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Der Symbolbegriff im Denken Ernst Cassirers

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Catia Rotolo

In der philosophischen Debatte über den Status und die Funktion von Erkenntnis und Wissen spielt Ernst Cassirers Kulturphilosophie der symbolischen Formen eine wichtige Rolle. Sprache, Mythos, Wissenschaft und Kunst zählen zu den symbolischen Formen, die Cassirer untersucht, um die geistige Gestaltung des Wirklichen zu verstehen. Nahe an den Wissenschaften zeigt er, wie das Symbolische entsteht, indem dem Sinneseindruck ein Index, eine Ordnung und ein Ort zugewiesen und ein Name verliehen wird. Das Symbolische drückt eine bestimmte Orientierung, eine Grundtendenz und besondere Form des Denkens aus, auch im Feld der Begriffe der Wissenschaften. Cassirers Theorie des Symbols hat die erkenntnistheoretische Konzeption der bloßen nachahmenden Abbildung des Wirklichen überwunden. Das Erkennen hat die Funktion, der gegenständlichen Welt in ihrer komplexen Mehrdimensionalität in freier Tätigkeit des Geistes Gestalt und menschliche Bedeutung zu verleihen. Aus seiner Kritik an der aristotelischen Substanz-Ontologie und am dogmatischen Realismus entwickelt Cassirer seine funktionstheoretische Perspektive des Symbolischen, auf deren anti-deterministischer und zugleich nicht-relativistischer Basis von der epistemischen Freiheit des Menschen als animal symbolicum gesprochen werden kann.
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3 Zum Funktionsbegriff

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3.1 Vom Funktions- zum Wirklichkeitsbegriff

Die Wissenschaftsentwicklung der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hat der Philosophie im Vergleich zur Vergangenheit eine neue Stellung und einen neuen Ort eingebracht. Insbesondere im Bereich der Logik als theoretischer Wissenschaft wurde ihr eine präzise Identität zuerkannt.120 Die zeitgenössische Philosophie war ein integraler Bestandteil der Entwicklung der exakten Wissenschaften, die um die Lösung verschiedener komplexer Fragen philosophischer Natur bemüht waren. Synergien dieser Art haben das Feld von alten Illusionen und absoluten Gewissheiten befreit und neuen logischen Hypothesen und Versuchen zur Reformierung des Wissens Raum geboten. Zu diesen nicht mehr jungen und dennoch wenig vertieften theoretischen Beiträgen zählen die Überlegungen zum Funktionsbegriff. Analysiert werden hier der unverzichtbare Beitrag von Frege und schließlich der von Cassirer. Die Betrachtung beider Ansätze, die aus unterschiedlichen Ansprüchen hervorgingen, sichert uns einen Interpretationsrahmen, der von der mathematischen über die logische bis zur philosophischen keine wichtige Dynamik außer Acht lässt. Beide Interpretationen setzten bei ein und demselben Punkt an: bei der Auseinandersetzung mit dem aristotelischen Denken und seiner Logik. Häufig ergänzen Freges und Cassirers Gedanken einander.

3.1.1 Aristoteles in der Lesart Freges

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