Show Less
Restricted access

Transatlantic Crossings and Transformations

German-American Cultural Transfer from the 18th to the End of the 19th Century

Series:

Kurt Mueller-Vollmer

This volume attempts for the first time a comprehensive view of the momentous process of German-American cultural transfer during the 18 th and 19 th centuries, which played an important part in the formation of an American national and cultural identity, a process to which the New England Transcendentalists contributed some of the decisive ingredients, but which has largely escaped the attention of German and American scholarship. In each chapter a specific problem is treated systematically from a clearly defined perspective, deficiencies of existing translation theories are exposed, so that in the concluding chapters 13 and 14 (with an unpublished memorandum by Alexander von Humboldt) a cohesive view of the entire process emerges. A comprehensive bibliography will facilitate further scholarly pursuits.
Show Summary Details
Restricted access

3. Urwälder und Prärien machen keine Nationalliteratur: Übersetzungen aus dem Deutschen in den Vereinigten Staaten 1820–50. Grundzüge einer historischen Topographie

Extract



3.1 Für eine historische Topographie des Übersetzens1

Die im Gefolge des Strukturalismus und Poststrukturalismus aufgetretenen Übersetzungstheorien gleichen den vor der Erfindung von Riesenteleskop, Radar und Raumfahrt angefertigten Mondlandkarten. Mit Ausnahme der mit blossem Auge ohnehin wahrnehmbaren Höhenzüge und Niederungen, erweisen sich die mit penibler Akribie verzeichneten topographischen Einzelheiten unseres Trabanten bei näherem Hinsehen als die Produkte der reinen konstruktiven oder dekonstruktiven Phantasie. Aus dieser Analogie das entsprechende fabula docet ziehend, möchte ich anstelle der konstruktiven bzw. dekonstruktiven Einbildungskraft zwar keine Raumfahrzeuge oder Riesenteleskope, dafür aber die Methodik einer tatsachenorientierten Rekonstruktion zur Anwendung bringen, in der Absicht, damit einer historischen Topographie des Übersetzens literarischer und wissenschaftlicher Werke an einem konkreten Beispiel den Weg zu bereiten. Der Zeitabschnitt, um den es geht, ist die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, Ort und Gegenstand unserer Exploration bilden die damals im Prozess ihrer nationalen Identifikationssuche begriffenen Vereinigten Staaten von Amerika.

Während und nach den Jahren der Erringung der politischen Unabhängigkeit von der englischen Kolonialherrschaft im Jahre 1788 hatte Frankreich und die französische Kultur der amerikanischen Elite des Landes als Leitbild ← 81 | 82 → gedient. Das änderte sich in der folgenden im Zeichen der Herausbildung einer eigenen nationalen politischen und kulturellen Identität stehenden Periode. Beginnend um das Jahr 1815 und etwa vier Jahrzehnte später einen ersten Höhepunkt erreichend, wandte ein einflussreicher Teil der amerikanischen Intelligenz seine Aufmerksamkeit der deutschen Kultur, seiner Literatur, seiner Wissenschaft und seinem Bildungssystem zu....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.