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Wenn Hände eine neue Sprache lernen

Gestikerwerb bei französisch-, spanisch- und russischsprachigen Deutsch-L2-Lernern

Galina Putjata

Gefühle. Gedanken. Emotionen. Dem, was die Sprache zu beschreiben vermag, wird oft erst durch eine Bewegung der Hand Nachdruck verliehen. Dabei unterliegt auch die Gestik sprachlicher und kultureller Variation. Was geschieht, wenn wir den sprachlichen Code wechseln? Verbleibt uns die Gestik als identitäres Merkmal oder passen sich auch unsere Hände der neuen Sprache an? Ausgehend von authentischen Interviews mit spanisch-, französisch- und russischsprachigen Deutschlernern wird empirisch die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen des Gestikerwerbs beantwortet. An der Schnittstelle zwischen Gestikforschung und Zweitspracherwerb angesiedelt, bietet das Buch eine Annäherung an die Prozesse der Gestikherausbildung.
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Teil V Schlussfolgerung und Ausblick

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Une langue, un peuple, une nation – Eine Sprache, ein Volk, eine Nation. Diese traditionell geprägte Rolle der Sprache als nationales Einheitselement erlebt im Zuge der fortschreitenden Globalisierung eine herausragende Metamorphose. Besonders innerhalb der Europäischen Union nimmt die kulturelle Heterogenität von Nationen stetig zu. In Gesellschaften, die früher vor allem eine gemeinsame Sprache einte, sind Kontakte zwischen Sprechern verschiedener Sprachen mit unterschiedlicher kultureller Prägung gegenwärtig nicht mehr nur selbstverständlich, sondern unverzichtbar. Doch zwischenmenschliche Kommunikation erfordert nicht nur die rein verbale Kompetenz des Sprechers: Gestik – als eines der bedeutendsten Elemente der Sprache – unterliegt ebenfalls sprachlicher und kultureller Variation. Umso wichtiger erscheint die Etablierung einer um die nonverbalen Bestandteile der Sprache komplettierten Spracherwerbsforschung.

Teil I der vorliegenden Arbeit hat den Stellenwert nonverbalen Verhaltens in der Linguistik untersucht und gezeigt, dass die Körpersprache nicht nur in der Kommunikation ein bedeutendes Medium zur Übermittlung einer Botschaft darstellt, sondern auch aus der semiotischen und semantischen Perspektive eine zentrale Funktion innehat. Unsere Körperhaltung, unsere Gestik und Mimik sind in vergleichbarem Maß Teil der Kommunikationssituation wie das gesprochene Wort. Neben der sozialpsychologischen Forschung liefern auch Studien im Bereich der Linguistik neue Erkenntnisse. Ihnen zufolge besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen verbaler und nonverbaler Äußerung. Albert Mehrabian konstatierte 1967, dass allein die Körpersprache eines Vortragenden bis zu 55 % der Information bei Präsentationen transportieren würde.433 Selbst wenn diese Zahlenangaben allenfalls kritisch zu lesen sind, bestätigen neuere Untersuchungen die herausragende Bedeutung der Körpersprache: David...

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