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Rudolf Michael

Vom Kaiserreich zur Bild-Zeitung: Ein deutsches Journalistenleben im 20. Jahrhundert

Christian Sonntag

Er war einer der erfolgreichsten Journalisten in der jungen Bundesrepublik: Rudolf Michael (1890-1980) machte Bild zur größten und wichtigsten Boulevardzeitung Deutschlands. Sein Erfolgskonzept, der desillusionierten deutschen Nachkriegsgesellschaft möglichst wenig Politik zu bieten, ging grandios auf. Michaels faszinierende Medienkarriere startete im Kaiserreich. In den 1920er Jahren war er Chefredakteur des Hamburgischen Correspondenten, das Dritte Reich überlebte er als Innenpolitikchef beim Hamburger Fremdenblatt. Dort schrieb er bis April 1945 Durchhaltepropaganda. Anhand seines außergewöhnlichen Journalistenlebens erzählt das Buch ein spannendes Stück deutscher Mediengeschichte im 20. Jahrhundert. Einen besseren Einstieg in das Thema kann es kaum geben.
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4. Im Dritten Reich

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4.  Im Dritten Reich

Zwischen den Zeilen

Hindenburg, der von Michael inzwischen bedenkenlos verehrte greise Reichspräsident, hatte sich lange dagegen verwahrt, den „Gefreiten Hitler“ zum Reichskanzler zu machen. Nach der Demission Kurt von Schleichers gab er den Einflüsterungen seiner Berater allerdings nach und fällte jene Entscheidung, für die ihn „kommende Geschlechter im Grabe verfluchen“ würden, wie Erich von Ludendorff ihm hellseherisch prophezeite. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war eine der wenigen Entscheidungen des Reichspräsidenten, die die Fremdenblatt-Redaktion nicht ausdrücklich unterstützte. In den ersten Februartagen blieben die für die Kommentierung der innenpolitischen Ereignisse maßgeblichen Redakteure von Eckhardt, von Müller und Michael in ihrer Haltung gegenüber der neuen Regierung kritisch. „Wir fragen noch einmal: War das nötig?“, schrieb Michael in der Abendausgabe des 2. Februar und warnte davor, die Polizei in den politischen Kampf mit der KPD mit einzubeziehen. Durch autoritäre Maßnahmen gegen die Linke könnten sich KPD und SPD gezwungen sehen, zusammen zu gehen, was Michael auch noch nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler als Hauptgefahr ausmachte. Trotz aller Kritik an Hitlers Rede, die darin kulminierte, dass der neue Reichskanzler keine politischen Lösungsvorschläge, sondern nur plakative Zielsetzungen aufgezeigt habe, war er gewillt, auch Positives herauszuhören. Niemand dürfe den „leidenschaftlichen Willen zur Verantwortung und zur Arbeit missdeuten, der aus der Kundgebung Hitlers und des Reichskabinetts spricht“, schrieb er.130

In Michaels beruflichem Alltag änderte sich mit der Macht...

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