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Ausbildungsabbruch und Biographie

Über Prozesse, Mechanismen und Wechselwirkungen in Lebensverläufen von Personen mit vorzeitiger Vertragslösung in der Berufsausbildung

Sebastian Klaus

Die vorzeitige Vertragslösung in außerakademischen Berufsausbildungen (Ausbildungsabbruch) ist seit Jahrzehnten ein regulärer Bestandteil des öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurses. Diese Untersuchung beleuchtet das Phänomen erstmals aus biographieanalytischer Perspektive und löst sich vom Fokus auf Gründe, Motive und Quoten. Das Ergebnis ist ein Prozessmodell eines typischen Verlaufs von der Kindheit bis hin zur biographischen und beruflichen Neuorientierung nach dem Ereignis. Das Prozessmodell zeigt nicht nur, dass die Entwicklungsgeschichte der Personen keineswegs so individuell ist, wie bislang angenommen wird. Es liefert ebenso Erklärungsmuster zu den Ursachen sowie Auswirkungen einer vorzeitigen Vertragslösung und eröffnet neue Ansatzpunkte zur Prävention beziehungsweise Kompensation.
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3.3 Die vorzeitige Vertragslösung - Das Scheitern eines Identitätskonzepts

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3.3.1 Der Zerfall des Identitätskonzepts

Das Scheitern der Partizipation an der Berufsausbildung zerstört auch das Identitätskonzept der Biographieträger. Unter einem Identitätskonzept wird hier eine spezifische Identitätskonstellation verstanden, in der eine explizite Gewichtung der Lebenswelten vorhanden ist. Das Identitätskonzept der Betroffenen bezieht sich auf die Relevanzsetzung und die Passung der Lebenswelten in ihrer Gewichtung, die als einzelne Bestandteile der Identität zu verstehen sind und worüber das Selbstbild erfahren wird. Die Biographieträger besitzen im Kontext der Gewichtung und Relevanzsetzung der Lebenswelten in Bezug zur Selbstsicht eine Vorstellung von Identität und Biographie, auf der jedwede Pläne und Entwürfe beruhen. Es richtet sich somit konträr zur Identitätskonstellation, die die Gegenwart fokussiert, auf die Zukunft aus. Das spezifische Identitätskonzept implementiert ebenso die Lebenswelt Beruf, wie die Familie oder das Anregungsmilieu, respektive die soziale Welt. Im Zuge der Ausgliederung der Lebenswelt Beruf wird das Identitätskonzept in seiner Gänze zerstört und macht die darin inbegriffenen biographischen Planungen und Entwürfe obsolet. Eine vorzeitige Vertragslösung in der Berufsausbildung entspricht somit dieser Zerstörung. Die Relevanzsetzungen und Gewichtungen müssen daraufhin neu erarbeitet werden. Einher geht dieser Prozess mit der Etablierung anderer beruflicher und biographischer Entwürfe und Pläne, die zumeist im Kontext der Modifikation der Prozessierungsmöglichkeiten der Ablaufmuster stehen. Die ad hoc Zerstörung des Identitätskonzepts ist bei einer Kündigung durch Vorgesetzte besonders brisant. Unter Anhäufung von Verlaufskurvenpotential wird...

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