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Von Freinet zu Freud: Die institutionelle Pädagogik von Fernand Oury

Übersetzt von Renate Kock und Erdmuthe Mouchet unter Mitwirkung von Claude Mouchet

Claude Mouchet and Raymond Bénévent

Das Buch widmet sich Fernand Oury (1920–1998), einem der bedeutendsten französischen Pädagogen des 20. Jahrhunderts, der jedoch in Deutschland so gut wie unbekannt ist. Originell und innovativ, führte er das von Célestin Freinet entwickelte pädagogische Konzept weiter und wendete es in den sogenannten Kasernen-Schulen der Pariser Nachkriegszeit an. Parallel dazu orientierte er sich an Freud, um unbewusste Phänomene in Schulklassen aufzuspüren. Die Autoren stellen die einzelnen Lebensetappen Ourys vor und gehen auch auf seine kämpferischen Auseinandersetzungen mit traditionellen Vorstellungen ein. Ihr Buch stellt die Hauptbegriffe der institutionellen Pädagogik vor und veranschaulicht die von Oury «Institutionen» genannten Neuerungen anhand von Beispielen aus seiner Schulpraxis und Äußerungen.
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Kapitel 7. Der Zweite Bruch: Das Ende der Groupe Techniques Éducatives/GTE (Mai 1964–Oktober 1966)

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1. Die Spaltungen innerhalb der GTE öffentlich gemacht

Eine Woche nach der Veranstaltung der GTE publizierte France Observateur, die große Wochenzeitung der damaligen nicht-kommunistischen Linken, einen von Georges Lapassade unterzeichneten Artikel mit dem Titel „Schüler an der Macht“. Darin war die Rede von einer „Förderklasse von Gennevilliers“, die eine „pädagogische Kontrolle“ ausübte, welche man den Studenten verweigerte, obwohl die Selbstverwaltung im „Mittelpunkt ihrer Besorgnisse1“ stand. Dieses Experiment und andere, die von Abweichlern der Freinet-Bewegung durchgeführt worden waren, welche sich auf die „Institutionelle Pädagogik“ bezogen2, interessierten sich vor allem für die Analyse der Institutionen, wogegen Freinet den Akzent ausschließlich auf die erzieherischen Techniken gelegt hatte. Wie konnte man den Studenten verweigern, ihre Lehrpläne, ihre Pädagogik, ihre Examina eigenständig zu kontrollieren, während sich 12-jährige Kinder imstande zeigten, diese Demokratie-Erfahrung zu machen? Lapassade versagte es sich indessen nicht, einen Aspekt dieses Experimentes zu kritisieren, in dem er „Überbleibsel eines bürokratischen Funktionierens [feststellte], die dem Parlamentarischen System des Klassenrates3“ entsprangen. Es sei notwendig, weiter zu gehen und die Gruppendynamik, die der Soziologe in großen Linien skizzierte, nutzbar zu machen. Der Artikel endete mit einer Zusicherung, die das Schicksal der modernen Pädagogik von seinen vergangenen oder von ihm angekündigten Arbeiten abhängig zu machen schien:

„Der Fortschritt der modernen Pädagogik ist mit der Entwicklung der Forschung zu den pädagogischen Beziehungen, der Gruppenarbeit und den Institutionen verbunden4.“

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