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Die Sprach- und Kulturmittlung in Altenbetreuungseinrichtungen

Eine empirische Forschungsarbeit

by Giovanni Bevilacqua (Author)
©2014 Thesis 240 Pages

Summary

Die Bevölkerung in den westlichen Industrieländern altert. Das gilt auch für die Einwanderergeneration, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihr Heimatland aus wirtschaftlichen Gründen verlassen hat und trotz des festen Vorsatzes, nur einige Jahre in der Fremde zu verbringen, nie wieder zurückgekehrt ist. Dieses Buch beschäftigt sich mit der ersten italienischen Einwanderergeneration in der belgischen Provinz Limburg, die sich nun im Rentenalter befindet und Gebrauch der dortigen Gesundheits- und Altenbetreuungseinrichtungen macht. In dieser empirischen Forschungsarbeit wurde anhand einer teilnehmenden Beobachtung und eines Fragebogens ermittelt, welche Bedürfnisse die älteren Italiener haben, ob sich diese Bedürfnisse von denen der einheimischen Älteren unterscheiden und ob sie von den Verantwortlichen wahrgenommen und befriedigt werden.

Table Of Contents

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungen
  • Teil I
  • 1. Die italienische Gemeinschaft in Limburg
  • Einleitung
  • 1.1 Die Einwanderung von Italienern nach Belgien
  • 1.1.1 Die Einwanderung von Italienern nach Flandern bis zum Zweiten Weltkrieg
  • 1.1.2 Die Einwanderung von Italienern nach Flandern ab 1944
  • 1.2 Wie lebten die Italiener?
  • Die Reise der Hoffnung
  • Der erste Kontakt mit der Arbeit im Bergwerk
  • Wo lebten die Italiener?
  • Die Frauen
  • Freizeit
  • Die Missionare
  • 1.3 Die Sprache
  • Das Integrationsmodell in Limburg
  • Die drei Einbürgerungsgesetze
  • Die italienische Gemeinschaft in Limburg heute
  • Schlussfolgerungen
  • 2. Ältere Menschen und ihre Betreuung in Limburg
  • Einleitung
  • 2.1 Die einheimischen älteren Menschen in Limburg
  • 2.2 Die italienischen älteren Menschen in Limburg und die Nutzung der dortigen Gesundheits- und Betreuungseinrichtungen
  • 2.3 Gesundheitsversorgung älterer Menschen in Flandern
  • 2.3.1 Der Betreuungsbedarf der älteren einheimischen Bevölkerung
  • 2.3.2 Der Betreuungsbedarf der älteren Italiener in Limburg
  • Schlussfolgerungen
  • Teil II
  • 3. Methodologie
  • Einleitung
  • 3.1 Die ersten Schritte dieser Forschungsarbeit
  • 3.1.1 Quantitative oder qualitative Analyse?
  • 3.2 Erste Schritte bei der Erforschung des Dolmetschens
  • 3.2.1 Die Forschung im Bereich Konsekutiv- und Simultandolmetschen
  • 3.3 Theorien und Modelle im Bereich Sprach- und Kulturmittlung
  • 3.3.1 Einige Bemerkungen zum Begriff „Kultur“
  • 3.3.2 Einige Bemerkungen zum Begriff „Sprach- und Kulturmittlung“
  • 3.3.3 Integrationsmodelle
  • 3.4 Der Sprach- und Kulturmittler
  • 3.4.1 Die Rolle des Sprach- und Kulturmittlers
  • 3.4.1.1 Die Rolle des Sprach- und Kulturmittlers im Gesundheitswesen
  • 3.4.1.2 Die Begriffe „Neutralität“ und „Normen“
  • 3.5 Theorien und Modelle, die die Grundlage dieser Forschungsarbeit bilden
  • Schlussfolgerungen
  • Teil III
  • 4. Empirische Forschung
  • Einleitung
  • 4.1 Fokusgruppe
  • 4.2 Teilnehmende Beobachtung
  • 4.3 Fragebogen
  • Schlussfolgerungen
  • Schlussbemerkungen
  • Literaturverzeichnis
  • Anhang
  • Fragebogen für das Personal, das Kontakt zu Älteren Ausländischen Personen Hat
  • Teil I: Berufserfahrung mit älteren AUSLÄNDISCHEN Patienten/Bewohnern
  • Teil II: Berufserfahrung mit älteren ITALIENISCHEN Patienten/Bewohnern
  • Teil III: Sprache und Kommunikation mit älteren ITALIENISCHEN Patienten/Bewohnern
  • Teil IV: Zu berücksichtigende Punkte im Bereich Sprache und Kommunikation beim Umgang mit älteren ITALIENISCHEN Patienten/Bewohnern

Giovanni Bevilacqua

Die Sprach- und Kulturmittlung in Altenbetreuungseinrichtungen

Eine empirische Forschungsarbeit

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Umschlagabbildung:
Abdruck mit freundlicher Genehmigung
von Peggy Daut.

ISSN 1436-0268
ISBN 978-3-631-65018-9 (Print)
E-ISBN 978-3-653-03931-3 (E-Book)
DOI 10.3726/978-3-653-03931-3

© Peter Lang GmbH
Internationaler Verlag der Wissenschaften
Frankfurt am Main 2014
Alle Rechte vorbehalten.
Peter Lang Edition ist ein Imprint der Peter Lang GmbH.

Peter Lang – Frankfurt am Main · Bern · Bruxelles · New York ·
Oxford · Warszawa · Wien

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Diese Publikation wurde begutachtet.

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Vorwort

Das Thema der immer älter werdenden Bevölkerung ist eines der meist diskutierten in den Industrieländern. Der Aging Report 2012 der Europäischen Kommission besagt, dass sich aufgrund von Faktoren wie Fruchtbarkeit, Lebenserwartung und Migrationsrate die Altersstruktur der EU-Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten dramatisch verändern wird. In 50 Jahren wird die Gesamtbevölkerungszahl etwas höher sein, die Menschen sind jedoch erheblich älter. Wird ein solch starker Anstieg der Zahl älterer Menschen nicht von angemessenen Maßnahmen begleitet, so hat er sicherlich schwerwiegende Auswirkungen auf die Volkswirtschaften und Gesellschaften der Mitgliedsstaaten. Momentan kommen auf jeden über 65-Jährigen noch vier Personen im erwerbsfähigen Alter, aber für das Jahr 2060 sieht Eurostat eine Halbierung dieses Verhältnisses vorher. Der Anteil der über 65-Jährigen wird von momentan 17% auf 30% im Jahr 2060 ansteigen, während der Anteil der über 80-Jährigen 12% gegenüber 5% im Jahr 2010 betragen wird (Europäische Kommission, 2012: 26).

Die Wanderungsbewegungen der letzten 20 Jahre haben die sozio-ökonomischen Strukturen vieler europäischer Länder radikal verändert. Italien, das für mehr als ein Jahrhundert ein Auswanderungsland war, wurde nun mit dem bis dahin nie dagewesenen Phänomen der Einwanderung konfrontiert. Auf der anderen Seite stehen Länder wie Belgien, die seit je her Einwanderungsländer sind, einem ganz anderen Problem gegenüber, und zwar dem der Betreuung der alternden Einwanderergeneration, auf das sie nicht vorbereitet waren. Damals dachten die Politiker, die Anwesenheit der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Südeuropa eingewanderten Menschen sei nur von kurzer Dauer. Allein der Begriff „Gastarbeiter“, der in jenen Jahren für die Einwanderer verwendet wurde, zeigt den provisorischen Sozialstatus dieser Personen. Es sei jedoch auch erwähnt, dass diese Einwanderung nicht nur von den Politikern, sondern auch von den Einwanderern selbst als zeitlich befristeter Zustand gesehen wurde. Dieser Auslandsaufenthalt sollte dazu genutzt werden, gutes Geld zu verdienen, um sich dann in Italien eine bessere Existenz aufbauen zu können.

Die Geschichte hat gezeigt, dass es anders gekommen ist. Die Einwanderer sind im Aufnahmeland geblieben, haben Familien gegründet, wobei die Geburt ihrer Kinder und Enkelkinder sie unzertrennlich mit ihrer neuen Heimat verbunden hat. Diese Menschen konnten nicht mehr nach Italien zurückkehren, da sie sich nicht mehr als Italiener fühlten. Stattdessen haben sie in den neuen Ländern und Städten versucht, die Sitten und Gebräuche ihrer Heimat aufrecht zu erhalten und damit die Isolierung von der einheimischen Bevölkerung verstärkt.

Viele Einwanderer sind in den Aufnahmeländern geblieben und haben manchmal sogar die italienische für die dortige Staatsbürgerschaft eingetauscht, was von vielen als Zeichen einer gelungenen Integration gesehen wird. Dem gegenüber steht jedoch, in den letzten 20 Jahren, die Entstehung neuer Berufsbilder wie die des Sprach- und Kulturmittlers, die genau das Gegenteil beweisen.

Natürlich kann die Alterung der Bevölkerung nicht nur als negativ, besorgniserregend und Unsicherheit stiftend gesehen werden. Die WHO sagt richtigerweise, „Alt werden ist Privileg und ein Ziel der Gesellschaft. Es ist auch eine Herausforderung, die Auswirkungen auf alle Aspekte der Gesellschaft im XXI. Jahrhundert hat.“ Daher hat die europäische Kommission im November 2010 eine öffentliche Anhörung zum Thema „aktives Altern der Bevölkerung“ begonnen, die bis Ende Januar 2011 gedauert hat, an der öffentliche und private Organisationen, Angehörige der medizinischen Berufe, Unternehmen und einzelne Bürger teilnehmen können und die das Ziel verfolgt, Instrumente aufzuzeigen, die die mit der Alterung der Bevölkerung verbundenen Probleme verringern können und gleichzeitig deren Gesundheit und Eigenständigkeit verbessern, was mit nicht unerheblichen wirtschaftlichen Vorteilen für die Mitgliedsstaaten verbunden ist.

Grundlage dieser Forschungsarbeit ist die Alterung der im belgischen Limburg lebenden italienischen Bevölkerung und die Frage, ob diese ausländischen älteren Menschen besondere Betreuungsbedürfnisse haben. Natürlich stehen nicht nur die Ausländer dem Phänomen der Alterung gegenüber, sondern auch die gesamte einheimische Bevölkerung der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und damit auch Flandern. Die Daten des dritten „demography report 2010“, die von Eurostat und der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission veröffentlicht wurden, bestätigen diese Aussage. Spricht man von demographischem Wandel, so bezieht sich dies nicht nur auf die Alterung der Bevölkerung, sondern auch auf andere Aspekte wie die Geburtenrate und die Zahl der in Europa ansässigen Ausländer. Insbesondere die letzten beiden Aspekte sind im Report 2010 als Faktoren dargestellt worden, die die Alterung der Bevölkerung verlangsamen. Viele Einwanderer erreichen Europa als junge Menschen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren. Es handelt sich um circa 20 Millionen Einwanderer in den 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union; 5 Millionen haben 2001 die Staatsbürgerschaft eines dieser Länder erhalten. In Zukunft, so der Bericht, wird die Arbeitswelt von einer steigenden Anzahl an Einwanderern geprägt sein; 2060 wird ein Drittel der Arbeitnehmer in der Union zumindest einen Elternteil mit Migrationshintergrund haben. Daraus ergibt sich für die Mitgliedsstaaten die Notwendigkeit, alles für die Integration dieser Menschen zu tun, die als Ressource für die Union angesehen werden müssen. Die im Bericht aus dem Jahr 2010 veröffentlichten Daten über die Staatsangehörigkeit der zehn größten Einwanderergruppen beziehen sich auf das Jahr 2008. Mehr als 55% der Einwanderer stammen aus Drittstaaten, der größte Teil (29%) aus Asien, gefolgt von Amerika (24,4%), anderen europäischen Ländern (23%) und Afrika (21,9%). Die Verteilung der Einwanderer auf die verschiedenen Mitgliedsstaaten ist jedoch nicht gleichmäßig; die 5 größten Länder ziehen die meisten Eiwanderer an: 1,6 Millionen Afrikaner in Frankreich, 1,1 Millionen Asiaten in Italien, 2,6 Millionen Europäer aus Nicht-Mitgliedsstaaten in Deutschland und 1,5 Millionen Südamerikaner in Spanien. Spanien, Deutschland und das Vereinigte Königreich sind diejenigen Staaten der EU, die am meisten Einwanderer aufnehmen, nämlich mehr als die Hälfte im Jahr 2008 (53%).

Welche Auswirkungen hat das Alter dieser Einwanderer auf die Altersstruktur der EU?

Im Durchschnitt waren die Einwanderer 2008 jünger als die Bevölkerung ihres Aufnahmelandes: mit Stand 1. Januar 2009 belief sich das Durchschnittsalter der EU-Bevölkerung auf 40,6 und das der Einwanderer auf 28,4 Jahre. Gemäß der neuesten, vom FOD Economie für Belgien veröffentlichten Daten mit Stand 01.01.2010, beläuft sich die Zahl der Einwohner nicht belgischer Staatsbürgerschaft auf 1.057.666 (30% in Brüssel, 9,5% in Wallonien, 6,4% in Flandern). Bezüglich der Italiener stammt die neueste Angabe aus dem Jahr 2008; es handelt sich um 169.027 Personen, womit die Italiener die größte Ausländergruppe darstellen. Zu dieser Zahl müssen diejenigen Menschen hinzugezählt werden, die im Verlaufe der Jahre die belgische Staatsbürgerschaft angenommen haben, sich aber dennoch als Italiener fühlen und Probleme haben, eine der Landessprachen zu sprechen und zu verstehen.

Im Rahmen dieser Forschungsarbeit ist jedoch der Aspekt der Alterung am wichtigsten. Aus einem im Jahre 2010 von Eurostat veröffentlichten Bericht über die jetzige Bevölkerung der 27 Mitgliedsstatten und die Alterungsvorausschau bis 2030 ergibt sich deutlich, dass in allen europäischen Regionen, auch in denen mit zunehmender Geburtenrate, die Zahl der älteren Menschen ansteigen wird (Giannakouris, 2010: 8–11). In den 27 Mitgliedsstatten wird der Anteil der über 65-Jährigen von 17,4% (2010) auf 23,6% (2030) steigen. Wie schon erwähnt, findet die Alterung der Bevölkerung in allen Mitgliedsstaaten statt, in Deutschland (von 20,6% auf 27,6%), in Italien (von 20,3% auf 26,2%), in Spanien (von 16,7% auf 22,1%), in Frankreich (von 16,7% auf 23,2%), im Vereinten Königreich (von 16,4% auf 20,5%), um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie wird die Entwicklung in Belgien und insbesondere in Flandern aussehen? Die ältere Bevölkerung in Belgien wird von 17,2% (2010) auf 22,9% im Jahr 2030 ansteigen. In der Region Brüssel Hauptstadt wird die Alterung am geringsten ausfallen (von 14,2% auf 17,1%). In allen anderen belgischen Regionen liegt der Anstieg bei circa 6–7% (in der Provinz Antwerpen liegt er nur bei 5,7%). Lediglich in einer flämischen Provinz, und zwar in Limburg, in der diese Forschungsarbeit durchgeführt wurde, wird sich der Anstieg auf 9% (von 16,6% auf 25,6%) belaufen.

Details

Pages
240
Publication Year
2014
ISBN (Hardcover)
9783631650189
ISBN (PDF)
9783653039313
ISBN (MOBI)
9783653984842
ISBN (ePUB)
9783653984859
DOI
10.3726/978-3-653-03931-3
Language
German
Publication date
2014 (June)
Keywords
Fragebogen Kommunikation Gesundheitswesen Sprach- und Kulturmittlung
Published
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. 240 S., 49 s/w Abb.
Product Safety
Peter Lang Group AG

Biographical notes

Giovanni Bevilacqua (Author)

Giovanni Bevilacqua studierte Germanistik an der Universität L’Orientale in Neapel (Italien) und Konferenzdolmetschen an der Scuola Superiore di Lingue Moderne per Interpreti e Traduttori di Forlì (Italien). Seit über 20 Jahren arbeitet er als freiberuflicher Konferenzdolmetscher, Übersetzer und Dolmetschdozent an der Fachhochschule der Universität Leuven (Belgien), wo er auch im Bereich Übersetzungswissenschaft promovierte.

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