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Personalbedarfsprognose im Gesundheits- und Pflegewesen

Eine berufs-, einrichtungs- und regionalspezifische Betrachtung für Deutschland

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Tobias Ehrhard

Gefährden zukünftige Personalengpässe im Gesundheits- und Pflegewesen die Sicherstellung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung? Der Autor widmet sich dieser zentralen gesundheitspolitischen Fragestellung und untersucht, wie sich die Personalnachfrage und das Personalangebot im Gesundheits- und Pflegewesen bis zum Jahr 2030 entwickeln könnten. Neu ist dabei die gemeinsame Analyse der für die gesundheitliche Versorgung wichtigen ärztlichen und nichtärztlichen Berufsgruppen, differenziert nach Qualifikationen, Bundesländern sowie nach Einrichtungen des Gesundheits und Pflegewesens. Die Arbeit stellt erstmals regional differenzierte und vergleichbare Ergebnisse zur Verfügung und zeigt die Möglichkeiten und Grenzen der Messung des zukünftigen Personalbedarfs auf.
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3 Herleitung von Determinanten des Personalangebots und der Personalnachfrage

← 40 | 41 → 3 Herleitung von Determinanten des Personalangebots und der Personalnachfrage

Im Rahmen dieser Arbeit wird eine umfassende Personalbedarfsprognose für das Gesundheits- und Pflegewesen erstellt. Eine Bedarfsprognose muss zwangsläufig diesen abgegrenzten Arbeitsmarkt und all seine beteiligten Akteure mit einbeziehen. Hierzu zählen alle an der gesundheitlichen Versorgung teilnehmenden Einrichtungen sowie die dafür relevanten Berufsgruppen.

In Kapitel 3.1 werden zunächst die grundlegenden Prämissen der Ableitung von Personalnachfrage und -angebot im Gesundheits- und Pflegewesen skizziert. In Kapitel 3.2 werden die wesentlichen theoriegeleiteten angebots- und nachfrageseitige Einflussfaktoren und deren Zusammenhänge auf dem Arbeitsmarkt beschrieben sowie die Interaktion zwischen den Akteuren des Arbeitsmarktes erläutert. Anschließend werden in Kapitel 3.3 Möglichkeiten der theoretischen Modellierung der Nachfrageseite vorgestellt. Diese bauen auf gesundheitsökonomischen Modellen und sozialwissenschaftlichen Verhaltensmodellen auf und stellen relevante Einflussfaktoren auf die Nachfrage nach Gesundheit bzw. Gesundheitsleistungen heraus. In Kapitel 3.4 werden demografische Entwicklungen und ihre Auswirkungen für das Gesundheits- und Pflegewesen, die Entwicklung der Erwerbstätigkeit in jenem Sektor und weitere sektorale Entwicklungen vorgestellt. Durch dieses Vorgehen können in Kapitel 3.5 die entscheidenden Einflussfaktoren auf Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen abgeleitet und hinsichtlich ihrer Berücksichtigung in der Modellbildung beurteilt werden.

3.1 Grundlegende Prämissen

Vor der Analyse des Personalangebots und der -nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen werden zuvor einige grundlegende Wirkungszusammenhänge dargestellt. Die Nachfrage bzw. der Bedarf nach Gesundheitspersonal137 bzw. personellen Ressourcen im Gesundheits- und Pflegewesen ist dem Bedarf nach Gesundheit und den sich daraus ableitenden (Dienst-) Leistungen nachgelagert (vgl. Abb. 3-1). Wie die Abbildung verdeutlicht, ist der tatsächliche Ressourcenbedarf, neben der Gesundheit, entscheidend von der Festlegung von Gesundheitszielen, Leistungszielen und Ressourcenzielen abhängig, die im Rahmen einer nationalen Gesundheitspolitik formuliert werden. Über die Festlegung dieser Ziele, wie beispielsweise Gleichheit des Zugangs, räumliche Abdeckung der Gesundheitsversorgung, finanzielle Absicherung sowie Qualität der Leistung wird schließlich der tatsächliche Personalbedarf eines nationalen Gesundheits- und Pflegewesens mitbestimmt.138

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Quelle: Dussault et al. (2010a), S.4.

Abb. 3-1: Zusammenhang von Bedarf und Zielen im Gesundheits- und Pflegewesen

Unabhängig von den Zielen der Gesundheitspolitik bzw. unter der Annahme, dass sich diese in Deutschland in naher Zukunft nicht grundlegend ändern werden, müssen für die Bedarfs- und Nachfrageprognose zunächst die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Nachfrageseite identifiziert werden. Diese Einflussfaktoren leiten sich beispielsweise aus den folgenden Entwicklungen ab:139

Demografische Entwicklung und ihre Auswirkungen

Entwicklung der Gesundheitsbedürfnisse und der Nachfrage nach Gesundheitsleistungen

Technologische Entwicklung im Gesundheits- und Pflegewesen

Aus diesen Einflussfaktoren leitet sich der Ressourcenbedarf und entsprechend die Nachfrage nach Gesundheitspersonal ab. Hier stellt sich insbesondere die Frage, welche Fähigkeiten (Skillmix) benötigt werden.140

Neben den Kenntnissen über die Nachfragetreiber müssen die Einflussfaktoren auf die Angebotsseite aufgeschlüsselt werden. In Abbildung 3-2 sind ausgehend von dem aktuellen Personalbestand im Gesundheits- und Pflegewesen, jene Faktoren dargestellt, die den Eintritt in bzw. den Austritt aus diesem speziellen Arbeitsmarkt bedingen.141

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Quelle: Dussault et al. (2010a), S.5.

Abb. 3-2: Modellhafte Darstellung der Zu- und Abflüsse des Gesundheitspersonals

Der bestehende Personalbestand unterscheidet sich hinsichtlich demografischer (Alter, Geschlecht), fachlicher (erlernter Beruf, Skillmix), geografischer (Region) und organisatorischer (z. B. Einrichtungen) Faktoren. Die zukünftigen Eintritte in den Arbeitsmarkt des Gesundheits- und Pflegewesen werden maßgeblich durch Ausbildungsabsolventen, aber auch Einwanderungen bestimmt. Hier gilt es ebenfalls die relevanten Faktoren wie etwa Ausbildungsabschlussquoten zu identifizieren.142

Den Austritt aus dem Arbeitsmarkt des Gesundheits- und Pflegewesens bedingen Ruhestand, Auswanderung oder Arbeitskräfteabgänge aufgrund anderer Ursachen. Insgesamt gilt es, alle relevanten Arbeitsmarktkennzahlen auf der Angebots- und Nachfrageseite zu identifizieren und nach Möglichkeit zu quantifizieren. Nur durch eine Gegenüberstellung beider Seiten, kann eine Personalbedarfsprognose dazu verwendet werden, mögliche Diskrepanzen in der Zukunft zwischen diesen beiden Größen zu identifizieren.143

← 43 | 44 → 3.2 Arbeitsmarkttheoretische Betrachtung

Im vorherigen Kapitel wurden die grundlegenden Prämissen von Personalangebot- und Nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen aufgezeigt und die Notwendigkeit der Gegenüberstellung beider Größen betont. Zur Modellierung eines empirischen Berechnungsmodells werden nachfolgend wesentliche Einflussfaktoren aus einschlägigen Arbeitsmarktmodellen beschrieben und deren Berücksichtigung hinsichtlich der Anwendbarkeit in einem Berechnungsmodell für das Gesundheits- und Pflegewesen diskutiert.

Im Folgenden wird zunächst das grundlegende und mikroökonomisch fundierte Arbeitsmarktmodell der Neoklassik vorgestellt (Kapitel 3.2.1). In Kapitel 3.2.2 wird dann mit den neukeynesianischen Ansätzen eine makroökonomische Modellerweiterung vorgestellt, die einen Teil der Modellkritik der Neoklassik aufgreift und insbesondere zur Erklärung von Arbeitslosigkeit durch Lohn- und Preisrigiditäten herangezogen wird. Dabei werden, wie in der späteren Modellierung, sowohl die angebotsseitigen als auch die nachfrageseitigen Einflussfaktoren betont. Aufbauend auf den Limitationen beider Modellansätze wird in Kapitel 3.2.3 anschließend eine Modellerweiterung vorgestellt, die die Heterogenität der Marktteilnehmer berücksichtigt und die sich daraus ergebenden Such- und Matchingprozesse behandelt. Durch diese Modellerweiterungen sollen den Spezifika des Arbeitsmarktes im Gesundheits- und Pflegewesen Rechnung getragen werden.

3.2.1 Neoklassisches Arbeitsmarktmodell

Die neoklassische Betrachtung des Arbeitsmarktes dient als Ausgangspunkt nahezu aller neuen arbeitsmarkttheoretischen Ansätze. Als Grenzfall des theoretisch „idealen Arbeitsmarktes“ stellt sie den Ausgangspunkt für alle realitätsbezogeneren Modellerweiterungen dar. Im Kern handelt es sich dabei um einen speziellen Anwendungsfall der allgemeinen Gleichgewichtstheorie.144

Den Theoremen der allgemeinen Gleichgewichtstheorie folgend, ergeben sich für den (neoklassischen) Arbeitsmarkt folgende Bedingungen:

Es herrscht vollkommene Konkurrenz.

Alle Arbeitsanbieter sind homogen.

Es herrscht vollkommene Transparenz über alle marktrelevanten Informationen bezüglich der jetzigen und zukünftigen Arbeitsmarktsituation.

Den Arbeitsanbietern wird vollkommene Mobilität unterstellt.

← 44 | 45 → • Es gibt keine Friktionen, Löhne sind vollkommen flexibel.

Arbeitsnachfrager sind in der Lage, ihren gewinnmaximalen Output zu jeder Zeit abzusetzen.145

Das Arbeitsangebot bestimmt sich in der Neoklassik nach der Nutzentheorie. Das Individuum kann zwischen Arbeit (und damit Einkommen) und Freizeit wählen bzw. substituieren. Die optimale Zeitallokation ist erreicht, wenn der Grenznutzen einer zusätzlichen Einheit Freizeit den Grenzkosten entspricht, die durch die geringeren Einnahmen wegen des Verzichts auf eine Einheit Arbeit entstehen.146 Entsprechend erhöht sich bei steigendem Reallohn das Arbeitsangebot der Individuen, da die Freizeit in Relation zur Arbeitszeit verteuert wird und sich die Opportunitätskosten für den Konsum von Freizeit erhöhen. Welches Arbeitsangebot letztendlich realisiert wird, ist von der persönlichen Präferenzstruktur des Individuums abhängig. Die Arbeitsangebotsfunktion ist eine monoton wachsende Funktion des Reallohns. Verändert sich die individuelle Präferenzstruktur des Individuums, führt dies zu einer Verschiebung der Arbeitsangebotskurve.147

Die Arbeitsnachfrage ist im neoklassischen Modell, im Unterschied zu den Gütermärkten, als abgeleitete Größe zu interpretieren. Arbeit dient produktiven und nicht konsumtiven Zwecken. Sie wird von profitmaximierenden Unternehmen im Produktionsprozess eingesetzt. Unter der Annahme, dass der Unternehmer jede mögliche Kombination aus Arbeit und Kapital in Abhängigkeit der relativen Preise realisieren kann, ist die Arbeitsnachfrage – bei kurzfristig gegebenem Kapitalbestand – nur noch eine Funktion des (Real-) Lohns. Analog zum Arbeitsangebot der Individuen wird der Unternehmer nun so lange Arbeitskräfte nachfragen bis die Grenzkosten einer zusätzlichen Einheit Arbeitskraft gleich den Grenzerlösen dieser zusätzlichen Einheit sind.148

Mengenmäßige Ungleichgewichte zwischen Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage – also Arbeitslosigkeit oder Arbeitskräftemangel – werden durch den flexiblen Reallohn gesteuert. Im Rahmen des Anpassungsmechanismus wird sich der Reallohn unter den oben skizzierten Voraussetzungen in Richtung Gleichgewichtslohn bewegen. Daraufhin revidieren die Akteure des Arbeitsmarktes ihre Entscheidung bezüglich der angebotenen und nachgefragten Arbeitsmenge. Schließlich wird dieser Anpassungsprozess so lange fortgesetzt bis ein Gleichgewicht erreicht ist, in dem bei gegebenem gleichgewichtigen Reallohnsatz weder unfreiwillige Arbeitslosigkeit auf Seiten der Arbeitsanbieter noch Arbeitskräftemangel auf Seiten der Arbeitsnachfrager herrscht. Das heißt, jeder Arbeitsanbieter findet einen Arbeitsnachfrager.149

← 45 | 46 → Seit der Entstehung der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie haben sich unzählige Publikationen kritisch mit ihr auseinandergesetzt. Dabei bezieht sich die Kritik vor allem auf die empirische Überprüfbarkeit der Theorie und daraus folgend auf ihre wirtschaftspolitische Relevanz.150

3.2.2 Neukeynesianische Modellierung des Arbeitsmarktes

Die Modellkritik an der Neoklassik und die fehlende empirische Überprüfbarkeit haben zu Modellerweiterungen – wie z. B. den neukeynesianischen Ansätzen – geführt. Insbesondere die anhaltende Arbeitslosigkeit in den 1980er Jahren war für die Entwicklung der neukeynesianischen Modellansätze verantwortlich, mit deren Hilfe Arbeitslosigkeit durch Lohn- und Preisrigiditäten erklärt werden konnte. In diesen Modellen ersetzt die Lohnsetzungskurve die Arbeitsangebotskurve und die Preissetzungskurve die Arbeitsnachfragekurve des neoklassischen Modells.151

In der Lohnsetzungskurve (Arbeitsangebot) ist der aggregierte Nominallohn abhängig vom erwarteten Preisniveau Pe, der Arbeitslosenquote u und weiteren Faktoren, die in einer Sammelvariablen z zusammengefasst werden. Als aggregierte Größe entspricht er dem durchschnittlichen Lohn eines durchschnittlichen Arbeitnehmers.152 Damit ergibt sich die Lohnsetzungskurve zu:

(3.1)

W = Pe F (u,z)

Das erwartete Preisniveau ist für die Höhe der Löhne deshalb entscheidend, weil sowohl für Arbeitsnachfrager als auch Arbeitsanbieter der Reallohn – als Quotient von Nominallohn zu Preisniveau – von entscheidender Bedeutung ist. Beispielsweise spielt für die Individuen die Menge konsumierbarer Güter eine Rolle, weniger die absolute Höhe der Löhne. Bei steigenden Güterpreisen müsste der Nominallohn entsprechend steigen, damit die Individuen die gleiche Anzahl an Gütern konsumieren können. Da Löhne meist für einen bestimmten Zeitraum in der Zukunft festgelegt werden, ist für die Festsetzung der Nominallöhne weniger das aktuelle Preisniveau, sondern vielmehr das erwartete von Bedeutung.153

← 46 | 47 → Ferner ist die Arbeitslosenquote entscheidend für die Höhe des aggregierten Lohnsatzes. Üblicherweise werden Löhne zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebervertretern ausgehandelt. Herrscht während dieser Verhandlungen beispielsweise eine hohe Arbeitslosigkeit und damit auch ein Überangebot auf dem Arbeitsmarkt, haben die Gewerkschaften eine schlechtere Verhandlungsposition und die Höhe der ausgehandelten Nominallöhne wird geringer ausfallen, als in Zeiten geringerer Arbeitslosigkeit.154

Darüber hinaus ist der Nominallohn von weiteren Faktoren abhängig. Dazu zählt die Ausgestaltung der Arbeitslosenversicherung, insbesondere die Höhe und die Dauer von Lohnersatzleistungen. Sind die Leistungen im Falle der Arbeitslosigkeit entsprechend hoch und werden für einen entsprechend langen Zeitraum gezahlt, erhöhen sie den Reservationslohn der Individuen. Bei gegebener Arbeitslosigkeit erhöhen sich so die Nominallöhne. Weitere Faktoren, wie beispielsweise ein gesetzlicher Mindestlohn oder Sozialleistungen, können eine gleichgerichtete Wirkung erzielen.155

Zusammenfassend ist die Höhe der Löhne positiv vom erwarteten Preisniveau und den anderen Faktoren abhängig. Dagegen besteht ein negativer Zusammenhang zwischen der Höhe der Arbeitslosigkeit und den Löhnen.

Die Preissetzung seitens der Unternehmen (Arbeitsnachfrage) ist abhängig von den Kosten, also den Preisen der für den Produktionsprozess notwendigen Inputs. Im neukeynesianischen Standardmodell wird angenommen, dass die Unternehmen nur mit dem Faktor Arbeit produzieren. Die Produktionsfunktion lautet Y = AN, wobei Y für den Output, N für die Anzahl der Beschäftigten und A für die Arbeitsproduktivität steht. Unter der Annahme konstanter Arbeitsproduktivität ist der Output des Unternehmens Y nur noch von der eingesetzten Anzahl der Beschäftigten N abhängig. Anders ausgedrückt entsprechen die Grenzkosten einer zusätzlich produzierten Einheit gerade dem eines zusätzlichen Beschäftigten mit dem Lohnsatz W.156

Unter der Annahme, dass kein vollkommener Wettbewerb auf den Absatzmärkten herrscht und die Unternehmen ihre Marktstellung ausnutzen können, werden Sie für ihre Güter einen Preis verlangen, der über ihren Grenzkosten liegt. Dieser Aufschlag drückt sich im Faktor µ aus und die Preissetzungsgleichung des Unternehmens lautet:157

(3.2)

P = (1 + µ) W

← 47 | 48 → Eingangs des Kapitels wurde angedeutet, dass die Lohnsetzungskurve im neukeynesianischen Modell der Arbeitsangebotskurve im neoklassischen Modell entspricht. Um diesen Sachverhalt noch deutlicher herauszustellen, soll die Arbeitslosenquote u bzw. die Anzahl der Arbeitslosen U durch das Beschäftigungsniveau N ersetzt werden. Die Beziehung zwischen Arbeitslosen U und Beschäftigungsniveau N ergibt sich aus U = L – N, wobei L die Summe der Erwerbsbevölkerung darstellt. Dieser Zusammenhang ist in Abbildung 3-3 skizziert. Je niedriger das Beschäftigungsniveau, desto höher die Arbeitslosigkeit. Aus dem zuvor dargestellten Zusammenhang der Lohnsetzungsfunktion und der Annahme, dass das erwartete Preisniveau Pe dem tatsächlichen entspricht, ergibt sich eine steigende Lohnsetzungsgleichung, die der Arbeitsangebotsgleichung des neoklassischen Modells entspricht.158

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Quelle: Blanchard/Illing (2003), S. 203.

Abb. 3-3: Lohn- und Preissetzung im Arbeitsnachfrage-/Arbeitsangebots-Diagramm

Auf der Ordinate des Schaubilds ist der Reallohn dargestellt. Durch Umformung der Preissetzungsgleichung (Gleichung 3.2) zu

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kann diese ebenfalls in das Diagramm eingetragen werden. Sie kann als flache Arbeitsnachfragegleichung interpretiert werden, aufgrund der Annahme einer konstanten Grenzproduktivität der Arbeit.159 Somit sind in Abbildung 3-3 die Lohnsetzungsgleichung (entspricht dem Arbeitsangebot im neoklassischen Modell) und die Preissetzungsgleichung (Arbeitsnachfrage) dargestellt.

← 48 | 49 → Das Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt ergibt sich demnach dann, wenn der durch die Lohnsetzung festgelegt Reallohn dem durch die Preissetzung festgelegten Reallohn entspricht. In diesem Punkt stellt sich eine gleichgewichtige Arbeitslosenquote u bzw. ein gleichgewichtiges Beschäftigungsniveau N ein, die auch „natürliche“ Arbeitslosenquote bzw. „natürliches“ Beschäftigungsniveau genannt werden. Die Lohnsetzungsgleichung verschiebt sich nach links oben, wenn beispielsweise die Variable z durch eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes ansteigt. Bei unverändertem Reallohn entsteht dadurch ein geringeres „natürliches“ Beschäftigungsniveau. Erhöhen dagegen die Unternehmen am Markt ihren Preisaufschlag und damit den Preis ihrer Güter, sinkt bei gegebenem Nominallohn der Reallohn. Die Preissetzungsgleichung verschiebt sich nach unten und es stellt sich ebenfalls ein geringes Beschäftigungsniveau ein.160

Die wesentlichen Unterschiede zwischen der neukeynesianischen Darstellung und der zuvor skizzierten neoklassischen Modellierung des Arbeitsmarktes liegen in folgenden Punkten:

In der neoklassischen Betrachtung ist der Beschäftigungsumfang lediglich eine steigende Funktion des Reallohns. Die neukeynesianische Modellierung berücksichtigt dagegen, dass Löhne zwischen Arbeitnehmern und Unternehmen verhandelt und von Faktoren wie der Höhe der Arbeitslosigkeit oder Arbeitslosenhilfe beeinflusst werden.

Die Neoklassik unterstellt vollkommen Wettbewerb auf den Arbeits- und Absatzmärkten. Die Preissetzungsgleich der neukeynesianische Betrachtung berücksichtigt durch den Gewinnaufschlag auch die Wettbewerbsintensität.

Im neoklassischen Basismodell kann zwar Arbeitslosigkeit auftreten, sie ist dann aber „freiwilliger“ Natur, weil Individuen zum herrschenden Lohnsatz keine Arbeit anbieten. In der neueren Betrachtung ist die Arbeitslosigkeit unfreiwilliger Natur, da Unternehmen Löhne über dem Reservationslohn zahlen und die Individuen die Beschäftigung der Arbeitslosigkeit vorziehen.161

Während es im Modell der Neoklassik langfristig zu einem ausgeglichen Arbeitsmarkt kommt, stellt sich in letzterem eine „natürliche“ Arbeitslosenquote ein. Reale Arbeitsmärkte sind zudem durch einen ständigen Zu- und Abstrom aus der Arbeitslosigkeit gekennzeichnet.162 Die neukeynesianische Modellierung verhilft zu einer besseren Abbildung der Realität, dennoch erlaubt weder die neoklassische noch die neukeynesianische Theorie eine vollständige Erklärung der gleichzeitigen Existenz von offenen Stellen und Arbeitslosen.163

← 49 | 50 → Darüber hinaus sind – fernab von den skizzierten Modellen – weder Arbeitsnachfrager noch Arbeitsanbieter homogen. Vielmehr unterscheiden sich beide Seiten in vielerlei Merkmalen. Durch diese Sachverhalte werden Suchprozesse seitens der Marktteilnehmer angestoßen, die unter unvollständigen Informationen bzw. Ungewissheit ablaufen.164 Nachfolgend wird daher die Mismatch-Problematik als weiterer wichtiger Erklärungsansatz für Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt vorgestellt. Zentraler Bestandteil dieser Modellerweiterungen sind die durch die Inhomogenität beider Markseiten hervorgerufenen, verzögerten Anpassungsprozesse auf dem Arbeitsmarkt.165

3.2.3 Mismatch als Folge von Suchprozessen auf dem Arbeitsmarkt

Arbeitsmärkte lassen sich als Suchmärkte charakterisieren, auf denen Unternehmen mit offenen Stellen qualifizierte Arbeitnehmer für diese Stellen suchen. Gleichzeitig suchen Arbeitsanbieter die für sie geeigneten Arbeitsplätze.166 Weder Arbeitsnachfrager noch -anbieter kennen alle potentiellen Arbeitgeber bzw. -nehmer und damit Beschäftigungsmöglichkeiten. Als Folge dessen sind dem Arbeitsanbieter nicht alle potentiellen Löhne bekannt, die er erhalten könnte. Der Arbeitsnachfrager ist sich im Gegenzug nicht über die Produktivität der Bewerber im Klaren. Auf beiden Seiten müssen diese Informationen in einem zeit- und kostenintensiven Prozess beschafft werden. Als mögliche Folge kann ein und derselbe Arbeitnehmer in unterschiedlichen Unternehmen unterschiedliche Löhne erhalten.167

Das Optimierungsproblem des Individuums liegt darin, zwischen den Kosten der Suche und den zu erwarteten Erlösen eines möglicherweise besseren Angebots zu entscheiden.168 Dabei gilt, dass je geringer die Suchkosten und je höher der Anspruchslohn des Individuums, desto länger wird die Suchdauer sein. Für höhere Suchkosten und geringeren Anspruchslohn gilt entsprechend der umgekehrte Zusammenhang.169 Der Anspruchslohn ist allerdings keine fixe Größe. Bestimmte allgemeine Arbeitsmarktverhältnisse und persönliche Merkmale der Individuen beeinflussen diesen. Zu letzterem gehören die Qualifikationen des Individuums.170 Die eigenen Qualifikationen sind eng mit dem Erwartungswert des Lohnangebots verknüpft. Die Einschätzung, eine überdurchschnittlich hohe Lohnofferte zu erhalten, erhöht den Anspruchslohn. Im Gegenteil besitzen Sucher mit höheren Gegenwartspräferenzen (für Einkommen) einen niedrigeren Anspruchslohn.171 Ferner spielen auch die Finanzierungsmöglichkeiten der Suchkosten, wie beispielsweise die Arbeitslosenunterstützung eine Rolle. In Zeiten von Arbeitslosigkeit kann eine hohe Arbeitslosenunterstützung den Anspruchslohn erhöhen, da die Kosten der Suche geringer ausfallen. In diesem Fall präferiert das Individuum länger zu suchen und auf bessere Lohnofferten zu warten.172

← 50 | 51 → Aus der Sicht der Arbeitsplatzanbieter bzw. der Unternehmen liegen unvollkommene Informationen über die Eignung eines Bewerbers vor.173 Im Gegensatz zur Sichtweise der Arbeitsnachfrager, die in der Regel lediglich den Lohnsatz als Entscheidungsvariable besitzen, ist die Beurteilung der Qualifikation eines Bewerbers nicht durch einen einzigen Indikator zu bestimmen. Fernab von formal erworbenen Qualifikationsnachweisen durch Ausbildung oder abgeschlossenes Studium, spielen für Unternehmen neben der Produktivität der Arbeitnehmer auch Aspekte wie Lernfähigkeit, Zuverlässigkeit und Kündigungsverhalten eine Rolle.174

Auch bei den Unternehmen begrenzen die Suchkosten die Anzahl der Suchschritte. An die Stelle des Anspruchslohns tritt eine zu erfüllende Mindestqualifikation der Bewerber.175 Die Strategie der Unternehmen ist es, denjenigen Bewerber auf die offene Stelle zu setzen, der bei gegebenen Grenzkosten der Arbeit (Lohnkosten plus Suchkosten) den höchsten Netto-Gewinn über alle zukünftig zu erwartenden Beschäftigungsperioden erzielt.176 Ist der Lohnsatz beispielsweise durch Tarifverträge fest vorgegeben, muss das Unternehmen im Rahmen des Suchprozesses den produktivsten Bewerber – als Summe aller seiner Eigenschaften – herausfiltern.177

← 51 | 52 → Diese Ausführungen und die Darstellungen im vorherigen Kapitel zeigen, dass sich Arbeitsangebot und -nachfrage auf dem Arbeitsmarkt finde müssen. Neben dem eingangs erwähnten Suchcharakter ist dieser Prozess auch durch einen Matching-Charakter gekennzeichnet. Beide können nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Ersteres beinhaltet Aspekte der Kontaktwahrscheinlichkeit beider Parteien und beantwortet Fragen der optimalen Suchstrategie und -dauer. Letzteres beschreibt die Kontraktwahrscheinlichkeit, beispielsweise das Zustandekommen eines Arbeitsvertrages.178

Ein Match bzw. Vertrag kommt bei gegebener Kontaktwahrscheinlichkeit zustande, wenn das suchende Individuum die Mindestanforderung erfüllt und das Lohnangebot des Unternehmens über dem Anspruchslohn des Individuums liegt.179 Auf der Makroebene würde entsprechend perfektes Matching bedeuten, dass jeder Arbeitsanbieter einen passenden Arbeitsnachfrager findet und umgekehrt.180 Ist dies nicht der Fall, weil die Arbeitskräfte in bestimmten Dimensionen nicht den betrieblichen Anforderungen entsprechen, liegt ein Mismatch auf dem Arbeitsmarkt vor. Darunter wird eine dauerhafte Funktionsstörung des Arbeitsmarktes verstanden, die auf eine Diskrepanz von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage zurückzuführen ist.181 Offene und nicht besetzbare Stellen trotz anhaltender Arbeitslosigkeit sind ein Charakteristikum des Mismatch.182

Mismatches auf dem Arbeitsmarkt spielen vor dem Hintergrund von struktureller und friktioneller Arbeitslosigkeit eine Rolle.183 Dabei handelt es sich um ein hoch komplexes und dynamisches Phänomen, dessen Ursache vielschichtig ist.184 Die in der Literatur genannten Ursachen für Mismatches lassen sich im Wesentlichen auf qualitative, regionale und institutionelle Ursachen sowie Informationsdefizite zurückführen.185

Mismatches auf der Seite der Arbeitsanbieter entstehen durch unzureichende Qualifikationen sowie aufgrund von Mobilitäts- und Motivationshemmnissen bei der Arbeitsplatzsuche.186 Auf qualifikatorischer Seite wird häufig bemängelt, dass die im Schulsystem vermittelten Qualifikationen nicht den von Arbeitgebern nachgefragten entsprechen.187 Eingeschränkte Verwendbarkeit des Gelernten in Kombination mit Berufswechseln erhöhen das Mismatch-Risiko und entmutigt bei der Arbeitssuche. Mangelnde Motivation und Flexibilität bei der Arbeitssuche und daraus folgend unspezifisches Suchverhalten entstehen häufig auch aufgrund mangelnder Informationen und Transparenz auf dem Arbeitsmarkt.188

← 52 | 53 → Von Seiten der Arbeitsnachfrager werden Mismatches durch zeitlich und regional schwankende Qualifikationsanforderungen begünstigt. Zum einen entsteht nach wie vor ein Trend zur Dienstleistungsgesellschaft mit einem sich stetig verändernden Anforderungsprofil. Zum anderen finden kontinuierlich regionale Umstrukturierungsprozesse statt, beispielsweise durch Unternehmensschließungen oder Neugründungen sowie neue Produktions- und Organisationsstrukturen. Dies erfordert fortlaufend neue Tätigkeitsprofile, die nicht von den vorhandenen Arbeitskräften oder gängigen Ausbildungsmustern abgedeckt werden können. Mismatches sind bei diesen Umstrukturierungsprozessen dann eine Folge unangemessener und zu langsamer Reaktion des Arbeitskräftepotenzials auf die sich ändernden Anforderungen.189

Die Ursachen für ein Mismatch sind nicht nur bei den Arbeitsanbietern oder -nachfragern zu suchen. Eine Reihe von übergeordneten institutionellen Faktoren trägt ebenfalls dazu bei. Als zentrales Element auf dem deutschen Arbeitsmarkt fungieren dabei die Arbeitsämter, die als „Matching-Agentur“ von Arbeitslosen und offenen Stellen, Suchkosten abbauen und den informationsbedingten Mismatch190 reduzieren können. Zu den institutionellen Faktoren zählen ferner auch das Angebot und die Ausgestaltung von Ausbildungsberufen, Qualifizierungsmaßnahmen, die allgemeine Lohnstruktur, rechtliche und tarifliche Regelungen der Beschäftigungsverhältnisse sowie die Vorgaben der Arbeitsmarktpolitik. Da sich alle Akteure auf dem Arbeitsmarkt innerhalb dieser institutionellen Grenzen bewegen sind die zuvor beschrieben Gründe und Ursachen für ein Mismatch teilweise abgeleitete Probleme dieser Rahmenbedingungen, ohne immer zweifelsfrei einen kausalen Zusammenhang herstellen zu können. Dennoch bestehen auch innerhalb dieser Rahmenbedingungen gewisse Handlungsspielräume, die den Grad des Mismatches beeinflussen können.191

Das Mismatch-Phänomen ist insgesamt sehr vielschichtig, sodass die genannten Kategorien nicht ausschließlicher Natur sind, und in der Regel verschiedene Gründe für ein Mismatch zusammentreffen können. Eine Zuordnung der Gründe zu den genannten Kategorien ist daher weder zu jeder Zeit problemlos möglich noch in jedem Fall zweckmäßig.192

← 53 | 54 → Bei der Erfassung und Analyse von Mismatches sind der Wissenschaft jedoch Grenzen gesetzt. So kann die tatsächliche Anzahl der offenen Stellen193 nicht ausreichend über die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit abgebildet werden. Hinzu kommt, dass es durch die Zeitspanne zwischen Meldung einer offenen Stelle und ihrer Besetzung bzw. Nichtbesetzung zu Unregelmäßigkeiten und Verzerrungen dieser Daten kommen kann.194 Häufig beziehen sich Untersuchungen des Mismatches nur auf eine bestimmte Stufe bzw. Dimension. Verknüpfungen und Abhängigkeiten zu weiteren Dimensionen werden allenfalls nur in unzureichendem Maße berücksichtigt. Darunter leidet das Verständnis für die dynamischen Zusammenhänge der Mismatch-Problematik.195

Für Deutschland ist das Vorhandensein von Mismatches unumstritten. In der Vergangenheit wurden in verschiedenen Studien196 ein Qualifikations-Mismatch – ein qualifikatorisches Auseinanderklaffen von betrieblichen Anforderungen und Befähigungen der Arbeitslosen – in Deutschland nachgewiesen. Über das Ausmaß, die Struktur und Entwicklung des Mismatches herrscht jedoch Uneinigkeit.197 Aus volkswirtschaftlicher Sicht können Mismatches auf dem Arbeitsmarkt das Wirtschaftswachstum, die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft einer Volkswirtschaft hemmen. Jegliche Form von Auswirkungen des Mismatches, sei es ein Überangebot oder Überqualifikation der Individuen, oder Arbeitslosigkeit und Teilzeitarbeit, stellen eine Verschwendung von humanen Ressourcen dar. In diesem Zusammenhang hat der Rat der Europäischen Union bereits im Jahr 2007 die Notwendigkeit betont, die zukünftigen Qualifikationsanforderungen an die Beschäftigten zu antizipieren. Um den zu erwartenden mismatchbedingten Engpässen zu begegnen, müssen die Qualifikationen der Arbeitnehmer frühzeitig an die der Gesellschaft und Wirtschaft angepasst werden.198

← 54 | 55 → 3.2.4 Zwischenfazit

Um Einflussfaktoren auf Arbeitsangebot und -nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen zu bestimmen und diese im Rahmen der Modellierung des empirischen Berechnungsmodells zu berücksichtigen, lässt die arbeitsmarkttheoretische Betrachtung erste Rückschlüsse zu. Zunächst wurde auf das grundlegende neoklassische Arbeitsmarktmodell eingegangen. Es kann mit seinen zugrundeliegenden Annahmen als Abbildung des „idealen Arbeitsmarktes“ verstanden werden und dient als Ausgangspunkt nahezu aller neuen arbeitsmarkttheoretischen Ansätze. Allerdings hält das neoklassische Modell aufgrund der modellinhärenten Annahmen und Vereinfachungen der empirischen Überprüfbarkeit nicht stand. Annahmen wie vollkommene Konkurrenz, Transparenz und Mobilität sowie Homogenität der Arbeitsanbieter sind nicht mit der Empirie in Einklang zu bringen. Aufgrund dieser realitätsfremden Annahmen ist es weder zur Ableitung relevanter Einflussfaktoren auf Arbeitsangebot und -nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen geeignet, noch lässt sich daraus die Notwendigkeit einer Bedarfsprognose ableiten, da sich auf dem neoklassischen Arbeitsmarkt ohnehin ein Gleichgewicht durch Lohnanpassungen einstellen würde.

Als makroökonomisches Arbeitsmarktmodell ist der neukeynesianischen Ansatz mit der neoklassischen Darstellung vergleichbar. Allerdings ersetzt in den neukeynesianischen Modellen die Lohnsetzungskurve die Arbeitsangebotskurve und die Preissetzungskurve die Arbeitsnachfragekurve des klassischen Modells. Hier ist der Arbeitsmarkt im Gleichgewicht, wenn der durch die Lohnsetzung festgelegt Reallohn dem durch die Preissetzung festgelegten Reallohn entspricht. Im Gegensatz zum neoklassischen Modell berücksichtigt das neukeynesianische Modell allerdings die Abhängigkeit der Lohn- und Preissetzung von weiteren Faktoren wie beispielsweise Arbeitslosigkeit, Arbeitslosen- und Sozialhilfe sowie Wettbewerbsintensität.

Damit wird in der neukeynesianischen Betrachtung klar herausgestellt, dass die angebotene bzw. nachgefragte gleichgewichtige Arbeitsmenge nicht nur vom Lohnsatz abhängt. Diese Erkenntnis ist insofern für den Arbeitsmarkt im Gesundheits- und Pflegewesen von besonderer Bedeutung, da dort die regulierende Funktion des Faktors Lohn noch weniger als in anderen Wirtschaftszweigen greift. In einem maßgeblich durch Steuern finanzierten und staatlich regulierten System, haben die Arbeit nachfragenden Einrichtungen – neben sonstigen institutionellen Rahmenbedingungen – nur geringe Spielräume für eine am (Real-) Lohn orientierte Nachfragepolitik. Vielmehr orientiert sich die Nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen an normativ festgelegten Gesundheitszielen und gesellschaftlichen Wertevorstellungen, die eine Steuerung über andere Komponenten erfordert.

← 55 | 56 → Im weiteren Verlauf des Kapitels wurde gezeigt, dass Arbeitsmärkte als Suchmärkte zu charakterisieren sind, auf denen das Arbeitsangebot und die -nachfrage zusammengeführt werden müssen. Unternehmen suchen qualifizierte Arbeitnehmer und diese wiederum geeignete Arbeitsplätze. Als Folge der Heterogenität beider Marktseiten und den daraus resultierenden Informationsasymmetrien sowie der Diskrepanz zwischen Arbeitskräftenachfrage und -angebot, entstehen Mismatches auf dem Arbeitsmarkt. Es wurde gezeigt, dass die Mismatch-Problematik komplex und vielschichtig ist, und ihre Wurzeln in der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung hat. Dabei spielen insbesondere qualifikatorische, regionale und institutionelle Ursachen, aber auch Informationsdefizite eine Rolle. Um letztere zu beseitigen, müssen die Marktteilnehmer in einem zeit- und kostenaufwendigen Suchprozess möglichst viele Informationen beschaffen. Aufgrund der Vielschichtigkeit der Mismatch-Problematik und der Überlappung der einzelnen Dimensionen ist eine möglichst komplexe und umfassende Betrachtung der Dimensionen erforderlich.

Aus der suchtheoretischen Darstellung kann für diese Arbeit und den Arbeitsmarkt im Gesundheits- und Pflegewesen abgeleitet werden, dass bei einer getrennten Betrachtung von Arbeitsangebots- und -nachfrageseite vergleichbare Merkmale benötigt werden, über die ein Match beider Größen möglich ist. Lediglich die Gegenüberstellung von einer offensichtlich homogenen Größe Angebot und Nachfrage ist aufgrund der empirisch nicht haltbaren Homogenitätsannahme nicht zielführend. Für die makroökonomische Betrachtung des Gesundheits- und Pflegewesens bedeutet dies, dass Informationen darüber vorhanden sein müssen, welche Qualifikation (Berufe, Fachrichtungen), zum jeweiligen Zeitpunkt, an welchem Ort (Region) und in welcher Einrichtung benötigt werden.

3.3 Gesundheitsökonomische und sozialwissenschaftliche Betrachtung

Aus der vorangegangenen arbeitsmarkttheoretischen Betrachtung kann nicht abgeleitet werden, welche Einflussfaktoren die Nachfrage nach Leistungen im Gesundheits- und Pflegewesen maßgeblich bestimmen und im weiteren Verlauf bei der Modellgestaltung berücksichtigt werden müssen. Aus diesem Grund werden in diesem Abschnitt zwei Modellansätze zur Beschreibung der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen vorgestellt.

Seit dem Beginn der Inanspruchnahmeforschung in den 1960er Jahren haben sich in den gesundheitsökonomischen und sozialwissenschaftlichen Disziplinen parallel jeweils eigene Modellansätze entwickelt. In der Gesundheitsökonomie stammt der zentrale Modellansatz von Grossman, in dem die besonderen Eigenschaften der Gesundheit als produzierbares Gut aufgegriffen werden. In der Sozialwissenschaft sind dagegen umfassendere Verhaltensmodelle entstanden.199 Darunter gilt das Modell von R.M. Andersen mittlerweile als Referenzmodell in der internationalen Inanspruchnahmeforschung, da es ein breites Spektrum, die Inanspruchnahme beeinflussender individueller und gesellschaftlicher Determinanten in die Modellierung mit einbezieht.200

← 56 | 57 → In Kapitel 3.3.1 wird zunächst das Grossman Modell und anschließend in Kapitel 3.3.2 das Verhaltensmodell von R. M. Andersen beschrieben. Neben der reinen Modelldarstellung werden jeweils auch ausgewählte empirische Befunde für beide Modelle gezeigt.

3.3.1 Das Grossman Modell

Bereits zu Beginn der 1970er Jahre wurde von Grossman201 das Modell zur Inanspruchnahme medizinischer Leistungen entwickelt. Die Arbeit gilt mitunter als eine der wichtigsten theoretischen Innovationen in der Gesundheitsökonomie.202 Zunächst wird das Modell kurz vorgestellt, bevor ausgewählte empirische Befunde dargestellt werden.

Es existiert eine Vielzahl von unterschiedlichen Ausarbeitungen des Grossman Modells. Die nachfolgend beschriebene Fassung orientiert sich an der Darstellung von Wagstaff203, die in Breyer und Zweifel204 ausführlich behandelt wird. Zunächst sei angemerkt, dass die Nachfrage nach medizinischen Leistungen im Modell als abgeleitete Nachfrage verstanden wird, eigentlich fragen die Individuen Gesundheit nach.205 Zentrales Element der modelltheoretischen Betrachtung ist die Entwicklung des Gesundheitskapitalbestands über die Zeit, der einer Abnutzung ausgesetzt ist. Diese Abnutzung wird nicht mit einer konstanten Rate abgeschrieben, sondern ist (positiv) vom Lebensalter abhängig und wird darüber hinaus positiv oder negativ von den begleitenden Lebensumständen beeinflusst. Der Gesundheitskapitalbestand kann wiederum durch den Kauf medizinischer Leistungen, also Investitionen in Gesundheit, erhöht werden. ← 57 | 58 → Medizinische Leistungen haben trotz bestehendem Versicherungsschutz einen Preis. Der Konsum muss, ebenso wie für andere Konsumgüter, über das Erwerbseinkommen finanziert werden. Dieses ist wiederum umso höher, je weniger Zeit das Individuum in Krankheit verbringt. Das Modell stellt ein dynamisches Optimierungsproblem mit Nebenbedingungen dar, bei dem Vermögen (bzw. Erwerbseinkommen) und Gesundheit zusammenhängen. Der optimale Wert beider Größen muss vom Individuum im Zeitverlauf gesteuert werden:206

„In Bezug auf die Gesundheit gilt, daß der Grenznutzen des Haltens einer zusätzlichen Einheit seines Bestands eine konsumtive und eine investive Komponente enthält, die wiederum aus Zins, Abschreibung und einer möglichen Wertänderung des Kapitalguts „Gesundheit“ im Zeitablauf bestehen.“207

Gesundheit kann mit gewissen Einschränkungen als ein produziertes Gut aufgefasst werden. Zu diesen Einschränkungen gehört, dass das Individuum als „Produzent seiner Gesundheit“ zwar den Gesundheitszustand beeinflussen, ihn aber nicht effektiv bestimmen kann. Da Gesundheit den Grundstein für alle anderen produktiven Tätigkeiten eines Individuums darstellt, trägt ein guter Gesundheitszustand zur Herstellung konsumierbarer Leistungen bei. Im Rahmen einer Allokationsentscheidung muss das Individuum demnach die ihm zur Verfügung stehenden knappen Ressourcen optimal auf Gesundheit und andere Güter aufteilen. Obwohl Einwände der Übertragung des Produktionsbegriffs auf Gesundheit bestehen – zu nennen sind hier mangelnde Steuerbarkeit und mangelnde Handelbarkeit des Guts Gesundheit208 – lässt sich durch die Betrachtung der Gesundheit als Produktionsfunktion die Optimalität des Verhaltens eines Individuums bewerten.209

Der Input des Produktionsprozesses stellt die konsumierten medizinischen Leistungen dar. Die Inanspruchnahme ist aufgrund der umfassenden Krankenversicherungen in vielen Fällen kostenlos, dennoch erfordert sie Zeit, die für andere (produktive) Tätigkeiten fehlt. Da ein gewisser Gesundheitszustand allerdings Voraussetzung für die Produktion und den Genuss anderer Güter ist, wird das Individuum so lange medizinische Leistungen konsumieren, bis der dadurch entstehende Grenznutzen gleich den Grenzkosten ist, die durch den Verzicht anderer konsumierbarer Güter entsteht.210 Somit konkurrieren die Produktion von ← 58 | 59 → Gesundheit und die von Konsumleistungen, falls zum Erreichen eines bestimmten Gesundheitszustandes auf andere Konsumleistungen verzichtet werden muss.211

Im Rahmen dieser Arbeit ist vor allem von Interesse, welche Einflussfaktoren die Nachfrage nach Leistungen im Gesundheits- und Pflegewesen beeinflussen und im weiteren Verlauf bei der Modellgestaltung berücksichtigt werden müssen. Aus diesem Grund wird untersucht, welche aus dem Modell ableitbaren Hypothesen einer empirischen Überprüfung standhalten. Theoretische Hypothesen, wie sich die exogenen Variablen Gesundheit, Alter, Bildungsniveau und Lebenseinkommen auf die endogenen Nachfrage nach Gesundheit und die Nachfrage nach medizinischen Leistungen auswirken, wurden z. B. von Muurinen212 und Wagstaff213 abgeleitet. Getestet wurden diese Hypothesen von einer Reihe weiterer Autoren.214 Die Diskussion der Ergebnisse orientiert sich wiederum an der in Breyer/Zweifel215 präsentierten Fassung.

Im Grossman Modell weisen die beiden endogenen Variablen Nachfrage nach Gesundheit und Nachfrage nach medizinischen Leistungen eine positive Korrelation auf. Das bedeutet, dass mit steigendem Gesundheitsbedarf die Nachfrage nach medizinischen Leistungen steigt. Damit ist letzteres eine abgeleitete Nachfrage der Nachfrage nach Gesundheit. Da bei Grossman der gewünschte Gesundheitszustand dem aktuellen entspricht, lässt sich gerade diese Annahme nicht empirisch bestätigen. Alle empirischen Befunde belegen, dass der Gesundheitszustand und die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen negativ miteinander korrelieren. Individuen mit einem guten Gesundheitszustand, nehmen weniger medizinische Leistungen in Anspruch.216 Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein schlechter Gesundheitszustand die Inanspruchnahme positiv beeinflusst.

Als exogene Variablen gehen in das Grossman Modell Alter, Bildungsniveau und Lebenseinkommen mit ein. Der im theoretischen Modell unterstellte, negative Zusammenhang zwischen Alter und der Nachfrage nach Gesundheit wird empirisch bestätigt. Mit zunehmendem Alter sinkt der Gesundheitskapitalbestand, da die Abschreibungsrate auf die Gesundheit größer wird und die Grenzkosten des Haltens einer zusätzlichen Einheit Gesundheitskapital steigen. Dagegen kann der theoretisch angenommene positive Zusammenhang zwischen ← 59 | 60 → Alter und Nachfrage nach medizinischen Leistungen, zumindest für den ambulanten Bereich empirisch nicht belegt werden.217 Für das Bildungsniveau und das Lebenseinkommen, als weitere Nachfragedeterminante medizinischer Leistungen, zeigen die empirischen Befunde zwar statistisch signifikante Effekte, allerdings sind die Zusammenhänge in den einzelnen empirischen Studien teilweise gegenläufig.

Insgesamt konnte die empirische Evidenz einen Großteil des Grossman-Modells widerlegen. Breyer und Zweifel kritisieren zudem, dass bei der Steuerbarkeit des Gesundheitszustandes durch die Individuen im Grossman-Modell die Unsicherheit gänzlich ausgeklammert wird. Da das Eintreten von beispielsweise Krankheiten oder Unfällen ein Zufallsprodukt darstellt, fehlt dem Individuum unter Umständen die nötige Zeit, die Ressourcen im Sinne einer optimalen Allokation zwischen Gesundheit und anderen Gütern aufzuteilen. In diesem Fall kann das Individuum den eigenen Gesundheitszustand nicht mehr kontrollieren.218

An dieser Stelle kann als zentrale Erkenntnis aus dem Grossman-Modell festgehalten werden, dass insbesondere Individuen mit einem schlechten Gesundheitszustand mehr medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Das Grossman-Modell setzt allerdings nur auf wenige, die Inanspruchnahme erklärende Variablen, deren theoretischer Zusammenhang empirisch widerlegt oder nicht eindeutig bestätigt wurde. Aus diesem Grund wird im Folgenden das Modell von Andersen vorgestellt, das auf eine breitere Auswahl an Variablen setzt.

3.3.2 Das Andersen Modell

Das Modell von R.M. Andersen219 versucht eine theoretische Modellierung des Inanspruchnahmegeschehens anhand einer breiten Auswahl von Kategorien. Darunter lassen sich individuelle und gesellschaftliche Determinanten subsummieren, die die Inanspruchnahme beeinflussen. Es stellt seit seiner Veröffentlichung Ende der sechziger Jahre die theoretische Grundlage für viele empirische Untersuchungen und Studien dar und hat sich international in der Gesundheitsökonomie durchgesetzt.220

In Abbildung 3-4 ist das Modell von Andersen in der Fassung aus dem 1995 abgebildet. Die Darstellung orientiert sich an dem in Thode et al. (2004) präsen ← 60 | 61 → tierten Aufbau. Im Zentrum des Modells stehen die gesellschaftlichen Charakteristika (Population Characteristics), die die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen (Use of Health Services) direkt oder indirekt beeinflussen. Diese Charakteristika werden weiter unterteilt in Predisposing Characteristics, Enabling Resources und Need.221

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Quelle: Thode et al. (2004), S. 16.

Abb. 3-4: Health Behavior Modell nach Andersen

Mit dem Begriff Predisposing Characteristics werden alle Merkmale beschrieben, die indirekt Auswirkungen auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen zeigen. Dazu gehören die Merkmalsgruppen Demografie, Sozialstruktur und Health Beliefs:222

Zur demografischen Variablen gehören Alter und Geschlecht. Hier besteht vor allem ein positiv statistischer Zusammenhang zwischen Erkrankungswahrscheinlichkeit und Alter. Die zusätzliche Betrachtung des Geschlechts liefert eine weitere wesentliche Differenzierung, da bspw. bei jungen Frauen im gebärfähigen Alter mit einer höheren Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen zu rechnen ist.223

Zu den Variablen der Sozialstruktur gehört neben dem sozialen Status, Bildung, Beruf und Wohnumfeld, auch der Sozialraum, in dem sich das Individuum ← 61 | 62 → bewegt.224 Da gerade bei diesen Variablen ein komplexer Zusammenhang zu der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen besteht bzw. die Wirkungsketten sehr differenziert analysiert und dargestellt werden müssen, herrscht wenig Einigkeit über die Wahl und Konstruktion geeigneter Indikatoren.225

Als letzte Gruppe von Variablen gehören die Health Beliefs zu den Predisposing Characteristics. Darunter werden alle Einstellungen, Werte und Wissen der Individuen bezüglich den Themen Gesundheit und Gesundheitsleistungen zusammengefasst, die die Wahrnehmung des Bedarfs und die anschließende Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen beeinflussen.226 Wie auch die anderen Predisposing Characteristics wirken die Health Beliefs lediglich indirekt auf die Inanspruchnahme.227 Die in dieser Gruppe zusammengefassten Variablen, überlagern die objektiv messbaren Faktoren (z. B. demografische Variablen) durch individuelle Präferenzen.228

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass mit den Predisposing Characteristics die größte Anzahl potentiell relevanter Einflussfaktoren auf die Inanspruchnahme abgedeckt werden. Abgesehen von den demografischen Faktoren, sind diese individuell gestaltbar und ermöglichen so eine Steuerung des Inanspruchnahmeverhaltens.229

Mit dem Begriff der Enabling Resources werden die zur Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen notwendigen Voraussetzungen beschrieben. Diese können in Personal, Family und Community unterteilt werden. Unter die ersten beiden Punkte fallen eher finanzielle Faktoren wie das Einkommen oder ein vorhandener (Kranken-) Versicherungsschutz.230 Da in Deutschland die gesetzliche Krankenversicherung eine dominierende Stellung einnimmt und der Großteil der Bevölkerung mit einem ausreichenden Versicherungsschutz versorgt ist, dürfte das Einkommen allerdings keine entscheidende Rolle bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen spielen. Auch die Auswirkungen der Krankenversicherung auf die Inanspruchnahme dürfte nur beim Vergleich von deutlich unterschiedlichen institutionellen Strukturen (z. B. USA vs. Deutschland) eine Rolle spielen.231

← 62 | 63 → Unter dem Begriff Community werden Variablen subsummiert, die das Vorhandensein und die Erreichbarkeit von Versorgungseinrichtungen am Wohnund Arbeitsort beschreiben und so das Inanspruchnahmegeschehen beeinflussen.232 Dazu gehören die Anzahl und Verteilung von Gesundheitseinrichtungen und Gesundheitspersonal. Aber auch regionale Kenngrößen wie etwa die Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Gebieten spielen eine Rolle. Diese können die Inanspruchnahme durch lokal gültige Normen beeinflussen.233

Als letzte Gruppe der Population Characteristics sind die Need Variablen zu nennen. Dabei wird zwischen dem wahrgenommenen Bedarf (perceived need) und dem objektiv ermittelten Bedarf (evaluated need) unterschieden.234 Ersteres lässt sich als ein soziales Phänomen verstehen, das sich größtenteils aus der Sozialstruktur (social structure) und den Health Beliefs erklären lässt.235 Es handelt sich demnach um die patienteninduzierte Inanspruchnahme.236 Letzteres dagegen wird durch eine professionelle Einschätzung über den Gesundheitszustand eines Individuums und dem Bedarf nach Gesundheitsleistungen bestimmt.237 Der objektiv ermittelte Bedarf kann also größtenteils als arztinduzierte Inanspruchnahme verstanden werden.238

Der bisher beschriebene Modellkern wurde im Laufe zahlreicher Weiterentwicklungen um die Komponenten Outcomes und Environment ergänzt. Außerdem wurde die Möglichkeit der Rückkopplungen von Outcomes auf Population Characteristics und Health Behavior realisiert. Outcomes beschreiben die Ergebnisse der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Diese lassen sich analog zu den Need Variablen in subjektive (perceived health status) und objektive (evaluated health status) Komponenten zerlegen.239 Darüber hinaus wurde mit Consumer Satisfaction die Konsumentenzufriedenheit hinzugefügt, der ein eigener Einfluss auf die Inanspruchnahme zugesprochen wird. Durch das Hinzufügen von Outcomes und die Rückkopplung wurde das Modell dynamisiert. Neben der Erforschung des Inanspruchnahmegeschehens kann dadurch auch die Wirksamkeit gesundheitspolitischer Maßnahmen beurteilt werden.240

Durch die Komponente Environment wird zum einen explizit das Gesundheitswesen mit einbezogen, in dessen Rahmen die Inanspruchnahme stattfindet. ← 63 | 64 → Damit können dessen Einflüsse auf die Inanspruchnahme untersucht werden. Auf der anderen Seite wird auch die externe Umwelt betrachtet, die die Inanspruchnahme in den gesamtwirtschaftlichen Kontext setzt.241

Eine auf dem Verhaltensmodell von Andersen aufbauende Untersuchung der Inanspruchnahme wurde von Thode und Kollegen242 durchgeführt. Sie basiert auf den Daten der Bundes-Gesundheitssurvey 1998 (BGS98)243, die alle Personen im Alter von 18-79 erfasst, die während des Untersuchungszeitraums in der BRD lebten und dort mit Hauptwohnsitz gemeldet waren.244

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Inanspruchnahme im ambulanten Sektor. Eine entscheidende Erkenntnis ist, dass die Inanspruchnahme des stationären Sektors nur bedingt von den Individuen selbst gesteuert wird. Dies ist insbesondere auf die Rahmenbedingungen des deutschen Gesundheitswesens zurückzuführen. Für die Motive der Inanspruchnahme ist somit die Inanspruchnahme ambulanter Leistungen entscheidend. Als Zielgrößen der ambulanten Inanspruchnahme wurden folgende Kennzahlen gewählt:245

Anzahl der Arztkontakte

Anzahl kontaktierter Fachgruppen

Anzahl Kontakte bei Allgemeinmedizinern

Internisten

Kontakt-Wahrscheinlichkeit

Anzahl der Kontakte

Die Inanspruchnahme erklärenden Merkmale wurden nach dem Verhaltensmodell von Andersen in Predisposing Characteristic, Enabling Resources und Need klassifiziert. Die erklärenden Variablen und die Ergebnisse der Analyse sind in Tabelle 3-1 dargestellt.

← 64 | 65 → Tab. 3-1: Einflussfaktoren auf die Inanspruchnahme

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Quelle: Thode et al. (2004), S. 88.

← 65 | 66 → Im Rahmen der Studie wurden die Need-Faktoren – also der wahrgenommene bzw. objektiv ermittelte Bedarf – als die wichtigsten Einflussfaktoren auf das Inanspruchnahmegeschehen identifiziert. Ohne eine differenzierte Betrachtung nach Arztgruppen gilt allgemein, je höher die Morbidität in den letzten 12 Monaten bzw. im gesamten Leben (Anzahl der Krankheiten), desto häufiger werden Ärzte kontaktiert. Dazu gehören auch die Anzahl grippaler Infekte oder Vorliegen einer Behinderung (Erwerbsminderung). Bei Multimorbidität nimmt die Kontaktzahl zwar zu, allerdings nicht proportional zur Anzahl der Krankheiten. Hier kommt es zu Überlappungen in den Behandlungsanlässen.246

Losgelöst von dem objektiv messbaren Gesundheitszustand, hat der subjektive Gesundheitszustand247 einen von der objektiven Morbidität unabhängigen, signifikanten Einfluss auf die Anzahl der Arztkontakte über alle betrachteten Fachrichtungen hinweg. Wird der eigene Gesundheitszustand schlechter eingeschätzt, steigt die Anzahl der Arztkontakte. Wird der subjektive Gesundheitszustand differenzierter betrachtet und in subjektive körperliche und subjektive psychischer Gesundheit248 unterschieden, dominiert der psychische Einfluss sowohl bei der Zahl der Kontakte bei Ärzten insgesamt als auch bei der Zahl der Kontakte bei den übrigen Facharztgruppen die körperlichen Einflussfaktoren.249

Außerdem zeigt eine getrennte Betrachtung von Morbidität und subjektiver Gesundheit, dass der Einfluss auf die Inanspruchnahme bei jüngeren Leuten in etwa gleich stark ausgeprägt ist, wohingegen bei den älteren Menschen die subjektive Gesundheit einen stärkeren Einfluss auf die Inanspruchnahme hat.250 Für die Anzahl aller Arztkontakte ist außerdem die Wechselwirkung von Geschlecht und Verletzungen signifikant.251 Kein signifikanter Zusammenhang zwischen Inanspruchnahme und möglichen Einflussfaktoren besteht bei der Zahl der Schmerzorte.252

Neben der gesamten Anzahl der Arztkontakte wurden die Einflussfaktoren ebenfalls hinsichtlich der Anzahl der Kontakte bei Allgemeinmedizinern und ← 66 | 67 → Internisten untersucht. Darüber kann die Anzahl der kontaktierten Fachgruppen als Indikator für die Komplexität der Inanspruchnahme einer Person herangezogen werden.253

Als wichtigste Einflussgrößen auf die Zahl der kontaktierten Fachgruppen erweisen sich auch hier die Need Faktoren. Morbidität und subjektiver Gesundheitszustand haben einen signifikanten Einfluss auf die Anzahl kontaktierter Fachgruppen. Ferner zeigen Verletzungen und die Wechselwirkung zwischen Geschlecht und der Anzahl der Schmerzorte signifikante Auswirkungen auf die Inanspruchnahme. Die übrigen, in Tabelle 3-1 dargestellten Need Faktoren zeigen keinen signifikanten Einfluss auf die Anzahl kontaktierter Fachgruppen.254

Neben den Need Faktoren haben die Predisposing Faktoren den größten Einfluss auf die Anzahl der Arztkontakte insgesamt. Zu den signifikanten Faktoren gehören neben Geschlecht, Region (Ost / West), Raum (Stadt / Land) und Erwerbstätigkeit auch das Alter und dessen Wechselwirkungen mit dem Geschlecht. Den Ergebnissen zufolge kontaktieren Frauen, Ältere, Personen aus urbanisierten Gebieten und den neuen Bundesländern sowie Nicht-Erwerbstätige häufiger einen Arzt.255 Auf die Anzahl der Arztkontakte gesamt haben die Variablen Belastungen am Arbeitsplatz, Nationalität, Sozialschicht, Gesundheitsverhalten, Partnerschaft, Anzahl der Helfer im Notfall sowie die allgemeine Lebenszufriedenheit keinen signifikanten Einfluss.256

Bei der Anzahl kontaktierter Fachgruppen finden sich unter den Predisposing Faktoren bis auf die Erwerbstätigkeit die gleichen, wie zuvor genannten signifikanten Einflussfaktoren. Darüber haben auch die soziale Schicht, der Grad der sportlichen Aktivität und rauchen Einfluss auf die Zielgröße. Demnach kontaktieren ebenfalls sportliche und aus höheren sozialen Schichten stammende Personen sowie Nichtraucher mehr Fachgruppen.257

Der Großteil der Enabling Faktoren hat keinen signifikanten Einfluss auf die Anzahl der Arztkontakte oder die Anzahl kontaktierter Fachgruppen. Zu den nicht signifikanten Faktoren gehören Arztdichte, Angebotsstruktur (Allgemeinmedizineranteil), Abrechnungsmerkmale und Versicherungsart (privat/gesetzlich). Lediglich die Existenz eines Hausarztes hat einen signifikanten Einfluss auf die Anzahl der Arztkontakte und Anzahl kontaktierter Fachgruppen. Patienten mit einem Hausarzt haben bei beiden Zielgrößen eine erhöhte Kontakthäufigkeit, wobei Probanden mit Hausarzt mehr Fachgruppen in Anspruch nehmen.258 ← 67 | 68 → Insgesamt bestätigt die Untersuchung nicht, dass zwischen angebotsinduzierenden Faktoren und der Höhe und der Komplexität der Inanspruchnahme von Ärzten ein positiver Zusammenhang besteht.259

Eine Studie von Härtel260, die Bereits zu Beginn der 80er Jahre durchgeführt wurde, untersucht ebenfalls die Bedienungsfaktoren der individuellen Inanspruchnahme von medizinischen Hilfen.261 Dabei wurden insbesondere soziale und demografische Faktoren auf das Inanspruchnahmeverhalten hin untersucht, bei gleichzeitiger Berücksichtigung subjektiver und objektiver Merkmale der körperlichen Verfassung.262

Im Rahmen der Münchner Blutdruckstudie wurde als abhängige Variable der Inanspruchnahme unter anderem die Anzahl der Arztkontakte untersucht. Als unabhängige Variablen fließen Geschlecht, Alter, Familienstand, Anzahl der Personen im Haushalt, Ausbildungsjahre, Erwerbstätigkeit, berufliche Position, körperliche Verfassung, Anzahl chronischer Krankheiten, Höhe des Blutdrucks und Körpergewicht in die Analyse ein.263

So ließ sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Geschlecht und Anzahl der Arztbesuche feststellen, Frauen kontaktierten demnach häufiger einen Arzt. Dagegen zeigte das Alter bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Anzahl chronischer Krankheiten und der allgemeinen körperlichen Verfassung keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die Anzahl der Arztbesuche. Die häufigeren Arztkontakte älterer Menschen liegen demnach nicht am Alter per se, sondern an der generellen und im Vergleich zu jüngeren, schlechteren körperlichen Verfassung. Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen chronischen Krankheiten und Arztbesuchen, und zwischen gegenwärtiger körperlicher Verfassung und Arztbesuchen. Dieser ist je nach Geschlecht stärker oder schwächer ausgeprägt.264

Lediglich bei Frauen hatte die Anzahl der Personen im Haushalt einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Anzahl der Arztbesuche. Je mehr Personen im Haushalt, desto seltener suchten Frauen einen Arzt auf. Dagegen hat bei den Männern lediglich die Erwerbstätigkeit einen signifikanten Einfluss auf die Anzahl der Arztkontakte. Erwerbstätige Männer gehen häufiger zum Arzt als nichterwerbstätige. Einen weder bei Frauen noch bei Männern signifikanten Einfluss ← 68 | 69 → auf die Anzahl der Arztkontakte hatten die Einflussfaktoren Familienstand, Ausbildungsjahre, berufliche Position und Höhe des Blutdrucks.265

3.3.3 Zwischenfazit

An dieser Stelle sei zunächst darauf hingewiesen, dass in der wissenschaftlichen Diskussion der Begriff der Inanspruchnahme keineswegs eindeutig definiert ist. Die terminologischen Unklarheiten entstehen vor allem, weil in vielen empirischen Untersuchungen die Begriffe Inanspruchnahme, Bedarf, Bedürfnis, Nachfrage und Morbidität gleichgesetzt werden. Während es theoretische Modelle und Untersuchungen zur „Nachfrage nach Gesundheitsleistungen“ oder „Bedarf von Gesundheitsleistungen“ gibt, fehlt es an einer theoretischen Modellierung der „Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen“. Fernab der Theorie, kann von Inanspruchnahme allerdings nur dann explizit gesprochen werden, wenn der tatsächliche Handlungsvollzug stattgefunden hat. Dazu gehören beispielsweise der direkte Arztkontakt oder ein Krankenhausaufenthalt.266 Die Nachfrage bezieht sich dagegen auf den der Inanspruchnahme vorgelagerten Entscheidungsprozess.267

Neben der begrifflichen Problematik zeigen die bereits durchgeführten Studien der Inanspruchnahmeforschung, dass es eine große Anzahl potentieller erklärungsrelevanter Determinanten der Inanspruchnahme gibt. Allerdings sind die Ergebnisse nicht selten auch von den Modellspezifikationen und der damit einhergehenden Struktur und Verfügbarkeit der Daten abhängig. Interdependenzen zwischen den Determinanten (Multikausalität, Nichtlinearität und Interferenzen) oder Nicht-Berücksichtigung bestimmter Variablen erschweren die Ableitung von allgemeingültigen Aussagen. Die Erstellung eines umfassendes Erklärungsmodell des Inanspruchnahmegeschehens gestaltet sich äußerst schwierig, da sich nicht alle (potentiell) relevanten Variablen in einem Modell berücksichtigen lassen. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Zahl der relevanten Einflussfaktoren begrenzt ist. Zu diesen Schlüsselfaktoren gehören mit hoher Wahrscheinlichkeit der Gesundheitszustand (Morbidität) bzw. der Bedarf nach medizinischen Leistungen sowie die demografischen Strukturmerkmale.268

Dennoch lassen die für die Inanspruchnahme in Deutschland durchgeführte Studien von Thode und Kollegen269 sowie Härtel270 Rückschlüsse über die Signifikanz ← 69 | 70 → verschiedener Einflussfaktoren auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen zu. Zwar beschränken sich diese Untersuchungen auf den ambulanten Bereich, für die Untersuchung der individuellen Motivation der Inanspruchnahme ist dies jedoch entscheidend, da der stationären Inanspruchnahme in einem Großteil der Fälle ein ambulanter Kontakt vorausgeht.271 Aus den auf mikroökonomischer bzw. auf der Individualebene durchgeführten Regressions-analysen lassen sich zwar keine allgemeingültigen Aussagen ableiten, aber es können wertvolle Erkenntnisse hinsichtlich signifikanter Einflussfaktoren auf makroökonomischer Ebene der Personalnachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen gewonnen werden. Als maßgeblich für die Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen und damit auch die Nachfrage nach Gesundheitspersonal stellen sich somit folgende Einflussfaktoren oder Kombinationen aus diesen Einflussfaktoren heraus:

Geschlecht

Region

Raum (Stadt / Land)

Erwerbstätigkeit

Alter

Anzahl Krankheiten, chronische Krankheiten

subjektiver Gesundheitszustand

Neben der Identifikation der Einflussfaktoren ist es für die geplante Analyse entscheidend, ob sich diese Einflussfaktoren auf der makroökonomischen Ebene datentechnisch abbilden lassen. Dies wird im weiteren Verlauf der Arbeit diskutiert.

3.4 Beeinflussende Trends im Gesundheits- und Pflegewesen

Bei einer Bedarfsprognose im Gesundheits- und Pflegewesen sollte die Angebots- und Nachfrageseite modelliert und zusammengeführt werden.272 Die bisher aus Modellen der Arbeitsmarkttheorien, der Gesundheitsökonomie und der Sozialwissenschaften abgeleiteten Einflussfaktoren auf Angebot und Nachfrage werden nachfolgend um jene modellrelevanter Entwicklungen im Gesundheits ← 70 | 71 → und Pflegewesen ergänzt, die Personalangebot und -nachfrage im Gesundheitsund Pflegewesen mit beeinflussen (vgl. Kapitel 1).

Zu diesen, für das geplante Berechnungsmodell relevanten Trends des Gesundheits- und Pflegewesens, gehören:

Die demografische Entwicklung, aus der sich ein veränderndes Bild der Morbidität ergibt und die in bestimmten Berufszweigen zu einer zunehmenden Feminisierung und generell zu einer Alterung der Beschäftigten führt.

Die Entwicklung der Erwerbstätigkeit, mit einem zunehmenden Umfang von Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen.

Zunehmende Abwanderung von Gesundheitsdienstberufen in andere, attraktive Zweige der Gesundheitswirtschaft (z. B. Pharmaindustrie) oder andere Wirtschaftszweige.

Der medizinisch-technische Fortschritt, ausgelöst durch technologische Innovationen im Bereich der Medizintechnik, der Biotechnologie und der Pharmabranche, führt zu einer kontinuierlichen Weiterentwicklung neuer Verfahren der Diagnostik und Therapie.

Eine Ausweitung des Spektrums der ambulanten Gesundheitsversorgung bei gleichzeitiger Reduzierung des stationären Versorgungsspektrums.

Die dargestellten Trends beeinflussen die Personalsituation im Gesundheits- und Pflegewesen sowohl in qualifikatorischer als auch quantitativer Hinsicht.273 Nachfolgend werden die Determinanten beschrieben, welche die Personalsituation im ambulanten und stationären Sektor des Gesundheits- und Pflegewesens maßgeblich beeinflussen.

3.4.1 Die Demografische Entwicklung und ihre Auswirkungen

Unter dem Begriff demografische Entwicklung oder demografischer Wandel wird die Entwicklung der Zusammensetzung und regionale Verteilung der Bevölkerung in der Vergangenheit und Zukunft beschrieben. Diese Entwicklung hat bedeutende Auswirkungen auf alle Lebensbereiche.274 Zwei wesentliche Auswirkungen für das Gesundheits- und Pflegewesen sind die allgemeine Alterung der Bevölkerung und die damit einhergehende Veränderung der Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung. Während ersteres zu einem höheren Gesamtbedarf medizinischer und pflegerischer Leistungen führt, wird sich letzteres vor ← 71 | 72 → allem in einem schrumpfenden Arbeitsangebot niederschlagen, dessen Auswirkungen auch für das Gesundheits- und Pflegewesen messbar sind.275

Die Alterung der Bevölkerung und die Entwicklung der Altersstruktur in Deutschland sind seit langem bekannt. Während im Jahr 2008 in Deutschland gerade einmal 16,7 Mio. Menschen 65 Jahre und älter waren, werden es im Jahr 2030 schon ca. 22,3 Mio. sein. Dies entspricht einem Altenquotient276 von 52,8. Im Jahr 2008 betrug der Altenquotient noch 33,7. Bis zum Jahr 2060 wird sich der Anzahl der 65-Jährigen und älter zwar leicht auf 22,0 Mio. Personen reduzieren, allerdings beträgt der Altenquotient dann 67,4. In der Altersgruppe der über 80-Jährigen führt die steigende Lebenserwartung zu einer noch größeren prozentualen Zunahme. Während im Jahr 2008 in Deutschland gerade einmal 4,1 Mio. Menschen 80 Jahre oder älter waren, wird sich deren Zahl bis 2060 auf über 9 Mio. mehr als verdoppeln. Dagegen ist in der Altersgruppe der unter 20-jahrigen eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten. Diese Gruppe schwindet vom Jahr 2008 bis 2060 von 15,6 auf 10,1 Mio. Personen.277 Eine Analyse der Jahre vor 2008 macht deutlich, dass der demografische Wandel in Deutschland längst begonnen hat.278

Gerade die dargestellte Zunahme der höheren Altersgruppen wird die zukünftige Entwicklung der Krankheitsfälle beeinflussen, da das Erkrankungsrisiko, neben anderen Faktoren, stark mit dem Alter korreliert.279 Daraus kann abgeleitet werden, dass die Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegeleistungen steigen und sich deren Struktur wandeln wird. Es ist damit zu rechnen, dass verstärkt Leistungen nachgefragt werden, die mit Erkrankungen im hohen Alter bzw. der sich daraus ergebenden Pflegebedürftigkeit im Zusammenhang stehen.280

Neben den Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf die Nachfrageseite, ist hinsichtlich der Angebotsseite insbesondere die Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung und damit die Reduktion des Arbeitsangebots zu nennen. Der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter281 an der Gesamtbevölkerung ← 72 | 73 → geht von 60,6% im Jahr 2008 auf 50,4% in 2060 zurück (von 49,7 auf 32,6 Mio. Personen).282 Neben der generellen Alterung und damit einhergehenden Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung werden zukünftig hohe Ersatzbedarfe, d.h. Bedarfe aufgrund altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheidender Erwerbstätiger entstehen, die sich aufgrund der Schrumpfung der jüngeren Jahrgänge nicht durch Neuzugänge kompensieren lassen.283

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Quelle: Statistisches Bundesamt (2009), eigene Berechnung.

Abb. 3-5: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland nach Altersgruppen

Da die demografische Entwicklung auf viele Lebensbereiche wirkt, sind ihre Auswirkungen im Gesundheits- und Pflegewesen ebenfalls vielfältig. Aus diesem Grund werden im Folgenden weitere relevante Entwicklungen beschrieben, die durch die demografische Entwicklung bedingt sind, aber ihre eigenen Ausprägungen zeigen.

3.4.1.1 Morbidität und die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen

← 73 | 74 → Unter Morbidität wird die Krankheitshäufigkeit verstanden. Der Begriff leitet sich vom Lateinischen „morbidus“ (krank) ab.284 Er ist ein Sammelbegriff für die beiden Indikatoren Prävalenz und Inzidenz. Unter Prävalenz wird die Anzahl der Krankheitsfälle verstanden. Sie lässt sich für einen bestimmten Zeitpunkt oder für einen abgegrenzten Zeitraum bestimmen. Mit Inzidenz wird dagegen die Anzahl der Neuerkrankungen beschrieben.285

Diese Krankheitshäufigkeit ist für einzelne Erkrankungen statistisch sehr gut erfasst. Schwieriger ist die Erfassung des Zustandes „krank“ insgesamt (Gesamtmorbidität). Die Häufigkeit der Gesamtmorbidität kann statistisch kaum valide geschätzt werden, da beispielsweise das gleichzeitige Auftreten mehrerer Krankheiten (Multimorbidität) oder chronische Erkrankungen berücksichtigt werden müssten. Die Gesamtmorbidität wird daher in epidemiologischen Analysen vernachlässigt, stattdessen werden nur ausgewählte Krankheiten analysiert.286

Wie im vorherigen Abschnitt angedeutet, besteht ein Zusammenhang zwischen Alter und Morbidität bzw. Pflegebedürftigkeit. Während dieser Zusammenhang je nach Krankheit unterschiedlich deutlich ausfällt, ist er bei der Pflegebedürftigkeit signifikant vorhanden. In Verbindung mit der demografischen Entwicklung ist mit einer steigenden Anzahl von Pflegebedürftigen und Patienten im Gesundheitswesen zu rechnen, trotz einer insgesamt sinkenden Bevölkerung.287

Dabei nimmt nicht nur die Anzahl der Erkrankungen mit dem Alter zu, sondern auch deren Komplexität. Gleichzeitig leiden ältere Menschen häufig unter mehreren Erkrankungen gleichzeitig (Multimorbidität).288 Dies zeigt sich insbesondere bei der Anzahl der Krankenhausfälle, deren Anteile ab dem 60. Lebensjahr sowohl für Männer als auch Frauen stark zunimmt.289 Zudem wird es durch die demografische Entwicklung zu Verschiebungen im Diagnosespektrum kommen, da im Alter das somatische Krankheitsspektrum zu einem Großteil von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (bspw. Herzinsuffizienz, Angina pectoris, etc.), ← 74 | 75 → Krankheiten des Bewegungsapparates oder Krebserkrankungen dominiert wird.290

Für die Bedarfsprognose ist die zukünftige Entwicklung der Morbidität entscheidend. Vor dem Hintergrund einer in Deutschland weiter ansteigenden Lebenserwartung werden in der Wissenschaft zwei mögliche Szenarien diskutiert, die unter den Begriffen Expansions- bzw. Medikalisierungsthese und Kompressionsthese bekannt sind. Letztere unterstellt mit steigender Lebenserwartung auch eine längere „gesunde“ Lebensphase, die schwere Erkrankungen erst kurz vor dem Tod eintreten lässt. Dagegen wird in der Expansionsthese unterstellt, dass mit steigender Lebenserwartung die in Krankheit verbrachten Phasen zunehmen.291

Die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder haben aufbauend auf diesen beiden Thesen eine Prognose der zu erwartenden Krankenhausfälle bis zum Jahr 2030 vorgenommen (vgl. Abb. 3-6). Mit dem Status-Quo-Szenario wird eine Entwicklung entsprechend der Expansionsthese beschrieben, mit dem Szenario „sinkende Behandlungsquote“ werden die Annahmen der Kompressionsthese modelliert.

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Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2010), S. 16.

Abb. 3-6: Krankenhausfälle 2008 bis 2030 – Vergleich Status-Quo-Szenario und Szenario „sinkende Behandlungsquoten“

← 75 | 76 → Ausgehend von rund 17,9 Mio. Krankenhausfällen im Jahr 2008, zeigen die Prognosen deutlich unterschiedliche Entwicklungen für beide Szenarien. Während im Szenario „sinkende Behandlungsquote“ im Jahr 2020 ca. 18,3 Mio. Krankenhausfälle zu erwarten sind, liegt die Zahl im Status-Quo-Szenario eine halbe Million höher. Bis zum Jahr 2030 wird dieser Unterschied deutlich größer. Im Szenario „sinkende Behandlungsquote“ würde sich die Fallzahl auf den Wert von 2020 stabilisieren, im Status-Quo-Szenario werden mit 19,3 Mio. Krankenhausfälle dagegen 1 Mio. Fälle mehr erwartet. Unabhängig von der Eintrittswahrscheinlichkeit der Szenarien, können sie als Korridor der möglichen Entwicklung der Krankenhausfälle betrachtet werden.292

Neben den Krankheitsfällen in Krankenhäusern zeigen sich die Auswirkungen der demografischen Entwicklung vor allem bei der Anzahl der Pflegefälle. Diese betrugen im Jahr 1999 rund 2,02 Mio. und stiegen bis Ende 2011 auf 2,5 Mio. Personen an. Dieser Anstieg von knapp einer halben Million Pflegebedürftiger entspricht einer Zunahme von rund 24%. Im gleichen Zeitraum nahm der Anteil der Pflegebedürftigen an der Bevölkerung von 2,5% auf 3,1% zu. Etwa 65% der Pflegebedürftigen waren Frauen und 83% waren älter als 65 Jahre. Diese Zahlen zeigen, dass die Pflegebedürftigkeit mit zunehmendem Alter zunimmt. Die Pflegequote293 der 70- bis unter 75-Jährigen lag im Jahr 2011 bei 4,8% und steigt in den älteren Alterskohorten rapide an. Im Jahr 2011 betrug sie bei den über 90-Jährigen 57,8%.294

Die zukünftige Entwicklung der Pflegefälle lässt sich unter Beibehaltung des Status-Quo der Pflegequoten (Status-Quo-Szenario) und über die Verknüpfung mit der zu erwartenden Bevölkerungsstruktur schätzen.295 Die hier vorgestellte und vom Statistischen Bundesamt durchgeführte Modellrechnung verwendet dazu die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung.296 Darüber hinaus wurde vom Statistischen Bundesamt ein Szenario mit „sinkenden Pflegequoten“ berechnet, in dem von einem geringeren Pflegerisiko in den Altersklassen ausgegangen wird bzw. sich vor dem Hintergrund steigender Lebenserwartung die Pflegebedürftigkeit in ein höheres Alter verlagert.297 Die auf dem Jahr 2007 basierenden Projektionen sind in Abbildung 3-7 dargestellt.

← 76 | 77 →

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Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2010), S. 30.

Abb. 3-7: Pflegebedürftige insgesamt in Deutschland von 2005 bis 2050 – Vergleich Status-Quo-Szenario und Szenario „sinkende Pflegequote“

Im Status-Quo-Szenario ist mit einem Anstieg der Anzahl der Pflegebedürftigen von 2,25 Mio. Personen im Jahr 2007 bis auf 3,4 Mio. im Jahr 2030 zu rechnen. Dies entspricht einem Anstieg von rund 50%.298 Im Szenario „sinkende Pflegequoten“ steigt die Anzahl der Fälle lediglich auf rund 3,0 Mio. Pflegebedürftige bzw. 33% gegenüber dem Jahr 2007. Im weiteren Zeitverlauf würden beide Szenarienberechnungen noch weiter voneinander abweichen. Während sich im Status-Quo-Szenario die Zahl der Pflegebedürftigen bis auf 4,5 Mio. im Vergleich zu 2007 verdoppelt, beträgt der Anstieg im zweiten Szenario rund 67% auf 3,8 Mio. Pflegebedürftige.299

Auch wenn es sich bei den vorgestellten Ergebnissen der Entwicklung der Krankenhaus- und Pflegefälle um Hochrechnungen handelt, verdeutlichen sie die zukünftige Entwicklung eindrucksvoll. Unter der Voraussetzung, dass der heutige Maßstab an die gesundheitliche Versorgung auch in Zukunft angelegt werden soll, lässt sich bereits an dieser Stelle die sich daraus ableitende Personalnachfrage erahnen.

← 77 | 78 → 3.4.1.2 Alter der Beschäftigten

Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung spiegeln sich auch in der Altersstruktur der Beschäftigten des Gesundheits- und Pflegewesens wider. Am Beispiel der berufstätigen Ärzte lässt sich dieser Sachverhalt darstellen (vgl. Abb. 3-8).

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Quelle: Bundesärztekammer (2011), S. 5.

Abb. 3-8: Entwicklung des Durchschnittsalters der Ärzte

Seit Anfang der 1990er Jahre steigt das Durchschnittsalter der Ärzte kontinuierlich. In den Krankenhäusern ist es dabei deutlich geringer und steigt – zumindest seit 2005 – wesentlich moderater an. Ein Grund dafür ist auch in der Ausbildungsfunktion der Krankenhäuser zu suchen. Viele junge Mediziner machen ihre Facharztausbildung in einer stationären Einrichtung, dadurch ist immer ein gewisser „Nachschub“ an jungen Ärzten gesichert. Dagegen ist bei ambulant tätigen Vertragsärzten ein deutlich höheres Durchschnittsalter und auch ein stärkerer Anstieg dessen festzustellen. Im Jahr 2011 lag das Durchschnittsalter 11 Jahre über dem der Krankenhausärzte. Von den rund 124.000 ambulanten niedergelassenen Ärzten (Privatärzte und Vertragsärzte) im Jahr 2011 waren etwa 31.100 bzw. 25,1% 60 Jahre oder älter.300 Insbesondere im ambulanten Bereich ist demnach in den kommenden Jahren mit einem hohen Ersatzbedarf aufgrund altersbedingt ausscheidender Ärzte zu rechnen.

← 78 | 79 → Eine deutlich zunehmende Alterung zeichnet sich auch bei dem nichtärztlichen Personal im Gesundheits- und Pflegewesen ab. In Abb. 3-9 ist die Entwicklung dreier Alterskohorten der „übrigen Gesundheitsdienstberufe“301 dargestellt. Während im Jahr 2000 nur 13,1% der Beschäftigten 50 Jahre und älter waren, steigt deren Anteil auf 24,0% im Jahr 2011 an. Dies geschieht sowohl zu Lasten der mittleren Alterskohorte als auch zu Lasten der unter 35-Jährigen, die beide schrumpfen.302

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Quelle: GBE (2013c), eigene Berechnung.

Abb. 3-9: Altersstruktur der „übrigen Gesundheitsdienstberufe“

Ein ähnlicher Verlauf kann für die Sozialen Berufe festgestellt werden, hier nimmt der Anteil der über 50-Jährigen von 20,2% im Jahr 2000 auf 30,6% im Jahr 2011 zu. Allerdings bleibt der Anteil der unter 35-Jährigen mit rund 31,0% nahezu konstant. Bei insgesamt steigendem Beschäftigungsumfang spricht dies für eine konstante bzw. steigende Rate von Berufsanfängern. Dennoch nimmt auch hier die mittlere Alterskohorte 48,8% im Jahr 2000 auf 35,8% im Jahr 2011 deutlich ab.

← 79 | 80 → 3.4.2 Wandel der Erwerbstätigkeit

Die Analyse der Erwerbstätigkeit im Gesundheits- und Pflegewesen zeigt für die zurückliegenden Jahre zwei zentrale Entwicklungen. Zum einen ist ein zunehmender Umfang von Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen in Kombination mit einer zunehmenden Frauenerwerbstätigkeit bei ärztlichen Berufen zu verzeichnen. Zum anderen hat sich gezeigt, dass ein wachsender Anteil der Gesundheitsdienstberufe in anderen Zweigen der Gesundheitswirtschaft (z. B. Pharmaindustrie) oder branchenfremden Wirtschaftszweigen arbeitet, in denen attraktivere Arbeitsbedingungen vorzufinden sind. Diese Entwicklungen werden im Folgenden detaillierter beschrieben.

3.4.2.1 Arbeitszeitverkürzung und Teilzeitarbeit

In Deutschland ist ein allgemeiner Trend zu kürzeren Arbeitszeiten zu beobachten. Zwischen den Jahren 1991 und 2010 sank die durchschnittliche Jahresarbeitszeit pro Erwerbstätigem in Deutschland von 1.552 auf 1.408 Stunden.303

Auch im Gesundheits- und Pflegewesen ist dieser Trend zu beobachten. Berechnungen der Bundesärztekammer zeigen speziell für berufstätige Ärzte, dass die insgesamt geleisteten Arbeitsstunden zwischen den Jahren 2000 und 2007 um 1,6% zurückgegangen sind, obwohl im gleichen Zeitraum die Zahl der Ärzte um 6,9% gestiegen ist. Ähnliches lässt sich auch bei der alleinigen Betrachtung des stationären Sektors feststellen. Dort stieg die absolute Zahl der beschäftigten Ärzte vom Basisjahr 2000 bis zum Jahr 2007 um 8,0% an, die geleisteten Arbeitsstunden nahmen jedoch um 0,3% ab.304

Dieser trendmäßige Rückgang der insgesamt geleisteten Arbeitsstunden bei gleichzeitig steigenden Beschäftigungszahlen, resultiert zum einen aus zunehmend kürzeren Arbeitszeiten bei männlichen Beschäftigten und zum anderen aus einem wachsenden Frauenanteil in den Arztberufen. Die Zahl der zugelassenen Ärztinnen ist in der Vergangenheit stetig gestiegen. Von den 342.000 berufstätigen Ärzten des Jahres 2011 waren 43,8% Frauen. Verglichen mit dem Anteil des Jahres 1991 (33,6%), ist eine deutliche Zunahme erkennbar.305 Dieser Trend sollte sich noch weiter verstärken, da heute etwa 61% aller Medizinstudenten weiblich sind.

Die zunehmende Feminisierung in den ärztlichen Berufen wirkt sich deshalb negativ auf das geleistete Arbeitsvolumen aus, weil insbesondere Ärztinnen mittleren Alters vorwiegend Teilzeitstellen nachfragen. Maßgeblich verantwortlich ← 80 | 81 → dafür ist die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf.306 Der Vergleich der wöchentlichen Arbeitsstunden zwischen weiblichen und männlichen Ärzten zeigt dies deutlich. So ist der Anteil der Frauen unter den Beschäftigten, die weniger als 40 Stunden pro Woche arbeiten größer, und bei den Beschäftigten, die mehr als 45 Stunden arbeiten, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, niedrig (vgl. Tab. 3-2). Laut Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit, leisten Frauen im Schnitt nur 72% der Arbeitszeit von Männern im gleichen Beruf. Diese Beispiele verdeutlichen, dass mit zunehmendem Frauenanteil mehr Ärzte beschäftigt werden müssen, um das Leistungsvolumen konstant zu halten.307 Bei den behandelnden Patienten pro Hausarzt zeigt sich ein ähnliches Bild. Durchschnittlich behandeln männliche Hausärzte gut 25% mehr Krankheitsfälle (~930) als ihre weiblichen Kolleginnen (~680).308

Tab. 3-2: Vergleich der Wochenarbeitszeit bei Ärzten

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Quelle: Kopetsch (2010), S. 136.

Die Herausforderung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie besteht nicht nur bei Ärzten. Die gleiche Problematik bezüglich Arbeitszeiten und -bedingungen trifft auch auf die nichtärztlichen Berufsgruppen im Gesundheitsund Pflegewesen zu. Hier ist der Frauenanteil teilweise wesentlich höher (vgl. Abb. 3-10). So hat sich deren Anteil in den übrigen Gesundheitsdienstberufen und den sozialen Berufen im dargestellten Zeitverlauf zwar minimal verringert, ist mit 86,8% bzw. 85,5% im Jahr 2011 aber nach wie vor auf einem hohen Niveau. Hier kann zwar nicht von einer zunehmenden Feminisierung gesprochen werden, allerdings erscheint es vor dem Hintergrund der zurückliegenden Entwicklung äußerst unwahrscheinlich, dass diese Berufsgruppen in Zukunft einen deutlich höheren Männeranteil aufweisen werden.

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Quelle: GBE (2013c), eigene Berechnung.

Abb. 3-10: Frauenanteil in ausgewählten Berufsgruppen

Die skizzierte Teilzeitproblematik erfordert bei der Analyse von Personalangebot und -nachfrage eine Normierung der Größen. Die reine Betrachtung von Köpfen, d.h. Personen, ist allein nicht aussagekräftig. Vielmehr müssen Angebot und Nachfrage auch in sogenannten Vollzeitäquivalenten (VZÄs)309 berechnet werden. Der Arbeitskräftebedarf, ausgedrückt in VZÄs, ist eine definierte Größe und spiegelt die tatsächlich benötigte Arbeitsleistung wider.

Ein Vergleich der Entwicklung der VZÄ im Verhältnis zur Beschäftigungsentwicklung in Köpfen verdeutlicht die zuvor beschriebene Entwicklung. In Abbildung 3-11 sind die VZÄ-Quoten (Beschäftigte in VZÄ/Beschäftigte in Köpfen) für drei Berufsgruppen in den ambulanten und stationären Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesen dargestellt.310

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Quelle: GBE (2013d), GBE (2013e), eigene Berechnung.

Abb. 3-11: Entwicklung der VZÄ-Quote als Verhältnis von Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten zu Köpfen

Während die VZÄ-Quote bei den Ärzten in den Jahren 2000 bis 2011 zwar spürbar, aber eher moderat von 0,91 auf 0,89 sinkt, ist diese Entwicklung bei den übrigen Gesundheitsdienstberufen311 und den sozialen Berufen312 deutlicher ausgeprägt. Die VZÄ-Quote der übrigen Gesundheitsberufe fällt im Betrachtungszeitraum um 6,4%, bei den sozialen Berufen sinkt sie sogar um 13,7%. Diese Analyse zeigt, dass die Anzahl der Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse in den betrachteten Berufsgruppen zunimmt.

Was diese Entwicklung der VZÄ-Quoten im konkreten Fall bedeutet, ist in Abb. 3-12 dargestellt. Dort ist die Beschäftigungsentwicklung der übrigen Gesundheitsdienstberufe in Krankenhäusern als Indexreihe dargestellt. Ausgehend vom Jahr 2000 wurden bis zum Jahr 2011 insgesamt 4,8% zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse in dieser Berufsgruppe aufgebaut. Allerdings korrespondiert dies mit einem Rückgang der Vollkräfte (Vollzeitäquivalente) um 1,5% im gleichen Zeitraum.

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Quelle: GBE (2013d), GBE (2013e), eigene Berechnung.

Abb. 3-12: Beschäftigungsentwicklung der „übrigen Gesundheitsdienstberufe“ nach Vollkräften und Köpfen in Krankenhäusern

Diese Abbildung verdeutlicht, dass bei der Analyse von Personalangebot und -nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen eine Normierung auf Vollzeitäquivalente erfolgen muss.

3.4.2.2 Teilnahme an der gesundheitlichen Versorgung

Neben dem Trend der Arbeitszeitverkürzung bzw. zunehmender Teilzeitarbeit unter den Gesundheitsdienstberufen, zeigt sich eine weitere trendmäßige Entwicklung, die ebenfalls negative Auswirkungen auf das Angebotspotenzial im Gesundheits- und Pflegewesen hat. In Abb. 3-13 ist die Entwicklung der bei den Ärztekammern registrierten Ärzten nach Tätigkeitsbereich dargestellt. Seit Beginn der 1990er Jahre sinkt der Anteil der Ärzte, die tatsächlich einer ärztlichen Tätigkeit nachgehen, kontinuierlich. Im Jahr 2009 gingen lediglich drei viertel aller registrierten Ärzte einer ärztlichen Tätigkeit nach. Über 24% waren anderweitig beschäftigt. Dieser Trend hat sich erst in den letzten beiden Jahren stabilisiert und ist mit 23,9% leicht rückläufig.

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Quelle: GBE (2013a), eigene Berechnung.

Abb. 3-13: Bei den Ärztekammern registrierte Ärzte nach Tätigkeitsbereich

Laut einer Umfrage des Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherheit (BMGS) aus dem Jahr 2004 sind neben der nicht als leistungsgerecht empfundenen Entlohnung und der zunehmenden bürokratischen Belastung der ärztlichen Tätigkeit vor allem die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf Gründe für den Ausstieg aus der kurativ ärztlichen Berufstätigkeit.313 Im letzten Aspekt spiegelt sich auch die Feminisierung der ärztlichen Berufe wider, da gerade bei Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Berufe einen besonders hohen Stellenwert besitzt.

Darüber hinaus hat seit den 1990er Jahren eine Ausdifferenzierung des Arbeitsmarktes und der Beschäftigungsmöglichkeiten für Mediziner stattgefunden. Heute gibt es neben der kurativen Tätigkeit in ambulanten oder stationären Einrichtungen alternative Tätigkeitsmöglichkeiten, die von Ärzten genutzt werden. So locken Tätigkeiten im Gesundheitsmanagement, im Bereich Arbeitsmedizin oder in den Bereichen Forschung, Medizininformatik, Medizinjournalismus und im Vertrieb für Pharmaprodukte. Es ist davon auszugehen, dass diese Bereiche auch in Zukunft eine bedeutende Nachfrage nach Medizinern generieren werden und sich dadurch die Situation in der gesundheitlichen Versorgung weiter verschärft.314

Auch bei den nichtärztlichen Berufen lassen sich differenzierte Aussagen über die Teilnahme an der gesundheitlichen Versorgung machen. Auf Basis des Mikrozensus aus dem Jahr 2005 und im Rahmen der in Kapitel 2.2.2 vorgestellten ← 85 | 86 → Prognose wurde von Afentakis und Maier eine Analyse der beruflichen Flexibilität vorgenommen. Die Ergebnisse sind in Tab. 3-3 dargestellt.

Tab. 3-3: Berufswechsler in ausgewählten pflegerischen Berufen

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Quelle: Afentakis/Maier (2010), Daten Mikrozensus 2005.

Mit der beruflichen Flexibilität beschrieben die Autoren das Verhalten bezüglich eines Berufswechsels und differenzieren dies nach Berufsordnung bzw. Berufsfeld. Als Stayer werden demnach jene Arbeitnehmer bezeichnet, die in ihrem erlernten Beruf bleiben bzw. weiter arbeiten. Mover sind dagegen jene Individuen, die ihren erlernten Beruf verlassen. Die Ergebnisse des Mikrozensus zeigen, dass 76,4% der Gesundheits- und Krankenpfleger in ihrem erlernten Beruf bleiben, dichtgefolgt von Altenpflegern, die zu 74,4% ihrem erlernten Beruf treu bleiben. Wird das gesamte Berufsfeld 48 betrachtet, ist die Rate der Stayer mit 85,8% bzw. 87,3% deutlich höher. Insgesamt scheint der Verbleib im erlernten Beruf auch von der Ausbildungsdauer abzuhängen. So zeigen die Helferberufe – die in der Regel nur eine ein- oder zweijährige Ausbildung erfahren haben – mit 49,9% einen wesentlich geringeren Verbleib im erlernten Beruf.315

Von Hackmann und Müller wurde im Rahmen einer repräsentativen Stichprobe unter Pflegekräften – mit 687 Teilnehmern – im Landkreis Reutlingen u.a. die Berufsverweildauer bzw. die Zeit bis zum Ausstieg aus dem Pflegeberuf ermittelt. Für die Pflegeberufe in den Kreiskliniken ergibt die Umfrage einen Mittelwert von 19,3 Jahren, gefolgt von 17,1 Jahren in den ambulanten Pflegediensten. Mit einem deutlichem Abstand bzw. 12 Jahren Verweildauer folgen die Pflegeberufe in stationären Pflegeeinrichtungen. Die Autoren merken allerdings kritisch an, dass von der ermittelten Verweildauer nicht auf die tatsächliche Berufsverweildauer ← 86 | 87 → geschlossen werden darf.316 Dennoch zeigen die Ergebnisse, und dies ginge mit anderen Studien konform, dass die Verweildauer der Altenpflegekräfte deutlich geringer als die der Pflegekräfte in Krankenhäusern ist.317 Den Untersuchungen von Afentakis und Maier bzw. Hackmann und Müller liegen zwar keine Längsschnittdaten zugrunde und folglich kann kein Trend für die dort betrachteten Berufsgruppen abgleitet werden. Die Ergebnisse verdeutlichen allerdings, dass eine kurze Berufsverweildauer das Arbeitsangebot in den jeweiligen Berufen negativ beeinflussen kann.

3.4.3 Medizinisch-technischer Fortschritt und Arbeitsproduktivität

Unter dem Begriff medizinisch-technische Fortschritt im Gesundheitsbereich werden zum einen Produktinnovationen wie beispielsweise neue Therapieverfahren oder Medikamente zusammengefasst. Zum anderen werden darunter auch Prozessinnovationen verstanden, die es erlauben, einen bestimmten Gesundheitszustand kostengünstiger als bisher „herzustellen“. Diese Innovationen führen somit zu einer Verbesserungen der Gesundheitsversorgung und damit des Gesundheitszustandes der Menschen. Gleichzeitig erzeugen sie eine Nachfrage nach neuen, bisher nicht möglichen Gesundheitsleistungen, die im Rahmen von Produktinnovationen entstehen. Dabei kann von einer gegenseitigen Beeinflussung von demografischem Wandel und medizinisch-technischem Fortschritt ausgegangen werden, ohne dass sich dieser Effekt genau quantifizieren lässt. Die Lebenserwartung der Bevölkerung wird durch den medizinisch-technischen Fortschritt positiv beeinflusst. Gleichzeitig wirkt sich die gestiegene Lebenserwartung nachfragesteigernd auf Gesundheitsleistungen aus, die wiederum zu höheren Gesundheitsausgaben und damit Ausgaben für Forschung und Entwicklung führen.318

Ein weiterer Effekt des medizinisch-technischen Fortschritts spiegelt sich, neben der Nachfrageausweitung, in einer zunehmenden Spezialisierung des Gesundheitspersonals wider. Komplexere Technologien und Prozeduren fördern die Entwicklung von medizinischen Spezialisten, insbesondere in den ärztlichen Berufen im stationären Sektor. Es ist davon auszugehen, dass es zu einer zunehmenden ← 87 | 88 → Dichotomisierung zwischen Spezialisten und Generalisten kommen wird.319

Vom medizinisch-technischen Fortschritt kann die Arbeitsproduktivität positiv beeinflusst werden.320 Produktivität bezieht sich auf die, pro Zeiteinheit durch das Gesundheitspersonal erbrachte Leistung. Bei einer gesteigerten Arbeitsproduktivität können Arbeitsanbieter mehr Leistungen pro Zeiteinheit erbringen. Somit ist die Produktivität eine entscheidende Quelle für Wachstum im Gesundheitswesen. Dennoch sind dieser Entwicklung in gewissen Bereichen des Gesundheits- und Pflegewesens Grenzen gesetzt. Bei überwiegend arbeitsintensiven Tätigkeiten, insbesondere in der Pflege, lässt sich die Arbeitsproduktivität nicht kontinuierlich steigen. Daneben ist die Arbeitsproduktivität der Beschäftigten auch von dem Einsatz anderer, humaner und nicht-humaner Ressourcen abhängig. So können beispielsweise krankenhausspezifische Inputfaktoren (z. B. Bettenzahl, medizinische Ausstattung, Fallzahl, Spezialisierungsgrad, etc.) die Arbeitsproduktivität einer Krankenschwester beeinflussen.321

3.4.4 Einrichtungsspezifische Verschiebungen – Ambulantisierung

Der Begriff Ambulantisierung beschreibt die Verlagerung von ehemals stationär erbrachten gesundheitlichen Versorgungsleistungen in den ambulanten Sektor. Dieser Prozess beschleunigt sich seit der Einführung des Gesundheitsstrukturgesetzes im Jahr 1993, das den Krankenhäusern die Erbringung eines ambulanten Leistungsspektrums (Behandlungen, Operationen) einräumte.322 Zwischen den Jahren 1996 und 2011 ist beispielsweise die Zahl ambulanter Operationen in Krankenhäusern von rund 118.000 auf 1.801.000 gestiegen.323

Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend in Zukunft fortsetzen wird. Der zunehmende Kostendruck zwingt die politischen Entscheidungsträger, die Nutzung der kostenintensiven stationären Behandlungen zu reduzieren und damit langfristig eine Dämpfung des Anstiegs der Gesundheitsausgaben zu erreichen.324 Die Ambulantisierung wird allerdings nicht nur durch die Kosten getrieben, sondern ebenfalls vom medizinisch-technischen Fortschritt positiv beeinflusst. ← 88 | 89 → Erst dieser ermöglicht die Verlagerung stationären Behandlungen in den ambulanten Bereich.325

Die Entwicklungen der Ambulantisierung könnten langfristig sogar einen positiven Beitrag bei der Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgungen in ländlichen Regionen leisten. Über mehrere kleinere ambulante Versorgungseinheiten (beispielsweise Medizinische Versorgungszentren (MVZ)) anstelle einer zentralen stationären Einrichtung, könnte die nötige Versorgungsdichte auch dort sichergestellt werden, wo sich aufgrund der demografischen Entwicklung keine zentralen stationären Einrichtungen mehr betreiben lassen. Davon profitieren insbesondere ältere, wenig mobile Menschen oder Menschen mit chronischen Erkrankungen, die auf ortsnahe Behandlungsmöglichkeiten angewiesen sind.326

Im Pflegewesen hat sich in der Vergangenheit der Trend weg von der „informellen Pflege“ durch Angehörige hin zur professionellen Pflege in ambulanten oder stationären Pflegeeinrichtungen gezeigt. Dies äußert sich in einem Rückgang der Pflegegeldempfänger, deren Anteil an allen Pflegefällen sich von 51,0% im Jahr 1999 auf 45,6% sank. Dieser Rückgang der informellen Pflege wurde von der stationären und ambulanten Pflege aufgefangen, deren Anteil an allen Pflegefällen von 28,4% im Jahr 1999 auf 30,7% im Jahr 2009 bzw. von 20,6% auf 23,7% anstieg. Es ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung auch in Zukunft anhalten wird. Dafür sind u. a. der demografisch bedingte Rückgang von informellen Pflegekräften, die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen sowie die zunehmende räumliche Distanz zwischen Eltern und ihren Kindern (als potentielle informelle Pflegekräfte) verantwortlich.327 Für die Personalsituation im Pflegewesen bedeutet dies, dass in Zukunft neben dem absoluten Anstieg der Pflegefälle durch die relative Verschiebung zwischen den informellen und professionellen Versorgungsarten zusätzliches Personal benötigt werden könnte.

3.5 Zwischenfazit und Ableitung von Angebots- und Nachfragedeterminanten

Die arbeitsmarkttheoretische Betrachtung hat gezeigt, dass für eine aussagekräftige Personalbedarfsprognose im Gesundheits- und Pflegewesen beide Seiten, d.h. sowohl die zukünftige Nachfrage als auch das potenzielle Arbeitsangebot ← 89 | 90 → gegenübergestellt werden müssen. Nur so können eventuelle Mismatches identifiziert und geeignete Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Ob tatsächlich ein Mismatch, also die „Nicht-Passung“ von Angebot und Nachfrage, vorliegt und nicht nur ein rein quantitatives Ungleichgewicht herrscht, kann allerdings nur beurteilt werden, wenn Arbeitsangebot und -nachfrage differenziert betrachtet werden und vergleichbare Merkmale aufweisen. Dies liegt daran, dass die Mismatchproblematik sehr vielschichtig ist und eine komplexe und umfassende Betrachtung der Dimensionen erforderlich ist. Es werden Informationen darüber benötigt, welche Qualifikation (Berufe, Fachrichtungen), zu welchem Zeitpunkt (Jahr), an welchem Ort (Region) und in welcher Einrichtung (Sektor) benötigt werden.

Die Darstellungen in diesem Kapitel haben gezeigt, dass sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden. Die im Zuge dieser Arbeit als relevant einzustufenden Determinanten, ihre Wechselwirkungen sowie deren Einflüsse auf Arbeitsangebot und -nachfrage, sind in Abb. 3-14 dargestellt.

Die zwei wesentlichen Einflussfaktoren auf die Personalnachfrage und das Personalangebot sind epidemiologische und demografische Komponenten. Dabei beeinflusst die demografische Entwicklung zum einen das Angebot an Fachkräften. Zum anderen stellt sie die entscheidende Einflussgröße für die Entwicklung der epidemiologischen Komponente dar.

Auf der Angebotsseite wirken, wie in Kapitel 3.4.1 dargestellt, die Prozesse der demografischen Veränderung vor allem auf die geschlechts-, alters- und regionalspezifische Verteilung der Bevölkerung. Damit wirken sie auch direkt auf das für das Gesundheits- und Pflegewesen relevante Arbeitsangebot. Dessen Anzahl und Struktur wird sich unter den im vorherigen Kapitel beschriebenen Trends ändern. Für die Bedarfsprognose ist aus diesem Grund erforderlich, soziodemografische Merkmale bei der Berechnung des Arbeitsangebots zu berücksichtigen. Dadurch ist es möglich, Veränderungen im Bestand – beispielsweise durch Renteneintritte – über die Zeit zu modellieren. Ferner müssen die zukünftigen Studien- und Ausbildungsabsolventen antizipiert werden, um zum gesamten Angebotspotenzial differenziert nach Berufen, Alter, Geschlecht und Region zu gelangen.

Um vom möglichen gesamten Angebotspotenzial auf die dem Gesundheits- und Pflegewesen zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte zu gelangen, müssen in einem weiteren Schritt Teilnahme- und Vollzeitquote berücksichtigt werden. Diese werden indirekt von den auf dem Arbeitsmarkt herrschenden Arbeitsbedingungen wie Entlohnung, Arbeitszeiten etc. beeinflusst. Mit der Teilnahmequote wird dem in Kapitel 3.4.2.2 beschriebenen Sachverhalt Rechnung getragen, dass ein relevanter Anteil der Gesundheitsdienstberufe nicht in den ← 90 | 91 → ambulanten und stationären Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesen arbeitet. Sie ist erforderlich, um die tatsächlich zur Verfügung stehen Arbeitskräfte zu bestimmen. Ferner kann durch die Berücksichtigung einer Vollzeitquote der in Kapitel 3.4.2.1 beschriebene Trend hin zu mehr Teilzeitbeschäftigung in den Berechnungen abgebildet werden. Wenn die Vollzeitquote, definiert als der Quotient aus Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten zu Beschäftigten in Köpfen, berücksichtigt wird, kann das tatsächliche Arbeitsangebot in Vollzeitäquivalenten berechnet werden. Ebenfalls differenziert nach Berufen, Alter, Geschlecht und Region.

Auf der Nachfrageseite besteht ein enger Zusammenhang zwischen Alter und Geschlecht als demografische Komponenten und Morbidität bzw. Pflegebedürftigkeit als epidemiologische Komponenten. Die demografische Entwicklung und die sich daraus ergebende Alterung der Gesellschaft werden zukünftig zu einer steigenden Anzahl von Krankheits- und Pflegefällen führen. Die bei der Nachfrageprognose zu berücksichtigenden und für die Inanspruchnahme relevanten Determinanten sind insbesondere alters- und geschlechtsspezifische Prävalenz- und Inzidenzraten. Daneben sind eine Reihe weiterer individueller Faktoren relevant für die Inanspruchnahme. Dazu gehören beispielsweise der subjektive Gesundheitszustand der Individuen, die soziale Schicht, der kulturelle Hintergrund oder der Grad der sportlichen Aktivität.

Darüber hinaus wird die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen vom medizinisch-technischen Fortschritt beeinflusst, der fortlaufende neue Untersuchungen, Therapieverfahren und Eingriffe ermöglicht, aus denen neue Gesundheitsleistungen entstehen. Gleichzeitig kann der medizinisch-technische Fortschritt menschliche Arbeitsleistungen steigern, was zu einer Erhöhung der Arbeitsproduktivität führen kann.

Neben diesen Faktoren sind die Art und der Umfang der Inanspruchnahme von Gesundheits- und Pflegeleistungen entscheidend von den im Rahmen der Gesundheitspolitik formulierten Gesundheitszielen abhängig. Diese definieren beispielsweise die räumliche Abdeckung der Gesundheits- und Pflegeversorgung, den für die Behandlung von bestimmten Krankheiten oder Pflegefällen vorgesehenen Leistungsumfang und die Finanzierung dieses Leistungsspektrums. Damit ist die Personalnachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen zum einen indirekt von den Gesundheitszielen und zum anderen direkt von den in Anspruch genommenen Gesundheitsleistungen abhängig.

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Quelle: eigene Darstellung.

Abb. 3-14: Zusammenhang der Einflussfaktoren im Gesundheitswesen

Der dargestellte Sachverhalt ist in Abb. 3-14 skizziert und stellt die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Arbeitsnachfrage und -potenzial im Gesundheits- und Pflegewesen heraus. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird nach erfolgter Abgrenzung des Untersuchungsgebiets und im Rahmen der methodischen Darstellung des Berechnungsmodells diskutiert, welche der dargestellten Einflussfaktoren sich unter Berücksichtigung der verfügbaren Datenbasis quantifizieren lassen. Dabei ist vor allem die Quantifizierung derjenigen Einflussfaktoren von Interesse, die durch Steuerungsansätze durch die Politik beeinflusst werden können.328

_________________

137 “Health workers are people whose job it is to protect and improve the health of their communities.” WHO (2006), S. 1.

138 Vgl. Dussault et al. (2010a), S. 3f.

139 Vgl. Ebd., S. 5f.

140 Vgl. Ebd., S. 6.

141 Vgl. Dussault et al. (2010a), S. 5.

142 Vgl. Ebd., S. 6.

143 Vgl. Ebd., S. 6f.

144 Vgl. Lärm (1982), S. 66f, S. 94.

145 Vgl. Sesselmeier et al. (2010), S. 76.

146 Vgl. Lärm (1982), S. 78.

147 Vgl. Sesselmeier et al. (2010), S. 78f.

148 Vgl. Lärm (1982), S. 76ff.

149 Vgl. Sesselmeier et al. (2010), S. 80.

150 Vgl. Ebd., S. 84.

151 Vgl. Gartner (2012), S. 84.

152 Vgl. Blanchard/Illing (2004), S. 188.

153 Vgl. Ebd., S. 188f.

154 Vgl. Blanchard/Illing (2004), S. 189.

155 Vgl. Ebd., S. 190.

156 Vgl. Ebd., S. 190f.

157 Vgl. Ebd., S. 191f.

158 Vgl. Blanchard/Illing (2004), S. 202f.

159 Vgl. Ebd., S. 193ff.

160 Vgl. Blanchard/Illing (2004), S. 194ff.

161 Vgl. Ebd., S. 204.

162 Vgl. Ebd., S. 86.

163 Vgl. Gartner (2012), S. 85.

164 Vgl. Wagner/Jahn (1997), S. 64.

165 Vgl. Lärm (1982), S. 98.

166 Vgl. Wagner/Jahn (1997), S. 64.

167 Vgl. Garloff (2003), S. 2f.

168 Vgl. Franz (1999), S. 206f.

169 Vgl. Buttler/Gerlach (1988), S. 687.

170 Vgl. Apolte (2004), S. 21.

171 Vgl. Franz (1999), S. 208f.

172 Vgl. Apolte (2004), S. 21.

173 Die Problematik der Auswahl eines geeigneten Kandidaten für einen bestimmten Arbeitsplatz ist Gegenstand zahlreicher Modelle. Siehe hierzu Peterson (1972), McCall (1972) sowie Lippman/McCall (1976).

174 Vgl. König (1979), S. 87f.

175 Vgl. Franz (1999), S. 211.

176 Vgl. König (1979), S. 89f.

177 Vgl. Franz (1999), S. 211.

178 Vgl. Franz (1999), S. 191ff.

179 Vgl. Ebd., S. 213.

180 Vgl. Apolte (2004), S. 17.

181 Vgl. Entorf (1996), S. 139.

182 Vgl. Schmid et al. (2002), S. 7.

183 Vgl. Apolte (2004), S. 17.

184 Vgl. Loo et al. (2009), S. 1.

185 In Anlehnung an Franz (1999), S. 223 sowie Schmid et al. (2002), S. 7ff.

186 Vgl. Schmid et al. (2002), S. 9.

187 Vgl. Blossfeld et al. (2011), S. 123.

188 Vgl. Schmid et al. (2002), S. 9.

189 Vgl. Ebd., S. 8f.

190 Dies gelingt nicht immer, sei es aufgrund einer zu geringen finanziellen und personellen Ausstattung des Arbeitsamts und durch Vermittlung von ungeeigneten Bewerbern. Vgl. Ebd., S. 11.

191 Vgl. Ebd., S. 10f.

192 Vgl. Franz (1999); S. 223.

193 Vgl. hierzu beispielhaft Magvas/Spitznagel (2001), S. 2ff. Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass nur ein Bruchteil der Vakanzen in den Unternehmen tatsächlich der Bundesagentur für Arbeit gemeldet wird. In den Jahren 1991 bis 2000 schwankte die Meldequote zwischen 32% und 39%.

194 Vgl. Schmid et al. (2002), S. 7.

195 Vgl. Loo et al. (2009), S. 1.

196 Vgl. z. B. Abraham (1991); Schettkat (1992); Entorf (1996); Schmid/Baden (2003).

197 Vgl. Schmid et al. (2002), S. 7f.

198 Vgl. Loo et al. (2009), S. 4.

199 Vgl. Guggisberg/Spycher (2005), S. 1f.

200 Vgl. Andersen/Schwarze (2003), S. 8.

201 Vgl. Grossman (1972).

202 Vgl. Wagstaff (1986), S. 195.

203 Vgl. Ebd.

204 Vgl. Breyer/Zweifel (1997), S. 65ff.

205 Vgl. Thode et al. (2004), S. 10.

206 Vgl. Breyer/Zweifel (1997), S. 65ff.

207 Ebd., S. 69.

208 Mangelnde Steuerbarkeit bezieht sich auf die eingeschränkten Möglichkeiten auf Nachfrageschwankungen zu reagieren. Mangelnde Handelbarkeit bezieht sich auf die Tatsache, dass der Gesundheitszustand eines Individuums nicht an andere verkauft werden kann. Vgl. Ebd., S. 63.

209 Vgl. Ebd., S. 62ff.

210 Vgl. Ebd., S. 61ff.

211 Vgl. Thode et al. (2004), S. 10.

212 Vgl. Muurinen (1982).

213 Vgl. Wagstaff (1986).

214 Wagstaff (1986); Leu/Gerfin (1992); Leu/Doppmann (1986); Duan et al. (1984); Newhouse/Phelps (1974); Zweifel (1985).

215 Vgl. Breyer/Zweifel (1997), S. 69ff.

216 Vgl. Ebd., S. 70f.

217 Vgl. Breyer/Zweifel (1997), S. 71.

218 Vgl. Ebd., S. 72f.

219 Die Entwicklung des Modells von Ende der 1960er Jahre bis zu seinem aktuellen Stand aus dem Jahr 1995 wird in Andersen (1995) skizziert.

220 Vgl. Andersen/Schwarz (1997), S. 16f.

221 Aufgrund der unterschiedlichen vorhandenen Übersetzungen ins Deutsche wird an dieser Stelle auf eine eigene Übersetzung verzichtet. Vgl. Thode et al. (2004), S. 15. Andersen/Schwarze (2003) verwenden die Begriffe prädisponierende Merkmale, ermöglichende Merkmale und Bedarf/Bedürfnis/Morbidität.

222 Vgl. Thode et al. (2004), S. 16f.

223 Vgl. Andersen/Schwarze (2003), S. 11f.

224 Vgl. Thode et al. (2004), S. 17.

225 Vgl. Andersen/Schwarze (2003), S. 12f.

226 Vgl. Andersen (1995), S. 2.

227 Vgl. Andersen/Newman (2005), S. 15.

228 Vgl. Andersen/Schwarze (2003), S. 13.

229 Vgl. Ebd., S. 11.

230 Vgl. Thode et al. (2004), S. 17.

231 Vgl. Andersen/Schwarze (2003), S. 16ff.

232 Vgl. Thode et al. (2004), S. 17.

233 Vgl. Andersen/Newman (2005), S. 16.

234 Vgl. Thode et al. (2004), S. 17.

235 Vgl. Andersen (1995), S.3.

236 Vgl. Thode et al. (2004), S. 17f.

237 Vgl. Andersen (1995), S. 3.

238 Vgl. Thode et al. (2004), S. 18.

239 Vgl. Ebd., S. 15f.

240 Vgl. Andersen/Schwarze (2003), S. 20f.

241 Vgl. Andersen (1995), S. 6.

242 Vgl. Thode et al. (2004).

243 Eine ausführliche Darstellung der BGS98 findet sich unter anderem in Bellach et al. (1998) und Thefeld et al. (1999).

244 Vgl. Thode et al. (2004), S. 21.

245 Vgl. Ebd., S. 19.

246 Vgl. Thode et al. (2004), S. 87.

247 Gemessen anhand einer 5-stufigen Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (schlecht), Vgl. Ebd., S. 34.

248 Dass das Vorzeichen der psychischen und körperlichen Faktoren im Vergleich zu dem allg. subjektiven Gesundheitszustand umgekehrt ist, liegt daran, dass der Wertebereich dieser beiden Faktoren anders definiert ist. So entspricht ein Faktorwert 0 einer überdurchschnittlichen psychischen bzw. körperlichen subjektiven Gesundheit, ein Wert kleiner 0 entsprechend einer unterdurchschnittlichen psychischen bzw. körperlichen subjektiven Gesundheit. Vgl. Ebd., S. 36.

249 Vgl. Ebd., S. 87.

250 Vgl. Ebd., S. 53f.

251 Vgl. Ebd., S. 49f.

252 Vgl. Ebd., S. 88.

253 Vgl. Thode et al. (2004), S. 55.

254 Vgl. Ebd., S. 63.

255 Vgl. Ebd., S. 49.

256 Vgl. Ebd., S. 53.

257 Vgl. Ebd., S. 63.

258 Vgl. Thode et al. (2004), S. 49 und S. 63f.

259 Vgl. Ebd., S. 90.

260 Vgl. Härtel (1985).

261 Vgl. Ebd., S. 6.

262 Vgl. Ebd., S. 240.

263 Vgl. Ebd., S. 242.

264 Vgl. Ebd., S. 241ff.

265 Vgl. Härtel (1985), S. 204.

266 Vgl. Andersen/Schwarz (2003), S. 4.

267 Vgl. Ebd., S. 10.

268 Vgl. Andersen/Schwarz (2003), S. 4ff.; Andersen/Schwarz (1997), S. 17.

269 Vgl. Thode et al. (2004).

270 Vgl. Härtel (1985).

271 Vgl. Thode et al. (2004), S. 19.

272 Vgl. Bloor/Maynard (2003).

273 Vgl. Padberg/Winschuh (2008), S. 30f.

274 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2011), S. 6.

275 Vgl. Ehrhard et al. (2011), S. 106.

276 65-Jährige und Ältere je 100 Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren.

277 Vgl. Statistisches Bundesamt (2009). Die beschriebene Entwicklung entspricht der Variante „Untergrenze der mittleren Bevölkerung“ mit annähernd konstanter Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung: Basisannahme, Wanderungssaldo: 100 000. Die Daten des Jahres 2008 entstammen aus der Online Datenbank Genesis des Statistischen Bundesamtes, Stand 21.02.2013.

278 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2011), S. 6.

279 Vgl. Beske et al. (2009), S. 28.

280 Vgl. Ehrhard et al (2011), S. 6.

281 Hier angenommen von 20 bis unter 65 Jahre.

282 Vgl. Statistisches Bundesamt (2009). Die beschriebene Entwicklung entspricht der Variante „Untergrenze der mittleren Bevölkerung“ mit annähernd konstanter Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung: Basisannahme, Wanderungssaldo: 100 000. Die Daten des Jahres 2008 entstammen aus der Online Datenbank Genesis des Statistischen Bundesamtes, Stand 21.02.2013.

283 Vgl. Ostwald et al. (2010), S. 21ff.

284 Vgl. Beske et al. (2007), S. 51.

285 Vgl. Hellmeier et al. (1993), S. 91ff, zitiert in Behrendt (2009), S. 1101.

286 Vgl. Beske et al. (2007), S. 51.

287 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2010), S. 5.

288 Vgl. Ebd., S. 7.

289 Vgl. Ebd., S. 8.

290 Vgl. Statistisches Bundesamt et al. (2009), S. 31; Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2010), S. 13.

291 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2010), S. 11.

292 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2010), S. 16.

293 Anzahl der Pflegefälle zur jeweiligen Bevölkerungsgruppe.

294 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2010), S. 21ff; Statistisches Bundesamt (2013), S. 7f.

295 Damit wird von möglichen Veränderungen, wie etwa dem medizinisch-technischen Fortschritt oder Veränderung der Pflegequoten abstrahiert.

296 In der Variante „untere Grenze der mittleren Bevölkerungsentwicklung“. Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2010), S. 26.

297 Vgl. Ebd., S. 29.

298 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2010), S. 27.

299 Vgl. Ebd., S. 30.

300 Vgl. Bundesärztekammer (2011), S. 34.

301 Dazu gehören beispielsweise medizinische/zahnmedizinische Fachangestellte, Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Krankenpflegehelfer oder Physiotherapeuten, Masseure, med. Bademeister.

302 Es werden alle in der Gesundheitspersonalrechnung ausgewiesenen Einrichtungen berücksichtigt.

303 Vgl. Asef et al. (2011), S.1061.

304 Vgl. Kopetsch (2010), S. 138.

305 Vgl. Bundesärztekammer (2011), eigene Berechnung.

306 Vgl. Beske et al. (2007), S. 28.

307 Vgl. Kopetsch (2010), S. 135f.

308 Vgl. Beske et al. (2007), S. 89.

309 VZÄ drückt den Zeitwert aus, den eine Vollzeit-Arbeitskraft (d.h. 100% Beschäftigungsgrad) innerhalb eines vergleichbaren Zeitraums erbringt (Tag, Woche, Monat, Jahr).

310 Die Abgrenzung orientiert sich an der in der Gesundheitspersonalrechnung (GPR) verwendeten Abgrenzung. Zu den ambulanten Einrichtungen gehören Arzt- und Zahnarztpraxen, Praxen sonstiger medizinischer Berufe, Apotheken, Gesundheitshandwerk/-einzelhandel, Ambulante Pflege und sonstige ambulante Einrichtungen. Zu den stationären Einrichtungen gehören Krankenhäuser, Vorsorge-/Rehabilitationseinrichtungen sowie Stationäre/teilstationäre Pflege.

311 Dazu gehören beispielsweise medizinische/zahnmedizinische Fachangestellte, Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Krankenpflegehelfer oder Physiotherapeuten, Masseure, med. Bademeister.

312 Dazu gehören Altenpfleger, Altenpflegehelfer, Heilerziehungspfleger und Heilpädagogen.

313 Vgl. Kopetsch (2010), S. 126.

314 Vgl. Ebd., S. 139.

315 Vgl. Afentakis/Maier (2010), S. 999.

316 Ob dieser Rückschluss aufgrund des Untersuchungsdesigns erfolgt – beispielsweise der Größe der Stichprobe oder der regionalen Fokussierung – wird von Hackmann und Müller nicht begründet.

317 Vgl. Hackmann/Müller (2012), S. 230.

318 Vgl. Ostwald/Ranscht (2007), S. 24f.

319 Vgl. Krüger/Müller (2008), S.36.

320 Vgl. Ostwald et al. (2010), S. 25.

321 Vgl. O’Brien-Pallas et al. (2007), S. iff.

322 Vgl. Ehrhard et al. (2011), S. 110.

323 Vgl. GBE (2013i).

324 Vgl. Ehrhard et al. (2011), S. 110.

325 Vgl. Schaeffer/Ewers (2001), S. 15.

326 Vgl. Ehrhard et al. (2011), S. 110.

327 Vgl. Rothgang et al. (2012), S. 16f.

328 Vgl. Thode et al. (2004), S. 6.