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Personalbedarfsprognose im Gesundheits- und Pflegewesen

Eine berufs-, einrichtungs- und regionalspezifische Betrachtung für Deutschland

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Tobias Ehrhard

Gefährden zukünftige Personalengpässe im Gesundheits- und Pflegewesen die Sicherstellung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung? Der Autor widmet sich dieser zentralen gesundheitspolitischen Fragestellung und untersucht, wie sich die Personalnachfrage und das Personalangebot im Gesundheits- und Pflegewesen bis zum Jahr 2030 entwickeln könnten. Neu ist dabei die gemeinsame Analyse der für die gesundheitliche Versorgung wichtigen ärztlichen und nichtärztlichen Berufsgruppen, differenziert nach Qualifikationen, Bundesländern sowie nach Einrichtungen des Gesundheits und Pflegewesens. Die Arbeit stellt erstmals regional differenzierte und vergleichbare Ergebnisse zur Verfügung und zeigt die Möglichkeiten und Grenzen der Messung des zukünftigen Personalbedarfs auf.
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4 Abgrenzung des Untersuchungsgebiets und Datenbasis

← 92 | 93 → 4 Abgrenzung des Untersuchungsgebiets und Datenbasis

Das deutsche Gesundheits- und Pflegewesen ist durch zahlreiche Einrichtungen und Akteure gekennzeichnet, die vielfältige Leistungs-, Finanzierungs-, Steuerungs-, Aufsichts- und Beratungsfunktionen wahrnehmen.329 Der Fokus dieser Arbeit liegt auf den Erbringern medizinischer und pflegerischer Leistungen. Dies sind im speziellen die personellen Ressourcen in den Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesens, die im direkten Kontakt mit den Leistungsempfängern, den Patienten, stehen. Die Institutionen der Gebietskörperschaften, der Finanzierungsinstitutionen und den Vereinigungen der Leistungserbringer sowie deren Beschäftigte werden nicht betrachtet.

Zunächst erfolgt in Kapitel 4.1 eine kurze Darstellung der grundlegenden Rechensysteme des Statistischen Bundesamtes, die für die gesamte vorliegende Arbeit als Abgrenzung und Datenbasis dienen. Anschließend erfolgt in Kapitel 4.2 die einrichtungsspezifische und in Kapitel 4.3 die berufsspezifische Abgrenzung des Untersuchungsgebiets. In Kapitel 4.4 werden nach der Definition der Datenanforderungen die verwendeten Datenquellen dargestellt.

4.1 Rechensysteme des Statistischen Bundesamtes als Grundlage der Abgrenzung

Als Ausgangslage für die Abgrenzung des Untersuchungsgebiets dienen die vom Statistischen Bundesamt entwickelten und verzahnten Rechensysteme des Gesundheitswesens. Dazu zählen die Gesundheitsausgabenrechnung (GAR), die Krankheitskostenrechnung (KKR) und die Gesundheitspersonalrechnung (GPR).

Das Statistische Bundesamt orientiert sich bei der den Rechenwerken zugrundeliegenden Abgrenzung methodisch an den Empfehlungen des „System of Health Accounts”330 der OECD. Dieser Methodik folgend werden vom Statistischen Bundesamt alle Institutionen und Personen des Gesundheitsschutzes (Vermeidung von Gesundheitsgefährdungen), der Gesundheitsförderung (Verbesserung der gesundheitsrelevanten Lebensbedingungen) sowie der Gesundheitsversorgung (medizinische Behandlungs-, Rehabilitations- und Pflegemaßnahmen) unter dem Stichwort Gesundheitswesen subsumiert.331

← 93 | 94 → Diese drei sekundärstatistischen Rechenwerke haben als gemeinsamen Nenner die Einrichtungsebene und sind dadurch eng miteinander verknüpft. In dem gelb schraffierten Bereich (Gesundheitswesen i.e.S.) in Abb. 4-1 lassen sich die genannten Rechensysteme zueinander in Beziehung setzen.332

Gegenüberstellung der Gesundheitsausgaben-, Krankheitskostenund Gesundheitspersonalrechnung

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Quelle: GBE (2012c).

Abb. 4-1: Vergleich zwischen GAR, KKR und GPR

Die einrichtungsspezifische Abgrenzung – die im weiteren Verlauf dieses Kapitels erläutert wird – ist in den Einrichtungen des Gesundheitsschutzes, den ← 94 | 95 → ambulanten sowie stationären und teilstationären Einrichtungen, den Rettungsdiensten und der Verwaltung nahezu identisch. Sie unterscheiden sich lediglich in den „Randbereichen“ des Gesundheits- und Pflegewesens. So werden die Vorleistungsindustrien des Gesundheitswesens nur in der GPR berücksichtigt, nicht jedoch in der GAR und KKR. Letztere enthalten dagegen als zusätzliche „Einrichtung“ die Kategorie Ausland, die wiederum nicht in der GPR enthalten ist. Darüber hinaus werden in den sonstigen Einrichtungen in der GAR und KKR auch die privaten Haushalte berücksichtigt, die in der GPR fehlen. In der GAR und KKR werden beispielsweise private Pflegeleistungen der privaten Haushalte monetär erfasst. Diese gehen aber im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nicht in die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit ein, folglich bleiben diese Beschäftigungszahlen unberücksichtigt.333

In der Gesundheitsausgabenrechnung wird eine dreidimensionale Klassifizierung der Gesundheitsausgaben nach Ausgabenträgern, Leistungsarten und Einrichtungen vorgenommen. Hinsichtlich der Leistungsebene werden alle Leistungen und Güter berücksichtigt, deren Ziel in der Prävention, Rehabilitation und Pflege liegt. Zu diesen Leistungen gehören u.a. Ausgaben für ärztliche Vorsorgeuntersuchungen oder für pflegerische Leistungen in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen. Außerdem werden einrichtungsspezifische Investitionen zu den Gesundheitsausgaben gezählt. In der GAR wird allerdings nur der letztmalige Verbrauch von Gütern, Dienstleistungen und Investitionen quantifiziert. Ausgaben für Vorleistungen, die für verbrauchte Güter anfallen, werden nicht hinzugezählt. Auch nicht erfasst werden Ausgaben des erweiterten Leistungsbereichs, die nicht bzw. nur im weitesten Sinne gesundheitsfördernde Wirkung besitzen. Zu dieser Ausgabenkategorie gehören beispielsweise Schönheitsoperationen ohne medizinische Indikation.334

Die Krankheitskostenrechnung liefert in einem zweijährigen Rhythmus nach Art der Krankheit, Alter, Geschlecht und Einrichtungen gegliederte Daten. Kosten im Sinne der KKR entstehen nur beim Verbrauch von jenen Waren und Dienstleistungen, denen direkte Gesundheitsausgaben gegenüberstehen. Dadurch ist es möglich, die laufenden Gesundheitsausgaben einzelnen Krankheiten zuzuordnen. Die Investitionen als Bestandteil der Gesundheitsausgaben werden nicht berücksichtigt und zugeordnet. Aufgrund dieser Methodik finden in der KKR ausschließlich direkte Krankheitskosten Berücksichtigung. Darunter wird der monetäre Ressourcenverbrauch verstanden, der durch die unmittelbare medizinische Heilbehandlung bzw. Präventions-, Rehabilitations- oder Pflegemaßnahme entsteht. Indirekte Krankheitskosten messen dagegen die volkswirtschaftlichen ← 95 | 96 → Verluste, die mittelbar mit einer Erkrankung im Zusammenhang stehen und eine Folge von Arbeitsunfähigkeit, Invalidität und vorzeitigem Tod der Erwerbsbevölkerung sind.335

Die Gesundheitspersonalrechnung (GPR) ist nach Alter, Geschlecht, Beruf, Einrichtung und Art der Beschäftigung gegliedert und damit die „umfangreichste“ der drei genannten Rechensysteme der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE). Sie führt als sekundärstatistisches Rechenwerk alle für das Gesundheitswesen relevanten Beschäftigungsstatistiken zusammen.336 Der Methodik der GAR und KKR folgend, werden nur jene Tätigkeiten in der GPR berücksichtigt, die primär und unmittelbar zur Sicherung, Vorbeugung oder Wiederherstellung von Gesundheit eingesetzt werden. Zum Beispiel werden Beschäftigte in Altenwohnheimen, zu deren Tätigkeitsumfang nicht maßgeblich krankheitslindernde Aufgaben gehören, nicht in der GPR erfasst.337

In der GPR werden als Beschäftigte folgende Gruppen erfasst:

Selbstständige

mithelfende Familienangehörige

Beamte

Angestellte

Arbeiter

Auszubildende

Zivildienstleistende

Praktikanten

Ehrenamtlich Tätige und Beschäftige, die in anderen Wirtschaftsbereichen angestellt sind, aber Tätigkeiten in Einrichtungen des Gesundheitswesens nachgehen, werden dagegen nicht berücksichtigt. In der GPR werden Beschäftigungsfälle nach dem Stichtagsprinzip zum Jahresende ausgewiesen, d.h. Personen mit mehreren Beschäftigungsverhältnissen werden mehrfach gezählt. Zudem erfolgt die Erfassung unabhängig vom Beschäftigungsumfang, d.h. es ist für die Erfassung unerheblich, ob mit der in der GPR ausgewiesenen Tätigkeit der Lebensunterhalt vollständig bzw. überwiegend oder nur geringfügig bestritten wird.338

Durch die Erfassung aller Beschäftigungsverhältnisse ist es zum einen möglich, in der GPR nach drei Beschäftigungsarten (Vollzeit, Teilzeit, geringfügige ← 96 | 97 → Beschäftigung) zu differenzieren und zum anderen dadurch auch Vollzeitäquivalente339 auszuweisen. Zur Umrechnung werden Informationen aus dem Mikrozensus über die tatsächlich geleistete Arbeitszeit der drei genannten Beschäftigungsarten verwendet. Insofern die Daten direkt aus der Krankenhaus- oder Pflegestatistik stammen, findet in der GPR keine Berechnung über den Mikrozensus statt. Die dort ausgewiesenen Vollzeitäquivalente werden direkt übernommen.340

Die beschriebenen Rechenwerke des Statistischen Bundesamtes stellen die Datenbasis für eine umfassende Personalbedarfsprognose im Gesundheits- und Pflegewesen dar (vgl. Kapitel 5). Durch die Überschneidung von Personalstatistiken und epidemiologischen Statistiken auf Einrichtungsebene können diese im Sinne der Fragestellung miteinander kombiniert werden und gewährleisten dadurch eine hohe inhaltliche Konsistenz der Ergebnisse.

Erkenntnisleitend für die Fragestellung ist die Gesundheitspersonalrechnung. Daher wird anhand der Systematik der GPR, die eine einrichtungs- und berufsspezifische Abgrenzung erlaubt, im Folgenden das Untersuchungsgebiet dieser Arbeit abgegrenzt.

4.2 Einrichtungsspezifische Abgrenzung

4.2.1 Gliederungssystematik der GPR nach Einrichtungen

Zu den Einrichtungen im Gesundheitswesen zählen – unabhängig von Zweckbestimmung, Trägerschaft, Organisation und Rechtsform – alle Institutionen, die „als Betrieb, Amt oder Dienststelle Leistungen des Gesundheitswesens erbringen.“341 Maßgeblich für die in dieser Arbeit angewendete Zuordnung der Vielzahl unterschiedlicher Einrichtungen ist die den Rechensystemen des Statistischen Bundesamtes zugrundeliegende einrichtungsspezifische Abgrenzung des Gesundheitswesens. In Tabelle 4-1 sind diese Einrichtungen und die Verteilung der Beschäftigung auf diese Einrichtungen dargestellt. Wie zuvor erläutert gliedert die GPR die Einrichtungen in die sieben Hauptgruppen Gesundheitsschutz, ambulante sowie stationäre/teilstationäre Einrichtungen, Rettungsdienste, Verwaltung, sonstige Einrichtungen und Vorleistungsindustrien. Maßgeblich für die ← 97 | 98 → gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung sind die ambulanten und stationären/teilstationären Sektoren. Sie stellen zusammen etwa 84% der Beschäftigten des Gesundheitswesens.

Tab. 4-1: Einrichtungen im Gesundheitswesen und deren Beschäftigungsanteil

2010
Einrichtungen insgesamt4.833100,0%
Gesundheitsschutz390,8%
Ambulante Einrichtungen2.12243,9%
Arztpraxen68914,3%
Zahnarztpraxen3517,3%
Praxen sonstiger medizinischer Berufe3817,9%
Apotheken1783,7%
Gesundheitshandwerk/-einzelhandel1653,4%
Ambulante Pflege2825,8%
Sonstige ambulante Einrichtungen761,6%
Stationäre/teilstationäre Einrichtungen1.92739,9%
Krankenhäuser1.12123,2%
Vorsorge-/Rehabilitationseinrichtungen1703,5%
Stationäre/teilstationäre Pflege63613,2%
Rettungsdienste541,1%
Verwaltung1994,1%
Sonstige Einrichtungen1803,7%
Vorleistungsindustrien3126,5%
Pharmazeutische Industrie1062,2%
Medizintechnische und augenoptische Industrie1232,5%
Medizinische Laboratorien und Großhandel841,7%

Quelle: GBE (2013d), eigene Darstellung.

In der Abgrenzung der GPR sind auch die Einrichtungen des Pflegewesen, die unter ambulanten bzw. stationären Einrichtungen subsumiert werden, zusammengefasst. Dazu gehören die ambulante Pflege sowie die Einrichtungen zur stationären/teilstationären Pflege. Diese Bereiche gehören nach dieser Systematik dann zum Gesundheitswesen, wenn ihre primäre Tätigkeit in der Sicherung, der Vorbeugung oder der Wiederherstellung von Gesundheit liegt. Aus diesem ← 98 | 99 → Grund gehören beispielsweise Altenwohnheime nicht zum Gesundheitswesen, da dort nicht die Linderung von Gesundheitsproblemen im Vordergrund steht.342

Zu den Einrichtungen des Gesundheitsschutzes gehören kommunale Einrichtungen wie beispielsweise Gesundheitsämter oder Landesgesundheitsbehörden. Sie machen mit 0,8% der Beschäftigten im Gesundheitswesen den kleinsten Anteil aus.

Zu den ambulanten Einrichtungen zählen sowohl Arzt-, Zahnarztpraxen sowie Praxen sonstiger medizinischer Berufe als auch Apotheken, Gesundheitshandwerk und Einzelhandel, ambulante Pflegeeinrichtungen und sonstige ambulante Einrichtungen.343 Arzt-, Zahnarztpraxen sowie Praxen sonstiger medizinscher Berufe zeichnen sich durch den direkten Patientenkontakt aus. Sie sind die beschäftigungsstärksten Einrichtungen im ambulanten Sektor und stellen im Jahr 2010 zusammen ca. 1,42 Mio. Beschäftigte bzw. knapp 30% aller Beschäftigten im Gesundheitswesen. Die öffentlichen Apotheken übernehmen die ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung der Bevölkerung. Das Gesundheitshandwerk erbringt technische Dienstleistungen im Gesundheitswesen und ist maßgeblich mit der Anfertigung von unterstützenden Hilfsmitteln beschäftigt (z. B. Augenoptik, Zahntechnik). Medizinische und orthopädische Artikel werden über den Einzelhandel vertrieben, zu dem der Sanitätsfachhandel, aber auch Drogerien mit freiverkäuflichen Arzneimitteln gehören. Ambulante Pflegedienste übernehmen die häusliche Pflege. Sie machen mit über 280.000 Beschäftigten ca. 13,3% der Beschäftigten im ambulanten Sektor aus. Diese Einrichtungen sind wirtschaftlich und rechtlich selbständig und werden von mindestens einer ausgebildeten Fachkraft verantwortet. Schließlich wird unter sonstigen ambulanten Einrichtungen eine Vielzahl weiterer Einrichtungen subsumiert.344 Eine umfangreiche Übersicht aller Einrichtungen mit Beispielen findet sich im Anhang in Tabelle A-2.

Zum Sektor der stationären und teilstationären Gesundheitsversorgung gehören neben Krankenhäusern und Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen auch Einrichtungen der stationären und teilstationären Pflege.345 Von den 1,9 Mio. Beschäftigten im stationären Sektor arbeiten 58% in Krankenhäusern. Dort steht die Diagnose und das Heilen oder Lindern von Krankheiten und Leiden durch den Einsatz ärztlicher Leistungen im Vordergrund. Dagegen sind Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen dem Krankenhaus je nach Fall vor- oder nachgelagerte Einrichtungen, die durch Anwendung von geeigneten Heilmitteln ← 99 | 100 → einen Krankenhausaufenthalt verhindern oder die mit dem Krankenhausaufenthalt verbundenen Ursachen langfristig mildern. Mit knapp 640.000 Beschäftigten stellen die stationären Pflegeeinrichtungen ziemlich exakt ein Drittel der im stationären Sektor tätigen Personen. In diesen Einrichtungen findet eine ganztägige (vollstationäre) Pflege der Patienten durch ausgebildete Pflegefachkräfte statt. Teilstationäre Einrichtungen sehen dagegen nur einen zeitlich befristeten Aufenthalt vor.346

Unter den Rettungsdiensten werden alle Leistungen des öffentlich oder privat organisierten Krankentransportes und der Notfallrettung zusammengefasst, zu denen die Durchführung lebensrettender Maßnahmen am Unfallort und die weitere Herstellung der Transportfähigkeit und die anschließende Beförderung in geeignete Behandlungseinrichtung gehören. Mit immerhin knapp 200.000 oder 4,1% der Beschäftigten im Gesundheitswesen macht die Verwaltung einen nicht zu vernachlässigenden Anteil aus. Dazu zählen alle Beschäftigte der GKV und PKV sowie die der Renten-, Unfall- und Pflegeversicherung. Außerdem werden die Interessensvertretungen der Leistungserbringer (z. B. Kassenärztliche Vereinigungen) hinzugezählt.347 Ebenfalls werden nach dieser Typologie sonstige Einrichtungen zum Gesundheitswesen gezählt. Darunter werden Einrichtungen anderer Wirtschaftszweige verstanden, die Dienstleistungen für das Gesundheitswesen erbringen (z. B. Taxiunternehmen, Forschungseinrichtungen etc.), aber auch private Haushalte, in denen Betreuung und Pflege durch Privatpersonen stattfindet.348 Schließlich werden nach der Abgrenzung der Gesundheitspersonalrechnung auch noch jene Vorleistungsindustrien gezählt, die ausschließlich Vorleistungen für das Gesundheitswesen produzieren. Zu ihnen gehören die pharmazeutische, die medizintechnische und die augenoptische Industrie; außerdem die medizinischen Laboratorien und der Großhandel mit den gesundheitsrelevanten Produkten.349

4.2.2 Ausgewählte Einrichtungen der Analyse

Eine Betrachtung aller zuvor dargestellten Einrichtungen, die laut Gesundheitspersonalrechnung des Bundes zum Gesundheitswesen zu zählen sind, wird in dieser Arbeit nicht angestrebt. Vor dem Hintergrund einer umfassenden Bedarfsprognose muss eine zweckmäßige Auswahl getroffen werden. Die einrichtungsspezifische Abgrenzung erfolgt anhand des folgenden Kriteriums:

← 100 | 101 → • Es sollen jene Einrichtungen im Vordergrund stehen, in denen der Schwerpunkt auf der Linderung und Behandlung von Krankheiten und der Betreuung von Pflegebedürftigen liegt. Dort ist ein direkter Patientenkontakt gegeben.

In Tab. 4-2 sind die nach dem ersten Kriterium ausgewählten Prognoseeinrichtungen dargestellt. Während aus dem Sektor der stationären/teilstationären Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesens alle in der GPR ausgewiesenen Einrichtungen ausgewählt wurden, werden aus dem großen Block der ambulanten Einrichtungen lediglich die Arztpraxen, die Praxen sonstiger medizinischer Berufe, die ambulanten Pflegeeinrichtung sowie die sonstigen ambulanten Einrichtungen als relevante Einrichtungen identifiziert. Außerdem werden die Rettungsdienste in die Abgrenzung mit einbezogen und den stationären/teilstationären Einrichtungen des Gesundheitswesens zugeordnet. In diesen Prognoseeinrichtungen arbeiten insgesamt über 3,4 Mio. Beschäftigte bzw. 70,5% aller in der GPR ausgewiesenen Beschäftigten.

Tab. 4-2: Relevante Einrichtungen der Bedarfsprognose

2010
Einrichtungen insgesamt4.833100,0%
Ambulante Einrichtungen Gesundheitswesen1.14623,7%
Arztpraxen68914,3%
Praxen sonstiger medizinischer Berufe3817,9%
Sonstige ambulante Einrichtungen761,6%
Stationäre/teilstationäre Einrichtungen Gesundheitswesen1.34527,8%
Krankenhäuser1.12123,2%
Vorsorge-/Rehabilitationseinrichtungen1703,5%
Rettungsdienste541,1%
Ambulante Einrichtungen Pflegewesen2825,8%
Ambulante Pflege2825,8%
Stationäre/teilstationäre Einrichtungen Pflegewesen63613,2%
Stationäre/teilstationäre Pflege63613,2%

Quelle: GBE (2013d), eigene Darstellung.

Eine Besonderheit stellen die Zahnarztpraxen dar, die im weiteren Verlauf trotz Erfüllung des ersten Kriteriums nicht betrachtet werden sollen.350 Zwar ← 101 | 102 → stehen diese Einrichtungen ebenfalls im direkten Patientenkontakt, dennoch zeigen zumindest die Statistiken eine hohe fachliche Spezialisierung. So arbeiten laut GBE 95,6% aller in der Gesundheitspersonalrechnung erfassten Zahnärzte in den ambulanten Zahnarztpraxen. Von den 208.000 medizinischen Fachangestellten in Zahnarztpraxen im Jahr 2010 entfallen 100% auf zahnmedizinische Fachangestellte.351 Diese nahezu strikte Trennung ist auf die Ausgestaltung der Studien- und Ausbildungsgänge zurückzuführen, die beispielsweise von Beginn an zwischen humanmedizinischer und zahnmedizinischer Richtung unterscheiden. So ist es allen anderen Gesundheitsdienstberufen nicht ohne entsprechende Weiterbildung möglich, in Zahnarztpraxen zu arbeiten.

4.3 Berufsspezifische Abgrenzung

4.3.1 Gliederungssystematik der GPR nach Berufen

Die im vorherigen Abschnitt dargestellten Beschäftigungszahlen nach Einrichtungen lassen bereits vermuten, dass das Gesundheits- und Pflegewesen durch ein breites Spektrum an Berufen und benötigten Qualifikationen gekennzeichnet ist. Dabei reicht die Spannweite von einfachen Hilfstätigkeiten, die nicht zwingend mit der direkten Patientenversorgung zu tun haben, bis hin zu hochspezialisierten Fachärzten in den Kliniken. In Tab. 4-3 sind die Beschäftigten im Gesundheitswesen nach Berufsgruppen dargestellt, wobei fünf Hauptgruppen unterschieden werden: Gesundheitsdienstberufe, soziale Berufe, Gesundheitshandwerker, sonstige Gesundheitsfachberufe und andere Berufe im Gesundheitswesen. Diese Eingruppierung erfolgt im Rahmen der Gesundheitspersonalrechnung und orientiert sich an der aus dem Jahr 1992 stammenden Klassifikation der Berufe vom Statistischen Bundesamt (KldB 1992) und der älteren Klassifikation der Berufe von der Bundesagentur für Arbeit (KldB 1988).352

← 102 | 103 → Tab. 4-3: Beschäftigte im Gesundheitswesen nach Berufen und deren Anteil

2010
Berufe im Gesundheitswesen insgesamt4.833100,0%
I. Gesundheitsdienstberufe2.74856,9%
I.a. Ärzte, Apotheker, psych. Psychotherapeuten, Zahnärzte49710,3%
Ärzte3346,9%
Ärzte für allgemeine/innere Medizin., Kinderheilkunde.992,0%
Ärzte für Chirurgie, Orthopädie350,7%
Ärzte für Frauenheilkunde/Geburtshilfe170,4%
Ärzte für Neurologie, Psychiatrie230,5%
Ärzte o.n.F., praktische Ärzte982,0%
andere Fachärzte621,3%
Apotheker601,2%
psychologische Psychotherapeuten350,7%
Zahnärzte681,4%
I.b. übrige Gesundheitsdienstberufe2.25246,6%
medizinische Fachangestellte/zahnmedizinische Fachangestellte63913,2%
dar.: zahnmedizinische Fachangestellte2455,1%
Diätassistenten140,3%
Heilpraktiker330,7%
Gesundheits- und Krankenpfleger81816,9%
dar.: Hebammen200,4%
Gesundheits- und Krankenpflegehelfer2695,6%
Physiotherapeuten, Masseure, med. Bademeister2064,3%
dar.: Physiotherapeuten1302,7%
medizinisch-technische Assistenten982,0%
pharmazeutisch-technische Assistenten651,3%
therapeutische Berufe a.n.g.1092,3%
II. soziale Berufe4479,2%
Altenpfleger4218,7%
Heilerziehungspfleger140,3%
Heilpädagogen120,2%
III. Gesundheitshandwerker1463,0%
Augenoptiker481,0%
Orthopädiemechaniker120,2%
Zahntechniker661,4%
sonstige Gesundheitshandwerker200,4%
IV. sonstige Gesundheitsfachberufe972,0%
Gesundheitsingenieure120,2%
gesundheitssichernde Berufe240,5%
Gesundheitstechniker90,2%
Pharmakanten90,2%
pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte430,9%
V. andere Berufe im Gesundheitswesen1.39428,8%

Quelle: GBE (2013d), eigene Darstellung.

← 103 | 104 → Die Gesundheitsdienstberufe stellen mit knapp 2,8 Mio. bzw. 57% aller Beschäftigten im Gesundheitswesen die größte Berufsgruppe. Dazu zählen alle Berufe, die mit der unmittelbaren Patientenversorgung betraut sind. Die Gesundheitsdienstberufe lassen sich wiederum in die Berufsgruppe der Ärzte, Apotheker, psych. Psychotherapeuten und Zahnärzte sowie in die übrigen Gesundheitsdienstberufe unterteilen. Letztere sind mit 47% der Beschäftigten von besonderer Bedeutung für die medizinische Versorgung. Insbesondere der Berufszweig der Gesundheits- und Krankenpfleger, zu dem auch die Hebammen gehören, ist mit 818.000 Beschäftigten hervorzuheben. Aber auch medizinische Fachangestellte/zahnmedizinische Fachangestellte tragen mit knapp 640.000 Beschäftigten entscheidend zu dieser großen Berufsgruppe bei. Zu den Beschäftigten in den anderweitig nicht genannten therapeutischen Berufen gehören beispielweise Beschäftigungs- und Arbeitstherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden. Neben den Gesundheitsdienstberufen sind als klar abgrenzbare Berufsgruppe die sozialen Berufe von hoher Relevanz für das Gesundheitswesen. Im Jahr 2010 waren dort rund 450.000 Personen beschäftigt. Unter den sozialen Berufen werden Altenpfleger, Heilerziehungspfleger und Heilpädagogen zusammengefasst. Die in der Tabelle dargestellte, mit 29% der Beschäftigten zweitgrößte Gruppe ist die der anderen Berufe im Gesundheitswesen. Diese dient als Sammelbecken für alle Berufe, die nicht einer der vier anderen Hauptgruppen zugeordnet werden können. Dazu gehören beispielsweise Sozialarbeiter, Reinigungskräfte in Krankenhäusern oder auch Handwerker, die direkt in Einrichtungen des Gesundheitswesens angestellt sind.353 Ihre Größe von 29% der Beschäftigten im Gesundheitswesen verdeutlicht zum einen, wie wichtig diese Berufe für die Funktion des Gesundheitswesens sind, zum anderen kann daraus die Vielzahl unterschiedlicher Berufe im Gesundheitswesen abgeleitet werden. Eine noch ausführlichere Auflistung der Beschäftigten im Gesundheitswesen findet sich im Anhang in Tab. A-3.

4.3.2 Ausgewählte Berufe der Analyse

Die Betrachtung aller in der GPR dargestellten Berufe wird im Rahmen dieser Arbeit nicht angestrebt. Es sollen vielmehr jene Berufsgruppen im Fokus stehen, die in den in Kapitel 4.2.2 abgegrenzten Einrichtungen bei der Behandlung der Patienten auch im direkten Patientenkontakt stehen.

Dazu wurde zunächst eine Vorauswahl der zu betrachtenden Berufe vorgenommen. Dies geschieht, in dem die Relevanz der Berufe nach der erfolgten einrichtungsspezifischen ← 104 | 105 → Abgrenzung beurteilt wird. Dazu sind in Tab. 4-4 erneut die Berufe nach der Klassifizierung der Gesundheitspersonalrechnung aufgeführt. Zum einen ist die Gesamtbeschäftigung über alle Einrichtungen nach Berufen und deren Anteil dargestellt. Zum anderen sind die Beschäftigungszahlen in den relevanten Einrichtungen nach Berufen und ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung in diesen Einrichtungen aufgeführt.

← 105 | 106 → Tab. 4-4: Anteil der Beschäftigten nach Berufen in den Einrichtungen der Prognose

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Quelle: GBE (2013d), Jahr 2010, eigene Darstellung.

Es zeigt sich, dass neben dem nicht Erfüllen des zweiten Abgrenzungskriteriums, die Berufsgruppen der Gesundheitshandwerker und die der sonstigen Gesundheitsfachberufe in den zu betrachtenden Prognoseeinrichtungen nicht von ← 106 | 107 → großer zahlenmäßiger Bedeutung sind. Mit rund 7.000 Beschäftigten ist ihr Anteil gegenüber 243.000 Beschäftigten im gesamten Gesundheitswesen zu vernachlässigen. Ebenso haben Apotheker mit rund 2.000 Beschäftigten und Zahnärzte mit rund 1.000 Beschäftigten verglichen mit ihrer Gesamtbeschäftigungszahl im Gesundheitswesen nach der einrichtungsspezifischen Abgrenzung eine geringe Relevanz. Gleiches gilt für die pharmazeutisch-technischen Assistenten, die maßgeblich in Apotheken angestellt sind sowie für Heilerziehungspfleger und Heilpädagogen.

Für eine trennscharfe Abgrenzung der Berufe und für die spätere Berechnung von Personalangebot und -nachfrage ist jedoch ein noch detaillierter Blick auf die, der Abgrenzung der Gesundheitspersonalrechnung zugrundeliegende Klassifizierung der Berufe der Bundesagentur für Arbeit (KldB 1988)354 und des Statistischen Bundesamtes (KldB 1992)355 notwendig. Alle differenzierten Beschäftigungsstatistiken der amtlichen Statistiken orientieren sich an dieser Klassifizierung.

Die KldB 1988 und KldB 1992 existierten bis zum 31.12.2010 nebeneinander. Am 01. Januar 2011 trat die KldB 2010 in Kraft, die dieses Nebeneinander zweier nationaler Berufsklassifikationen beendet. Die neue Klassifizierung wird sukzessive eingeführt. Arbeitslosen- und Stellenstatistik werden seit der Einführung bereits nach der KldB 2010 geführt, die Beschäftigungsstatistik wird erst im Jahr 2013 umgestellt.356 Die KldB 2010 ist somit für diese Arbeit nicht von Relevanz.

Die Eingruppierung erfolgt in beiden Klassifizierungen anhand der ausgeübten beruflichen Tätigkeit. Die KldB besitzt eine hierarchische Gliederungssystematik, die die Berufe ausgehend von einer groben Unterscheidung in sechs grundlegende Berufsbereiche immer feiner hinsichtlich gewisser Zugehörigkeitsmerkmale gliedert. Der Aufbau der fünf Gliederungsebenen der KldB gestaltet sich folgendermaßen:357

6 Berufsbereiche: Kennziffer I – VI

33 Berufsabschnitte: Kennziffer Ia – VIa

86 (88) Berufsgruppen: Kennziffer 01 – 99

334 (369) Berufsordnungen: Kennziffer 011 – 991 (997)

1.991 (2.287) Berufsklassen: Kennziffer 0110 – 9911 (9971)

← 107 | 108 → Der Unterschied zwischen KldB 1988 und KldB 1992 liegt vor allem in einer weiteren Ausdifferenzierung der Berufsordnungen und Berufsklassen. In der KldB 1992 stehen insgesamt 296 zusätzliche Berufsklassen zur Verfügung. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden die Begriffe Berufsgruppe, Berufsordnung und Berufsklasse konsequent angewendet.

Nach der Vorauswahl, der in der Gesundheitspersonalrechnung ausgewiesen Beschäftigten nach Berufen, kommt für die weitere Betrachtung lediglich der Berufsbereich V „Dienstleistungsberufe“ in Frage. Die weitere Eingliederung der relevanten Berufe in der Klassifizierung der Berufe ist Tabelle 4-5 zu entnehmen. Die Eingruppierung ist bis auf die Benennung der Berufsordnung 86 zwischen KldB 1988 und KldB 1992 identisch.

Tab. 4-5: Klassifizierung relevanter Berufe nach Berufsabschnitt und Berufsgruppe

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Quelle: KldB 1988/KldB 1992, eigene Darstellung.

Bei der tieferen Gliederung nach Berufsordnungen und Berufsklassen muss aufgrund der angedeuteten Unterschiede zwischen KldB 1988 und KldB 1992 eine exakte Zuordnung der Berufe vorgenommen werden. Dies ist für die Abgrenzung des Untersuchungsgebiets zunächst nur von untergeordneter Relevanz, wird aber bei der späteren Verarbeitung weiterer amtlicher Statistiken von großer Bedeutung für eine exakte Zuordnung sein. Aus Tab. 4-6 wird ersichtlich, dass in der Berufsordnung 841 „Ärzte“ kein Unterschied zwischen beiden Klassifizierungsversionen besteht. Beide Systematiken unterscheiden zwischen neun ärztlichen Berufsklassen.

Tab. 4-6: Klassifizierung der Berufe in der Berufsgruppe 84 nach Berufsklasse

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Quelle: KldB 1988/KldB 1992, eigene Darstellung.

← 108 | 109 → In der Berufsgruppe 85 und den dort angesiedelten Berufsordnungen und zugehörigen Berufsklassen haben sich Verschiebungen, insbesondere auf der Ebene der Berufsklassen, ergeben. Die in Tabelle 4-7 angegebenen Bezeichnungen der Berufsordnungen entsprechen der KldB 1988, sie können von den Bezeichnungen der KldB 1992 abweichen. Im Falle von Abweichungen zwischen beiden Klassifikationen auf der Ebene der Berufsklassen, wurden die abweichenden Bezeichnungen aus der KldB 1992 übernommen. Die grau schattierten Zeilen heben die Abweichungen hinsichtlich Zuordnung zu 3- und 4-stelliger BKZ und Bezeichnung hervor.

Zunächst fällt auf, dass die Psychotherapeuten (nicht Ärzte) in eine neugeschaffene Berufsordnung 886 (Psychologen/Psychologinnen) eingruppiert und damit der Berufsgruppe der „Geistes- und naturwissenschaftlichen Berufe, a.n.g.“ zugeordnet wurden. Sie sind nicht mehr Bestandteil der „Übrigen Gesundheitsdienstberufe“. Darüber hinaus fällt auf, dass es deutliche Verschiebungen in der Berufsordnung 852 gegeben hat. Etwa die Hälfte der bisher unter dieser Berufsordnung subsumierten Berufsklassen werden nun der neu geschaffenen Berufsordnung 859 (Therapeutische Berufe, a.n.g.) zugeordnet. Außerdem hat eine Neuklassifizierung verbleibender Berufe stattgefunden. Hatten Krankengymnasten in der alten KldB beispielsweise die BKZ 8523, so tragen sie in der KldB 1992 die BKZ 8524. Hervorzuheben ist auch die Berufsklasse Pharmazeutisch-technische Assistenten, die in der neueren Klassifizierung einer eigenen Berufsordnung (BKZ 858) zugeordnet wurde. Darüber hinaus sind eine ← 109 | 110 → Reihe weiterer Berufsklassen hinzugekommen, die sich durch das Fehlen der Berufskennziffern in den Spalten der KldB 1988 bemerkbar machen.

Tab. 4-7: Klassifizierung der Berufe in der Berufsgruppe 85 nach Berufsklasse

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Quelle: KldB 1988/KldB 1992, eigene Darstellung.

← 110 | 111 → Noch deutlichere Verschiebungen ergeben sich den relevanten Berufen der Berufsgruppe 86. Hier sind in der KldB 1992 die Altenpfleger beispielsweise nicht mehr unter 861 subsumiert, sondern bekamen eine eigene 3-Steller BKZ 864, die eine weitere Aufgliederung zulässt.

← 111 | 112 → Tab. 4-8: Klassifizierung der Berufe in der Berufsgruppe 86 nach Berufsklasse

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Quelle: KldB 1988/KldB 1992, eigene Darstellung.

Die genaue Zuordnung der Berufe mag mühselig erscheinen, allerdings ist erst durch diese klare Zuordnung zu den Kennziffern der KldB 1988 bzw. KldB 1992 die berufsspezifische Abgrenzung entsprechend der Klassifizierung zweifelsfrei festgelegt. Bei Verwendung von berufsspezifischen Beschäftigungsstatistiken muss demnach für die zweifelsfreie Zuordnung der Berufe immer darauf geachtet werden, auf welcher Grundlage (KldB 1988 oder 1992) die Abgrenzung vorgenommen wurde. Die relevanten Berufe sind zusammenfassend in Tab. 4-9 dargestellt.

← 112 | 113 → Tab. 4-9: Relevante Berufe der Bedarfsprognose

BezeichnungBKZ
Ärztliche Berufe
Praktische Ärzte, Ärzte, o.n.A.8410
Allgemein-(fach)-,Kinderärzte, Internisten8411
Chirurgen, Orthopäden8412
Hals-, Nasen- und Ohrenärzte8413
Augenärzte8414
Frauenärzte8415
Radiologen8416
Neurologen, Psychiater, Psychotherapeuten (Ärzte)8418
andere Fachärzte8419
  
Nichtärztliche Berufe
Masseure, Krankengymnasten und verwandte Berufe852
Krankenschwestern, -pfleger, Hebammen853
Helfer in der Krankenpflege854
Diätassistenten, Pharmazeutisch-technische Assistenten855
Sprechstundenhelfer856
Medizinallaboranten857
Altenpfleger861

Quelle: Eigene Darstellung.

Zusätzlich zu den bereits genannten und wegen des geringen Beschäftigungsumfangs in den relevanten Einrichtungen ausgeschlossenen Berufsgruppen, wird von eine Betrachtung der Berufsklassen der Heilpraktiker, der psychologische Psychotherapeuten und der „therapeutische Berufe a.n.g.“ abgesehen. Bei der Konzeption des Berechnungsmodells (vgl. Kapitel 5) hat sich gezeigt, dass die Zuordnung relevanter Beschäftigungs- und Ausbildungsstatistiken (vgl. Kapitel 4.4.2) nicht zweifelsfrei möglich ist. Beispielsweise gibt es keine amtlichen Statistiken zur Anzahl der Ausbildungsabschlüsse der Heilpraktiker. Bei diesem Beruf handelt es sich nicht um einen gesetzlich geregelten Ausbildungsberuf mit vorgeschriebener Regelausbildung und bundeseinheitlich geregelter Prüfung. Die Ausbildung findet in der Regel in privaten Schulen statt.358

← 113 | 114 → 4.4 Datenbasis

4.4.1 Datenanforderungen

Aus der Herleitung der Angebots- und Nachfragedeterminanten sowie aus der vorangegangen Abgrenzung des Untersuchungsgebiets lassen sich sowohl die qualitativen als auch die quantitativen Anforderungen an die Datenquelle/Datenbasis ableiten. Qualität und Quantität der Daten beeinflussen das Ergebnis der Angebots- und Nachfrageprojektion entscheidend.359 Benötigt werden im Einzelnen:360

Aktuelle Beschäftigungsstatistiken der Ist-Beschäftigung, die eine detaillierte Aufschlüsselung der Beschäftigten nach Berufen, Alter, Geschlecht, Einrichtungen, Jahren und regionaler Verteilung ermöglichen. Insbesondere das Merkmal Alter ist für die Berechnung von Renteneintritten erforderlich.

Detaillierte Studien- und Ausbildungsstatistiken und Prognosen, die eine Zuordnung zu den zu betrachtenden Berufen ermöglichen, differenziert nach Geschlecht und Region.

Statistiken über den Beschäftigungsumfang der zu betrachteten Berufe, um den Anteil von Teilzeitarbeit und damit auch die Vollzeitkräfte (Vollzeitäquivalente) bestimmen zu können.

Branchenübergreifende Beschäftigungsstatistiken, um den Anteil der im Gesundheits- und Pflegewesen beschäftigten Berufe ermitteln zu können (Teilnahmequote).

Bevölkerungsstatistiken und Bevölkerungsvorausberechnungen auf regionaler Ebene (Bundesländer), differenziert nach Alter und Geschlecht.

Epidemiologische Kennzahlen der Bevölkerung, differenziert nach Alter und Geschlecht.

Inanspruchnahme von Gesundheits- und Pflegeleistungen in den relevanten Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesens, differenziert nach Einrichtungen sowie Alter und Geschlecht.

Personalschlüssel, die eine Beziehung zwischen Leistungen und benötigten Personalressourcen herstellen.

Um eine möglichst hohe Qualität der Daten gewährleisten zu können, ist vorgesehen, die im Folgenden noch vorzustellende Berechnungsmethodik ausschließlich auf amtliche und überwiegend frei zugängliche Daten bzw. Statistiken von ← 114 | 115 → öffentlichen Datenhaltern aufzubauen. Diese Vorgehensweise hat mehrere Vorteile. Zum einen wird die Plausibilität und Qualität der Daten gewährleistet, insbesondere bei Verwendung amtlichen Erhebungen und Statistiken, die in regelmäßigen Abständen revidiert werden. Zum anderen wird hierdurch idealerweise eine ständige Aktualisierung der Berechnungen ermöglicht, wenn die verwendeten Datensätze in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden. Von eigenen Erhebungen wird aus diesen Gründen abgesehen.

4.4.2 Verwendete Datenquellen

Im Folgenden werden, ausgehend von den Datenanforderungen, jene zur Verfügung stehenden Datenquellen und Statistiken beschrieben, die nach ausführlicher Datenrecherche zur Berechnung der zentralen Größen auf der Angebots- und Nachfrageseite in Frage kommen. So wurden insbesondere der umfangreiche Datenfundus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) genutzt, ergänzt durch Daten der Bundesärztekammer (BÄK), der statistischen Landesämter und des statistischen Bundesamtes sowie Daten der Kultusministerkonferenz. Darüber hinaus werden weitere Hilfsstatistiken, beispielsweise für die Ableitung von Disaggregationsfaktoren angewendet, die an dieser Stelle nicht gesondert aufgeführt und beschrieben werden. Eine komplette Übersicht aller Hilfsstatistiken findet sich im Anhang in Tab. A-4 bis Tab. A-6.

4.4.2.1 Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE)

Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) stellt im Rahmen einer umfangreichen Online-Datenbank gesundheitsrelevante Kennzahlen von über 100 Datenhaltern an zentraler Stelle zusammen.361 Entsprechend können der GBE ein Großteil der benötigten Daten entnommen werden. Insbesondere Personalstatistiken wie die Gesundheitspersonalrechnung (GPR) oder die Ärztestatistik der Bundesärztekammer aber auch epidemiologische Statistiken wie die Krankheitskostenrechnung (KKR) sowie die Krankenhausstatistik stellen die wichtigsten Datenquellen dar (vgl. Kapitel 4.1). An dieser Stelle sollen die wichtigsten Datenquellen mit ihren Gliederungsmerkmalen vorgestellt werden.

Die Personalstatistiken der GPR stellt eine detaillierte Beschäftigungsstatistik für Deutschland mit den Gliederungsmerkmalen Jahre, Alter, Geschlecht, Art der Beschäftigung, Art der Einrichtung und Berufe sowohl in Köpfe als auch in Vollzeitäquivalente dar. In Tab. 4-10 sind die Merkmalsausprägungen auszugsweise dargestellt. Ein offensichtlicher Nachteil der GPR ist, dass die Beschäftigungszahlen ← 115 | 116 → auf 1.000 gerundet werden. In bestimmten Merkmalskombinationen führt dies dazu, dass entweder gar keine Beschäftigten ausgewiesen werden oder die jeweiligen Größen sehr stark gerundet werden.

Tab. 4-10: Gliederungsmerkmale der Gesundheitspersonalrechnung

MerkmalAusprägung
Jahreab 2000
Alterunter 35, 35 bis unter 50, über 50, alle Altersgruppen
Geschlechtmännlich, weiblich, beide Geschlechter
Art der BeschäftigungTeilzeit, Beschäftigungsverhältnisse insgesamt
Art der EinrichtungEinrichtungen insgesamt, Gesundheitsschutz, Ambulante Einrichtungen (darunter Arztpraxen, Zahnarztpraxen, Praxen sonstiger medizinischer Berufe, Apotheken, Gesundheitshandwerk/-einzelhandel, Ambulante Pflege, Sonstige ambulante Einrichtungen), Stationäre/teilstationäre Einrichtungen (darunter Krankenhäuser, Vorsorge-/Rehabilitationseinrichtungen, Stationäre/teilstationäre Pflege), Rettungsdienste, Verwaltung, Sonstige Einrichtungen, Vorleistungsindustrien
BerufeBerufe im Gesundheitswesen insgesamt, Gesundheitsdienstberufe, soziale Berufe, Gesundheitshandwerker, sonstige Gesundheitsfachberufe, andere Berufe im Gesundheitswesen (weiter differenziert)

Quelle: GBE (2013c), GBE (2013d), eigene Darstellung.

Für die Ärzte lassen sich noch detaillierte Beschäftigungsdaten aus der Ärztestatistik der Bundesärztekammer gewinnen, die ebenfalls in der online-Datenbank der GBE veröffentlicht wird. In der Ärztestatistik steht jede Kombination der in Tab. 4-11 dargestellten Gliederungsmerkmale zur Verfügung. Neben einer detaillierten Altersaufschlüsselung ist hier vor allem die regionale Gliederung auf Bundeslandebene hervorzuheben. Ein weiterer Vorteil gegenüber der GPR ist, dass die Beschäftigtenzahlen nicht gerundet werden und so auch auf regionaler Ebene Arztgruppen mit wenigen Beschäftigen exakt ausgewiesen werden. Außerdem bietet die Ärztestatistik die Möglichkeit, fachgruppenspezifische Teilnahmequote an der ärztlichen Versorgung zu bestimmen, da dort auch registrierte Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit ausgewiesen werden.

← 116 | 117 → Tab. 4-11: Gliederungsmerkmale der Ärztestatistik

MerkmalAusprägung
Jahreab 1991
RegionDeutschland, Ost, West, alle Bundesländer
AlterUnter 35 Jahre, 35 bis unter 40 Jahre, 40 bis unter 50 Jahre, 50 bis unter 60 Jahre, 60 bis unter 66 Jahre, 66 Jahre und älter
Geschlechtmännlich, weiblich
Gebiets-/Facharztbezeichnung36 Gebiets- und Facharztbezeichnungen entsprechend der (Muster-) Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer von 2003
TätigkeitsbereichMit ärztlicher Tätigkeit, Ambulant (darunter Niedergelassen, Angestellt), Stationär, In Behörden/Körperschaften u. a., In sonstigen Bereichen, Ohne ärztliche Tätigkeit

Quelle: GBE (2013a), eigene Darstellung.

Neben den Personalstatistiken der GBE sind insbesondere jene Statistiken wichtig, die die Morbiditätslast der Bevölkerung bzw. den Einsatz gesundheitsrelevanter Dienstleistungen abbilden. Dazu gehört vor allem die Krankenhausstatistik, genauer die Diagnosedaten der Patienten und Patientinnen in Krankenhäusern, des Statistisches Bundesamtes. Sie bildet das gesamte vollstationäre Geschehen in den Krankenhäusern ab, in dem im Rahmen einer Vollerhebung alle Patienten erfasst werden, die im jeweiligen Berichtsjahr aus der vollstationären Behandlung entlassen werden. Für die seit 1993 erhobene Statistik sind alle Krankenhäuser in Deutschland auskunftspflichtig.362 In Tab. 4-12 sind die Gliederungsmerkmale der Diagnosedaten der Krankenhausstatistik dargestellt. Hier ist vor allem die Untergliederung in 5-Jahres-Alterskohorten hervorzuheben, die in Kombination mit dem Geschlecht ein besonders genaues Bild der alters- und geschlechtsspezifischen Morbiditätslast zulässt.

← 117 | 118 → Tab. 4-12: Gliederungsmerkmale der Diagnosedaten der Krankenhausstatistik

MerkmalAusprägung
Jahreab 2000
AlterAlle Altersgruppen, Unter 5 Jahre, 5 bis unter 10 Jahre, 10 bis unter 15 Jahre, 15 bis unter 20 Jahre, usw. bis 100 Jahre und älter, Unbekannt
Geschlechtmännlich, weiblich, beide Geschlechter, unbekannt
BehandlungsortDeutschland, einzelne Bundesländer
VerweildauerAlle Fälle, Stundenfälle, Verweildauer differenziert nach Tagen
SachverhaltFälle, Berechnungs- und Belegungstage, Durchschnittliche Verweildauer aller Fälle in Tagen, Sterbefälle
ICD-10Laut ICD-10 Diagnoseschlüssel

Quelle: GBE (2013f), eigene Darstellung.

Eine weitere wichtige Statistik ist die Krankheitskostenrechnung (KKR) des Statistischen Bundesamtes. Die Gliederungsmerkmale der KKR sind in Tab. 4-13 dargestellt. Es sei angemerkt, dass nicht jede Kombination der Gliederungsmerkmale möglich ist. Alter und Einrichtung können nicht gemeinsam abgefragt werden. In der KKR wird der ICD-10 Diagnoseschlüssel in der gleichen Gliederungstiefe wie auch in den Diagnosedaten der Krankenhäuser abgebildet.

Tab. 4-13: Gliederungsmerkmale der Krankheitskostenrechnung

MerkmalAusprägung
Jahre2002, 2004, 2006, 2008
AlterAlle Altersgruppen, Unter 15 Jahre, 15 bis unter 30 Jahre, 30 bis unter 45 Jahre, 45 bis unter 65 Jahre, 65 bis unter 85 Jahre, 85 Jahre und älter
Geschlechtmännlich, weiblich, beide Geschlechter
EinrichtungenEinrichtungen insgesamt, Gesundheitsschutz, Ambulante Einrichtungen (darunter Arztpraxen, Zahnarztpraxen, Praxen sonstiger medizinischer Berufe, Apotheken, Gesundheitshandwerk/-einzelhandel, Ambulante Pflege, Sonstige ambulante Einrichtungen), Stationäre/teilstationäre Einrichtungen (darunter Krankenhäuser, Vorsorge-/Rehabilitationseinrichtungen, Stationäre/teilstationäre Pflege), Rettungsdienste, Verwaltung, Sonstige Einrichtungen und private Haushalte, Ausland
ICD-10Laut ICD-10 Diagnoseschlüssel

Quelle: GBE (2013g), eigene Darstellung.

Eine weitere zentrale Statistik, die ebenfalls auf dem Online-Portal der GBE zur Verfügung gestellt wird, ist die Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes. Die Pflegestatistik stellt für die ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen ← 118 | 119 → umfangreiche Daten bezüglich des Personalbestands und der Pflegebedürftigkeit zusammen. Während ersteres bereits in die GPR mit einfließt, lässt letzteres detaillierte Rückschlüsse auf die alters- und geschlechtsspezifische Verteilung der Pflegefälle, auch nach Art der Betreuung und Pflegestufe zu. Die Gliederungsmerkmale dieser Statistik sind in Tabelle 4-14 dargestellt.

Tab. 4-14: Gliederungsmerkmale der Pflegestatistik – Pflegebedürftige

MerkmalAusprägung
Jahre1999, 2001, 2003, 2005, 2007, 2009
AlterAlle Altersgruppen, Unter 5 Jahre, 5 bis unter 10 Jahre, 10 bis unter 15 Jahre, 15 bis unter 20 Jahre, usw. bis 95 Jahre und älter
Geschlechtmännlich, weiblich, beide Geschlechter
Art der BetreuungAlle Arten der Betreuung, ambulante Pflege, vollstationäre Pflege (darunter vollstationäre Dauerpflege, vollstationäre Kurzzeitpflege), Pflegegeld, teilstationäre Pflege (darunter teilstationäre Tagespflege, teilstationäre Nachtpflege)
RegionDeutschland, alle Bundesländer
PflegestufePflegestufen insgesamt, Pflegestufe I, Pflegestufe II, Pflegestufe III (darunter Härtefälle der Pflegestufe III), Bisher noch keiner Pflegestufe zugeordnet
DarstellungPflegebedürftige absolut, Pflegebedürftige je 100.000 Einwohner, Pflegebedürftige in %

Quelle: GBE (2013h), eigene Darstellung.

Dies sind die zentralen Statistiken, die der Gesundheitsberichterstattung des Bundes entnommen wurden und auf denen die angebots- und nachfrageseitige Berechnung maßgeblich aufbaut. Eine Reihe verschiedener Hilfsstatistiken wurde zudem verwendet, die an dieser Stelle nicht gesondert aufgeführt werden. Eine komplette Übersicht aller Hilfsstatistiken ist in Tabelle A-4 im Anhang verfügbar.

4.4.2.2 Bundesärztekammer

Neben der umfangreichen Beschäftigungsstatistik der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die im vorherigen Abschnitt bereits dargestellt wurde, wurde eine weitere von der BÄK und der KBV im Rahmen der jährlichen Ärztestatistik veröffentlichte Kennzahl verwendet. Die Anerkennung von Facharztbezeichnungen ist ein wichtiger Indikator für die ärztliche Weiterbildung. Die Gliederungsmerkmale sind in Tab. 4-15 dargestellt.

← 119 | 120 → Tab. 4-15: Gliederungsmerkmale der Ärztestatistik – Anerkennung von Facharztbezeichnungen

MerkmalAusprägung
Jahreab 1998
RegionDeutschland
Geschlechtinsgesamt, weiblich
Gebiets-/Facharztbezeichnung80 Gebiets- und Facharztbezeichnungen entsprechend der (Muster-) Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer von 2003

Quelle: Bundesärztekammer (2011), eigene Darstellung.

4.4.2.3 Kultusministerkonferenz

Unter der Kurzform Kultusministerkonferenz wird die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland verstanden. In ihr sind seit dem Jahr 1948 alle für Bildung und Erziehung, Hochschulen und Forschung sowie kulturelle Angelegenheiten zuständigen Minister bzw. Senatoren der Länder zusammengeschlossen.363

Seit dem Jahr 1963 werden in regelmäßigen Abständen Schüler- und Schulabsolventenprognosen veröffentlicht. Seit 1972 werden diese Modellrechnungen auch für die Entwicklung des Hochschulbereichs durchgeführt. Dabei fließen die Prognosezahlen der Schüler und Absolventen zum einen bei den Berechnungen des zukünftigen Lehrerbedarfs und der Nachfrage nach Ausbildungsstellen ein. Zum anderen stellen die Schüler mit allgemeiner Hochschulreife die Eingangsgrößen für die Hochschulprognose dar.364

Die Schülerprognose im Rahmen der „Vorausberechnung der Schüler- und Absolventenzahlen 2005 bis 2020“ berechnet die Anzahl der Schüler in Deutschland bis zum Jahr 2020 in den Bereichen:

Schüler an allgemein bildenden Schulen

Schüler an beruflichen Schulen

Schüler nach Bildungsbereichen

Darunter Vorschulbereich; Primarbereich, Sekundarbereich I, Sekundarbereich II (getrennt nach allgemein bildenden Schulen und beruflichen Schulen)

Förderschulen

Schulanfänger

← 120 | 121 → Die Absolventen und Abgänger werden in dieser Vorausberechnung ebenfalls getrennt nach:

Allgemein bildende Schulen insgesamt, darunter: – ohne Hauptschulabschluss

mit Hauptschulabschluss

mit Realschulabschluss

mit Fachhochschul- und Hochschulreife

Absolventen beruflicher Schulen, darunter:

mit Fachhochschul- oder Hochschulreife

Absolventen aller Schulen mit Fachhochschul- oder Hochschulreife

Darauf aufbauend werden in der Modellrechnung „Vorausberechnung der Studienanfängerzahlen 2009-2020“ die Anzahl der jährlichen Studienanfänger bis zum Jahr 2020 im gesamten tertiären Bereich prognostiziert.

Diese offiziellen Prognosen des Ausbildungsgeschehens können im Rahmen dieser Arbeit bei der Bestimmung der Neuzugänge verwendet werden. Zum Zeitpunkt der Berechnung lagen sowohl für die Schüler- und Absolventenprognose als auch für die Hochschulprognose Vorausberechnungen bis zum Jahr 2020 vor.365

4.4.2.4 Statistisches Bundesamt und Statistische Landesämter

Weitere benötigte Daten, die nicht von einem der genannten Datenhalter stammen bzw. im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes nicht veröffentlicht werden, stammen direkt aus dem Datenangebot des Statistischen Bundesamtes bzw. den Statistischen Landesämtern. Zu diesen Daten gehören Bevölkerungsstatistiken, auch auf regionaler Ebene, Ausbildungs- und Hochschulstatistiken sowie weitere regionale Krankenhaus- und Pflegestatistiken, die zwar in die Statistiken der Gesundheitsberichterstattung mit einfließen, deren Detaillierungsgrad bei der Überführung allerdings nicht beibehalten wird.

Vom Statistischen Bundesamt stammen die Zahlen zum Bevölkerungsstand der zurückliegenden Jahre, differenziert nach Altersjahren und Geschlecht.366 Diese werden benötigt, um alters- und geschlechtsspezifische Bezugsgrößen ermitteln zu können. Für die zukünftige Bevölkerungsentwicklung wird auf die bundeslandspezifischen Bevölkerungsvorausberechnungen der Statistischen Landesämter zurückgegriffen, die ebenfalls nach Altersjahren und Geschlecht ← 121 | 122 → differenziert werden und bis zum Jahr 2030 reichen.367 Dadurch kann ein detailliertes Abbild der zukünftigen Alters- und Geschlechtsstruktur in den einzelnen Bundesländern ermittelt werden. Eine genaue Übersicht aller verwendeten Bevölkerungsvorausberechnungen sowie deren Bezugsjahr finden sich in Tabelle A-5 im Anhang.

Um das Ausbildungsgeschehen in den relevanten Prognoseberufen untersuchen zu können, wurden verschiedene Quellen des Statistischen Bundesamtes verwendet. Dazu zählen folgende regelmäßigen Veröffentlichungen, die teilweise bis zum Jahr 2002/2003 zurückreichen:

Fachserie 11 Reihe 2 – Berufliche Schulen

Fachserie 11 Reihe 3 – Berufliche Bildung

Fachserie 11 Reihe 4.1 – Studierende an Hochschulen

Fachserie 11 Reihe 4.2 – Prüfungen an Hochschulen

Diese Veröffentlichungen enthalten detaillierte Statistiken zum Ausbildungsgeschehen der einzelnen Prognoseberufe und lassen Aussagen über die Zahl von Ausbildungsanfängern und Ausbildungsabsolventen zu.

Darüber hinaus wurden regionale Krankenhaus- und Pflegestatistiken der Statistischen Landesämter verwendet, um die Daten der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, die nicht in allen Gliederungsebenen die für die regionale Betrachtung notwendige Detailtiefe bereitstellt, weiter zu untermauern. Eine Liste aller verwendeten Statistiken findet sich in Tabelle A-6 im Anhang. Diese stellen zur GBE konforme Gliederungsmerkmale für Berufe und Einrichtungen zur Verfügung.

_________________

329 Vgl. Statistisches Bundesamt (1998), S. 13.

330 Die aktuelle Version findet sich unter OECD et al. (2011).

331 Vgl. GBE (2012c).

332 Vgl. Ebd.

333 Vgl. GBE (2012c).

334 Vgl. Ebd.

335 Vgl. GBE (2012c).

336 Dazu gehören u. a. Statistik sozialversicherungspflichtig Beschäftigter der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Ärztestatistik der Bundesärztekammer (BÄK), Zahnärztestatistik der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Auszubildendenstatistik des Statistischen Bundesamts (StBA), Krankenhausstatistik des StBA, Pflegestatistik des StBA. Vgl. Ebd.

337 Vgl. Ebd.

338 Vgl. Ebd.

339 Darunter wird die Anzahl der Beschäftigten verstanden, wenn der Umfang aller Beschäftigungsverhältnisse auf die volle tarifliche Arbeitszeit umgerechnet wird. Entsprechend ist ein Vollzeitäquivalent einem Vollzeitbeschäftigten gleichzusetzen.

340 Vgl. GBE (2012c).

341 Statistisches Bundesamt (1998), S. 287.

342 Vgl. Afentakis/Böhm (2009), S. 8.

343 Vgl. Afentakis/Böhm (2009), S. 19; GBE (2012a).

344 Vgl. GBE (2012a); GBE (2012b).

345 Vgl. Afentakis/Böhm (2009), S. 19.

346 Vgl. GBE (2012a); GBE (2012b).

347 Vgl. Afentakis/Böhm (2009), S. 19; GBE (2012a).

348 Vgl. GBE (2012b).

349 Vgl. Afentakis/Böhm (2009), S. 19.

350 Beschäftigungseffekte der Mundgesundheitswirtschaft, zu der die Zahnarztpraxen zählen, werden in Klingenberger et al. (2012) dargestellt.

351 Vgl. GBE (2012a).

352 Vgl. Afentakis/Böhm (2009), S. 9.

353 Vgl. Afentakis/Böhm (2009), S. 9f; GBE (2013d).

354 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2009).

355 Vgl. Statistisches Bundesamt (1992).

356 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2012b).

357 Die Angaben beziehen sich auf die KldB 1988, vgl. Bundesagentur für Arbeit (2009). Die Zahlen in Klammern ist die entsprechende Anzahl in der KldB 1992. Vgl. Statistisches Bundesamt (1992).

358 Vgl. Bährle (2011), S. 76.

359 Vgl. WHO (2010), S. 9.

360 Die hier definierten Anforderungen wurden aus den zuvor identifizierten Angebots- und Nachfragedeterminanten abgeleitet. Eine vergleichbare, aber allgemeinere Darstellung findet sich unter WHO (2010), S.10.

361 Siehe www.gbe-bund.de.

362 Vgl. Schelhase (2012), S. 377.

363 Vgl. Kultusministerkonferenz der Länder (2013).

364 Vgl. Kultusministerkonferenz der Länder (2007), S. 7; Kultusministerkonferenz der Länder (2005), S. 1.

365 Vgl. Kultusministerkonferenz der Länder (2007); Kultusministerkonferenz der Länder (2009); vgl. Kapitel 5.1.3.

366 Die Daten sind der GENESIS-Online Datenbank unter dem Stichwort Fortschreibung des Bevölkerungsstandes bzw. dem Code 12411-0006 zu entnehmen.

367 Bis auf eine Ausnahme, bis 2025.