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Wenn Hände eine neue Sprache lernen

Gestikerwerb bei französisch-, spanisch- und russischsprachigen Deutsch-L2-Lernern

Galina Putjata

Gefühle. Gedanken. Emotionen. Dem, was die Sprache zu beschreiben vermag, wird oft erst durch eine Bewegung der Hand Nachdruck verliehen. Dabei unterliegt auch die Gestik sprachlicher und kultureller Variation. Was geschieht, wenn wir den sprachlichen Code wechseln? Verbleibt uns die Gestik als identitäres Merkmal oder passen sich auch unsere Hände der neuen Sprache an? Ausgehend von authentischen Interviews mit spanisch-, französisch- und russischsprachigen Deutschlernern wird empirisch die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen des Gestikerwerbs beantwortet. An der Schnittstelle zwischen Gestikforschung und Zweitspracherwerb angesiedelt, bietet das Buch eine Annäherung an die Prozesse der Gestikherausbildung.
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Einleitung

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„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“

Ludwig Wittgenstein1

Diese philosophische Einstellung zur Identifikationsrolle von Sprache prägt in den letzten Jahrzehnten zunehmend auch bildungspolitisch die Relevanz der Fremdsprachenkenntnisse. Aktuelle wirtschaftliche und politische Entwicklungen, besonders innerhalb der Europäischen Union, erfordern, dass „[…] jedem – unabhängig vom Bildungs- und Ausbildungsweg – die Möglichkeit gegeben wird, die Fertigkeit zur Kommunikation in mindestens zwei Gemeinschaftssprachen neben seiner Muttersprache zu erwerben und zu erhalten“2, so die zuletzt 2008 wiederholte Stellungnahme der Europäischen Kommission.

Die zunehmende Globalisierung der Wirtschaftsmärkte und die dadurch beschleunigte Internationalisierung der Arbeitsortwahl verlangen verstärkt nach der gesellschaftlichen Eingliederung von Menschen, die fremde Sprachen sprechen und in einer anderen Kultur sozialisiert wurden. Interpersonale Kommunikation zwischen Immigranten und einheimischer Bevölkerung spielt sich dabei grundsätzlich nicht nur auf der rein verbalen, sondern auch auf einer nonverbalen Ebene ab. Eine sprachliche Integration von Zuwanderern bedingt zwangsläufig, sich nicht allein verbal zu qualifizieren. Idealerweise würde Fremdsprachenunterricht auch darauf abzielen, die nonverbale Ebene einer Sprache zu vermitteln. Als Reaktion auf die stark gestiegenen Erwartungen an die Sprachausbildung gibt dieses Forschungsprojekt Antwort auf die Frage, in welchem Maß Gestik als ein integraler Bestandteil jeder Sprache erlernbar ist und gegebenenfalls dem Phänomen der critical period unterliegt. Dazu wird untersucht, ob immigrierte Lernende einer Sprache ihr nonverbales Verhalten an das neue sprachliche und kulturelle Umfeld anpassen. Das Ziel dieser Studie ist es, zu klären, ob es auf der Ebene der Gestik, ähnlich...

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