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Ungarndeutsche Literatur

Neue Perspektiven?

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Erika Regner

Die sogenannte ungarndeutsche Literatur ist ein schwer zu handhabendes Phänomen, da ihre Bedeutung – wie oft bei deutschsprachiger Literatur außerhalb des deutschen Sprachraums – weit über ihre rein literarische hinausgeht. Der Band wirft einen zeitgenössischen Blick auf diese Literatur und zeigt so die Ursachen und Gefahren der Diskrepanz auf. Die jüngste Generation ungarndeutscher Schriftsteller, die seit 2000 publiziert und bisher kaum literaturwissenschaftliche Beachtung fand, bildet den Ausgangspunkt: Ihr Schaffen wird gemeinsam mit dem ungarndeutschen Literaturbetrieb analysiert und theoretisch kontextualisiert. Dies gibt Aufschluss über die besondere Situation der deutschsprachigen Minderheit in Ungarn hinsichtlich Sprachgebrauch, Schulbildung und Identitätskonstruktion.
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8. Ungarndeutsche Literatur

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8. Ungarndeutsche Literatur

„Die Hauptgefahr, die der ungarndeutschen Literatur in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten drohte, war nicht (wie man eventuell annehmen könnte) politischer Natur. Zerstörend war und ist in erster Linie die Anspruchslosigkeit in den eigenen Reihen; Literatur wird von den meisten Autoren als eine reine Hobbybeschäftigung betrachtet, die zu nichts verpflichtet ist. Durch die Veröffentlichung unreifer Werke, das Fehlen einer funktionsfähigen literarischen Öffentlichkeit und die zu vorsichtige Kritik wird die Lage weiter erschwert. Das Interesse des potentiellen, ziemlich engen Publikums hält sich ohnehin in Grenzen. Die Produktion der 70er und 80er Jahre verdient immerhin – bei allen ästhetischen Vorbehalten – die Aufmerksamkeit der Forschung, wenn auch vor allem als literatursoziologischer Beleg der Existenz einer Volksgruppe […], wobei gewisse schöpferisch bedingte Grenzen nicht verschwiegen werden dürfen. Die Gattungslage bei den Ungarndeutschen ist typisch für eine Minderheitenliteratur. Es gibt so gut wie keine dramatische Produktion; in der Prosa werden kurze, aus betont auktorialer Perspektive erzählte Geschichten bevorzugt – der lange Atem und der Wille zur Neuerung fehlen […]. Nur in der Lyrik gibt es eine relativ reiche Produktion. Das geht zum einen auf die scheinbare Einfachheit des lyrischen Festhaltens von Gedanken und auf die Illusion zurück, Papier und Stift reichten schon für Literatur; die fehlende Sprachkompetenz bei so manchem Autor […] wird wohl mit ein Faktor sein.“166

Diese Passage zeichnet schonungslos ein sehr realistisches, treffendes Bild von der ungarndeutschen Literatur und könnte so in jede Bestandsaufnahme ihrer gegenwärtigen...

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