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Analphabetismus und Alphabetisierung in der Arbeitswelt

Befunde und aktuelle Entwicklungen

Edited By Dietmar Heisler and Gerd Mannhaupt

Funktionaler Analphabetismus gilt als eines der größten aktuellen Probleme des Arbeitsmarktes. Auf der einen Seite steigen die schriftsprachlichen Anforderungen in Gesellschaft und am Arbeitsmarkt. Auf der anderen Seite hat die Leo. – Level-One Studie gezeigt, dass 7,5 Millionen Menschen in Deutschland nicht in der Lage sind diese Anforderungen zu erfüllen. Diese Zahl ist bemerkenswert, zumal die meisten der Betroffenen zumindest die allgemeinbildende Schule besucht haben, einige sogar eine Ausbildung absolviert haben. Umso erstaunlicher ist, dass nur wenige Menschen den Weg in die Volkshochschulen finden, um an einem Alphabetisierungskurs teilzunehmen. Gegenstand der Beiträge dieses Bandes sind die Ursachen für funktionalen Analphabetismus, seine Erscheinungsformen, die Lebenslagen funktionaler Analphabeten und existierende Lösungsansätze. Der Band dokumentiert die Fachtagung Alphabetisierung in der Berufsbildung und im beruflichen Kontext, die am 23.04.2013 in Erfurt stattfand.
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Lebenskünstler Analphabet: Wie stellt sich die Lebenssituation funktionaler Analphabeten dar?

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Lebenskünstler Analphabet: Wie stellt sich die Lebenssituation funktionaler Analphabet/-innen dar?1

Sarina Glowatzki

1. Einleitung

In Deutschland gibt es immer noch Menschen, die trotz Schulbesuchs nicht lesen und schreiben können. Lange Zeit wurde davon ausgegangen, dass das Phänomen Analphabetismus nur in Entwicklungsländern anzutreffen sei und kein Problem unseres Kulturkreises darstelle. Erst Ende der 1970er Jahre wurde man darauf aufmerksam, als durch die Entwicklung neuer Technologien einfache Arbeitsplätze eingespart wurden und die Arbeitslosigkeit rapide anstieg (Nickel 2009, S. 2).Vergegenwärtigt man sich die – laut der neuesten leo.-Level-One Studie – geschätzte Zahl der funktionalen Analphabeten von 7,5 Millionen Menschen in Deutschland, muss danach gefragt werden, wie dies überhaupt möglich sein kann. Voreilig werden oft die Gründe für diesen Umstand bei den Betroffenen selbst gesucht: Ein Mangel an Intelligenz, Lerndefizite oder andere Störungen gelten hier oftmals als Erklärungsgründe für den funktionalen Analphabetismus. Wer nicht lesen und schreiben kann, verfügt nicht über die „einfachsten“ Grundfertigkeiten und wird daher oft als „Dummkopf“ abgewertet. Dass fehlende oder unzureichende Schriftsprachkompetenzen jedoch nicht nur auf einen Umstand zurückzuführen sind, sondern von einem Ursachenkomplex abhängen (Schwänke/Namgalies 1990, S. 11), der neben individuellen Faktoren auch schulische, familiäre und gesellschaftliche Komponenten mit wechselseitiger Beziehung zueinander beinhaltet, soll im Rahmen des vorliegenden Beitrags genauer untersucht werden. Ziel ist es außerdem, die Lebenswelt funktionaler Analphabet/-innen präziser zu erfassen. Dazu zählen beispielsweise...

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