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«Christian Rock» – Unterhaltung oder mehr?

Eine Betrachtung unter kulturanthropologischen und musikwissenschaftlichen Aspekten

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Wolfgang Kabus and Tobias Rux

Fast unbemerkt hat sich Christian Rock zu einem Phänomen entwickelt, an dem weder Musikwissenschaft noch Kirche vorbeikommen. Sein erklärtes Programm ist die Begegnung mit der Welt des Glaubens. Trotzdem wird er beargwöhnt, ja abgelehnt. So versucht der Autor ganz pragmatisch mit verschiedenen Fragestellungen den wirklichen Sachverhalten auf den Grund zu gehen: Was ist unter Christian Rock zu verstehen? Kann er in seiner musikalischen Grundstruktur überhaupt ein Ort der Gottesbegegnung, ein locus theologicus sein, wie seine Vertreter behaupten? Welche Werte transportiert er? Ist er nicht vielmehr von lasziven Kräften gesteuert, als dass er ein Botschafter christlichen Glaubens sein könnte? Sensibilisiert er für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Kunst, Kultur und Theologie, oder ist er nichts weiter als eine christlich-triviale Musizierpraxis zur Unterhaltung der Menschheit? Diesen Fragen wird in musikwissenschaftlichen sowie kulturanthropologischen Auseinandersetzungen nachgegangen.
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8. Christian Rock – eine aktuelle Sprache des Glaubens

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Durch das gesamte Buch zieht sich der Gedanke, dass der christliche Glaube das große übergreifende Merkmal ist, das den Christian Rock von anderen Formen der Rockmusik unterscheidet. Er ist sein typischstes Erkennungszeichen. Alle vier durch die Bandbeispiele aufgezeigten Spielweisen (Stadion) Rock, Hardrock, Heavy Metal und Praise and Worship, so unterschiedlich sie stilistisch auch sein mögen, haben eine Gemeinsamkeit: ›Gott, immer nur Gott!‹, so würde es vielleicht Karl Barth ausdrücken.

Da der Fachterminus ›Rockmusik‹ eine gesellschaftliche Vorverurteilung mit sich herumschleppt, ist es wichtig, eines ganz klar zu sehen: ›Rockmusik‹ definiert sich ästhetisch, soziologisch und ist ein musikalischer Gattungsbegriff, sonst nichts. Er hat die traditionelle Hierarchie von Texter, Komponist, Arrangeur und Interpret aufgebrochen und eine neue kollektive Identität an die Stelle gesetzt.1

Und der Christian Rock? Erinnern wir uns an die Auskunft der Soziologen: Unter Einbeziehung aller hier behandelten kulturanthropologischen und musikalischen Aspekte stellt Christian Rock keine Form von Rebellion, nicht ›lediglich Unterhaltung‹, sondern eine musikalische Ausdrucksform unseres Glaubens heute mit dem Potenzial der gesellschaftlichen Nutzbarkeit dar. Dient Christian Rock einem missionarischen Zweck – dies kommt heute weit weniger vor als in den Anfangszeiten2 –, dann wird er zu einer kulturellen Praxis, die in ihrer aktuellen Tonsprache eine hohe Verantwortung übernimmt. Christian Rock ist also nicht nur Erlebnis; er ist zugleich Lebenssinn- und Wertevermittler und als solcher Träger einer Kultur, die sich als Folge einer Gottesbeziehung versteht. Das hat verschiedene Konsequenzen. Wir nennen sechs:

(1) Mit Christian Rock wird einer...

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