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«Bis dat, qui cito dat»

«Gegengabe» in Paremiology, Folklore, Language, and Literature – Honoring Wolfgang Mieder on His Seventieth Birthday

Edited By Christian Grandl and Kevin J. McKenna

Bis dat, qui cito dat – never has a proverb more aptly applied to an individual than does this Medieval Latin saying to Wolfgang Mieder. «He gives twice who gives quickly» captures the essence of his entire career, his professional as well as personal life. As a Gegengabe, this international festschrift honors Wolfgang Mieder on the occasion of his seventieth birthday for his contributions to world scholarship and his kindness, generosity, and philanthropy. Seventy-one friends and colleagues from around the world have contributed sixty-six essays in six languages to this volume, representative of the scope and breadth of his impressive scholarship in paremiology, folklore, language, and literature. This gift in return provides new insights from acknowledged experts from various fields of research.
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Goethes Märchen

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Sabine Wienker-Piepho

Würde man nicht gleich eine Pointe verschenken, wenn man zum siebzigsten Geburtstag von Wolfgang Mieder nicht darauf hinwiese, dass Goethe an seinem Märchen vermutlich um seinen Geburtstag herum geschrieben hat? Es war zwar Goethes sechsundvierzigster, aber ist der Jubilar, dem dieser Festschriftbeitrag gewidmet sei, in seinem etwas höheren Alter nicht mindestens ebenso emsig und erfolgreich, wie der Dichterfürst in seinen besten Jahren? Und wenn Goethes Text auch keine einzige sprichwörtliche Redensart enthalten mag, so ist sein virtuoses Spiel mit populären Genres doch gleichsam verwandt mit den zahlreichen Reflexionen des Jubilars zum Volksmärchen (Mieder, 2007 & 2009). In diesem Sinne soll das Goethe'sche Kunstmärchen auch einmal auf der Folie der Volksmärchen vermessen werden. Gibt es Gemeinsamkeiten? Und wo liegen die Unterschiede?

Gleich zu Beginn des Märchens treten merkwürdige Gestalten auf, die bis heute im Bereich des Volksglaubens angesiedelt sind: Zwei Irrlichter wollen einen Fluss überqueren. Dies bewerkstelligen sie mit Hilfe eines Fährmannes, der sich nicht mit Gold und Geld, sondern nur mit drei Zwiebeln, drei Kohlköpfen und drei Artischocken bezahlen lassen will. Auch der unbefangenste Leser oder Hörer merkt sofort: Hier geht es um mehr als um bloßes Gemüse, um mehr als um einen bloßen Angestellten der Binnenschifffahrt, um mehr als Gold im Sinne von Geld oder um Irrlichter als bloße Naturphänomene, hier geht es um bedeutungstragende Sinnbilder, um Symbole, ganz wie im Volksm...

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