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Kultureller Nationalismus und Religion

Nationsbildung am Fallbeispiel Irland mit Vergleichen zu Preussisch-Polen

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Annina Cavelti Kee

Lange Zeit fristete der kulturelle Nationalismus ein Schattendasein in der Forschung. Zu Unrecht, denn der kulturelle Nationalismus spielt eine entscheidende Rolle in der Ausbildung einer nationalen Identität. Indem er die Menschen mit ihrer eigenen Vergangenheit und Kultur konfrontiert, gelingt es den kulturellen Nationalisten, die Nationalität zu etwas Greifbarem zu machen. Dass der Religion in einem solchen Prozess ebenfalls eine entscheidende Bedeutung zukommen konnte, wird anhand Irlands und mit Vergleichen zu Preussisch-Polen deutlich. Dank der Histoire croisée kann dargelegt werden, wie eng das Wirken der kulturellen Nationalisten und der katholischen Geistlichen miteinander verknüpft war und wie stark diese beiden Akteure die nationalen Identitäten Irlands und Polens prägten.
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Kapitel 4. Preussisch-Polen

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Kapitel 4  Preussisch-Polen

Wie bereits in Irland, so befanden sich auch die Polen in Preussen und später im Deutschen Reich in einer Minderheit. Und die Unterschiede zwischen ihrer Kultur, Geschichte und Konfession gegenüber derjenigen der deutschen Bevölkerung führten auch in Preussisch-Polen468 wiederholt zu Spannungen. Inwiefern diese Differenzen für die Identitätsbewahrung der Polen in Preussen eine Rolle spielten, soll in diesem Kapitel geklärt werden. Die polnischen kulturellen Nationalismusbewegungen haben versucht, die polnische Identität trotz der Okkupation durch Preussen zu bewahren. Es wird sich in diesem Kapitel zeigen, dass es diesen Bewegungen, welche unter dem Namen „organische Arbeit“469 in die Geschichte eingingen, gelang, zusammen mit dem katholischen Klerus, die polnische Identität zu erhalten und so den nationalen Geist Polens zu erhalten. ← 163 | 164 →

Nachdem die Jagiellonen, die frühere Herrscherfamilie, ausgestorben war, wurde Polen 1572 zu einer Wahlmonarchie. Dieser Schritt führte dazu, dass der König weite Teile seines Einflusses an den Adel verlor. Das hatte eine zunehmende Schwächung des polnischen Reichs zur Folge, da nun verschiedene Adelsfamilien um die Vormacht in Polen kämpften.470 Die ausländischen Mächte, allen voran Preussen und Russland, versuchten diese Ausgangslage zu ihren Gunsten zu nutzen, indem sie ihren Einfluss auf die polnische Politik schrittweise ausdehnten.

Dank der russischen Unterstützung und der persönlichen Beziehung Stanisław August Poniatowskis471 zur Zarin Katharina II.472 wurde dieser 1764 zum König Polens473 gewählt. Preussen hatte dieser Wahl...

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