Show Less
Restricted access

Narrative des Ersten Weltkriegs

Series:

Miriam Seidler and Johannes Waßmer

Wie lässt sich das Fronterlebnis erzählen? Dieser Frage sahen sich die Soldaten im Ersten Weltkrieg gegenüber. Das, was sie an der Front erlebten, ist so neu und einzigartig, so traumatisch und gewaltsam, dass es nicht in Worte gefasst werden kann, selbst wenn es bildlich vor Augen steht. Traditionelle Darstellungsweisen von Krieg und Gewalt werden dem Erleben nicht gerecht. Nicht nur die Kriegsgräuel, auch die gesellschaftliche Rechtfertigung des Krieges und vor allem die Euphorie bei Kriegsbeginn bedürfen einer Sinndeutung. Neben der kulturgeschichtlichen Verortung des Kriegserlebens nimmt der Band vermeintliche Randphänomene wie das Erleben der Heimatfront, den U-Boot-Krieg und den Krieg in Ostpreußen, sowie das weibliche Kriegserleben in den Fokus.
Show Summary Details
Restricted access

Narrative des Ersten Weltkriegs. Einleitende Überlegungen

Extract

Narrative des Ersten Weltkriegs.

Einleitende Überlegungen

An den Schriftstellern fiel mir auf, wie willkürlich sie die Worte setzten, obwohl es doch eine ganz klare Notwendigkeit gab, wie man die Worte setzen muss, dass nämlich die Worte immer in der Reihenfolge stehen, wie sie der Leser erleben soll, zum Beispiel nicht: eine grüne, über mehrere Kuppen ansteigende Wiese; denn zuerst muss dann doch wissen, dass es eine Wiese ist, und daher muss das Wort vorn im Satze stehen. Um mir über das Wichtige klarzuwerden, stellte ich mir steht das ganze Bild mit allen Einzelheiten vor, mit Beleuchtung, jedem Geräusch und jeder seelischen Regung. Dann schrieb ich erst und ließ alles weg, was nicht unbedingt notwendig war. Aber dieses Schema nützte für die Darstellung der wichtigsten Dinge gar nichts. Dafür fehlten mir stets die Worte.1

Der unter dem Pseudonym Ludwig Renn schreibende Arnold Friedrich Vieth von Golßenau legt seinem Protagonisten diese Worte in den Mund. Die Figur Renn versucht an der Front die eigenen Erfahrungen schriftlich festzuhalten. Dabei scheitert er immer wieder an der Unmöglichkeit, seine Erlebnisse in Sprache zu fassen; dennoch erweist sich das Erzählen als Hilfe, denn es bewirkt „eine Heiterkeit in mir, die alles hell machte, was ich sah“.2 Diese Funktion des Schreibens als die Lebensfreude erhaltende Maßnahme wird allerdings als schwieriger Prozess beschrieben. Was die Figur Renn entwirft, ist eine Alltagserzählung, eine Narration, die einem sehr einfachen Muster folgt....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.