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Insolvenzgründe, Prognose und Antragspflicht

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Philipp Schlenkhoff

Die Zukunftsaussichten eines Unternehmens sind für die Frage nach seiner möglichen Insolvenzreife essentiell. Die Frage, ob und wie die Prognose der Unternehmensentwicklung in den Insolvenzgründen der Insolvenzordnung berücksichtigt wird, ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Der Autor analysiert den ökonomischen und betriebswirtschaftlichen Hintergrund der Insolvenzgründe. Auf dieser Basis untersucht er, auch mittels Experteninterviews, die gesetzliche Normierung der Insolvenzgründe für Unternehmen mit Haftungsbeschränkung und deren Durchsetzung mittels Geschäftsleiterhaftung. Die Erkenntnis, dass sich die Relevanz der Prognose und ihre Justiziabilität gegenüber stehen, wird um die Systematik erweitert, mit der der Gesetzgeber versucht diesen Konflikt zu lösen.
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B. Ökonomik der Insolvenzgründe

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Der nachfolgende Abschnitt befasst sich mit der Ökonomik der Insolvenzgründe. Die ökonomische Analyse bzw. die ökonomische Theorie des Rechts, die hier verwendet wird, hat ihren Ursprung in den USA und basiert auf den grundlegenden Arbeiten von Coase und Posner.57 Die grundsätzliche Idee dahinter ist, ökonomische Methoden auch bei der Beurteilung von rechtlichen Problemen zu verwenden.58 Diese fachfremde Verwendung wirft einige methodische Probleme auf, die kurz erörtert werden.

In der Wirtschaftswissenschaft beschäftigen sich die Methoden mit dem Erreichen des dort zentralen Kriteriums: Die knappen Mittel sollen so eingesetzt werden, dass ein maximaler Grad an Wohlfahrt bzw. Nutzen generiert wird.59 Dieses Kriterium wird auf die Rechtswissenschaft übertragen, und rechtliche Fragestellungen werden danach beurteilt, ob sie Verschwendung von Ressourcen vermeiden und damit die Effizienz von deren Nutzung erhöhen.60 Zudem unterliegen die Modelle einer hohen Abstraktion des eigentlichen Problems.61 Um die Abstraktion zu erreichen, müssen vereinfachende Annahmen getroffen werden. Die Grundannahmen, die auch als ökonomisches Paradigma bezeichnet werden, umfassen den methodologischen Individualismus. Dabei wird vom Verhalten des Einzelnen auf das Verhalten aller geschlossen: Die Knappheit der Ressourcen und die Annahmen, dass alle Beteiligten einzig mit dem Ziel handeln, den eigenen Nutzen zu maximieren, und dass sie rational handeln.62 Die letzten beiden Annahmen werden meist auch zusammengefasst als homo oeconomicus bezeichnet.63 Neben diesen Grundannahmen können die einzelnen Modelle noch auf weiteren ← 19 | 20 → Annahmen basieren, z. B. auf der symmetrischen Informationsverteilung oder der Abwesenheit von Transaktionskosten.

Das Kriterium der Nutzenmaximierung und die...

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