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Kultureller Nationalismus und Religion

Nationsbildung am Fallbeispiel Irland mit Vergleichen zu Preussisch-Polen

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Annina Cavelti Kee

Lange Zeit fristete der kulturelle Nationalismus ein Schattendasein in der Forschung. Zu Unrecht, denn der kulturelle Nationalismus spielt eine entscheidende Rolle in der Ausbildung einer nationalen Identität. Indem er die Menschen mit ihrer eigenen Vergangenheit und Kultur konfrontiert, gelingt es den kulturellen Nationalisten, die Nationalität zu etwas Greifbarem zu machen. Dass der Religion in einem solchen Prozess ebenfalls eine entscheidende Bedeutung zukommen konnte, wird anhand Irlands und mit Vergleichen zu Preussisch-Polen deutlich. Dank der Histoire croisée kann dargelegt werden, wie eng das Wirken der kulturellen Nationalisten und der katholischen Geistlichen miteinander verknüpft war und wie stark diese beiden Akteure die nationalen Identitäten Irlands und Polens prägten.
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Kapitel 3. Irland

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Kapitel 3  Irland

Die Gaelic Athletic Association (GAA) und die Gaelic League, zwei einflussreiche kulturelle Nationalismusbewegungen in Irland, wurden beide gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. Der wirtschaftliche und soziale Kontext, in welchem diese Organisationen entstanden sind, sowie die Art und Weise, wie diese Bewegungen gearbeitet haben und was für einen Einfluss sie auf die Bevölkerung und die Politik Irlands hatten, ist Thema dieses Kapitels. Zuerst wird die politische Situation Irlands dargelegt, bevor ausführlicher auf die GAA und die Gaelic League eingegangen werden wird. Abschliessend wird die Rolle, welche die katholische Kirche in diesen Nationalismusbewegungen gespielt hat, analysiert werden.

Der Act of Union von 1800, der Irland politisch enger an England binden sollte, wurde von der britischen Regierung126 als Antwort auf die sich zusehends verschlechternde Atmosphäre in Irland gesehen. Im auslaufenden 18. ← 57 | 58 → Jahrhundert hatte die gesellschaftliche Entwicklung stagniert, und die Politik schien keine Strategie zur Verbesserung der Lage zu haben. Namentlich die bürgerliche Klasse in Irland forderte deshalb immer lauter Reformen nach dem Vorbild der Französischen Revolution, das heisst nach mehr Mitbestimmung und Mitspracherecht. Um diesen Forderungen Gehör zu verschaffen, gründeten Angehörige der protestantischen und presbyterianischen Mittelklasse 1791 die United Irishmen.127 Unter der Führung von Theobald Wolfe Tone128 forderten sie ein einheitliches Vorgehen der Katholiken, der Protestanten und der Andersgläubigen, in der Überzeugung, die Probleme Irlands nur gemeinsam lösen zu können. Da ihre diplomatischen Bemühungen allerdings umsonst schienen, radikalisierte...

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