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Zwischen Ideal und Ambivalenz

Geschwisterbeziehungen in ihren soziokulturellen Kontexten

Edited By Ulrike Schneider, Helga Völkening and Daniel Vorpahl

Der Sammelband bietet einen interdisziplinären Überblick über die Darstellung von Geschwisterbeziehungen und die Verwendung geschwisterbezogener Termini innerhalb abendländischer sowie antiker nahöstlicher Kulturtraditionen. Zum einen erörtern die Autoren spezifische Darstellungsformen, Prämissen und Funktionen exemplarischer Geschwisterpaare in Literatur, Bildender Kunst, Musik, Philosophie und historischer, gesellschaftspolitischer sowie religiöser Tradition. Zum anderen befassen sie sich mit den jeweiligen metaphorischen Rezeptionen und Adaptionen geschwisterlicher Termini, Motive und Zuschreibungen.
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Wie Schwestern? Freundschaft in Ann Brashares’ Sisterhood-Reihe (Katharina Gerund)

Wie Schwestern? Freundschaft in Ann Brashares’ Sisterhood-Reihe

Katharina Gerund

Abstract

This article examines the depiction of friendship as sisterhood in Ann Brashares’ Sisterhood series of young adult novels. It analyzes the intertwined representations of siblings and friends as well as the appropriation of feminist ideals in contemporary girl culture, and it offers a critique of the individualist, consumerist, and patriarchal underpinnings of friendship in the novels.

Einleitung

Die US-amerikanische Jugendbuchautorin Ann Brashares hat in den vergangenen Jahren mit ihrer Sisterhood-Reihe große Erfolge gefeiert – alle Bände waren New-York-Times-Bestseller, wurden in mehrere Sprachen übersetzt und verfilmt.1 Die Popularität der Reihe zeigt sich u.a. auch daran, dass Hillary Clinton in ihrer Kampagne als Präsidentschaftskandidatin 2008 ihr Wahlkampfteam als „sisterhood of the traveling pantsuits“ bezeichnet hat oder Brashares inzwischen mit 3 Willows ein Spin-Off des erfolgreichen Sisterhood-Quartetts vorgelegt hat. Im Zentrum der Sisterhood-Romane stehen vier Freundinnen – Lena Kaligaris, Carmen Lowell, Tibby Rollins, Bridget ,Bee‘ Vreeland –, die zu Beginn des ersten Romans eine ,magische‘ Jeans finden, die ihnen allen gleichermaßen gut passt und sie über den ersten Sommer, den sie getrennt verbringen, verbinden soll. Die Mädchen begründen daher eine ,Schwesternschaft‘ – die „sisterhood of the traveling pants“. Die ersten vier Bände der Reihe – The Sisterhood of the Traveling Pants (2001), The Second Summer of the Sisterhood (2003), Girls in Pants: The Third Summer of the Sisterhood (2005), Forever in Blue: The Fourth Summer of the Sisterhood (2007) – schildern Freud und Leid des Erwachsenwerdens der Freundinnen und ein fünfter Roman, Sisterhood Everlasting (2011), erzählt schließlich, was einige Jahre später aus den Mädchen geworden ist.

Die ersten vier Bände berichten konsekutiv jeweils von einem Sommer im Leben der Mädchen, die seit ihrer Geburt befreundet sind, da ihre schwangeren Mütter im selben Aerobic-Kurs gewesen sind und sich dort angefreundet haben. Die Freundschaft der Mädchen wird bereits in dieser Prämisse einer Geschwisterbeziehung (sisterhood) angenähert, da die Gruppe sich nicht willkürlich und ← 319 | 320 freiwillig zusammenfindet,2 sondern zunächst durch die Beziehungen der Mütter fundiert ist: „We started being ,we‘ before we were born“3, berichtet Carmen. Die Bände werden jeweils durch eine Ich-Erzählung aus der Perspektive eines der vier Mädchen gerahmt, wobei jedes der Mädchen einmal an der Reihe ist,4 und verweben die unterschiedlichen Erlebnisse der Protagonistinnen in einer auktorialen Erzählsituation mit wechselnden Fokalisierungen.5 Briefe und Nachrichten (hauptsächlich) der Freundinnen sind – auch typographisch als persönliche Botschaften markiert – in die Erzählung integriert. Auf der narrativen Ebene, so könnte man argumentieren, wird das Ideal einer gleichberechtigten, lateralen und solidarischen Beziehung im Sinne von sisterhood – wie sie besonders im Rahmen der feministischen Bewegungen propagiert und kritisiert wurde6 – im Ansatz eingelöst. Bereits im Titel wird einerseits die Freundschaft der Mädchen mit geschwisterlichen Beziehungen in Analogie gesetzt und andererseits mit sisterhood ein prominentes und kontroverses Schlagwort aufgerufen, das im feministischen Diskurs Frauen affizieren, solidarisieren und politisch ak ← 320 | 321 tivieren soll, wenngleich es u.a. für seine essentialistischen und exklusorischen Aspekte stark kritisiert wird.7 Damit stellt sich die Frage, inwiefern hier biographische Geschwisterbeziehungen wie auch feministische Ideale als Matrix für die Freundschaft der Mädchen herangezogen werden und wie v.a. letztere in einem populärkulturellen und postfeministischen Kontext appropriiert werden. Zudem beinhaltet jeder Band das ,Manifest‘ der sisterhood bzw. die Regeln des Umgangs mit der ,magischen‘ Jeans welche die Freundinnen zu Beginn festlegen. Carmen fühlt sich beim Erstellen des Manifests wie ein „founding father“8 und deutet damit die Bedeutung patriarchaler Autorität für die Schwesternschaft ebenso an wie deren kulturspezifische Dimension. Das durch die Referenz auf die amerikanischen Gründerväter ebenfalls evozierte Moment der Revolution und Unabhängigkeit erweist sich im Laufe der Erzählung als Vorgriff auf die Entwicklung und das Erwachsenwerden der Mädchen, welche jedoch als Prozess der Anpassung mehr denn als Prozesse der Revolution, Rebellion oder Subversion dargestellt werden. Die einzelnen Kapitel sind durch Seiten getrennt, auf denen im Hintergrund die Jeans und im Vordergrund jeweils ein Zitat bzw. Spruch abgebildet ist, welcher als Motto oder Kommentar gelesen werden kann. Die Jeans, welche die Protagonistinnen auf ihren (buchstäblichen und metaphorischen) Reisen begleitet und augenscheinlich als materielles Zeichen ihrer Freundschaft dient, symbolisiert nicht nur amerikanische Konsum- und Populärkultur, sondern auch die weiß-dominierte, heteronormative und patriarchale Ordnung, in welche sich die Mädchen im Laufe ihrer Entwicklung einpassen, einschreiben und einfügen.9 ← 321 | 322

Meine Analyse der Tetralogie hinsichtlich der Repräsentation von Freundschaft als sisterhood und vor allem der ideologischen Implikationen dieser Allegorie entwickelt sich im Folgenden in zwei Schritten: Ich analysiere zunächst, wie intradiegetisch die familialen Beziehungen der Mädchen vor allem zu ihren biographischen Geschwistern im Verhältnis zu ihrer freundschaftlichen Verbindung als sisterhood dargestellt und verhandelt werden. In einem zweiten Schritt fokussiere ich die feministischen Ideale und problematischen Aspekte von sisterhood und untersuche, wie diese in der Erzählung figurieren und dabei – so meine These – einen ,Kampfbegriff‘ der feministischen Bewegung in einem postfeministischen Diskurs neutralisieren. Indem der Begriff und das Ideal der sisterhood in populärkulturell-postfeministischen Texten wie der Sisterhood-Reihe als zentrale Metapher der Solidarität unter Mädchen bzw. Frauen figuriert und in deren Logiken von Patriarchat, weißer Dominanz und Konsumkultur appropriiert wird, verliert er fast jegliches emanzipatorisches Potenzial. Im konkreten Fall mag die Freundschaft der vier Mädchen auf den ersten Blick (be)stärkend, emanzipierend und ermächtigend wirken, letztlich begünstigt sie jedoch vielmehr die Akzeptanz und Affirmation bestehender Herrschaftsverhältnisse durch die Protagonistinnen. In meiner Analyse kontextualisiere ich die Entwicklung der Mädchen und ihrer individuellen Identität(en) als Frau(en) sowie ihrer kollektiven Identität als sisters an der Schnittstelle von Konsumkultur, Individualisierung und Anpassung.

Geschwister und Freunde

Die Erzählungen um die sisterhood der vier Freundinnen korrespondieren mit einem aktuellen Trend der anglophonen Jugendliteratur, indem sie nicht nur das Erwachsenwerden, sondern in erster Linie Themen wie „fitting in, finding oneself, and dealing with major life changes“10 verhandeln. Familien und Geschwister der Mädchen spielen dabei eine wichtige Rolle. Tibby hat zwei deutlich jüngere Geschwister, für die sie oft als ,Ersatzelternteil‘ fungiert, Bridget einen Zwillingsbruder und Lena eine jüngere Schwester namens Effie, die in ihrem Leben und somit auch in der Erzählung immer wieder recht prominent in Erscheinung tritt. Carmen ist zunächst Einzelkind; durch die Heirat ihres Vaters bekommt sie zwei Stiefgeschwister und später wird ihre Mutter noch einmal schwanger und Carmen bekommt einen Halbbruder. Obgleich oder auch gerade weil die Freundinnen sich als ,Schwestern‘ verstehen, werden Familie und (Bluts-)Verwandtschaft als primäre und prioritäre Form der Vergemeinschaftung affirmiert. Besonders deutlich wird dies u.a. in Carmens Neid auf die ,echten‘ Geschwister ihrer Freundinnen: ← 322 | 323

Carmen had her friends, and she counted on them, but she never forgot that they had real sisters and brothers. A deeply insecure part of Carmen reminded herself that if there were a fire, they’d have to save their brothers and sisters first11.

Obwohl diese Aussage aus Carmens jugendlich-emotionaler Sicht getroffen wird, ist sie repräsentativ für die Logik zwischenmenschlicher Beziehungen in den Romanen, welche die Bedeutung von Familie (im weitgehend traditionellen Sinne) affirmiert und die klassische Kernfamilie zur Matrix zwischenmenschlicher Beziehungen erhebt. Noch bei ihrem Schulabschluss ist die Differenzierung zwischen ,offiziellen‘ und ,inoffiziellen‘ Geschwistern entscheidend für Carmen;12 und auch aus Tibbys Perspektive wird eine Unterscheidung zwischen Schwestern als biographischen Geschwistern und Schwestern als Freundinnen markiert, wenn sie sich nach dem Tod von Bridgets Mutter wünscht, ihre Freundin würde von ihrer Familie adoptiert und damit ganz ,offiziell‘ ihre Schwester („she had known she was a sister to Lena and Carmen and Bee, but she’d longed to be a sister officially, too“13). Dies reflektiert einerseits die Tatsache, dass im Gegensatz zu familiären und verwandtschaftlichen Beziehungen Freundschaften im soziokulturellen Kontext der Erzählung keine formalen institutionellen Rahmungen erfahren;14 andererseits deutet es multiple Überlagerungen von Familie(n) und Freund_innen an – nicht zuletzt, da die Freundschaft in der Semantik der Familie beschrieben wird – ohne jedoch die Differenzierung dauerhaft zu unterlaufen. Man kann diesen Aushandlungsprozess in Ray Pahls Worten treffend beschreiben: „Rather than friendship being an alternative to family and kin links, there is a more fluid interchange of friend-like and family-like relationships“15.

Obwohl den biologischen und biographischen Geschwistern eine besondere Rolle zukommt, werden die Beziehungen der Protagonistinnen zu diesen ambivalent dargestellt. Die Beziehungen zwischen Schwestern stehen dabei im Vordergrund. Bridgets Zwillingsbruder tritt kaum in Erscheinung,16 Carmen freundet sich zwar mit ihrem Stiefbruder Paul an,17 aber es ist ihre Stiefschwester ← 323 | 324 Krista, die ihr in hohem Maße nacheifert,18 und auch in Tibbys Beziehung zu ihren jüngeren Geschwistern ist es Katherine, die für sie besonders wichtig wird. Nach dem Tod von Bailey,19 mit der sie sich im ersten Band anfreundet, ,entdeckt‘ Tibby ihre fürsorglich-feminine Seite.20 Dies zeigt sich u.a. in ihrem veränderten Verhältnis zu ihrer Schwester: „She was actually happy to hear Katherine yelping at three fifteen. […] She snuggled around her sister and cried“21. Auch als Katherine sich bei einem Sturz aus Tibbys Fenster verletzt, wird noch einmal die Beziehung zwischen den Schwestern in ihrer Relevanz bestärkt.22 Lenas Schwester Effie kommt unter den Geschwistern der vier Mädchen die wichtigste Rolle zu. In dem Verhältnis der Kaligaris-Schwestern figurieren Abgrenzungsdiskurse ebenso prominent wie die Betonung ihres ,besonderen‘ Verhältnisses. Dabei werden sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede hervorgehoben und neben den positiven Aspekten des Geschwisterverhältnisses werden Konkurrenz- und Konfliktmomente sichtbar. Zwar freut sich Lena, wenn z.B. Kostos die äußeren Ähnlichkeiten der Schwestern feststellt und nicht wie viele andere primär auf ihre Unterschiede abhebt;23 gleichzeitig sind genau diese Differenzen für sie selbst oft von Bedeutung („Lena […] could not believe she and Effie came from the same parents“24). In der Darstellung dieser Geschwisterbeziehung steht Effie ihrer älteren Schwester einerseits sehr nahe, gibt (un)gefragt Ratschläge und spiegelt Lenas Befindlichkeiten („Lena had her private soul read like a poster by her little sister“25), andererseits erscheint sie manchmal aus Lenas Perspektive auch schlicht als „mean“26. Als Effie im letzten Band mit Tibbys Ex-Freund Brian eine Beziehung beginnt, wird auch das Konkurrenzverhältnis zwischen Lenas Schwester und ihren Freundinnen deutlich: „I am your only sister, but you always choose them over me“27, wirft Effie ihrer Schwester vor. Nach diesem Streit mit Lena nimmt Effie die Jeans mit nach Griechenland und verliert sie, aber ihre Schwester verzeiht ihr; nicht zuletzt, da sie und ihre Freundinnen in Santorini zusammenkommen, um ← 324 | 325 die Hose zu suchen und dort bemerken, dass sie die Jeans nicht (mehr) benötigen, um ihre Freundschaft zu besiegeln. Da der Fokus der Erzählung auf den vier Freundinnen liegt, ist Lenas Perspektive auf die Beziehung zwischen den Schwestern dominant, während Effies Blickwinkel kaum bzw. nur mittelbar eine Rolle spielt. Mit Blick auf die narrative Autorität besteht also eine deutliche Hierarchie, in der die als schüchterner und introvertierter charakterisierte ältere Schwester dominiert. Das Beispiel der beiden Schwestern deutet an, dass Beziehungen zwischen Schwestern mit idealisierten Vorstellungen von sisterhood wenig zu tun haben, sondern vielmehr ambivalent und potenziell konfliktuös sind sowie ständigen Aushandlungsprozessen unterliegen.

Die Freundschaft der Mädchen wird nicht nur in ein Ähnlichkeitsverhältnis zu Geschwisterbeziehungen gesetzt, sondern unterscheidet sich in der Darstellung vor allem mit Blick auf ihre Kontinuität und Intensität von anderen Freundschaften, welche die Mädchen etwa während ihrer Sommeraktivitäten oder später während ihrer College-Zeit knüpfen: „The word friends doesn’t seem to stretch big enough to describe how we feel about each other. We forget where one of us starts and the other one stops“28. Die Einheit und emotionale Verbundenheit der sisterhood wird hier besonders betont und u.a. durch das Gelübde, das sie zu Beginn (fast) jedes Sommers sprechen, formal bestätigt und an die ,magische‘ Jeans geknüpft.29 Die Rituale vor und nach den Sommerferien deuten darauf hin, dass die Freundschaft gerade in Phasen des Umbruchs wiederholter Affirmation bedarf. Tibby kommt es dennoch manchmal so vor, als wäre Freundschaft beständiger und verbindlicher als familiär-verwandtschaftliche Beziehungen („blood was thicker than water. But friendship […] was thicker than both“30). Dennoch bleibt die Vorstellung von Freundschaft geprägt durch die Bildlichkeit der Kernfamilie sowie die „heterosexuelle Matrix“31. Bridget stellt im vierten Band der Reihe fest, dass die Freundinnen ihre Familie – obgleich eine „unconventional family“ – sind: „She did have a family. They were all under twenty and none of them related to her by blood, but they made her who she was“32.

Männerfiguren sind für die vier Protagonistinnen verbunden mit Autorität, Anerkennung oder (sexuellem) Begehren und selten (jenseits von Familie und ← 325 | 326 Paarbeziehung) dauerhaft als Freunde imaginiert. Brian und Tibby zum Beispiel sind anfangs befreundet und werden dann ein Paar, mit dem Effekt, dass „the friendship, as it had been, was gone“33. Ähnliches gilt für Lenas Beziehung zu Kostos, Bridgets Verhältnis zu Eric oder Carmens kurzlebige Freundschaft mit Win Sawyer. Freundschaft mag in der Logik der Bücher ein Element einer erfüllenden heterosexuellen Paarbeziehung sein, aber ansonsten sind dauerhafte, ,echte‘ und nicht von sexuellen Interessen überlagerte Freundschaften fast ausschließlich unter Frauen (bzw. Männern) denkbar. Die Geschlechterbinarität bleibt unhinterfragt und auch Homosexualität ist in der Welt der sisterhood quasi non-existent. Darüber hinaus werden im Rahmen der Identitätsfindung der Protagonistinnen, die dem Genre entsprechend im Zentrum des Interesses stehen, etablierte Geschlechterrollen affirmiert und keinesfalls radikal unterlaufen oder grundlegend modifiziert. Für ihre Identität und ihr Selbstwertgefühl als Frauen sind männliche Autorität und Anerkennung konstituierend. Besonders für Lena und Carmen sind die Vaterfiguren in ihren Familien von großer Bedeutung; man denke hier z.B. an Lenas Anerkennung durch Bapi34 und Carmens Ringen um die Aufmerksamkeit ihres Vaters, als sie auf dessen ,neue‘ Familie trifft. Die Romane suggerieren, wie Kate McInally korrekt feststellt, dass die Mädchen ihre ,wahre‘ Identität nur durch Männer erkennen.35 Obwohl also die positiv dargestellte Mädchenfreundschaft einen alternativen Identifikationsraum darstellen könnte, bleibt die Zentralität der Männer weitgehend unangetastet. Dies wird auch über die Mutterfiguren bestärkt, etwa wenn Carmens Mutter Christina sich selbst wie ein Teenager benimmt, als sie ihren neuen Freund David kennenlernt, oder wenn Lena das Gefühl hat, dass „the mothers were a little eager on the boyfriend issues, as if life would really start once the boyfriends were under way“36. McInally fasst die Botschaft der Romane in dieser Hinsicht treffend zusammen: „all girls […] should discover and accept their ,essential‘ femininity, which allows them to recognise the centrality of men, and ,outgrow‘ their connections with each other“37.

Die Freundschaft der Mädchen erscheint in einer solchen Lesart temporär und der als relevanter markierten heterosexuellen Paarbeziehung untergeordnet. Gleichzeitig wird nicht zuletzt durch die Ähnlichkeitsrelation zu familialen Beziehungen die sisterhood als ungewöhnlich und besonders dargestellt.38 Obwohl die Freundinnen gerade jugendlichen Leserinnen ein (scheinbar) multikulturell ← 326 | 327 und divers aufgestelltes Identifikationsangebot machen, sind sie als Besonderheit und damit als Ausnahme beschrieben, die keinesfalls repräsentativ für Mädchenfreundschaften ist.39 Innerhalb der Erzählung wird dies in den anderen Freundschaften der Protagonistinnen evident; ein eindrückliches Beispiel hierfür ist Carmens destruktive ,Freundschaft‘ mit Julia im letzten Band, von der sie sich schlussendlich löst und deren Lektion sie wie folgt bewertet:

she felt sorry that she’d been taken in by a snake like Julia. But in some strange way she felt appreciative that it had happened. In friendship terms, she’d lived her life in the Garden of Eden. Her bond with her friends was too powerful, so supportive, so uncompetitive, she’d thought that was how friendship worked40.

Die sisterhood wird also auch intradiegetisch nicht als Norm, sondern als Ausnahme und Ideal bewertet. Die Bücher behandeln augenscheinlich Themen und Probleme, die zum Alltag vieler Teenager gehören, aber sie sind dennoch ideologisch fundiert durch die Werte und Normen einer dominanten weißen Mittelstandsgesellschaft.41 Dies zeigt sich nicht nur an den weitgehend traditionellen Vorstellungen von Familienstrukturen, Geschlechterrollen sowie Geschwister- und Freundschaftsbeziehungen, die in den Texten transportiert und propagiert werden, sondern auch in dem (post)feministischen Ermächtigungsnarrativ, das in der Coming-of-Age Erzählung verhandelt wird.

Sisterhood und Freundschaft im postfeministischen Kontext

Kate McInally schreibt den Erfolg der Sisterhood-Reihe auch der Tatsache zu, dass die Romane jenseits des „,mean girl‘ syndrom in Young Adult novels“ positive Aspekte von Mädchenfreundschaften betonen und sich durch den affirmierenden Fokus auf „feminine empowerment and solidarity“ von wenig ernsthafter „chick lit“42 unterscheiden. Mit dem Begriff der sisterhood rufen die Romane zwar einen feministischen Kontext auf, allerdings auch mit all seinen problematischen Aspekten. Als zentrale Solidaritätsmetapher vor allem der sogenannten Zweiten Welle der US-amerikanischen Frauenbewegung war sisterhood zu keinem Zeitpunkt ein unumstrittener Begriff. Kritik richtet sich besonders gegen die biologistische und essentialistische Unterfütterung, den exklusiven und exklusorischen Anspruch sowie die Homogenisierungstendenzen, die dieser Vorstellung von Solidarität zu Grunde liegen. Diese Kritik lässt sich ← 327 | 328 u.a. aus einer Perspektive der Critical Whiteness Studies (vgl. Ruth Frankenberg) oder eines „critical race feminism“ (Elizabeth Spelman) nachvollziehen und wurde besonders prononciert von afroamerikanischen Feministinnen oder „womanists“ (Alice Walker) artikuliert. Hazel V. Carby zum Beispiel hat auf die politischen Konsequenzen der feministischen Beschwörung von sisterhood als einheitsstiftender Kategorie der Frauenbewegung hingewiesen: Zum einen die fast vollständige Ausblendung materieller Unterschiede zwischen Frauen der Arbeiter- und Mittelschicht oder weißen und schwarzen Frauen und zum anderen die Negierung hierarchischer Strukturen besonders zwischen weißen und schwarzen Frauen und die Setzung der weißen gebildeten Frau aus der Mittelschicht als Norm.43 Und Audre Lorde hat wiederholt auf die „trappings of sisterhood“ hingewiesen und behauptet: „I think that some of the people who shout sisterhood most strongly have no concept of what real connectedness between women is all about“44. Dabei zeugt ihre Selbstbezeichnung als „sister outsider“ und ihre Adressierung anderer schwarzer Frauen mit den Worten „I am your sister“ auch von der Wirkmächtigkeit und möglichen Resignifikation der Schwesternmetapher. Entgegen aller Kritik hat die Metapher nach wie vor nicht ausgedient und findet sich in feministischen, populärkulturellen und politischen Diskursen.45

In der Sisterhood-Reihe wird das Konzept weiblicher Solidarität als ,Schwesternschaft‘ in einen populärkulturellen und postfeministischen Kontext gestellt. Ich beziehe mich hier auf eine postfeministische Medienkultur wie Mary Douglas Vavrus sie beschreibt: „a revision of feminism that encourages women’s private, consumer lifestyles rather than cultivating a desire for public life and political activism“46. Die Sisterhood-Romane lassen sich hinsichtlich ihrer ideologischen Fundierung in diesem Zusammenhang verorten. Zwar kann man die Freundschaft und individuellen wie kollektiven Entwicklungen der ← 328 | 329 Mädchen auch als Teil eines Ermächtigungsnarratives im Sinne von girl power47 oder sisterhood lesen, vor allem letzteres Konzept wird jedoch primär in seinen problematischen Aspekten reproduziert, ohne dass damit eine politische und/oder emanzipatorische Agenda verfolgt wird. Letztere wird durch eine neoliberale, spätkapitalistische Individualisierungslogik und postfeministische Narrative ,neutralisiert‘. Rebecca Hains stellt heraus, dass „[o]wing to commercial politics, girl power arguably has become our culture’s dominant, mainstream form of feminism“48. Macht wird hier verengt auf die Macht zu konsumieren und Konsumentscheidungen zu treffen; girl power wird kommerziell kooptiert und zur hohlen Verkaufsrhetorik bzw. zum leeren Signifikanten.49 Damit ist girl power auch in hohem Maße exklusorisch und einer weißen Mittelklassenorm verhaftet. Hains kategorisiert girl power als postfeministisches Phänomen;50 ihr zufolge suggeriert girl power zum einen, dass „playing with femininity can be positive and empowering“, und zum anderen, dass „empowered women and girls can, in fact, play with femininity, wearing makeup and seek glamour, and still be feminist“51. Diese Logiken sind als Teil der ideologischen Fundierung der Sisterhood-Reihe auszumachen.

Die Bücher perpetuieren auch zentrale Problematiken des feministischen Konzepts der sisterhood: Die Gruppe der Freundinnen ist per se exklusiv und alle Mädchen kommen aus einem Umfeld der Mittelklasse und teilen somit einen relativ privilegierten sozialen Status52 – sie gehen alle aufs College und können auf finanzielle Mittel zurückgreifen, die es ihnen erlauben, z.B. im letzten Band spontan nach Santorini zu fliegen, um die verlorene Hose zu suchen. ← 329 | 330 Auch die Jeans markiert die Exklusivität; sie wird zwar in der Gruppe der Freundinnen geteilt, darf aber nicht von anderen getragen werden (die wenigen Ausnahmen beinhalten die todkranke Bailey und Carmens Mutter, welche die Hose versehentlich zu einem Date trägt). Die Jeans symbolisiert allerdings auch die homogenisierenden Tendenzen der ,Schwesternschaft‘. Es ist bezeichnend, dass zu Beginn der Reihe die Einheit der Mädchen und deren (Stereo-)Typisierung betont wird:

Sometimes it seems like we’re so close we form one single complete person rather than four separate ones. We settle into types – Bridget the athlete, Lena the beauty, Tibby the rebel and me, Carmen, the … what? The one with the bad temper53.

Die ,magische‘ Transformation, die jede von ihnen durch die Jeans erfährt, kann nicht nur als ein Prozess der Vereinheitlichung gelesen werden, sondern im Laufe der Erzählung auch als eine Form der Anpassung an weiße patriarchale Mittelklassenormen. Wie McInally überzeugend argumentiert, wird hier eine Art von „boutique multiculturalism“ (Stanley Fish) vorgeführt (Carmens Mutter stammt aus Puerto Rico, Lenas Familie aus Griechenland etc.), doch die (kulturellen) Unterschiede der Mädchen spielen in der sisterhood keine nennenswerte Rolle und die Erzählung propagiert eine „homogeneous culture“ an Stelle von feministischem ,empowerment‘ oder postfeministischer girl power.54 Nicht zuletzt wird die Vorstellung von sisterhood durch eine essentialistische Komponente geprägt: Geschlecht ist die zentrale Identitätskategorie, über die sich die ,Schwesternschaft‘ konstituiert und unter deren Primat ethnische, kulturelle oder soziale Unterschiede nivelliert werden. Die vier Protagonistinnen ,finden‘ im Laufe der Erzählung ihre Geschlechteridentitäten und -rollen, welche aber nicht grundlegend hinterfragt oder gar verändert werden. Was Pat O’Connor für Frauenfreundschaften herausstellt, gilt trotzdem auch ein Stück weit in der Logik der Sisterhood-Reihe:

friendships between women, as far as they affirm women’s identity as women, are still in some ways at odds with a patriarchal culture. At the very least they undermine the idea that women’s only source of identity and pleasure lies in a relationship with a man55.

Die Freundschaft der Protagonistinnen beruht auch auf der Tatsache, dass bereits ihre Mütter befreundet waren bzw. sind. Die sisterhood wird jedoch ganz deutlich von der Freundschaft der Mütter abgegrenzt, wie sich z.B. an dieser Beschreibung eines Bildes der vier Mütter zeigt: „It was a picture of friendship, but ← 330 | 331 it wasn’t the Sisterhood. It was their mothers, long ago. Tibby noted with joy that all four of them were wearing jeans“56. Die Jeans werden auch intergenerational als verbindendes Element markiert und der Status der sisterhood als einer ganz besonderen Form der Freundschaft und Verbundenheit wird affirmiert. Das Schlagwort der Frauenbewegung wird allerdings nicht mit der Generation der Mütter assoziiert, sondern den Mädchen zugeordnet. Die ,alternative‘ und möglicherweise auch feministische Vergangenheit von Tibbys Mutter, die sie jedoch für ein traditionellen Vorstellungen entsprechendes Familienleben im suburbanen Mittelklasseumfeld bereitwillig aufgegeben hat, wird lediglich angedeutet57 und insgesamt spielt die Frauenbewegung keine Rolle in der Erzählung. Die Thematik des Generationenkonflikts, wie er hier verhandelt wird, prägt aber auch Diskussionen um die verschiedenen Phasen der Frauenbewegung. Dabei fungiert nicht zuletzt der Begriff sisterhood als Nexus.58 Im Verhältnis der Töchter zu ihren Müttern wird zudem die Bedeutung einer matrilinealen Genealogie für die Identität(en) der Mädchen skizziert. Während Vaterfiguren Instanzen von Autorität und Anerkennung für die Protagonistinnen sind, um die sie sich (teilweise) verdient machen müssen, wird die emotionale Unterstützung, Aufmerksamkeit und Fürsorge durch die Mütter weitgehend als ,natürlich‘ gegeben angesehen. Carmens exklusiver Fokus auf ihren Vater und die gleichzeitige relative Ablehnung ihrer Mutter im ersten Band der Reihe kann hierfür als ← 331 | 332 Beispiel dienen und validiert die Bedeutung der „white paternity“ in ihrem Leben.59

Bridget wächst seit ihrem elften Lebensjahr ohne Mutter auf, was nicht zuletzt auch als Erklärungshorizont für ihr – in der Logik der Narration ,problematisches‘ – Verhalten dienen mag. Ihre Entwicklung ist mit Blick auf das Frauenbild der Romane ebenso relevant wie für die Rolle der Mütter. Im ersten Band agiert Bridget als ,aktive‘ Verführerin, die strategisch, aggressiv und extrovertiert ihren Schwarm Eric umgarnt, der als Trainer in ihrem Fußballcamp eigentlich ,off limits‘ ist. Nachdem sie ihre Jungfräulichkeit verloren hat, wird sie jedoch stark depressiv und ,lernt‘ auf diese Art – so könnte man argumentieren – ein ,adäquates‘ weibliches sexuelles Verhalten und ein entsprechendes Maß an Passivität.60 Bezeichnenderweise ist es im nächsten Sommer die Reise in ihre Vergangenheit und ihre (Wieder-)Entdeckung ihrer Großmutter und Mutter, welche eine erneute Kehrtwende in Bridgets Leben verursacht. Unter zunächst falscher Identität hilft sie ihrer Großmutter Greta im Haushalt und recherchiert dabei nicht nur das Leben und den Tod bzw. Selbstmord ihrer Mutter, sondern stellt auch das Verhältnis zu Greta wieder her, die sie seit Jahren nicht gesehen hatte. Diese nimmt Bridget ohne zu zögern in ihr Haus auf und bietet ihr einen Zufluchtsort, der nicht zuletzt durch ihre klaren Routinen Verlässlichkeit bietet. Im letzten Band der Reihe übernimmt Bridget dann ein Stück weit die Mutterrolle in ihrer dysfunktionalen Familie; sie kümmert sich um das Haus, organisiert ein gemeinsames Abendessen mit ihrem Vater und Perry, und bringt schließlich auch ihren Freund Eric in ihre Familie. Sie kümmert sich besonders um Perry, indem sie ihn u.a. dazu animiert, sein Zimmer zu verlassen und ihm ein Haustier kauft.

Für die anderen Mädchen ist die Beziehung zur Mutter zentral und in unterschiedlicher Hinsicht von Bedeutung: Carmen sieht die Fürsorge, Verlässlichkeit und bedingungslose Liebe ihrer Mutter als gegeben an und – wie der Konflikt um ihren späteren Stiefvater David zeigt – möchte diese exklusive Beziehung nicht teilen. Als ihre Mutter schwanger wird und sich größere Veränderungen in der Familie abzeichnen, überlegt Carmen – entgegen ihrer bisherigen Pläne – ein College in der Nähe zu besuchen, da sie Angst hat, ihren Platz in der Familie zu verlieren. Sie arrangiert sich allerdings letztlich mit der neuen Situation, baut eine liebevolle Beziehung zu ihrem Halbbruder Ryan auf und beginnt ihr Studium wie geplant am Williams College, wo sie bezeichnenderweise in die Fußstapfen ihres Vaters tritt. Tibby akzeptiert in ihrer Familie recht bald die spezielle Rolle als ältere Schwester, die teilweise einer „auxiliary ← 332 | 333 motherhood“61 nahe kommt, wobei sie dennoch gegen ihre Mutter rebelliert – z.B. mit dem Film, den sie im zweiten Band über Alice dreht – und sich von ihr abgrenzen will. Lena schließlich scheint in ihrer Beziehung zu Kostos die tragische Liebesgeschichte ihrer Mutter zu wiederholen, wobei ihre Versuche, die Ereignisse aus dem Leben ihrer Mutter zu rekonstruieren, die Mutter-Tochter-Beziehung sowie die Freundschaften der Mütter temporär stark belasten, aber letztlich Lenas Verhältnis zu Ari eher intensivieren. Lenas Entwicklung ist darüber hinaus in zweierlei Hinsicht interessant: Sie setzt sich erfolgreich gegen ihren Vater durch, um auf eine Kunstakademie zu gehen und stellt damit das patriarchale Regime in der Familie in Frage. Gleichzeitig lernt sie an der Kunstakademie, sich dem Regime eines ,male gaze‘ (Laura Mulvey) auszusetzen und daran Gefallen zu finden. Im ersten Band, als Kostos sie nackt beim Baden auf Santorini sieht, reagiert sie noch quasi-hysterisch.62 Als sie ihre Fähigkeiten als Zeichnerin entdeckt, eignet sie sich auch ein Stück weit die Macht des Blickes an, als sie z.B. ihre Familie und Kostos porträtiert. Im letzten Band der Reihe steht sie ihrem Studienkollegen Leo nackt Modell und findet Gefallen daran, sich dem männlichen Blickregime auszusetzen. Alle Freundinnen durchlaufen eine Entwicklung hinsichtlich ihrer Akzeptanz dominanter und normativer Geschlechteridentitäten und -rollen und diese Transformation wie auch ihre Freundschaft ist an die ,magische‘ Jeans geknüpft.

Die ,Magie‘ der Jeanshose liegt nicht nur darin, dass sie allen vier Mädchen passt, sondern beruht auch darauf, dass sie die jeweilige Trägerin buchstäblich transformiert: Tibby wirkt auf einmal sehr mädchenhaft (Carmen behauptet: „Those pants are in love with you. They want you for your body and your mind“), Lena erscheint noch schöner als zuvor, die amazonenhafte Bridget wirkt plötzlich fast zierlich und Carmen wird durch die Jeans gar zum „supermodel“.63 Die Jeans erlaubt den Mädchen eine Art „makeover“ und die Erzählung setzt damit zentral auf ein Phänomen, das Diane Negra als „key ritual of female coming into being“64 in der postfeministischen Konsumkultur bezeichnet hat. Rosalind Gill argumentiert sogar, dass das „makeover paradigm“ konstituierend für die postfeministische Medienkultur und darauf angewiesen sei, dass vor allem Frauen Folgendes glauben: ← 333 | 334

[…] first that they or their lives are lacking or flawed in some way, and secondly that it is amenable to reinvention or transformation by following the advice of relationship, design or lifestyle experts, and practising appropriately modified consumption habits65.

Auch wenn die Hose aus einem Second-Hand-Laden stammt und Carmen diese mehr oder weniger zufällig für einen geringen Betrag erworben hat, symbolisiert die Jeans doch US-amerikanische Konsumkultur und deren Ideologie der Individualisierung und Kommerzialisierung von Identitäten. Entsprechend stellen die Freundinnen fest, dass die Hose nicht nur für ihre Freundschaft wichtig ist, sondern sie auch ganz im Sinne neoliberaler Selbstoptimierung zu ,besseren‘ Menschen macht: „They make us better people and better friends“66.

Aus der Sicht der Mädchen steht die Jeans „for the promise we made to one another, that no matter what happens, we stick together“67. Es ist zunächst die dezidierte Funktion der Hose, sie durch Zeiten der Trennung hinweg zu verbinden. Entsprechend zentral erscheint sie den Freundinnen nach dem ersten Sommer: „The Pants were the only witness to all of our lives. They were the witness and the document too“68. Die Mädchen dokumentieren in einem Ritual jeweils am Ende des Sommers ihre wichtigsten Erlebnisse auf der Jeans, die u.a. durch die Tatsache, dass sie dem Manifest zufolge nicht gewaschen werden darf, in mehrerer Hinsicht die Spuren ihrer Trägerinnen und deren Erfahrungen mit sich trägt. Am Ende des vierten Bandes glauben die Mädchen zu erkennen, dass die Jeans sie über die Jahre weniger verbunden, denn getrennt hat – sie hat sie zwar bei ihren individuellen alltäglichen und außergewöhnlichen Erlebnissen begleitet, aber sie hat es ihnen auch ermöglicht, über längere Zeiträume voneinander getrennt zu sein. Tibby konstatiert schließlich: „I think we were using them [the pants] to help us stay apart“69. Nach dem Verlust der Hose, der das Ende der Adoleszenz und den Start in das Erwachsenenleben symbolisiert, erscheint die Freundschaft der Mädchen entsprechend ungebrochen. Die Hose ist somit ein ambivalentes Symbol der Freundschaft, da sie einerseits den Zusammenhalt zwischen den Mädchen signalisiert, andererseits deren individuelle Entwicklung befördert und damit potenziell die Gemeinschaft der Freundinnen schwächt. Obgleich sie schließlich obsolet wird, werden der Jeans durchweg ,magische‘ Qualität und Agenz zugeschrieben. Sie ist zudem ein Zeichen männlicher Dominanz, u.a. da sie als maskulin charakterisiert wird, wie McInally anhand ← 334 | 335 des ersten Bandes detailliert herausgearbeitet hat.70 Joyce Litton liest die Hose als ein Symbol des „quest for greater maturity“ und des „gradual achievement of self-esteem“71, wobei sie zu Recht herausstellt, dass der Jeans innerhalb der Erzählung wechselnde Bedeutungen für die jeweiligen Trägerinnen und das Kollektiv der ,Schwesternschaft zugeschrieben werden. Dennoch bleibt die Jeanshose durchweg nicht nur Sinnbild einer patriarchalen Struktur und weißer Mittelklassenormen, sondern auch für die Konsumgesellschaft, da sie ein Identitäts- und Selbstoptimierungsversprechen beinhaltet, obgleich sie als Second-Hand-Ware und geteilt genutztes Gut auf den ersten Blick nicht ganz in diese Konsumlogik zu passen scheint. Mit dem Verlust der Jeans am Ende des vierten Bandes ist dann auch nicht die Überwindung der in ihr eingeschriebenen Normen verbunden, sondern vielmehr deren Inkorporierung durch die vier jungen Frauen. Sie haben diese so weit habitualisiert, dass sie die Hose als Medium der Anpassung und Subjektivierung nicht mehr benötigen.

Schluss

Die Sisterhood-Reihe zeichnet ein positives Bild der Mädchenfreundschaft und erweckt zunächst den Eindruck, feministische Ideen und Forderungen im Sinne von sisterhood oder girl power zu aktualisieren und deren (bleibende) Potenziale auszuloten. Dennoch bleibt die Erzählung patriarchalen Logiken und tradierten und konventionellen – wenn nicht sogar klischeehaften – Frauenbildern verhaftet. Die Freundschaft der Mädchen wird in eine Matrix weiblicher Solidarität gepasst, die zwar u.a. zentrale feministische Bestrebungen des 20. und 21. Jahrhunderts aufruft, dabei aber weder die problematischen Aspekte des Konzepts von ,Schwesternschaft‘ reflektiert, noch eine tragfähige feministisch-emanzipatorische Agenda entwickelt. Die Freundschaft der Protagonistinnen mag als eine Art „hidden solidarity“72 gelesen werden, welche der oft diagnostizierten Individualisierung und Distanzierung in (post-)modernen Gesellschaften und auch patriarchalen Strukturen entgegensteht. Dennoch verbleibt sie in der Logik familialer Beziehungen und kommt damit weder einem Plädoyer für weibliche Solidarität jenseits von Familienrollen nach73 noch der soziologischen Erkenntnis, „that the notion that kinship must, inevitably, be at the core of people’s personal ← 335 | 336 communities should be questioned“74. Im Gegenteil: Die Sisterhood-Reihe affirmiert sowohl familiale Strukturen als primäre Vergemeinschaftungsform als auch einen kommerzialisierten Postfeminismus. Die Reihe evoziert zwar feministische Solidaritätsdiskurse, positioniert sich allerdings im Kontext eines „postfeminist mystique“, das Rebecca Munford und Melanie Waters im Rückgriff auf Betty Friedans „feminine mystique“ in kontemporärer Populärkultur identifizieren und wie folgt definieren:

[It] works by mobilizing anachronism […] [and] reactivates modes of feminine identity that were ,proper to a former age‘, but which seem ,out of harmony‘ with the present that has – so we are told – reaped all the benefits of second wave feminism75.

Es ist Teil eines postfeministischen Diskurses, der sich durch seine „reinvigoration of particular models of white, middle-class femininity that belong to the image repertoire of ,pre-feminist‘ cultural production“76 auszeichnet. Diese Dynamik ist auch den Sisterhood-Romanen eingeschrieben. Oberflächlich erscheint die positive Darstellung der Freundinnen als Individuen und Kollektiv zunächst als eine Form des empowerments‘, dessen potenzielle politische Agenda und Relevanz allerdings durch eine kommerzialisierte Form von girl power und die problematische Konzeption von Solidarität als sisterhood ,neutralisiert‘ wird. Wie meine Analyse gezeigt hat, wird die Mädchenfreundschaft hier einerseits im direkten Verhältnis zu den biologischen und biographischen Geschwistern der Mädchen verhandelt, andererseits wird sie u.a. durch die sisterhood als Metapher für Solidarität auch in den Kontext (post-)feministischer Diskurse gestellt. Die ideologische Fundierung dieser Imagination von Solidarität und Freundschaft als ,Schwesternschaft‘ zeigt sich entsprechend u.a. in der Affirmation der heterosexuellen Matrix, weißer Mittelklassenormen und tradierter Geschlechterrollen, sowie der Bedeutung von Postfeminismus, Konsumkultur und girl power.

Quellen und Literatur

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1      The Sisterhood of the Traveling Pants. USA 2005 und The Sisterhood of the Traveling Pants 2. USA 2008.

2      In (post-)modernen westlichen Diskursen wird Freundschaft in aller Regel als „spontaneous and voluntary“ markiert und definiert als „a continuous creation of personal will and choice, […] ungoverned by the structural definitions that bear on family and kinship“. Pahl, Ray: On Friendship. Cambridge 2000, S. 14 u. 38. Vertrauen stellt dabei den zentralsten Aspekt des modernen Freundschaftsideals dar. Vgl. ebd., S. 61. Freundschaft ruft darüber hinaus häufig Konnotationen von (Wahl-)Freiheit, Individualität und Subversion auf. Vgl. ebd., S. 166.

3      Brashares: Sisterhood, S. 5.

4      Prolog und Epilog können im ersten Band Carmen, im zweiten Lena, im dritten Tibby und im vierten Band Bridget zugeschrieben werden.

5      Diese unterschiedlichen Erzählstränge, die sich um die Erlebnisse der einzelnen Mädchen ranken, sind hier auch bereits im Produktionsprozess angelegt. Ann Brashares schildert, dass sie die Geschichte der Protagonistinnen zunächst in Form von Novellen geschrieben hatte, aus denen dann der Roman entstand. Vgl. Blasingame, James: Interview with Ann Brashares, in: Journal of Adolescent & Adult Literacy 47.4 (2003/04), S. 350.

6      Besonders deutlich zeigt sich dies z.B. an Robin Morgans Anthologien „Sisterhood Is Powerful“ (New York 1970), „Sisterhood Is Global“ (New York 1984) u. „Sisterhood Is Forever“ (New York 2003), die ,sisterhood‘ als zentrale Metapher nationaler wie auch internationaler und intergenerationaler Solidarisierung propagieren, aber teils auch kritische Stimmen bezüglich dieser „masks of family roles“ inkludieren. Johnson, Barbara: The Politics of Ageing, in: Morgan, Robin (Hrsg.): Sisterhood Is Forever: The Women’s Anthology for a New Millenium. New York 2003, S. 152-161, hier S. 156. Publikationen wie etwa die von Ellen Carol DuBois und Vicki L. Ruiz herausgegebene Sammlung „Unequal Sisters“ (New York 1990) oder Deborah Siegels „Sisterhood Interrupted“ (New York 2001) verweisen bereits im Titel kritisch auf die Zentralität wie auch Problematik von ,sisterhood‘.

7      Die Jugendbücher richten sich primär an eine weibliche Leserschaft und Brashares ist sich dessen bewusst: „I am realistic enough to know that a book with the word sisterhood in its title and a part of pants on the cover won’t be widely embraced by boys. […] I am very happy to have a special writing relationship with girls“. Blasingame: Interview, S. 350. Man könnte argumentieren, dass sich eine essentialistische Komponente des Konzepts ,sisterhood‘ mit dem exklusiven Fokus auf Frauen im Prozess der Produktion und Rezeption widerspiegelt. Gleichzeitig ist diese Spezialisierung im Kontext eines wachsenden und zunehmend ausdifferenzierten Marktes für Jugendliteratur zu sehen. Melanie Koss und William Teale konstatieren 2009 eine extensiven Zunahme von Büchern für jugendliche Leser_innen in den vergangenen Jahren und weisen u.a. auf die Etablierung neuer Verlagsmarken hin, die gezielt ein älteres jugendliches Publikum ansprechen. Vgl. Koss, Melanie D.; Teale, William H.: What’s Happening in YA Literature? Trends in Books for Adolescents, in: Journal of Adolescent & Adult Literacy 52.7 (2009), S. 563-572, hier S. 563.

8      Brashares: Sisterhood, S. 21.

9      Vgl. McInally, Kate: Who Wears the Pants? The (Multi)Cultural Politics of The Sisterhood of the Traveling Pants, in: Children’s Literature in Education 39 (2008), S. 187-200, hier S. 193-198.

10    Koss; Teale: What’s Happening, S. 569.

11    Brashares: Second Summer, S. 167.

12    Vgl. Brashares: Girls in Pants, S. 8.

13    Brashares: Second Summer, S. 213.

14    Vgl. Pahl: Friendship, S. 14.

15    Ebd., S. 129.

16    Obwohl Bridget sich später aktiv um ihre Beziehung zu ihrem Bruder Perry bemüht, spielt er lange Zeit kaum eine Rolle in ihrem Leben: „Bridget sometimes forgot she lived in the same house with him, let alone that they were twins“. Brashares: Second Summer, S. 187.

17    Vgl. ebd., S. 253.

18    Vgl. ebd., S. 216.

19    Die Unterscheidung zwischen Familie als ,natürlich‘ gegebener und Freundschaft als gewählter Beziehung wird hier evident: Tibby hofft, dass ihr Schwarm Bailey für ihre kleine Schwester hält und nicht denkt, dass sie mit dem jüngeren Mädchen befreundet ist. Vgl. Brashares: Sisterhood, S. 117.

20    Vgl. McInally: Who Wears, S. 196-197.

21    Brashares: Sisterhood, S. 287.

22    Vgl. Brashares: Girls in Pants, S. 82-83.

23    Vgl. Brashares: Sisterhood, S. 66.

24    Ebd., S. 213.

25    Brashares: Second Summer, S. 329.

26    Vgl. ebd., S. 65.

27    Brashares: Forever, S. 334.

28    Brashares: Second Summer, S. 4.

29    Das Gelübde lautet wie folgt: „To honor the Pants and the Sisterhood / And this moment and this summer and the rest of our lives / Together and apart“. Brashares: Second Summer, S. 16.

30    Ebd., S. 26.

31    Vgl. Butler, Judith: Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity. New York 2006.

32    Brashares: Forever, S. 167.

33    Brashares: Girls in Pants, S. 30.

34    Vgl. Brashares: Sisterhood, S. 253 u. 283.

35    Vgl. McInally: Who Wears, S. 195.

36    Brashares: Second Summer, S. 120.

37    McInally: Who Wears, S. 192.

38    Vgl. ebd., S. 188.

39    Vgl. ebd.

40    Brashares: Forever, S. 346.

41    Vgl. Litton, Joyce: The Nature of Female Friendship in the Sisterhood of the Traveling Pants Quartet, in: Eiss, Harry Edwin (Hrsg.): Young Adult Literature and Culture. Newcastle upon Tyne 2009, S. 21-37, hier S. 21.

42    McInally: Who Wears, S. 187-188.

43    Vgl. Carby, Hazel V.: Reconstructing Womanhood. The Emergence of the Afro-American Woman Novelist. New York 1987, S. 17.

44    Zit. nach Hall, Joan Wylie (Hrsg.): Conversations with Audre Lorde. Jackson 2004, S. 13.

45    Sisterhood wird hier als ein kulturspezifisches und historisch wandelbares Konzept verstanden, welches unterschiedliche Bedeutungsdimensionen hat und nicht universell definiert werden kann. Die Verwendung des Begriffs kann daher mit Umdeutungen oder Bedeutungsverschiebungen einhergehen. Freundschaft wird hier ebenfalls nicht nur als prozessual, sondern als historisch und kulturell spezifisch verstanden. Wie Ray Pahl korrekt festgestellt hat, „friends and friendship have to be seen in context“. Pahl: Friendship, S. 169.

46    Vavrus, Mary Douglas: Postfeminist News. Political Women in Media Culture. New York 2002, S. 2.

47    Rebecca Hains skizziert das verbreitete Verständnis von „girl power“: „[it] is now broadly understood as a form of pro-girl rhetoric that offers support for girls and girl culture by reclaiming the feminine and marking it as culturally valued“. Hains, Rebecca: Power Feminism, Mediated: Girl Power and the Commercial Politics of Change, in: Women’s Studies in Communication 32.1 (2009), S. 89-113, hier S. 98.

48    Ebd., S. 92.

49    Vgl. ebd., S. 107.

50    Vgl. ebd., S. 99.

51    Ebd., S. 98.

52    Pat O’Connor behauptet, dass Freundschaften geschlechtsspezifisch sind; sie argumentiert auch, dass Frauenfreundschaften zumeist entstehen, wenn die Beteiligten u.a. der gleichen sozialen Schicht angehören, den gleichen Familienstand haben oder gleichermaßen am Arbeitsleben partizipieren. Sie führt den in dieser Beobachtung markierten Exklusionsmechanismus noch weiter aus, indem sie aufzeigt, dass somit die Bildung und Aufrechterhaltung von Freundschaften nicht allen Frauen gleichermaßen offen steht. Vgl. O’Connor, Pat: Women’s Friendship in a Post-Modern World, in: Adams, Rebecca G.; Allan, Graham (Hrsg.): Placing Friendship in Context. Cambridge 1998, S. 117-135, hier S. 127.

53    Brashares: Sisterhood, S. 7.

54    Vgl. McInally: Who Wears, S. 188f.

55    O’Connor: Women’s Friendship, S. 132.

56    Brashares: Second Summer, S. 373.

57    So heißt es z.B. im zweiten Band der Reihe: „When [Tibby’s] parents had been hippies and communists and feminists and everything, her mother had derided women who changed their names when they got married“. Brashares: Second Summer, S. 48f. Alice Rollins hat inzwischen selbst den Namen ihres Mannes angenommen und ihre Tochter Tibby wird als „product of pure suburbia“, sprich als Produkt des sozialen und kulturellen Umfelds einer weißen Mittelschicht bezeichnet. Ebd., S. 88.

58    In US-amerikanischen feministischen Diskursen findet sich in den letzten Jahren zum einen der Versuch, die anhaltende Relevanz von ,sisterhood‘ (und damit die Belange der Zweiten Welle der Frauenbewegung) zu propagieren, zum anderen wird der Umbruch von ,sisterhood‘ zu ,girl culture‘ thematisiert. Dies lässt sich beispielhaft bereits an den Titeln einschlägiger Publikationen festmachen. Robin Morgan – die bereits 1970 mit „Sisterhood Is Powerful: An Anthology of Writings from the Women’s Liberation Movement“ eine klassische Sammlung feministischer Texte herausgegeben hatte – brachte mit „Sisterhood Is Forever: The Women’s Anthology for a New Millenium“ 2003 eine Handreichung für den Feminismus im 21. Jahrhundert hinaus und schon der Titel macht klar, dass ,sisterhood‘ weiterhin als zentrales Konzept angesehen wird. Deborah Siegel auf der anderen Seite markiert den Übergang zwischen verschiedenen (post-)feministischen Projekten, von der ,radikalen‘ Frauenbewegung zur ,girl culture‘ ebenfalls bereits im Titel ihres Buches „Sisterhood, Interrupted: From Radical Women to Grrls Gone Wild“ (New York 2001).

59    Vgl. McInally: Who Wears, S. 194.

60    Vgl. ebd., S. 197.

61    Vgl. Hemphill, C. Dallett: Siblings. Brothers and Sisters in American History. Oxford 2011, S. 166 u. 215.

62    Vgl. McInally: Who Wears, S. 195f.

63    Vgl. Brashares: Sisterhood, S. 14-18.

64    Negra, Diane: What a Girl Wants? Fantasizing the Reclamation of Self in Postfeminism. London 2009, S. 123.

65    Gill, Rosalind: Gender and the Media. Cambridge 2007, S. 262f.

66    Brashares: Girls in Pants, S. 2.

67    Brashares: Sisterhood, S. 8.

68    Ebd., S. 293.

69    Brashares: Forever, S. 379.

70    Vgl. McInally: Who Wears, S. 193.

71    Litton: The Nature, S. 23.

72    Vgl. Spencer, Liz; Pahl, Ray: Rethinking Friendship. Hidden Solidarities Today. Princeton 2006.

73    Barbara Johnson etwa hat diese Forderung so auf den Punkt gebracht: „We will never build a true Women’s Movement until we can organize as equals, woman to woman, without the masks of family roles“. Johnson: Politics, S. 156.

74    Pahl: Friendship, S. 74.

75    Munford, Rebecca; Waters, Melanie: Feminism and Popular Culture. Investigating the Postfeminist Mystique. London 2013, S. 10.

76    Munford; Waters: Feminism, S. 11.