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«Christian Rock» – Unterhaltung oder mehr?

Eine Betrachtung unter kulturanthropologischen und musikwissenschaftlichen Aspekten

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Wolfgang Kabus and Tobias Rux

Fast unbemerkt hat sich Christian Rock zu einem Phänomen entwickelt, an dem weder Musikwissenschaft noch Kirche vorbeikommen. Sein erklärtes Programm ist die Begegnung mit der Welt des Glaubens. Trotzdem wird er beargwöhnt, ja abgelehnt. So versucht der Autor ganz pragmatisch mit verschiedenen Fragestellungen den wirklichen Sachverhalten auf den Grund zu gehen: Was ist unter Christian Rock zu verstehen? Kann er in seiner musikalischen Grundstruktur überhaupt ein Ort der Gottesbegegnung, ein locus theologicus sein, wie seine Vertreter behaupten? Welche Werte transportiert er? Ist er nicht vielmehr von lasziven Kräften gesteuert, als dass er ein Botschafter christlichen Glaubens sein könnte? Sensibilisiert er für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Kunst, Kultur und Theologie, oder ist er nichts weiter als eine christlich-triviale Musizierpraxis zur Unterhaltung der Menschheit? Diesen Fragen wird in musikwissenschaftlichen sowie kulturanthropologischen Auseinandersetzungen nachgegangen.
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2. Was ist Rockmusik?

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Der Begriff Rockmusik1 bündelt, wie andere vergleichbare Kategorien im Umfeld der populären Musik, verschiedene kulturelle, ästhetische und soziale Praktiken, die sich im Laufe der Geschichte des Rock immer wieder änderten. Was der Popularmusikforscher Wolfgang Kabus dazu erklärt, gilt genauso für ihre authentischste Ausdrucksform: Eine Definition des Rock gibt es nicht, es muss immer wieder ausgehandelt werden, was er sei.2

2.1 Kulturanthropologische Bestimmung

Das, was zunächst grob umrissen als städtische Massenmusik für Jugendliche3 bezeichnet wird, stellt eine Vermischung von Kunst- und (besonders) Alltagserfahrung dar. Letztere ist eine Ursache für die Entstehung4 und die Grundlage für die Einordnung des Rock in die Unterhaltungsmusik.5 Die Enzyklopädie ›Musik in Geschichte und Gegenwart‹ definiert Rockmusik als eine in den 1960er Jahren entstandene, musikbezogene kulturelle Praxis Jugendlicher.6 In ›The New Grove‹ von Richard Middleton wird Rock in zwei kulturbezogene Bereiche differenziert. Soziologisch gesehen ist Rockmusik ein kommerziell produziertes, auf Popmusik gerichtetes Idiom, das sich an jugendliche Hörer einer spätkapitalistischen Gesellschaft wendet. Die erste wirklich globale Form von Musikpraxis7 beschreibt aus ideologischer Sicht eine ästhetische Ausrichtung nach Authentizität, die als ein Gemeinschaftsereignis8 auch Elemente der Kunstmusik (Originalität, persönlicher Ausdruck) entwickelt.9 Während die soziologische Perspektive auf die verschiedenen Spielarten der Rockmusik bezogen variabel ist, gilt der ideologische Faktor als ein Organisator derselben, zuzüglich des stilistischen Aspekts und seinem damit stärksten Bezugspunkt.10 Die Begriffsbestimmungen der Nachschlagewerke beziehen sich mehr auf eine gesellschaftlich-ideelle Begriffsbestimmung als auf...

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