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Migration und kulturelle Diversität

Tagungsbeiträge des XII. Internationalen Türkischen Germanistik Kongresses- Bd. I: Literatur- und Übersetzungswissenschaft

Metin Toprak and Ali Osman Öztürk

Der erste Band enthält die literatur- und übersetzungswissenschaftlichen Beiträge des XII. Türkischen Internationalen Germanistik Kongresses, der im Mai 2014 in Kocaeli/Türkei unter dem Thema Migration und kulturelle Diversität stattfand. Der Band ist in zwei Hauptkapitel unterteilt und enthält insgesamt 33 Beiträge, die mehrheitlich der Sektion Literaturwissenschaft zugeordnet sind und in aller Breite an den Titel des Kongresses anknüpfen. Es handelt sich dabei auch um Überlegungen und Analysen aus dem Bereich der Übersetzungswissenschaft, deren Themen aber im Fokus der Migration und kulturellen Diversität behandelt werden.
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Das unausgesprochen selbstverständliche des Fremden

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Walter Benjamin schrieb über Kafka: „Er habe sein Leben darüber nachgegrübelt, wie er aussähe, ohne je zu erfahren, dass es Spiegel gibt.“ Was man selbst ist, erkennt man nicht, weil es zu selbstverständlich und unbewusst ist, und dafür gibt es keinen Spiegel. Schlimmer noch: man kann wie Narziss sich über den Wasserspiegel beugen und so von seinem Spiegelbild gefangen sein, dass man in der Illusion der eigenen Großartigkeit in krankhafter Selbstbezogenheit gar nichts mehr erkennt (vgl. Dusini / Edlinger 2012: 170). Aber wer sich selbst nicht in einem Spiegel erkennen kann, der kann auch nicht erkennen, wie sich der „Andere“ von ihm unterscheidet oder ihm ähnlich ist. Vertreter der Multikulturalität meinen oft, dass sich andere Kulturen lernen lassen, weil es sich ja nur um Verschiedenheiten, sprich Diversität, handelt. Dabei ist schon die eigene Kultur so komplex, dass niemand sie auch nur annähernd als Ganzes lernen kann (vgl. Heine u. a. 2014); Žižek (2009: 70f.), erinnert weiter daran, dass der Multikulturalismus „jene Einstellung ist, die von einer Art leerem globalen Standpunkt aus jede Lokalkultur so behandelt, wie der Kolonist seine Kolonisierten behandelt – als ‚Eingeborene‘, deren Sitten genau studiert werden müssen und die es zu ‚respektieren‘ gilt“, dass also der „multikulturalistische Respekt vor der Besonderheit des Anderen“ nichts anderes ist als die „Behauptung der eigenen Überlegenheit.“ Ich versuche den Anderen als Gleichen anzuerkennen, aber er will doch in seiner Andersheit anerkannt werden. Alle sind gleich – anders. Und alle sind...

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