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«Bis dat, qui cito dat»

«Gegengabe» in Paremiology, Folklore, Language, and Literature – Honoring Wolfgang Mieder on His Seventieth Birthday

Edited By Christian Grandl and Kevin J. McKenna

Bis dat, qui cito dat – never has a proverb more aptly applied to an individual than does this Medieval Latin saying to Wolfgang Mieder. «He gives twice who gives quickly» captures the essence of his entire career, his professional as well as personal life. As a Gegengabe, this international festschrift honors Wolfgang Mieder on the occasion of his seventieth birthday for his contributions to world scholarship and his kindness, generosity, and philanthropy. Seventy-one friends and colleagues from around the world have contributed sixty-six essays in six languages to this volume, representative of the scope and breadth of his impressive scholarship in paremiology, folklore, language, and literature. This gift in return provides new insights from acknowledged experts from various fields of research.
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Er hat die Spendierhosen an: Zu ungelösten Fragen der Idiom-Semantik am Beispiel eines wenig beachteten Modells der Phrasembildung

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Dmitrij Dobrovol'skij & Elisabeth Piirainen

1Zielsetzung und theoretischer Rahmen

Komposita wie Müßiggang, Narrenfang oder Zitterwochen sind der Parömiologie nicht unbekannt. Ihre Eigentümlichkeit besteht darin, dass sie weder "frei" verwendbare Wörter des Deutschen darstellen noch Korrelate in der "wirklichen Welt" besitzen. Vielmehr existieren sie nur als an ein Sprichwort gebundene Wörter bzw. als Elemente einer "konzeptuellen Welt". Es sind die Sprichwörter Müßiggang ist aller Laster Anfang, Mit süßen Worten geht man auf Narrenfang und Nach den Flitterwochen kommen die Zitterwochen. Innerhalb der Idiome finden sich weit mehr solcher "bizarrer" Wortbildungen bzw. Konzeptualisierungen als innerhalb der Sprichwörter – so hoffen wir, dass die folgenden Überlegungen das Interesse des verehrten Jubilars finden mögen.

Im Mittelpunkt dieses Artikels stehen Idiome des Typs (1), die durch eine komplexe Struktur der konzeptuellen Projektion hervortreten, d.h. nach einem nichttrivialen Phraseologisierungs-Modell gebildet sind.

(1)die Spendierhosen anhaben 'in Geberlaune sein, sich spendabel zeigen'

Das Zustandekommen der figurativen Bedeutung des Idioms beruht zwar letztlich auf Metaphorisierungsprozessen, jedoch auf anderen als im Fall von Idiomen wie das Kind mit dem Bade ausschütten (vgl. Mieder, 1991 & 1992), die sich anhand eines "einfachen Metaphernmodells" in den Termini der eindeutigen Source-to-Target-Projektion beschreiben lassen. Unser Idiom zeichnet sich nicht nur durch die Unikalität der Konstituente Spendierhosen aus, sondern auch durch das Fehlen einer klaren Ausgangsdomäne; eine "wörtliche Lesart" kann nur im Nachhinein konstruiert werden (Näheres dazu in...

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