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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Märchenarabesken. Eugen Napoleon Neureuther (1806–1882): Regina Freyberger

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Regina Freyberger

Märchenarabesken. Eugen Napoleon Neureuther (1806−1882)

Ursprünglich als rein vegetabile Ornamentform verstanden, diente den Dichtern und bildenden Künstlern der deutschen Romantik die Arabeske dazu, die Grenzen des Abbildbaren zu erweitern, spielerisch mehrere nacheinander folgende Szenen gleichzeitig darzustellen und Ernsthaftes und Humorvolles, Wirkliches und Fiktives übergangslos miteinander zu verquicken.1 Für die formale Gestaltung der Arabeske in der Kunst war dabei die sogenannte ‚Ornamentgroteske‘2 der antiken Wandmalerei ebenso wichtig wie Philipp Otto Runges hieroglyphische Tageszeitenzyklen (seit 1802) und die Druckgraphik Albrecht Dürers, dessen Randzeichnungen zum Gebetbuch Kaiser Maximilians 1808 von Nepomuk Strixner faksimiliert worden waren.3 Im Laufe des 19. Jahrhunderts, beeinflusst durch die Wiederentdeckung der mittelalterlichen Malerei und ihrer Simultanbilder, wurde das Strukturelement des Rankenwerks in der Arabeske häufig durch architektonische Elemente oder eine durchgehende Landschaft ersetzt, welche die einzelnen Szenen zusammenband.4

Wie virulent die Arabeske im frühen 19. Jahrhundert war, wird offensichtlich, wenn man sich vor Augen führt, dass selbst Wilhelm Grimm sich von Dürers Zeichnungen beeinflussen ließ und seinem Titelblatt zu den Altdänischen Heldenliedern, Balladen und Märchen (Heidelberg: Mohr und Zimmer, 1811) eine Federzeichnung Dürers mit dem Hl. Georg zugrunde legte, deren Hauptgruppe er fast eins zu eins in sein Titelblatt übernahm. Grimms Wahl der Arabeske für das Titelblatt seiner Sammlung von ‚Volksdichtungen‘ war symptomatisch, denn im ganzen 19. Jahrhundert war die Arabeske untrennbar insbesondere mit dem Märchen verbunden: Für Friedrich Schlegel waren Märchen „arabeske...

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