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Jugendsprachen

Stilisierungen, Identitäten, mediale Ressourcen

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Helga Kotthoff and Christine Mertzlufft

Sprachverhalten – von Kiezdeutsch bis zur Schreibstilistik von Mädchen auf Internetplattformen – gerät in diesem Beitrag zur Jugendsprachforschung als soziale Positionierungsaktivität in den Blick. Jugendliche nutzen ihr Wissen um kommunikationsstilistische Zuordnungen vielfältig, um sich als ein bestimmter Typus zu entwerfen, aber auch, um soziale Typen zu zitieren, zu karikieren und mit Zuordnungen zu spielen. Die deutschen und englischen Beträge dieses Bandes zeigen ein weltweites Spektrum. In vielen Ländern sind Sprech- und Schreibstile entstanden, bei denen Jugendliche Sprachen mischen und Regelverletzungen zur situativen Gebrauchsnorm einer Clique werden lassen. Junge Italo-Deutsche geraten mit ihrem Varietätenspektrum ebenso ins Blickfeld wie Studierende aus Ghana und SchülerInnen aus den USA, Dänemark und Georgien. Jugendliche haben in den Textsorten der sozialen Internetzwerke Schreib- und Bildstilistiken entwickelt, die nicht nur eigenwillig sind, sondern in ihrer Normferne wieder neue Normen konstituieren.
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Einleitung zum Band Jugendsprachen: Stilisierungen, Identitäten, mediale Ressourcen

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Einleitung

Helga Kotthoff, Christine Mertzlufft

Seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist die linguistische Analyse der Sprech- und Schreibweisen, des Wortschatzes und der Diskurspraktiken von Jugendlichen innerhalb des Faches selbstverständlich geworden. Im Vordergrund stehen keine idealisierten Sprecher, sondern lebensweltlich eingebundene Sprecher(innen), die sich über besondere Sprechstile Identitäten und Zugehörigkeiten zuschreiben und Situationen prägen. Kritische Lexikographie, Ethnographie der Kommunikation, Stilistik, Soziolinguistik, Gesprächsforschung, Semantik und auch die Erforschung der Sprache des Internets bilden verschiedene Stränge der Beschäftigung mit Jugendsprachen, die von vornherein im Plural gedacht werden. Beispielsweise nahm Androutsopoulos (1998) mit tradierten linguistischen Methoden verschiedene Bereiche der Jugendsprache unter die Lupe, von Entlehnungen über Phraseologie bis zu Diskurskonventionen. Seine hauptsächlich auf einer Sammlung von Flyern zu Musikveranstaltungen basierende Studie ist eines der Zeugnisse der Vielfalt in der Beschäftigung mit Jugendsprachen; punktuelle Quantifizierungen bestimmter sprachlicher Phänomene in Kombination mit einer Ethnografie der Kommunikation, d.h. der teilnehmenden Beobachtung im Feld jugendlicher Kontakte, ergaben eine bis heute favorisierte Methodenkombination.

Neuland (2008) legte eine Einführung in den Themenbereich vor, die ebenfalls den heutigen Reichtum an Fragestellungen, Befunden und Methoden vorführt. Sie zeigt auch, wie sich die Erforschung der Sprechweisen von Jugendlichen aus der sondersprachlichen Tradition herausbewegt hat, wie sich die zunächst prominente lexikographische Tradition heute in ein Spektrum sehr unterschiedlicher Fragen und Herangehensweisen einordnet. Neuland liefert einen umfangreichen geschichtlichen Überblick und thematisiert auch, wie Schule und Unterricht mit Jugendsprachen als Unterrichtsthema, bei...

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