Show Less
Restricted access

Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

Series:

Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
Show Summary Details
Restricted access

Das Rotkäppchen im Interieur. Robert Julius Beyschlags gemaltes Märchen nach den Brüdern Grimm: Jasmin Schäfer

Extract

Jasmin Schäfer

Das Rotkäppchen im Interieur. Robert Julius Beyschlags gemaltes Märchen nach den Brüdern Grimm

Nachdem sich das Märchen als Literaturgattung fest etabliert hat, entsteht im 19. Jahrhundert auf der textlichen Grundlage der Märchensammlung der Brüder Grimm die Märchenmalerei. Historien- und Genremaler wenden sich dem neuen Sujet zu und loten unterschiedliche Möglichkeiten der bildlichen Darstellung aus, denn eine ikonografische Tradition dieser Kunstgattung gibt es bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Das Interesse und die Verbreitung der Märchenmalerei setzt um 1855 ein.1 Beliebt sind Tableaus, die aus mehreren Einzelszenen bestehen sowie monoszenische Darstellungen. Parallel dazu sind auch Wandmalereien zur Ausschmückung von Innenräumen sehr beliebt.2 Charakteristisch für die Einzeldarstellung ist, dass sie jeweils eine Schlüsselszene zeigt, so dass die Darstellung nicht etwa textbegleitend fungiert – wie die Märchenbuchillustration –, sondern textunabhängig funktioniert. Ihre Aufgabe ist daher eher einen bestimmten Aspekt zu beleuchten, der den Kern des Märchens meint. Darüber hinaus erlaubt sie im Gegensatz zu der Märchenbuchillustration eine individuellere Gestaltung. So kann etwa die Kleidung modisch angepasst, eine bestimmte Person in der Gestalt der Märchenfigur dargestellt oder andere Wünsche des Auftraggebers berücksichtigt werden.

Eines der am häufigsten verwendeten Motive der Einzeldarstellungen ist das Rotkäppchen. Während das Motiv bis 1893 vorwiegend die Begegnung zwischen Rotkäppchen und Wolf im Wald oder Rotkäppchen am Bett der Großmutter zeigt,3 verwendet der Genremaler Robert Julius...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.