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Zwischen Ideal und Ambivalenz

Geschwisterbeziehungen in ihren soziokulturellen Kontexten

Ulrike Schneider, Helga Völkening and Daniel Vorpahl

Der Sammelband bietet einen interdisziplinären Überblick über die Darstellung von Geschwisterbeziehungen und die Verwendung geschwisterbezogener Termini innerhalb abendländischer sowie antiker nahöstlicher Kulturtraditionen. Zum einen erörtern die Autoren spezifische Darstellungsformen, Prämissen und Funktionen exemplarischer Geschwisterpaare in Literatur, Bildender Kunst, Musik, Philosophie und historischer, gesellschaftspolitischer sowie religiöser Tradition. Zum anderen befassen sie sich mit den jeweiligen metaphorischen Rezeptionen und Adaptionen geschwisterlicher Termini, Motive und Zuschreibungen.
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„Unsere Demokratie soll Ausdruck unserer Brüderlichkeit sein“ – Eine theologische Rekonstruktion von Geschwisterlichkeitskonzeptionen in katholischen Ordensgemeinschaften am Beispiel des Ordo Praedicatorum (Ulrich Engel)

„Unsere Demokratie soll Ausdruck unserer Brüderlichkeit sein“ – Eine theologische Rekonstruktion von Geschwisterlichkeitskonzeptionen in katholischen Ordensgemeinschaften am Beispiel des Ordo Praedicatorum

Ulrich Engel

Abstract

Domingo de Guzman (ca. 1170–1221), founder of the Order of Preachers or Dominican Order (Ordo Praedicatorum), and the first generation of his friars have left to their community a structure of leadership. This special form of leadership is fixed in the Rule of St. Augustin and the Book of Constitutions. The democratic structure of leadership is the main expression of Dominican brotherhood.

Einleitung

Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder

miteinander in Eintracht wohnen. (Ps 133,1)

Idealiter praktiziert die Kirche ihre Wahrheitsdiskurse als „Kommunikationsgemeinschaft“1. Das gilt auch für die katholische Kirche. Organisiert ist dieses kommunikative Kollektiv als Gemeinschaft verschiedener Subjekte.2 In biblischer Diktion werden sie als geschwisterliche Gemeinschaften bezeichnet (vgl. Röm 12,10). Zu diesen kommunitären Subjekten der globalen Catholica zählen seit ihren Anfängen im 4. Jahrhundert die Klostergemeinschaften. Ein Teilsubjekt dieser Klostergemeinschaften wiederum ist der Orden der Predigerbrüder.3 Was den 1216 gegründeten Dominikaner- oder Predigerorden (Ordo Praedicatorum) von allen anderen katholischen Klostergemeinschaften grundlegend unterscheidet, ist seine demokratische Leitung.4← 303 | 304

Meine These, die ich im Folgenden vorstellen werde, lautet: Die demokratisch verfasste Leitungsstruktur des Predigerordens ist Basis und Ausdruck dominikanischer Brüderlichkeit. Ich habe deshalb nicht eine theologische Rekonstruktion von Geschwisterlichkeitskonzeptionen in katholischen Ordensgemeinschaften im Allgemeinen im Sinn, sondern beschränke mich auf eine Männergemeinschaft: die der Dominikaner. Diese Auswahl und Einschränkung begründet sich subjektiv in meiner persönlichen Mitgliedschaft im Dominikanerorden.

Neben einer biblisch-theologischen Fundierung, der historischen Genese und der konkreten Gestalt der demokratischen Verfasstheit gilt es, machtspezifische Problematiken, die in allen – selbst demokratisch verfassten – Institutionen auftreten, aufzuzeigen.

Biblischer Befund

Insofern alle klösterlichen Lebensformen Modalformen der sequela Christi (Nachfolge Christi) sind, beziehen sich ihre Geschwisterlichkeitskonzeptionen primär auf die biblischen Zeugnisse über das Leben Jesu. Dementsprechend haben meine Überlegungen zur Geschwisterlichkeitsthematik in katholischen Ordensgemeinschaften mit einer knappen Darstellung des biblischen Befundes zu beginnen. Zu untersuchen ist in diesem Zusammenhang das Vorkommen des Wortfeldes ,Bruder‘ bzw. ,Brüderlichkeit‘ im Neuen Testament und seine theologische Interpretation.

Schon früh wird dort die (in der Regel „geschlechtsneutrale“5) Bezeichnung ,Bruder’ aus dem biologischen Familienzusammenhang gelöst. Speziell in der Perspektive des Markusevangeliums und des Römerbriefes (vgl. bes. Röm 1,3f.) wird damit deutlich, dass nunmehr nicht mehr „die Ordnung des Fleisches, sondern die des Geistes“6 gilt. Die zentrale Textstelle der metaphorischen Übertragung des Bruderbegriffs vom Sippenverband auf den Kreis der Jesusanhänger findet sich im Markusevangelium:

Da kamen seine [Jesu] Mutter und seine Brüder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen. Es saßen viele Leute um ihn herum und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir. Er erwiderte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter ← 304 | 305 und meine Brüder. Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter. (Mk 3,31-35 parr7)

Ihren theologischen Kontext hat die Begriffsverschiebung in der neutestamentlichen Botschaft von der Βασιλεία τοῦ Θεοῦ (Reich Gottes).8 Vor diesem Hintergrund kann mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die im Markusevangelium tradierte Neubestimmung eines nichtbiologischen Brüderlichkeitsbegriffs „im Keim auf Jesus selbst zurückgehen“9 dürfte. Die urchristliche Verwendung des Bruderbegriffs zielt also auf die Mitglieder der neuen Gemeinschaft der ἐκκλησία (Kirche).

Dem aus dem familiären Verwandschaftskontext geerbten theologischen Begriff ,Bruder‘ kommt im neuen Ekklesia-Zusammenhang „repräsentative Bedeutung“10 zu, insofern er ein Dreifaches markiert: 1. den engen Zusammenhalt der Gemeindemitglieder untereinander, auch in schwierigen Situationen (vor allem der Christenverfolgung) (vgl. Mk 10,30), 2. die Würde der einzelnen Jesusjünger_innen, die nicht mehr im Status des abhängigen „Sklaven“, sondern im freien „Bruder“-Status leben (vgl. Phlm 1,16), sowie 3. ihre grundsätzliche Egalität vor Gott (vgl. Mt 23,8-12). Zur Konsequenz hat dieser theologisch dreifach aufgeladene Bruder-Begriff die Aufforderung zur Praxis der Bruderliebe innerhalb der Gemeinde (vgl. z.B. 1 Thess 4,9f.). Dem korrespondiert die in Mk 3,35 angeführte praktische Bedingung, unter der die neue Geschwisterlichkeitskonzeption Wirklichkeit wird: „Wer den Willen Gottes erfüllt […]“.

Neben dieser im Markusevangelium als ältestem Evangelium ansetzenden Bestimmung eines postbiologischen Bruderbegriffs sei zumindest noch kurz die – etwas anders argumentierende – paulinische Geschwisterlichkeitskonzeption erwähnt.11 Im Römerbrief begründet Paulus den Status der Glaubenden als Brüder im eschatologischen Heilswillen Gottes:

[…] alle, die er [Gott] im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei. (Röm 8,2912).

Die Brüderschaft ist also nicht nur eine der Glaubenden untereinander, sondern schließt auch Jesus als den Christus ein. Die Argumentation erfolgt dabei über ← 305 | 306 die allen gemeinsame Sohn- bzw. Kindschaft Gottes (vgl. Röm 8,3.14-16.19.21.23.29.32), wobei Jesus Christus als Gottes eigener Sohn und die Gläubigen „als seine [Jesu Christi] der ,Adoption‘ […] gewürdigten ,Brüder‘ (8,29)“13 vorgestellt werden.

Die hier knapp skizzierte neutestamentliche Brüderlichkeitskonzeption gilt zunächst einmal für alle Christen. In besonderer Weise jedoch wurde das Motiv der nicht-biologischen Geschwisterlichkeit im Mönchtum bzw. im kirchlichen Ordenswesen ausgefaltet.14 Diese Entwicklung rekurriert wiederum auf den markinischen Makrozusammenhang. In Mk 10,29f. findet sich der Aufruf, zugunsten der Nachfolge die eigenen Familienmitglieder zu verlassen:

Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen […].15

In der im Professversprechen vollzogenen Lebensübergabe an Gott16 und in den Evangelischen Räten der Armut, des Gehorsams und der ehelosen Keuschheit17 hat die Tradition des Ordenslebens dieser biblischen Aufforderung Gestalt gegeben – eine Gestalt, die bis zum heutigen Tag das sogenannte gottgeweihte Leben prägt. Die dominikanische Weise der sequela Christi, um die es im Folgenden gehen soll, stellt ein Nachfolgemodell unter vielen historisch gewordenen und theologisch denkbaren dar. Es soll im folgen Abschnitt in seiner Genese kurz vorgestellt werden.

Rückblick in die Anfänge des Dominikanerordens

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde die von Dominikus gegründete Gemeinschaft von kirchenamtlicher Seite mit der praedicatio, der Glaubensverkündigung, beauftragt. Der Anerkennung durch den Ortsbischof von Toulouse im ← 306 | 307 Jahre 1215 folgte schon 1216 die päpstliche Bestätigung durch Papst Honorius III. als Orden (durch die Bulle Religiosam vitam vom 22.12.1216) sowie nur wenige Wochen später – ebenfalls durch Honorius III. – als „Orden von Predigern“ (durch die Bulle Gratiarum omnium largitori vom 21.01.1217).18 Mit diesen Entscheidungen war dem bis dato existenten Ordo praedicatorum, den das Kollegium der Bischöfe bildete, von den entscheidenden kirchlichen Instanzen offiziell akzeptiert, ein zweiter, nun ganz neuer Ordo Praedicatorum zur Seite gestellt.19

Wenn im Folgenden von der demokratischen Verfassung des Dominikanerordens die Rede ist, dann macht der skizzierte historische Hintergrund deutlich, dass es sich keineswegs um oppositionelle Entwicklungen jenseits der Grenzen der umfassenden Catholica handelt, sondern um ein Partizipationsmodell innerhalb der katholischen Kirche.20

Der Ordensgründer Domingo de Guzman (ca. 1170–1221) – der hl. Dominikus – hat keinerlei spirituelle Anweisungen in schriftlicher Form hinterlassen: keine Predigten und keine theologischen Traktate, Briefe oder andere Texte. Stattdessen haben Dominikus und die erste Brüdergeneration dem Orden eine Leitungsform vererbt. Sie ist niedergelegt in der schon älteren Augustinusregel sowie im Liber Constitutionum et Ordinationum Fratrum Ordinis Praedicatorum (LCO), dem Buch der Konstitutionen und Ordinationen, auf das (neben der Augustinusregel) alle Dominikaner ihr Professversprechen ablegen.

Von Anfang an waren die Predigerbrüder daran interessiert, nicht die feudalen Strukturen der altehrwürdigen Abteien zu übernehmen. Stattdessen orientierten sie sich am demokratisch-genossenschaftlichen Gefüge der aufstrebenden mittelalterlichen Städte, in deren Mauern zu jener Zeit Universitäten und Zünfte mit der ihnen charakteristischen Selbstverwaltung entstanden.21

Entscheidend für die strukturelle Ausgestaltung des Predigerordens war Jordan von Sachsen (ca. 1185–1237), der Nachfolger des Dominikus an der ← 307 | 308 Spitze der dominikanischen Brüdergemeinschaft.22 Die Jahre seiner Amtszeit sollten zu entscheidenden Jahren für den Orden werden; die Gemeinschaft wuchs erheblich an, die Struktur weitete sich immer mehr aus. Es ist das große Verdienst Jordans, den Weg der – um mit Max Weber zu sprechen – „institutionellen Wendung des Charismas“23 einer kleinen Gruppe „religiöse[r] Virtuose[n]“24 in Angriff genommen zu haben. Vor allen Dingen das Generalkapitel von 1228 war für den Orden, was seine rechtliche Verfassung anbetrifft, von zentraler Bedeutung.

Wie sieht nun diese Leitungsstruktur im Ordo Praedicatorum aus und wie funktioniert sie (bis heute)?

Zur Gestalt dominikanischer Leitung

Mit der Profess verspricht der Dominikaner Gehorsam gegenüber der Augustinusregel und dem Buch der Konstitutionen und Ordinationen.25 Im zweiten Abschnitt von LCO werden die Leitung und das ausgefeilte Wahlsystem behandelt. Hier offenbart sich die genuine Verfassungsordnung der Dominikaner, welche der Demokratie den Vorrang vor einsamen Entscheidungen übergeordneter Instanzen zuerkennt. Alle Brüder mit feierlicher Profess haben grundsätzlich aktives Wahlrecht. Das heißt, sie dürfen bei allen berechtigten Wahlvorgängen ihre Stimme abgeben. Um als Oberer gewählt werden zu können, braucht es zusätzlich das passive Wahlrecht.

Die Brüder des Predigerordens leben in der Regel gemeinsam in Häusern, die ab einer bestimmten zahlenmäßigen Besetzung als ,Konvente‘ (Versammlungen der Brüdergemeinschaft; lat. von convenire = zusammenkommen) bezeichnet werden. Der Hausobere wird ,Prior‘ (Erster) genannt und von den Mitgliedern der Kommunität mit Mehrheit auf drei Jahre gewählt. Alle Leitungsämter im Predigerorden sind auf Zeit verliehen. Auf diese Weise soll das Entstehen einer „Oberenkaste“26 ausgeschlossen werden, denn Leitung ist ← 308 | 309 „geteilte Verantwortung aller Brüder“27. Der Hausobere kann für eine zweite Amtszeit wiedergewählt werden, eine dritte Periode ist nicht vorgesehen. Erst wenn sich ein Konvent nicht mehrheitlich auf einen Kandidaten einigen kann, ist die nächsthöhere Ebene verpflichtet, einen Oberen einzusetzen.

Die Konventsmitglieder mit aktivem Wahlrecht bilden das Hauskapitel. Dort trifft man sich, „um Fragen zu besprechen bzw. zu entscheiden, die sich auf das gemeinsame Leben, die apostolische Tätigkeit und schließlich die gute Verwaltung des Konventes beziehen.“28

Alle Konvente und Häuser sind in größeren Entitäten, ,Provinzen‘ genannt, organisiert. Alle vier Jahre findet in jeder Provinz ein Provinzkapitel statt. Alle Prioren und eine bestimmte Anzahl von gewählten Delegierten (Socii) aus den Konventen versammeln sich dabei für einige Tage. Dem Provinzkapitel kommt eine doppelte Aufgabe zu: Zum einen hat es über Fragen des gemeinsamen Lebens und Arbeitens zu beraten. Dazu etablieren sich in den Monaten vor dem Kapitel mehrere (ihrerseits wiederum demokratisch gewählte) Kommissionen und Arbeitsgruppen, die für das Kapitel Diskussionsvorlagen erarbeiten. Zum zweiten wählt das Provinzkapitel einen neuen Provinzial (Prior provincialis), eine Gruppe von ,Diffinitores‘ und die Mitglieder eines Beratungsgremiums des Provinzials (,Provinzkonsil‘). Die Ergebnisse des Provinzkapitels werden in den Kapitelsakten veröffentlicht. Die Akten spiegeln das rechtlich bindende Ergebnis des Provinzkapitels wider. Ersichtlich sind in den Akten aber auch bestimmte Personalentscheidungen. Außerdem setzen sich die Texte mit grundsätzlichen Fragen auseinander und versuchen dabei, strukturelle und inhaltliche Leitlinien für die vier kommenden Jahre zu entwerfen.

Die allen Provinzen übergeordnete Einrichtung ist das Generalkapitel, welches alle drei Jahre zusammentritt. Ihm kommen – auf den Gesamtorden bezogen – in etwa die gleichen Aufgaben zu wie dem Provinzkapitel. Das Generalkapitel hat sowohl legislative als auch exekutive Funktionen. Abgesehen von der Teilnahme des Ordensmeisters und seiner noch lebenden Vorgänger ändert sich die personelle Besetzung der Kapitel von Mal zu Mal. So gibt es ein Kapitel, auf dem ausschließlich die Provinziale anwesend sind. Ein weiteres Kapitel besteht nur aus gewählten Vertretern aller Provinzen. Das dritte schließlich ist das sogenannte Wahlkapitel, an dem sowohl die Provinziale als auch gewählte Vertreter der Provinzen teilnehmen. Das Wahlkapitel wählt den neuen Magister Ordinis (Ordensmeister), der sein Amt neun Jahre innehat. Ein interessantes Detail: Der Magister Ordinis der Dominikaner ist der einzige Generalobere eines ← 309 | 310 katholischen Männerordens, dessen Wahl nicht durch den Vatikan bestätigt werden muss.

„Unsere Demokratie soll Ausdruck unserer Brüderlichkeit sein“

Die demokratisch verfasste Leitungsstruktur ist Basis und Ausdruck dominikanischer Brüderlichkeit. Sie ermöglicht der Gemeinschaft, die Verantwortung für ihr Leben gemeinsam zu tragen. In dieser Linie weisen die Konstitutionen darauf hin, dass die Brüder zuallererst eine Gemeinschaft bilden, um zusammen und auf Gott bezogen zu leben.29 Darüber hinaus zielt die Rechtsordnung des Ordens darauf, den dominikanischen Sendungsauftrag „für das Heil der Menschen“ – das „salus animarum“, wie es in LCO 1 § II heißt, – zu realisieren. Der demokratische Entscheidungsprozess im Dominikanerorden dient der apostolischen bzw. pastoralen Sendung des Ordens. Entsprechend heißt es in der Fundamentalkonstitution der Dominikaner ausdrücklich:

Diese gemeinschaftliche Leitung ist gut geeignet zur Förderung der Entwicklung des Ordens und zu seiner ständigen Selbstprüfung […]. Diese ständige Selbstprüfung ist nicht nur notwendig wegen der dauernden Bekehrungshaltung des Christen, sondern auch wegen der dem Orden eigenen Berufung, die ihn dazu bewegt, seine Präsenz in der Welt in jeder Generation anzupassen.30

Die Brüderlichkeitskonzeption in der Tradition des Predigerordens ist also zweifach ausgerichtet: ad intra in Bezug auf das gemeinschaftliche Leben der Ordensmitglieder untereinander, und ad extra in Bezug auf die gemeinsame pastorale und wissenschaftliche Sendung. In diesem bipolaren Sinne ist dann auch das Titel gebende Zitat von Timothy Radcliffe, von 1992 bis 2001 Magister Ordinis der Dominikaner, zu lesen: „Unsere Demokratie soll Ausdruck unserer Brüderlichkeit sein“31.

Mitglied der brüderlichen Gemeinschaft zu sein, bedeutet im Dominikanerorden vor allem, Sitz und Stimme im Kapitel zu haben. Gleichwohl meint Demokratie im Predigerorden – theologisch gesehen32 – mehr als nur das Organisieren von Mehrheiten. Das Ziel der Gespräche und Diskussionen im Kapitel ist, in der Gemeinschaft Einstimmigkeit zu erreichen. Das ist allerdings faktisch nicht immer möglich. Daher kommt man am Ende durch Abstimmung zu einer Entscheidung. In diesem Sinne gehören Abstimmungen und Debatten gleicher ← 310 | 311 maßen zu einem Prozess, durch den die Brüder ein bonum commune anstreben. Radcliffe schreibt dazu:

Daraus folgt, dass das Ergebnis einer Abstimmung die Entscheidung der ganzen Gemeinschaft darstellt, und nicht nur der derjenigen, die dafür gestimmt haben. Es ist die Gemeinschaft, die sich zu einer Entscheidung durchgerungen hat. Ich kann so frei sein, diesem Ergebnis nicht zuzustimmen, und mich sogar für seine Aufhebung einsetzen, aber ich gebe meiner Identität als Mitglied der Gemeinschaft dadurch Ausdruck, indem ich die Entscheidung befolge. Dem einfachen Mehrheitsvotum zu vertrauen, war eine der tiefsten Neuerungen in der dominikanischen Tradition.33

Das gilt auch für die Wahl der Oberen der Gemeinschaft. Radcliffe formuliert so:

Ein Oberer wird zum Dienst an allen Brüdern gewählt, d.h. für das Gemeingut des Ordens. Seine Wahl ist das Ergebnis einer Abstimmung, die „wir“ vorgenommen haben, unabhängig davon, für wen wir abgestimmt haben. Und in dem Augenblick, in dem er gewählt ist, braucht er die Unterstützung der ganzen Gemeinschaft, denn wir haben ihn gewählt, unabhängig, wie ich persönlich abgestimmt habe.34

Demokratie im Predigerorden impliziert – theologisch gesprochen – immer auch das Entdecken des Willens Gottes im Diskussionsbeitrag des Bruders: „Unsere Demokratie ist nur so lange dominikanisch, solange unsere Debatten und Abstimmungen Versuche sind, das Wort Gottes zu hören, das uns in die Nachfolge ruft.“35

Das Buch der Konstitutionen und Ordinationen des Ordo Praedicatorum identifiziert den Grund der brüderlichen Gemeinschaft so: „in Einigkeit zusammenzuleben und ein Herz und eine Seele auf Gott hin zu haben“36. Die hier verwendete Formulierung zitiert das Verhalten der urchristlichen Gemeinde gemäß dem lukanischen Doppelwerk, hier konkret nach Apg 4,3237: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.“38 In der Charakterisierung der brüderlichen Dominikanergemeinschaft als ein Herz und← 311 | 312eine Seele spiegelt sich deutlich die urkirchliche ausgerichtete Reformintention der mittelalterlichen Ordensgründung durch Domingo de Guzman wider.39

Der Beginn jeder guten Leitung im Dominikanerorden markiert im Sinne einer „Mystik der offenen Augen“40 eine doppelte Aufmerksamkeit: zum einen im gemeinsamen Wahrnehmen des biblisch überlieferten Wort Gottes, zum anderen in der gemeinsamen Aufmerksamkeit den Nöten der Menschen gegenüber. In einem Segensgebet aus dem 13. Jahrhundert baten die Predigerbrüder den Heiligen Geist,

uns zu erleuchten und uns Augen zu geben, mit denen wir sehen können, Ohren zum Hören und Hände, um das Werk Gottes zu vollbringen, einen Mund für die Predigt der rettenden Botschaft und den Engel des Friedens, der über uns wachen und uns führen soll, damit wir durch alle diese Gaben in Gottes Königreich einziehen werden41.

Deutlich wird nach diesem Durchgang, dass die oben im Blick auf das biblischmarkinische Zeugnis nachgezeichnete spirituelle Beerbung des biologischen Familienbegriffs gerade hinsichtlich der drei dort genannten Aspekte der theologischen Brüderlichkeitskonzeption bei den Dominikanern wiederkehrt: 1. der Zusammenhalt der Mitglieder der klösterlichen Gemeinschaft nach innen, 2. der Status des einzelnen Bruders als freies, verantwortlich agierendes Individuum mit Wahlrecht und 3. ihre grundlegende Gleichheit vor Gott, die sich nicht zuletzt darin ausdrückt, dass in jedem Wort eines Bruders potenziell das Wort Gottes vernommen werden kann. Und ähnlich wie im biblischen Befund taucht auch im Rahmen der demokratisch organisieren Ordenskommunität die postbiologische Bruderliebe wieder auf, und das gleich zweifach: ad intra in Gestalt einer Gemeinschaft, die – zumindest idealiter – ein Herz und eine Seele ist, und ad extra in der Predigt für das „salus animarum“, das Heil aller Menschen. Letzteres beinhaltet, dass die dominikanische Brüderlichkeit resp. Geschwisterlichkeit „auch eine Modalität der Evangelisierung“42 ausdrückt. ← 312 | 313

Brüderlichkeit/Geschwisterlichkeit in Machtbeziehungen

Damit die Ausführungen nicht spirituell ,abheben‘, möchte ich meine These noch ein wenig ,erden’. Dazu ist die Machtfrage zu thematisieren. Die weitgehende Egalität der Brüder durch Stimmrecht des Einzelnen im Provinzkapitel sowie das Prinzip der stets nur auf Zeit verliehenen faktischen Macht kann auftretende Machtasymmetrien zwar abfedern und bietet somit einen gewissen systemimmanenten Schutz vor Machtmissbrauch, allerding können damit aber keineswegs einzelne Übergriffe ausgeschlossen werden.

Ich thematisiere die Machtfrage im Zusammenhang mit der dominikanischen Geschwisterlichkeitskonzeption in zweierlei Hinsicht: im Blick auf die Genderthematik im Gesamtorden (1.) und im Blick auf den Umgang mit dem Phänomen der Homosexualität in der Brüdergemeinschaft (2.).

1. Neben den Brüdern, von denen bisher die Rede war (ca. 5.500 weltweit), umfasst die dominikanische Gemeinschaft im Ganzen noch weitere Gruppen. Zu nennen sind die ca. 2.500 klausurierten Dominikanerinnen (Moniales), die über 25.000 Schwestern in weit mehr als einhundert dominikanischen Kongregationen und Gemeinschaften sowie die ca. 144.000 Männer und Frauen, die sich in den sogenannten „Dominikanischen Gemeinschaften“ der Laien organisiert haben.43 Die dominikanische Nomenklatur kennt eine Fülle von Bildern bzw. Bezeichnungen, die dem Miteinander der verschiedenen Zweige Ausdruck verleihen und somit den Orden ad intra ekklesiologisch definieren. In unserem Zusammenhang sind zwei Metaphern zentral: die der Geschwisterlichkeit als Zuordnungsbeschreibung der diversen Gruppen im Gesamtorden und – daraus abgeleitet – die Rede von der Familia Dominicana.44 Hier ist der Familienbegriff natürlich ein nicht-biologischer und metaphorisch intendiert.

Trotz dieser (relativ jungen) Inklusion anzielenden Begrifflichkeit ist ein gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern innerhalb des Ordens längst (noch) nicht überall selbstverständlich. Das ist zum einen der grundlegenden Genderproblematik im Gesamt der katholischen Kirche geschuldet. Die Nichtzulassung von Frauen zum Priesteramt und damit ihr faktischer Ausschluss aus einflussreichen Leitungspositionen in Rom und vor Ort hat auch Ungleichheiten im Gesamt der Familia Dominicana zur Folge. Keine noch so ernst gemeinte Geschwisterlichkeitsrhetorik kann die im wichtigen Bereich der katho ← 313 | 314 lischen Ämtertheologie gründende Machtasymmetrie zwischen Männern und Frauen ganz allgemein und damit auch zwischen Brüdern und Schwestern im Ordo Praedicatorum verdecken. Dies gilt vor allem im Bezug auf die kirchenamtliche Zulassung zur Predigt im engeren Sinne, die bis heute Frauen versagt wird.45 Konkrete Konsequenzen eines gleichberechtigten Miteinanders von Frauen und Männern innerhalb der Familia Dominicana „sind noch kaum gezogen, das Modell einer geschwisterlichen Kirche, eines geschwisterlichpartnerschaftlichen Ordens, einer geschwisterlichen Verkündigung noch kaum realisiert“46. Vor diesem Hintergrund steht die theologische Geschwisterlichkeitsrhetorik immer im Verdacht, real existierende Machtasymmetrien ideologisch zu überhöhen. Dieser Verdacht muss eine Ordensgemeinschaft, die sich seit nunmehr fast 800 Jahren der Predigt der veritas (Wahrheit) verschrieben hat, ins Mark treffen.47 Mehr noch: In Anbetracht meiner Grundthese, nach der das demokratisch verfasste Miteinander die Geschwisterlichkeit im Ordo Praedicatorum erst konstituiert und qualifiziert, braucht es unbedingt so etwas wie ein dominikanisches ,Gender Mainstreaming‘. Umgekehrt gilt aber auch, dass eine konsequent praktizierte demokratische Leitungsstruktur vor Abhängigkeitsbeziehungen und Machtmissbrauch im Orden schützen kann.

2. In den Machtzusammenhang gehört selbstredend auch der Umgang mit Sexualität, speziell mit dem Phänomen der Homosexualität in männlichen Ordensgemeinschaften. Vorsichtige Schätzungen besagen, dass etwa 20 Prozent aller Geistlichen der katholischen Kirche homosexuell sind und etwa die Hälfte von diesen auch sexuell aktiv ist. Genaue Zahlen gibt es nicht.48 Problematisch ist dieser Befund nur, insofern die oft nicht offen thematisierte Frage der Homosexualität zu Abhängigkeitsbeziehungen führen kann.

Denn Macht ist immer zwiespältig. Macht als potestas beruht auf einer prinzipiellen Asymmetrie, insofern sie „innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen“49 sucht. Der zweite Machttypus, die auctoritas, funktioniert anders: Autorität beruht auf einem Ver ← 314 | 315 hältnis freier und gegenseitiger Anerkennung. Good governance im Dominikanerorden bedeutet, dass Machtfragen nicht tabuisiert, sondern – im Gegenteil – thematisiert werden. Die Beziehungs- und Pastoralmacht, die Ordensbrüder mit auctoritas ausüben, zielt auf die De-Potenzierung asymmetrischer Machtbeziehungen: ad intra und ad extra. Das ist das absolute Gegenteil zu Abhängigkeitsverhältnissen und missbräuchlichen Übergriffen.

Machtmissbrauch hat seinen Ort dort, wo Beziehungen nicht geklärt und daraus resultierende Konflikte nicht thematisiert werden. Nun werden aber gerade in der katholischen Kirche das Thema (Homo-)Sexualität und zugespitzter noch homosexuelle Beziehungen bzw. Praktiken immer noch weitgehend tabuisiert. Dagegen gilt es – gerade für Dominikaner – das offene Wort, das ehrliche Gespräch, den demokratischen Diskurs zu stärken, soll nicht die Tabuisierung weiterhin neue Opfer produzieren. Die Opfer (lateinisch: victimae) des kollektiven Verschweigens erinnern uns an – um Georges Bataille zu zitieren – den „verschämten Teil“ („part maudite“) unserer selbst.50 Nur wo Ordensmänner in dieser Weise selbstkritisch ihre Praktiken der Tabuisierung erkennen und ihr (sexuelles) Begehren gemeinsam anzusprechen lernen, kann das real existierende Machtgefüge auch innerhalb der klösterlichen Gemeinschaften für ein wirkliches Empowerment der Brüder genutzt werden. Dazu bedarf es eines Engagements der gesamten Gemeinschaft, welches die demokratische Verfasstheit nicht als Mittel für ein möglichst reibungsloses Funktionieren, sondern als diskursive Chance zur ehrlichen Realisierung des biblischen Ideals der Geschwisterlichkeit als Ausdruck der eigenen sequela Christi begreift. Andernfalls scheitert die brüderliche Gemeinschaft an der Machtfrage. Die Inquisition, für die Dominikaner wesentlich Verantwortung tragen,51 steht für ein solches individuelles und kollektives Versagen der Brüderlichkeit im Predigerorden!52← 315 | 316

Glücklicherweise hat die dominikanische Tradition nicht bloß Inquisitoren hervorgebracht, sondern auch Prediger der Menschenrechte wie Antón Montesino (ca. 1485–1540)53, eine unerschrockene Kritikerin kirchlichen Machtmissbrauchs wie Katharina von Siena (1347–1380)54 oder den Friedensnobelpreisträger Dominique Pire (1910–1969)55. Ihrem Engagement verdankt sich meine Hoffnung, dass die demokratisch verfasste Geschwisterlichkeitskonzeption im Ordo Praedicatorum mehr ist als spirituell verbrämte Ideologie.56

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Noffke, Suzanne: Klarer Blick in dunklen Zeiten. Caterina von Siena. Aus dem Amerikanischen von Magdalena Dörtelmann, Angelica Kliem, Franziska Madl, Maria-Markus Przyrembel und Aurelia Spendel. Dominikanische Quellen und Zeugnisse 16. Leipzig 2012.

Pesch, Rudolf: Die Apostelgeschichte (Apg 1–12). Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament V/1. Zürich u.a. 1986, S. 179-182.

Radcliffe Timothy: Gemeinschaft im Dialog. Ermutigung zum Ordensleben. Hrsg. v. Thomas Eggensperger u. Ulrich Engel. Dominikanische Quellen und Zeugnisse 2. Leipzig 2001.

Schäfer, Klaus: Gemeinde als Bruderschaft. Ein Beitrag zum Kirchenverständnis des Paulus. Europäische Hochschulschriften Reihe 23, Theologie 333. Frankfurt/Main 1989.

Söding, Thomas: Art. Bruder. I. Biblisch, in: Lexikon für Theologie und Kirche. Walter Kasper (Hrsg.). Bd. 2. 3. Aufl., Freiburg i.Br. u.a. 1994, Sp. 710-711.

Theobald, Michael: Der Römerbrief. Erträge der Forschung 294. Darmstadt 2000.

Tugwell, Simon: Early Dominicans. Selected Writings. New York 1982.

Van Damme, Guido: Dominique Pire. Friedensnobelpreisträger. Mit einem Nachw. v. Bernhard Kohl. Aus dem Französischen von Marcel Oswald. Dominikanische Quellen und Zeugnisse 14. Leipzig 2010.

Vergauwen, Guido: Predigt der Wahrheit, in: Eggensperger, Thomas; Engel, Ulrich (Hrsg.): Dominikanische Predigt. Dominikanische Quellen und Zeugnisse 18. Leipzig 2014, S. 47-52.

Weber, Max: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. Vollständige Ausgabe. Hrsg. und eingeleitet von Dirk Kaesler. 3. Aufl., München 2010.

Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie, Lizenzausgabe. Neu Isenburg 2005. ← 318 | 319 →


1      Arens, Edmund: Christopraxis. Grundzüge theologischer Handlungstheorie. Freiburg i.Br. 1992, S. 157.

2      Vgl. ebd.

3      Grundlegend vgl. Eggensperger, Thomas; Engel, Ulrich: Dominikanerinnen und Dominikaner. Geschichte und Spiritualität. Kevelaer 2010; Eggensperger, Thomas; Engel, Ulrich: Gemeinschaft im Dialog. Der Dominikanerorden weltweit, in: HerderKorrespondenz 56 (2002), S. 520-524.

4      Vgl. dazu auch Engel, Ulrich: Konsens und Wahrheit. Der Dominikanerorden als praktisch verfasste Kommunikationsgemeinschaft, in: Engel, Ulrich: Gott der Menschen. Wegmarken dominikanischer Theologie. Ostfildern 2010, S. 14-40.

5      Söding, Thomas: Art. Bruder. I. Biblisch, in: Lexikon für Theologie und Kirche. Hrsg. v. Walter Kasper. Bd. 2. Freiburg i.Br. u.a. 1994, Sp. 710-711, hier Sp. 710.

6      Ernst, Josef: Das Evangelium nach Markus. Regensburg 1981, S. 124.

7      Hier und im Folgenden zitiert nach: Die Bibel. Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung. Stuttgart, Klosterneuburg 1980.

8      Vgl. Merklein, Helmut: Jesu Botschaft von der Gottesherrschaft. Stuttgart 1989.

9      Söding: Bruder, Sp. 710.

10    Ernst: Evangelium nach Markus, S. 124.

11    Vgl. dazu Schäfer, Klaus: Gemeinde als Bruderschaft. Ein Beitrag zum Kirchenverständnis des Paulus. Frankfurt/Main 1989.

12    Einfügung in eckiger Klammer: U.E.

13    Theobald, Michael: Der Römerbrief. Darmstadt 2000, S. 245. Einfügung in eckiger Klammer: U.E.

14    Überraschenderweise weist eine ansonsten sehr grundständige Publikation keinen Eintrag zum Thema Brüderlichkeit bzw. Geschwisterlichkeit auf: Frank, Isnard W.: Lexikon des Mönchtums und der Orden. Stuttgart 2005.

15    Vgl. Gnilka, Joachim: Das Evangelium nach Markus (Mk 1-8,26). Zürich u.a. 1998, S. 153.

16    Vgl. dazu Kiechle, Stefan: Consecratio – Communio – Missio. Die drei Grundelemente des Ordenslebens, in: Gruber, Margareta; Kiechle, Stefan (Hrsg.). Gottesfreundschaft. Ordensleben heute denken. Würzburg 2007, S. 51-71.

17    Vgl. dazu Metz, Johann Baptist: Zeit der Orden? Zur Mystik und Politik der Nachfolge. Freiburg i.Br. 1982; Herzig, Anneliese: In der Spur Jesu. Leben nach den Evangelischen Räten. Innsbruck 2012.

18    Zur Entstehungsgeschichte des Ordens vgl. Eggensperger; Engel: Dominikanerinnen und Dominikaner, S. 13-28.

19    Vgl. Merten, Manuel: „Wenn alle Macht vom Volk ausgeht …“. Die demokratische Verfassung des Dominikanerordens als Alternative in einer hierarchisch verfaßten Kirche. Köln [Manuskriptdruck] o.J. [1995], S. 12f.

20    Vgl. dazu grundlegend Eggensperger, Thomas: Orden – Gemeinschaften kritischer Solidarität in der Kirche? Betrachtungen unter ekklesiologischer Perspektive, in: Ordenskorrespondenz 37 (1996), S. 166-176.

21    Vgl. Bauer, Christian: Stadtluft macht frei? Mittelalterliche Stadtpastoral der Bettelorden, in: Wort und Antwort 53 (2012), S. 149-154.

22    Vgl. dazu Jordan von Sachsen: Von den Anfängen des Predigerordens. Hrsg. v. Wolfram Hoyer. Leipzig 2003.

23    Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Neu Isenburg 2005, S. 857f.

24    Weber, Max: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. Vollständige Ausgabe. Hrsg. u. eingel. v. Dirk Kaesler. München 2010, S. 152.

25    Der folgende Abschnitt orientiert sich an Eggensperger; Engel: Dominikanerinnen und Dominikaner, S. 163-169. Vgl. auch Engel, Ulrich: Zur demokratischen Verfassung des Dominikanerordens, in: Schweizerische Kirchenzeitung 166 (1998), S. 474-477 (Nr. 33-34).

26    Radcliffe, Timothy: Gemeinschaft im Dialog. Ermutigung zum Ordensleben. Hrsg. v. Thomas Eggensperger u. Ulrich Engel. Leipzig 2001, S. 160.

27    Ebd.

28    LCO 307.

29    Vgl. LCO 2,1

30    Vgl. LCO 1,7

31    Radcliffe: Gemeinschaft im Dialog, S. 154.

32    Vgl. Engel: Konsens und Wahrheit, S. 14-40.

33    Radcliffe: Gemeinschaft im Dialog, S. 156; vgl. dazu auch Tugwell, Simon: Dominican Risks, in: Dominican Ashram December 1983, S. 182.

34    Radcliffe: Gemeinschaft im Dialog, S. 157.

35    Ebd., S. 141.

36    LCO 2,1: „[…] ut unanimes habitemus in domo et sit nobis anima una et cor unum in Deo“.

37    Zum ersttestamentlichen Hintergrund vgl. Dtn 6,5; 10,12; 11,13.18; 13,4 u.ö.

38    Zum exegetischen Befund vgl. den Kommentar von Pesch, Rudolf: Die Apostelgeschichte (Apg 1–12). Zürich u.a. 1986, S. 179-182.

39    Vgl. Grundmann, Herbert: Religiöse Bewegungen im Mittelalter. Untersuchungen über die geschichtlichen Zusammenhänge zwischen der Ketzerei, den Bettelorden und der religiösen Frauenbewegung im 12. und 13. Jahrhundert und über die geschichtlichen Grundlagen der Deutschen Mystik. Darmstadt 1977.

40    Metz, Johann Baptist: Mystik der offenen Augen. Wenn Spiritualität aufbricht. Freiburg i.Br. 2011.

41    A Dominican Blessing, in: Tugwell, Simon (Hrsg.): Early Dominicans. Selected Writings. New York 1982, S. 153.

42    Cadoré, Bruno: Die dominikanischen Laien und die Verkündigung, in: Eggensperger, Thomas; Engel, Ulrich (Hrsg.): Dominikanische Predigt. Leipzig 2014, S. 100-118, hier S. 103.

43    Die Zahlen sind grob gerundet. Genauere – allerdings ältere (Stand 2008) – Angaben finden sich bei Eggensperger; Engel: Dominikanerinnen und Dominikaner, S. 215f.

44    Vgl. hierzu Engel, Ulrich: Charismatisch und katholisch. Zur ekklesiologischen Ortsbestimmung des Dominikanerordens, in: Eggensperger, Thomas; Engel, Ulrich; Oosterveen, Leo (Hrsg.). Kirche in Bewegung. Deutsch-niederländische Reflexionen zur Ekklesiologie aus dominikanischer Sicht. Münster 2007, S. 77-82.

45    Vgl. kritisch dazu Hilkert, Mary Catherine u.a.: Das dominikanische Predigtcharisma. Eine Untersuchung, in: Eggensperger, Thomas; Engel, Ulrich (Hrsg.): Dominikanische Predigt. Leipzig 2014, S. 135-154.

46    Hintersberger, Benedikta: Maria von Magdala. Patronin des Dominikanerordens, in: Eggensperger; Engel (Hrsg.): Dominikanische Predigt, S. 250-255.

47    Vgl. dazu Vergauwen, Guido: Predigt der Wahrheit, in: ebd., S. 47-52; Eggensperger, Thomas; Engel, Ulrich (Hrsg.): Wahrheit. Recherchen zwischen Hochscholastik und Postmoderne. Mainz 1995.

48    Vgl. dazu immer noch lesenswert Heinz, Hanspeter: Homosexualität und geistliche Berufe, in: Stimmen der Zeit 214 (1996), S. 681-692.

49    Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, S. 38.

50    Vgl. dazu Bataille, Georges: La Part maudite. Essai d’économie générale, in: ders.: Œuvres Complètes. Band 7. Paris 1992, S. 17-179, insb. S. 20.

51    Vgl. dazu das Themenheft „Inquisition“ der Zeitschrift Wort und Antwort 44 (2003), S. 1-48, besonders die selbstkritische Erinnerung des Provinzkapitels der Dominikanerprovinz Teutonia im Jahr 2000 an die Inquisition, ebd., S. 1: „Dominikaner und Inquisition“.

52    Um ein solches Scheitern vor der theologisch hoch aufgeladenen Konzeption christlicher Brüderlichkeit zu verhindern, bedarf es einer Ethik der Verletzbarkeit, die davon ausgeht, dass Menschen grundsätzlich voneinander abhängig sind und somit immer in der Gefahr stehen, einander zu verwunden. Christliche und human begründete Konzeptionen von Geschwisterlichkeit haben gleichermaßen dafür zu arbeiten, dass Menschen vor Gewalt geschützt werden – im Bewusstsein, dass diese niemals ganz beseitigt werden kann. Vgl. Butler, Judith: Gefährdetes Leben. Politische Essays. Aus dem Englischen von Karin Wördemann. Frankfurt/Main 2012. Siehe dazu weiterführend Kohl, Bernhard: Die Anerkennung des Verletzbaren. Eine heuristische Annäherung an die Menschenwürde, in: Theologie der Gegenwart 56 (2013), S. 162-172.

53    Vgl. dazu Engel, Ulrich: Gerechtigkeitstheoretische Ansprüche dominikanischen Predigens. Eine systematisch-theologische Reflexion im Anschluss an die Predigt des Antón Montesino OP und seiner Brüder 1511 in Santo Domingo, in: Delgado, Mariano (Hrsg.): „Ces gens ne sont-ils pas des hommes?“ – Évangile et prophétie. Colloquede la Faculté de théologie de Fribourg / „Sind sie etwa keine Menschen?“ – Evangelium und Prophetie. Kolloquium der Theologischen Fakultät Freiburg. Fribourg 2013, S. 261-285.

54    Vgl. dazu Noffke, Suzanne: Klarer Blick in dunklen Zeiten. Caterina von Siena. Aus dem Amerikanischen von Magdalena Dörtelmann, Angelica Kliem, Franziska Madl, MariaMarkus Przyrembel und Aurelia Spendel. Leipzig 2012.

55    Vgl. Van Damme, Guido: Dominique Pire. Friedensnobelpreisträger. Mit einem Nachwort von Bernhard Kohl OP. Aus dem Französischen von Marcel Oswald OP. Leipzig 2010.

56    Ich danke Lukas Weber (Münster) für die kritisch-wohlwollende Durchsicht des Textes.