmet sich Fernand Oury (1920–1998), einem der bedeutendsten französischen Pädagogen des 20. Jahrhunderts, der jedoch in Deutschland so gut wie unbekannt ist. Originell und innovativ, führte er das von Célestin Freinet entwickelte pädagogische Konzept weiter und wendete es in den sogenannten Kasernen-Schulen der Pariser Nachkriegszeit an. Parallel dazu orientierte er sich an Freud, um unbewusste Phänomene in Schulklassen aufzuspüren. Die Autoren stellen die einzelnen Lebensetappen Ourys vor und gehen auch auf seine kämpferischen Auseinandersetzungen mit traditionellen Vorstellungen ein. Ihr Buch stellt die Hauptbegriffe der institutionellen Pädagogik vor und veranschaulicht die von Oury «Institutionen» genannten Neuerungen anhand von Beispielen aus seiner Schulpraxis und Äußerungen.
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Kapitel 3. Von der Stadtschule zur „Kasernen-Schule“ (1955–1958)

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Ab 1949 und seiner Begegnung mit Freinet verwirklichte Oury seine eigene Konzeption, indem er die Stadtschule und seinen Wunsch, sie zu verändern, in den Mittelpunkt seines Engagements stellte. In seinem Brief von 1953 an den Gründer des ICEM sahen wir bereits, dass er dieses Anliegen bestätigte, wie im Übrigen auch in den zahlreichen Artikeln, die er von Januar 1955 an in L’Éducateur und dann von 1958 an in L’Éducateur d’Île-de-France (Zeitschrift der Pariser Gruppe der Freinet-Anhänger) geschrieben hatte. Es ist aber wichtig, diesen reformerischen Geist im Rahmen der großen Umwälzung zu sehen, die die Primarschule in Frankreich nach dem 2. Weltkrieg durchlaufen hat.

1. Die Umwandlung der Primarschule ab den 50er Jahren

Die erste Herausforderung, die es nach 1945 zu bestehen galt, war der Wiederaufbau von 4 000 im Krieg zerstörten Schulen. Hinzu kamen weitere 2 600 Schulen, die wieder instand gesetzt werden mussten. Schon im Jahr 1950 war offensichtlich, dass im Laufe der folgenden 4 Jahre 8 500 Jungen-, genauso viele Mädchen-Primarschulen und 1 500 gemischte Schulen neu gebaut werden mussten1. Dies lag unter anderem an der nach dem Krieg stark gestiegenen Geburtenrate: Mehr als 800 000 Geburten waren jährlich zwischen 1946 und 1954 zu verzeichnen; d. h. 25 % mehr als im Jahr 1945. Diese Kinder wurden ab 1952/1953 eingeschult, wodurch sich die starke Zunahme der Schülerzahlen erklärt, die von 4,4 Millionen 1946/1947 auf mehr als 6...

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