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Krise der lokalen Kulturen und die philosophische Suche nach Identität

Edited By Heimo Hofmeister and Ivan Mikirtumov

Das Thema Krise der lokalen Kulturen und die philosophische Suche nach Identität fordert zu allererst eine Bestandsaufnahme politischer Kulturen hinsichtlich ihres Staatsverständnisses und deren Voraussetzungen zur Identifikation mit dem jeweiligen Staat. Die zweite Forderung richtet sich an die Philosophie und fragt nach konkreten Wegen für eine Gemeinsamkeit, deren Basis Freiheit ist, nicht trotz sondern um der Verschiedenheit des Herkommens und des Denkens willen. Erstaunlich ist, dass eine Tagung zu diesem Thema, weniger wegen der unterschiedlichen gesellschaftlichen und nationalen Erfahrungen der russischen und deutschen Wissenschaftler, sondern eher wegen der oft kontroversen Zugänge verschiedener Fachdisziplinen Fragen aufwirft.
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Die Kultur der Gerechtigkeit. Gemeinsame und unterschiedliche Traditionen in modernen Wohlfahrtsstaaten

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Diskurse über Gerechtigkeit stehen in der Tradition der Dialoge Platons.1 Vor allem im Dialog Politeia geht es um die Frage nach der Bedeutung der Gerechtigkeit für das Handeln der Menschen: Soll der Einzelne in seinem Handeln und in seiner Lebensführung danach streben, gerecht zu sein? Sokrates plädiert dafür. Gerecht zu sein, trage zur Glückseligkeit (Eudaimonie) bei und stehe im Einklang mit der Seele des Menschen.2 Er argumentiert gegen die Position der Sophisten, ungerecht zu handeln sei legitim, wenn der Zweck erreicht wird. Besonders kritisiert Sokrates die sophistische Auffassung, dass es vor allem darum ginge, den Schein von Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Mit anderen Worten: Ungerechtes Tun soll als gerecht erscheinen.3 Solches Verhalten fördere die Verbreitung der Ungerechtigkeit, die Maßstäbe gerieten durcheinander mit negativen Folgen für das Zusammenleben der Menschen. Von Émile Durkheim her würden wir diesen Zustand Anomie nennen und bedenken, dass Anomie mit dem Risiko der gesellschaftlichen Spaltung und des Unfriedens, sogar des Bürgerkriegs, verbunden ist.4

Sokrates sucht einen Bezugsrahmen zum tieferen Verständnis der Gerechtigkeit. Dieser Bezugsrahmen ist die politische Ordnung. Gerechtigkeit wird in Hinblick ← 29 | 30 → auf den Staat definiert (368a ff). Daher analysiert Sokrates die politische Ordnung danach, ob die verschiedenen Tugenden und Fähigkeiten der Bevölkerung darin vorkommen. Wenn dies nicht der Fall sei, drohe Unfrieden. Nachdem das Leben und die gesellschaftlichen Beiträge der Stände, der Politiker, der Wächter und der Händler, beschrieben sind, wird Gerechtigkeit von...

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