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Gesammelte Werke

Schriften zur philosophischen Pädagogik Teil 2- Christliche Philosophie

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Anton Hilckman

Edited By Tomasz Stepien

Inwiefern können wir von einer christlichen Philosophie und Bildung, Kultur und Politik sprechen? Diese grundlegende Frage bildet den eigentlichen Ausgangspunkt der philosophischen Reflexion von Anton Hilckman. Den Hintergrund der Auseinandersetzung um die Philosophie und das Christentum macht die geistige und politische Situation in Europa, insbesondere in Deutschland und Italien der Zwischenkriegszeit, aus. Hilckman zeichnet in seinen Schriften ein spannungsvolles Bild des damaligen philosophischen Diskurses, der zwischen der thomistischen Neuscholastik und dem Neuidealismus italienischer Prägung oszillierte und direkt Einfluss auf die gesellschaftlichen und politischen Ereignisse hatte und gleichzeitig die Aktualität für die gegenwärtigen Probleme der Gesellschaft und Kultur bewahrt.
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Orthodoxie und Staatskirchentum

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Gewiss ist es für jeden abendländischen Christen freudeweckend und trostvoll, miterleben zu dürfen, dass der beinahe tausendjährige Riss, der die Christenheit des Ostens von der des Westens trennt, sich in unseren Tagen mehr und mehr schließt. Gleichwohl glaube ich, keinen häretischen Gedanken auszusprechen, wenn es mir angemessen scheint, vor einem Zu-weit-gehen zu warnen; denn ein solches wäre es meines Erachtens doch, wollten wir über dem Sich-Öffnen in der Begegnung mit dem Osten vergessen, dass es auch abendländische Eigenwerte gibt, die wir – damit die kommende, von uns allen erhoffte Einheit von Ost und West eine echte und nicht eine verfälschte Einheit werde – niemals preisgeben dürfen. Die dogmatischen Unterschiede zwischen Ostkirche und abendländischen Katholizismus, mochten sie auch vom Osten jahrhundertelang überbetont werden, sind minimal; es wäre aber Blindheit, zu verkennen, dass stattdessen die Unterschiede im kulturellen Bereich umso größer sind.

Das abendländische Christentum bildete seine Eigenart in jahrhundertelangen Auseinandersetzungen mit den politischen Mächten; unabdingbar ist der Anspruch der abendländischen Kirche auf ein freies Eigenleben, in das die staatliche Macht nicht hineinzuregieren hat. Man darf sagen, dass das Abendland in der Schule von Cluny zum vollen Bewusstsein seiner selbst gelangte. Ohne Cluny hätte es keinen Gregor VII. gegeben, der die abendländische Auffassung von der Freiheit der Kirche gegen einen Heinrich IV., der sich, ebenso wie später die Hohenstaufen, an der byzantinischen Kaiseridee orientierte, durchzusetzen vermochte.

Bei...

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