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Eine Wiederbegegnung im neuseeländischen Exil

Der Briefwechsel von Karl Wolfskehl mit Otti und Paul Binswanger (1939-1948)

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Edited By Friedrich Voit

In den Korrespondenzen Karl Wolfskehls aus den Jahren seines neuseeländischen Exils, die er mit über den Globus verstreuten Freunden und Bekannten geführt hat, erscheint der antipodische Inselstaat als exemplarisches Exilland der Zeit, als europaferne «Ultima Thule des Südens». Im Gegensatz dazu gibt Wolfskehls Briefwechsel mit Otti und Paul Binswanger einen nicht stilisierten Einblick in das äußere wie innere Leben des gemeinsam geteilten Exils am anderen Ende der Welt, wo man freilich über 1000 km voneinander getrennt lebte: der Dichter in Auckland und der Gelehrte mit seiner künstlerisch wie schriftstellerisch begabten Frau in Christchurch auf der Südinsel. Diese Briefe sind ein bewegendes Zeugnis der Freundschaft und des wechselseitigen Zuspruchs in schwierigen Zeiten.
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Ein Briefwechsel in Neuseeland

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Mit seinen Briefen aus Neuseeland1 wurde Karl Wolfskehl als einer der bedeutenden Briefschreiber des deutschsprachigen Exils bekannt. Der antipodische Inselstaat hatte dem deutschen Dichter seit 1938 Asyl bis zu seinem Tod 1948 gewährt und ihm so fern vom europäischen Kriegsgeschehen Raum und Ruhe gegeben für ein schaffenskrönendes Spätwerk, dem auch seine umfangreiche und weltumspannende Korrespondenz zuzurechnen ist. Seine Exil-Briefe lassen Wolfskehl nicht allein als einen reichhaltigen Korrespondenten erkenne, der sich auf jeden seiner Briefpartner in Ton und Themen einzustellen vermochte, sie dienten ihm auch dazu, die Fassetten eines Selbstbildes zu gestalten, das ihn, wie er sich selbst immer wieder in den Briefen gerne bezeichnete, als Exul2 und sein Exil als exemplarisch für diese Zeit zeigen sollte. Die Mehrzahl der in der zweibändigen Ausgabe von 1988 immer nur in z.T. knapper Auswahl dokumentierten Korrespondenzen sind an Freunde und Bekannte in Übersee gerichtet – nach Europa, Palästina, USA, Südamerika und nach Kriegsende auch wieder nach Deutschland. Nur ein kleiner Teil der über 450 Briefe hat Adressaten in Neuseeland selbst. Das spiegelt zum einen die tatsächliche Gewichtung innerhalb der Korrespondenz Wolfskehls wider, doch auch eine auffällige Auslassung der Herausgeberin der Briefe. Ein Grund dafür mag gewesen sein, dass die Adressaten dieser Briefe in Deutschland so gut wie unbekannt waren. Dies hat jedoch zur Folge, dass mancher Einblick in Wolfskehls Lebenswirklichkeit im Exil ausgeblendet blieb.

Erkennbar wird dies in zwei fast die ganze neuseeländische Exilzeit umfassenden Briefwechsel, die Wolfskehl in...

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