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Zur Notwendigkeit eines Vater-Kind-Erwachsenenstrafvollzuges

Eine kritische Betrachtung der §§ 80 Abs. 1, 142 StVollzG und der bestehenden Vollzugspraxis in Deutschland

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Jana Kudlacek

In Deutschland können straffällige Mütter ihre nicht-schulpflichtigen Kinder im Falle einer Inhaftierung unter bestimmten Umständen während ihres Gefängnisaufenthaltes bei sich behalten. Es hat sich gezeigt, dass diese Kinder seltener von Entwicklungsbeeinträchtigungen betroffen sind und bei der Verinnerlichung von sozialen Normen und Werten weniger Probleme haben, als Kinder, die durch Inhaftierung von ihren Müttern getrennt wurden. Darüber hinaus stellte sich heraus, dass Mütter, die ihre Kinder während der Haft bei sich hatten, seltener rückfällig wurden, als Mütter, die durch eine Inhaftierung von ihren Kindern getrennt wurden. Aufgrund dieser positiven kriminologischen Aspekte des Mutter-Kind-Vollzuges ist dieser ein fester Bestandteil des deutschen Strafvollzuges. Dennoch gibt es kein dementsprechendes Vollzugsmodell für Väter und ihre Kinder. Mit der Frage, ob dieser Zustand kriminologisch sinnvoll ist und juristischen Anforderungen gerecht wird, beschäftigt sich die Untersuchung.
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2. Kapitel: Stand der internationalen Forschung

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Dass eine Trennung von Eltern und Kindern unabhängig von dem Grund der Trennung mit negativen Folgen einhergeht wurde bereits sehr früh empirisch belegt.

Bereits 1945 legte Spitz die erste richtungsweisende Studie zur Trennung von Kindern und ihren Müttern vor. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Kinder, die durch Krankenhausaufenthalte von ihren Müttern getrennt wurden, an Entwicklungsbeeinträchtigungen und -verzögerungen litten7 und Säuglinge bei der Trennung von ihrer Mutter den Eindruck machten, als hätte man ihnen ein für die Lebenserhaltung wichtiges Element entzogen.8

Einige Jahre später berichtete auch Bowlby von den negativen traumatischen Folgen der Trennung von Kindern und ihren Eltern, bezogen auf das Sicherheitsempfinden der Kinder und ihre Fähigkeit zur Verinnerlichung sozialer Normen und gesellschaftlicher Werte.9 Auch schulisches Versagen von Kindern nach der Trennung von ihren Müttern wurde häufig beobachtet und dokumentiert,10 sowie die Entwicklung eines geringen Selbstwertgefühls und Selbstbewusstseins der betroffenen Kinder und das häufige Auftreten von Depressionen. 11 Die Auswirkungen einer Trennung von Eltern und Kindern aufgrund einer Inhaftierung der Eltern wurde erst einige Jahre später empirisch untersucht. ← 5 | 6 →

Im Folgenden werden die zentralen sozialwissenschaftlichen Befunde zu den Folgen einer Trennung von Kindern und Eltern aufgrund einer Inhaftierung skizziert. Dabei wurden nur Studien berücksichtigt, die eine hohe methodische Qualität aufweisen.

Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt auf der Situation in der Bundesrepublik Deutschland. Studien zur Trennung von Kindern und ihren Eltern...

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