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Publizistik und Politisierung der Frauenbewegung in der wilhelminischen Epoche

Die Zeitschrift «Die Frau» (1893–1914) – Diskurs und Rhetorik

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Christina Stange-Fayos

Mittelpunkt dieser sprachwissenschaftlich fokussierten Studie ist die von Helene Lange in Berlin begründete und über Jahrzehnte herausgegebene Monatsschrift Die Frau. Sie war das bedeutendste Sprachrohr der Gemäßigten in der bürgerlichen Frauenbewegung. Die Medienanalyse macht sich die Methoden der kritischen und historischen Diskursanalyse zu eigen, indem sie verfeinernd deren operatives Instrumentarium nutzt. Die vielfältigen diskursiven Verschränkungen werden dabei sichtbar, ebenso wie die Konflikte mit den anderen Fraktionen der Frauenbewegung und den in erster Linie männlichen Gegnern der Emanzipation. Trotz ihrer moderat dargebotenen Überzeugungsarbeit war Die Frau ein Kampfblatt, das die Interessen eines Großteils der bürgerlichen Frauenbewegung vertrat. Sie intendierte Revolution, allerdings im Gewand der Reform, welches sie gesellschaftsfähig und effizient machte. Die von Helene Lange vorgegebene Strategie, zwar zielstrebig und konsequent, aber langsam und bedacht vorzugehen, erwies sich langfristig als erfolgreich.
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1. Allgemeine Charakterisierung der Monatsschrift DIE FRAU zwischen 1893 und 1914

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1.Allgemeine Charakterisierung der Monatsschrift DIE FRAU zwischen 1893 und 1914

DIE FRAU erschien monatlich zu einem Bezugspreis von 1,50 Mark in einem Umfang von ung. 65 Seiten mit Umschlag und in Quartformat (Größe von 18 × 28 cm). Im Abonnement betrug der Bezugspreis 2 Mark vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen; bei direkter Versendung von der Verlagshandlung ins In- oder Ausland 2,30 Mark vierteljährlich inklusive Postporto.50 Wenn man die Zeitschrift abonnierte, konnte man sie also jährlich für 8 Mark beziehen: das war nicht wenig. Um die Jahrhundertwende kostete 1 Kilogramm Butter 1, 86 Mark, 1 Kilogramm Zucker 65 Pfennige, 1 Kilogramm Roggenbrot 23 Pfennige. Kolportagenromane — meist broschierte Hefte von 64 Seiten — kosteten 10 bis 20 Pfennige. Um 1900 erschienen bei Samuel Fischer Die Buddenbrooks des noch unbekannten Thomas Mann, 1000 Seiten in 2 Bänden. Sie kosteten 12 Mark. Die Auflage von 1000 Exemplaren war erst nach einem Jahr verkauft. Als Fischer, einer der bedeutendsten deutschen Verleger, ein Jahr später die einbändige Ausgabe (das dickste Buch, das er je verlegt hatte) zum halben Preis herausbrachte, war der Erfolg erheblich größer.51

Auch was den Umfang von ungefähr 65 Seiten mit Umschlag betrifft, kann man Vergleiche anstellen: die meisten anderen überregionalen Zeitschriften der Frauenbewegung betrugen (nur) 10–12 Seiten, allerdings erschienen sie 14täglich (z.B. Die Gleichheit, das Centralorgan oder Die Frauenbewegung) – trotzdem kann man daraus schließen, dass DIE FRAU außergewöhnlich voluminös war. Die...

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