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Zeitungssprache und Mündlichkeit

Soziopragmatische Untersuchungen zur Sprache in Zeitungen um 1850

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Hirofumi Hosokawa

In dieser Arbeit werden die konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit in verschiedenen Zeitungssorten um 1850 untersucht. Ziel der Untersuchung ist es, die Entwicklung der Zeitung im deutschsprachigen Raum von einem Medium gebildeter Sozialschichten zu einem Massenmedium aus der Perspektive der soziopragmatischen Sprachgeschichtsforschung zu beschreiben und zu erklären. Als zentraler Ansatzpunkt der sprachgeschichtlichen Untersuchung dient dabei die Frage, ob und inwiefern die Verbreitung und Diversifizierung der Zeitung auf der sozialen, lokalen und politolektalen Ebene begründet wurde durch eine Hinwendung zu Sprachgebrauchsweisen der konzeptionellen Mündlichkeit im Medium der geschriebenen Zeitungssprache.
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2. Zur Sprachgebrauchsgeschichte der Zeitung in der Mitte des 19. Jahrhunderts

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Eine häufig zitierte Definition des Wortes Zeitung von DOVIFAT (1976) lautet wie folgt: „Die Zeitung vermittelt jüngstes Gegenwartsgeschehen in kürzester regelmäßiger Folge der breitesten Öffentlichkeit.“ (DOVIFAT [1976: 16]) Diese drei Merkmale (Aktualität, Periodizität und Publizität) und die Universalität unterscheiden die moderne Zeitung von der nicht periodischen „Neuen Zeitung“ im Mittelalter, wobei das Wort Zeitung ,Nachricht‘ oder ,Kunde‘ bedeutete.1 Im Jahre 1609 erschienen zwei noch erhaltene „Ur-Zeitungen“ (WILKE [2008: 41]) mit dem Titel „Aviso“ und „Relation“, die fortlaufend wöchentlich herausgebracht wurden. Seit dem 17. Jahrhundert, in dem die Zeitung als Periodikum entstand, werden neben publizistischen und soziologischen Fragen auch linguistische Fragen nach der Zeitung und der Zeitungssprache gestellt.2 Die „Demokratisierung der Schriftsprache“ (EGGERS [1977: 129]) im 19. Jahrhundert bedeutet in Bezug auf das Zeitungswesen in erster Linie eine Ausweitung der potenziellen Leserschaft, besonders im Bereich der sogenannten Unterschicht.3 Für sie wurden verschiedene neue Zeitungssorten geschaffen. Im Laufe dieses Jahrhunderts entstand und entwickelte sich der neue Berufsstand des Journalisten, des professionellen Schreibers einer Zeitung. Diese Grunddaten zur Sprachgebrauchsgeschichte der Zeitung um 1850 werden im Folgenden zusammengefasst. ← 37 | 38 →

2.1 Der Zeitungsleser in der zunehmend alphabetisierten Gesellschaft

ENGELSING (1966) betont in seiner Untersuchung zur Zeitungsgeschichte die Wichtigkeit der Rollen des Journalisten und des Lesers, denn „in der Gesellschaft treten die Einrichtungen samt ihrer unternehmerischen und technischen Organisation zurück hinter die Menschen, die sie regeln und für die sie geregelt werden“ (ENGELSING [1966: 26]). Auch aus...

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