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Darstellungen der «Great Migration»

Richard Wright und Jacob Lawrence

Series:

Tobias Schnettler

Die Fotodokumentation 12 Million Black Voices von Richard Wright und Edwin Rosskam und der Gemäldezyklus The Migration of the Negro von Jacob Lawrence befassen sich mit der Great Migration, der afro-amerikanischen Urbanisierungsbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese beiden in Deutschland noch wenig bekannten Werke bedienen sich unterschiedlicher Medien und sind dennoch als Kombinationen von Bild und Text vergleichbar. Sie werden zunächst in ihrem jeweiligen Kontext untersucht – dem dokumentarischen Genre der 1930er-Jahre sowie der afro-amerikanischen Kunst nach der Harlem Renaissance –, um anschließend im close reading des Zusammenspiels von Bild und Text und in einer vergleichenden Analyse zu einer neuen Einschätzung dieser bedeutenden Darstellungen der Great Migration zu gelangen.
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1. Die Great Migration

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Die Great Migration war, wie Henry Louis Gates Jr. anmerkt, die größte Bevölkerungsbewegung der afro-amerikanischen Geschichte seit der Verschleppung aus Afrika.13 Innerhalb weniger Jahrzehnte zog es einen großen Teil der Afro-Amerikaner in die städtischen Ballungszentren im Süden und im Westen des Landes, vor allem aber in den industriell geprägten Norden der USA. Als zeitlicher Rahmen der Great Migration werden zumeist die sechs Jahrzehnte zwischen 1910 und 1970 genannt. In einer ersten Phase zogen zwischen 1910 und 1940 rund 1,5 Millionen Afro-Amerikaner vom Süden der USA in den Norden.14 In der Folgezeit beschleunigte sich die Entwicklung. Zwischen 1940 und 1970 verließen rund 5 Millionen Afro-Amerikaner den Süden. James N. Gregory weist zu Recht darauf hin, dass die landesinterne Migration weißer Amerikaner im 20. Jahrhundert noch deutlich umfangreicher war.15 Jedoch war die black community in weit größerem Umfang von der Migration betroffen, wie sich am prozentualen Anteil der Migranten an der afro-amerikanischen Gesamtbevölkerung erkennen lässt. Noch 1910 lebten 90 Prozent der Afro-Amerikaner im Süden der USA, 75 Prozent davon in landwirtschaftlich geprägten Regionen.16 1940 waren es noch 77 Prozent im Süden, 1970 schließlich nur noch 47 Prozent.

Gegenstand dieser Arbeit ist die erste Phase der Great Migration (1910 – 1940), da sich die beiden untersuchten Werke, die jeweils 1941 veröffentlicht beziehungsweise erstmals ausgestellt wurden, genau mit dieser Zeit befassen. Schon in dieser Phase lassen sich die Faktoren erkennen, die die...

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