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Wenn Hände eine neue Sprache lernen

Gestikerwerb bei französisch-, spanisch- und russischsprachigen Deutsch-L2-Lernern

Galina Putjata

Gefühle. Gedanken. Emotionen. Dem, was die Sprache zu beschreiben vermag, wird oft erst durch eine Bewegung der Hand Nachdruck verliehen. Dabei unterliegt auch die Gestik sprachlicher und kultureller Variation. Was geschieht, wenn wir den sprachlichen Code wechseln? Verbleibt uns die Gestik als identitäres Merkmal oder passen sich auch unsere Hände der neuen Sprache an? Ausgehend von authentischen Interviews mit spanisch-, französisch- und russischsprachigen Deutschlernern wird empirisch die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen des Gestikerwerbs beantwortet. An der Schnittstelle zwischen Gestikforschung und Zweitspracherwerb angesiedelt, bietet das Buch eine Annäherung an die Prozesse der Gestikherausbildung.
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Teil II Vom Turmbau zu Babel. Prozesse des Erstund Zweitspracherwerbs

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Erst in den 1970er Jahren begannen Wissenschaftler, entwicklungspsychologische, motivationale und neurolinguistische Faktoren zu untersuchen, die das Erlernen einer Fremdsprache charakterisieren. Das vorrangige Ziel dieser Arbeiten war, den Unterschied zwischen der stets erfolgreich erworbenen Kompetenz in der Erstsprache und der beinahe ausschließlich eingeschränkten Beherrschung von weiteren Sprachen zu erklären. Dieses relativ späte Interesse erklärt sich, wie im einführenden Kapitel 1 des folgenden Teils gezeigt wird, mit der historischen Entwicklung im Stellenwert der Mehrsprachigkeitsforschung in Bereichen der Soziologie, Psychologie und Linguistik.

Problematisch bei diesen Untersuchungen bleibt allerdings, dass bis dato selbst der Erstspracherwerb nicht umfassend erforscht ist. Zahlreiche Modelle beschreiben den Spracherwerb aus unterschiedlichen Perspektiven: als konditioniertes Verhalten, als angeborene Disposition, als aktiven kognitiven Prozess oder als Produkt zwischenmenschlicher Interaktion. Diese Spracherwerbs- Theorien werden im zweiten Kapitel des folgenden Arbeitsteils vorgestellt und ihre Gültigkeit anhand empirischer Studien im Bereich des Zweitspracherwerbs untersucht.

Die meisten aktuellen Forschungsansätze der Sprachforschung stützen sich auf die Einsprachigkeit. Theorien über Morphologie, Lexik, Phonetik, Syntax und andere Bereiche der Sprachwissenschaft basieren, im Sinne von Chomsky, dezidiert auf der korrekt gesprochenen Sprachform eines einsprachigen Individuums. Diese Sicht ist eine logische Folge der Nationalstaatenbildung im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts. Doch die Realität des 21. Jahrhunderts entfernt sich zunehmend von diesem Idealbild. Durch die fortschreitende Globalisierung der Wirtschaftswelt und die Internationalisierung der Arbeitsortwahl, besonders innerhalb der Europäischen Union, nimmt die kulturelle Heterogenität von Nationen stetig zu. In Gesellschaften, die in der Vergangenheit vor...

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