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Das fremde Japan: Ainu – Kami – Shinto

Die prähistorischen Wurzeln im Weltbild der Japaner

Ina Mahlstedt

Die unsichtbaren Kami sind auch im modernen Japan allgegenwärtig. Die vom Shinto verehrten Geistwesen der Natur prägen bis heute das Selbstverständnis der Japaner. Die Autorin stellt heraus, dass sich die religiösen Muster des Shinto auf das ungewöhnliche Weltbild der alten Ainu-Jäger zurückführen lassen. Nicht zuletzt anhand ihrer Schöpfungsgesänge, den Yukar, beleuchtet die Religionswissenschaftlerin die ursprüngliche Lebenswelt der prähistorischen Jäger. Schon die Ainu erklärten sich das Phänomen des Schöpferischen mit einer parallelen Welt, in der sich unsichtbare Kamui aus innerer Kraft in allen Formen der Natur materialisieren können. Auf der Grundlage dieses Weltbildes hat der Shinto ein organisiertes Ritualsystem entwickelt, das die Harmonie mit den Kami zum Wohle Japans sicherstellt.
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3 Teil: Die Kami des Shinto

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Das außerordentlich höfliche und rücksichtsvolle Verhalten der Japaner fällt uns Europäern auf, sobald wir Japaner kennenlernen oder nach Japan reisen. Ob ich auf dem Bahnsteig, im Flughafen, im Bus oder Zug neben Japanern stand, niemals wurde ich bedrängt. In den gewaltigen Rolltreppensystemen, ebenso wie im dichten Menschengedränge an den Bahnhöfen japanischer Metropolen geht alles ruhig und harmonisch zu, keiner benimmt sich laut oder fällt unangenehm auf. Öffentliche Gebäude, Kaufhäuser und selbst die gewerblichen Anlagen entlang den Bahnstrecken präsentieren sich sauber und aufgeräumt. Sauberkeit scheint ein Grundbedürfnis der Japaner zu sein. Auf westliche Besucher wirken Sauberkeit, distanzierte Rücksichtnahme und Uniformität der Japaner fast unwirklich. Dabei ist Japan kein diktatorischer Staat, der Ruhe und Ordnung etwa „von oben“ verordnet hätte.

Auch in ihrem Privatleben wirken Japaner aus dem Blickwinkel des Europäers eher angepasst zurückhaltend und unterkühlt, so wie sie sich auch in der Literatur stets duldsam und unemotional verhalten, immer formell und höflich. Selbst die modischen, trendbewussten Teenager geben sich nicht aggressiv oder provozierend, sondern eher clownesk, bunt und originell. Bettler, Verwahrloste oder Obdachlose habe ich im Straßenbild überhaupt nicht entdecken können. Während meiner Reise bestätigte es sich vielfach, dass "die Harmonisierung aller Gegensätze ein Grundgesetz des japanischen Lebens ist." (Immoos 1996, 242)

Japaner behaupten gerne von sich, sie wären unreligiös. In einem monotheistischen Sinne sind sie das...

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