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Dean Gyoyuk – Reformpädagogik in Südkorea

Jung-In Lee

Die Reformpädagogik – genannt Dean Gyoyuk – stellt eine Neubestimmung der Humanität in den pädagogischen Konzepten in Südkorea dar. Insbesondere die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit steht im Mittelpunkt des pädagogischen Handelns. Vor diesem Hintergrund strebt die Reformpädagogik eine humanitäre Gesellschaft an, in der gute Schulzeugnisse und die Höhe der formalen Bildungsabschlüsse nicht mehr der alleinige Kategorisierungsmaßstab für die Menschen sein sollen. Dean Gyoyuk markiert somit einen Wendepunkt in der bisherigen südkoreanischen Bildungsentwicklung. Diese Untersuchung befasst sich mit der Bildungsgeschichte, dem Bildungssystem sowie aktuellen reformpädagogischen Bewegungen in Südkorea. Erziehung und Bildung werden vor dem Hintergrund geschichtlicher, kultureller, gesellschaftlicher und bildungspolitischer Kontexte analysiert und interpretiert.
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4.4. Problemlagen von südkoreanischen Jugendlichen und Lösungsansätze der Reformpädagogik

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Die hohe Quote der jugendlichen Schulabbrecher stellt in Südkorea nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft ein drängendes und ernst zu nehmendes Problem dar. Nach dem traditionellen Bildungsverständnis ← 261 | 262 → vollzieht sich die formelle Bildung innerhalb der Schule und wer der Schulpflicht nicht nachkommt, wird häufig mit den Begriffen ‚Unfähigkeit‘ und ‚Armut‘ in Verbindung gebracht (H.-Y. Lee 2008, S. 62). Aufgrund der stark leistungsorientierten südkoreanischen Gesellschaft und der Bedingungen am Arbeitsmarkt haben Jugendliche, die ihre Bildungslaufbahn ohne Abschlüsse frühzeitig beenden, mit tief greifenden Konsequenzen zu rechnen. Um sich im Berufsleben erfolgreich etablieren zu können, müssen die Jugendlichen zumindest einen Oberschulabschluss machen. Das Erreichen dieses Bildungszieles ist jedoch mit dem frühzeitigen Schulabbruch (Drop-out) stark gefährdet. Das Phänomen Schulabbruch wird in Südkorea mit einer Vielzahl von Bezeichnungen wie etwa Schulverweigerung, Schulabsentismus, Lernabbruch, Schüler außerhalb der Schule, Abbrecher oder Aussteiger umschrieben. Das südkoreanische Bildungsministerium verwendete erstmals 2002 offiziell den Begriff „Lernabbruch von Jugendlichen“ und vereinheitlichte die Vielzahl von gebräuchlichen Begriffen mit dem Ziel, den Schulabbruch neutral als Phänomen zu beschreiben. Darüber hinaus sollen die Ursachen für den Schulabbruch nicht mehr in die Verantwortlichkeit des einzelnen Schülers gelegt werden, sondern auch die institutionellen Bereiche wie Familie, Schule, Peergroup in den Kontext einbezogen werden. Auch diejenigen Schüler, die nicht freiwillig, sondern zwangsläufig die Schule verlassen müssen, werden unter den Lernabbrechern zusammengefasst (Korea...

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