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Die Jauerer Schlossbibliothek Ottos des Jüngeren von Nostitz

Teil 1 und Teil 2

Richard Sipek

Die Bibliothek Ottos des Jüngeren Freiherr von Nostitz, die heute in der Prager Nostitzbibliothek verwahrt wird, stellt mit ihren ungefähr 5.000 Bänden eine der bedeutendsten niederschlesischen Barockbibliotheken dar. Zugleich legt sie Zeugnis ab von der außergewöhnlichen Buchleidenschaft eines in den Rekatholisierungsprozessen seiner Zeit aktiven Adeligen. In der Jauerer Schlossbibliothek sind ältere adlige sowie bürgerliche Bibliotheken erhalten, die mithilfe der Provenienzforschung rekonstruiert werden konnten. Sie stellen die faszinierende Bibliothekslandschaft Schlesiens in Renaissance und Barockzeit dar.
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III. Die Bibliothek im Schloss Jauer

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III.DIE BIBLIOTHEK IM SCHLOSS JAUER

Am 24. April 1651 schrieb Otto in seinem Tagebuch auf: „meine bibliothek anfangen aufzurichten“.94 Es ging freilich nicht um die Zeit, als Otto anfing, die ersten Bücher einzukaufen. Trotzdem bezeichnet das Datum den tatsächlichen Beginn der Entstehung einer der bedeutenden schlesischen Büchersammlung, die nach der engen Beziehung zwischen ihr und ihrem Gründer und Vergrößerer als bibliotheca selecta bezeichnet werden kann.95 Ottos Buchleidenschaft ist nicht nur unmittelbar in den Büchern spürbar, sondern findet auch in seinem Tagebuch sowie in den erhaltenen Archivurkunden ihren Ausdruck; nicht zuletzt wird sie bereits von zeitgenössischen, jedoch auch späteren Schriftstellern bemerkt und gelobt.

Eine der ersten Nachrichten über die Jauerer Schlossbibliothek Ottos des Jüngeren von Nostitz, zusammen mit der überraschend ausführlichen Beschreibung der Bibliothekssäle und des Zustandes der Bibliothek, bietet das Buch Phoenix redivivus von Ephraim Ignaz Naso von Loewenfels:96 „Gegen Niedergang der Sonnen sind zweyfache Zimmer, worinnen die herrliche Nostitzische Bibliothec (welche fast denen anderen im gantzen Lande Schlesien den Ruhm, und Beruff abgewonnen) in annehmlicher Ordnung, auf allen Seiten mit überhangenden roth=weiß und blau=vermischten Decken sauber verwahrt, dazu einem jedweden Liebhaber der freye Zutritt vergönnet wird. Oben, über den ordentlichen Reyen der Bücher, sind nach Maßgebung der Lehr=Waaren, viel alte künstliche Bildnüsse nach einander gestellet, welche die wahrhafftige Gestalt, der abgelebeten Urheber, derer dahin gewiedmeten Bücher, eigentlich entwerffen sollen.“97 Der k...

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