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Interferenzfehler deutschlernender Aserbaidschaner

Morpho-syntaktische und lexiko-semantische Interferenzfehler beim gesteuerten und ungesteuerten Fremdsprachenerwerb

Pari Isakova

Bis Anfang der 1990er Jahre war die Erforschung des Deutscherwerbs der Aserbaidschaner aus politisch-historischen Gründen ausschließlich aus der Perspektive des Deutschen als Fremdsprache möglich. Mit der Wende und der Migration der ehemaligen Sowjetbürger, darunter auch Aserbaidschaner, in die BRD bekam Deutsch für die aserbaidschanischen Einwanderer auch den Status des Deutschen als Zweitsprache. Die aus einem theoretischen und einem empirischen Teil bestehende Arbeit erforscht den Einfluss des Aserbaidschanischen als Muttersprache auf den Erwerb des Deutschen sowohl als Fremd- als auch Zweitsprache. Unter anderem geht sie der Frage nach, ob sich die Interferenzfehler der aserbaidschanischen Deutschlernenden beim gesteuerten und ungesteuerten Fremdsprachenerwerb voneinander sowohl qualitativ als auch quantitativ unterscheiden.
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3. Spracherwerb aus der Sicht der Hirnforschung

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In den letzten Jahren werden die Erkenntnisse der modernen Gehirnforschung immer mehr in die Sprachlehr- und Fremdsprachenerwerbsforschung einbezogen. Eine Darstellung der neuesten Erkenntnisse der Gehirnforschung sollte ermöglichen, die Lern- und Spracherwerbsprozesse besser zu verstehen und Sprachunterricht ‚gehirngerechter‘ zu gestalten (vgl. Boeckmann, 2008, 6).

Um verstehen zu können, wie das Gehirn beim Spracherwerb funktioniert, hilft uns heute die moderne Medizintechnik. Die Computertomographie (CT), insbesondere die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und die funktionale Magnet-Resonanz-Tomografie (fMRT), ermöglichen die Aktivität von bestimmten Gehirnbereichen zu messen. Dadurch kann die Hirnforschung genauer bestimmen, welche Bereiche des Gehirns für welche Aufgaben zuständig sind. Mit den beiden zuletzt genannten Verfahren kann man biochemische Aktivitäten und den Blutfluss des Gehirns erfassen und nach Verarbeitung in einem Computer in verschiedener Weise übersichtlich darstellen. Versucht ein Proband beispielsweise eine sprachliche Aufgabe zu lösen, so sind die an der Aufgabe beteiligten Gehirnbereiche stärker durchblutet als die anderen. Mittels der Verfahren kann dann festgestellt werden, welche Gehirngebiete an dieser kognitiven Leistung mitgewirkt haben.

Lange Jahre wurde durch die Lokalisationstheorie die Auffassung der Uniformität der Hirne verbreitet, bzw. die Vorstellung, dass ein menschliches Gehirn dem anderen gleiche und sie im Prinzip gleich funktionieren. Dabei wurde außer Acht gelassen, dass das Gehirn über eine individuelle und spezifische Organisation verfügt, die lebenslang von den individuellen Erfahrungen geprägt wird (vgl. List 2006, 14f). Die neuesten neuropsychologischen Erkenntnisse bestätigen die Annahme, dass das menschliche Gehirn eine gewisse Individualität in seiner Organisation...

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