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«Der Charakter des Spielplans bestimmt das Wesen des Theaters»

Die Bayerische Staatsoper in München zwischen 1918 und 1943

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Claudia Irion-Senge

Die Studie untersucht die Auswirkungen der nationalsozialistischen Kunst- und Kulturpolitik im Bereich des Musiktheaters, dargestellt am Beispiel der Bayerischen Staatsoper in München. Anhand eines rekonstruierten Spielplans der Weimarer Zeit und des Dritten Reiches, einer detaillierten Spielplananalyse sowie ausführlichen Archivrecherchen wird herausgearbeitet, wie sich die Spielplangestaltung unter dem Einfluss von unterschiedlichen Regierungsformen darstellt. Thematisiert wird darüber hinaus auch, ob und wie sich die Institution der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung ihres Generalintendanten Clemens Krauss – immerhin Hitlers Lieblings-Opernhaus – als Propagandainstrument im Dritten Reich instrumentalisieren ließ.
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Schlussbetrachtung

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Es gilt Abschied zu nehmen, Abschied von der Vorstellung, dass spätestens mit dem Erlass des Reichstheatergesetzes im Frühjahr 1934 ein zentraler staatlicher Lenkungsapparat einem unzensierten und freien städtischen Regietheater ein Ende bereitet hat. Abschied muss außerdem von der Meinung genommen werden, dass das Publikum schlagartig zwangsorganisiert, flankierende Sozialmaßnahmen für die Einbindung und Verpflichtung der Künstlerschaft durchgeführt und alles einer einzigen propagandistischen Aufgabe unterworfen wurde, um das Theater als Führungsmittel zu missbrauchen. Nach eingehender Untersuchung lässt sich feststellen, dass es unter dem Aspekt des tatsächlich Realisierten kein typisch nationalsozialistisches Theater war, was da ab 1932/33 auf den Bühnen geboten wurde.

Die vorliegende Lokalstudie hatte zum Ziel, die Einflüsse nationalsozialistischer Theaterpolitik am Beispiel der Bayerischen Staatsoper in München zu untersuchen. Dem zu Beginn der Untersuchung gestellten Fragenkomplex wurde anhand eines zentralen Aspektes des Theaterlebens nachgegangen: den Spielplänen und ihren politisch-ideologischen Bestimmungsfaktoren. Die Studie förderte darüber hinaus in den unterschiedlichsten Bereichen Krisen zutage, die sich im Hinblick auf die nach außen hin imposante Propagandafassade durch verschiedene neugeschaffene Instanzen, wie beispielsweise das Reichspropagandaministerium, die Reichstheaterkammer oder dem Reichsdramaturgen, nicht mit den vorgeblichen Zielen einer „nationalsozialistischen Theaterpolitik“ in Einklang bringen ließen.

Die signifikantesten Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung lassen sich in insgesamt vier Kernaussagen zusammenfassen:

1.Zunächst hatte die NSDAP als Partei nur sehr ungenaue Vorstellungen von der Kulturpolitik, die sie betreiben wollte. Wohl konnte der Nationalsozialismus die Künstler durch...

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