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Darstellungen der «Great Migration»

Richard Wright und Jacob Lawrence

Series:

Tobias Schnettler

Die Fotodokumentation 12 Million Black Voices von Richard Wright und Edwin Rosskam und der Gemäldezyklus The Migration of the Negro von Jacob Lawrence befassen sich mit der Great Migration, der afro-amerikanischen Urbanisierungsbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese beiden in Deutschland noch wenig bekannten Werke bedienen sich unterschiedlicher Medien und sind dennoch als Kombinationen von Bild und Text vergleichbar. Sie werden zunächst in ihrem jeweiligen Kontext untersucht – dem dokumentarischen Genre der 1930er-Jahre sowie der afro-amerikanischen Kunst nach der Harlem Renaissance –, um anschließend im close reading des Zusammenspiels von Bild und Text und in einer vergleichenden Analyse zu einer neuen Einschätzung dieser bedeutenden Darstellungen der Great Migration zu gelangen.
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4. Die Migration-Serie und 12 Million Black Voices im Vergleich

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Wie die Einzelanalysen von 12 Million Black Voices und der Migration-Serie gezeigt haben, erfordert die Untersuchung dieser beiden Werke eine jeweils spezifische Fragestellung. Dies hängt mit den Unterschieden zwischen den eingesetzten Medien zusammen – Fotografien und Malerei –, aber auch mit dem sehr unterschiedlichen persönlichen Hintergrund, der diese beiden afro-amerikanischen Künstler geprägt hat. Dennoch lassen sich die beiden Werke als Darstellungen der Great Migration miteinander vergleichen. Zunächst ist zu klären, auf Grundlage welcher Anknüpfungspunkte Fotodokumentation und Bilderzyklus verglichen werden können. Anschließend soll geprüft werden, worin sich diese beiden Darstellungen der Great Migration ähneln und worin sie sich unterscheiden. Im Einzelnen sind dabei Aspekte wie die Expressivität der Darstellungen, die Perspektive, die Ziele und das intendierte Publikum der Werke sowie das Verhältnis von Text und Bild zu untersuchen.

12 Million Black Voices und die Migration-Serie sind als Fotodokumentation und als Bilderserie Beispiele unterschiedlicher Genres. Das eine Werk kombiniert einen längeren Fließtext mit Fotografien, während das andere eine Reihe gemalter Bilder durch Bildunterschriften ergänzt, die aus wenigen kurzen Sätzen bestehen. Sieht man von der unterschiedlichen Länge der Texte ab, so bleibt der wesentliche Unterschied der zwischen Fotografie und Malerei. Es stellt sich die Frage, inwiefern diese beiden Formen von Bildern überhaupt miteinander zu vergleichen sind, denn die Unterschiede sind offensichtlich. Ein Ansatzpunkt der Unterscheidung ist die bereits in Kapitel 2.3. besprochene Verbindung zwischen einer Fotografie und der fotografierten Wirklichkeit. Auch wenn diese...

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