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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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Grimms Märchen, Naturpoesie und kindgerechte Erziehung – zum Paradigmenwechsel der portugiesischen Kinderliteratur im ausgehenden 19. Jahrhundert: Maria Teresa Cortez

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Maria Teresa Cortez

Grimms Märchen, Naturpoesie und kindgerechte Erziehung – zum Paradigmenwechsel der portugiesischen Kinderliteratur im ausgehenden 19. Jahrhundert

Erst Ende der 70er-Jahre des 19. Jahrhunderts wird der Volksdichtung und hier insbesondere den Märchen als Kinderlektüre in Portugal eine größere Akzeptanz zuteil. Bis dahin war die Kinderliteratur (nahezu vollständig aus Übersetzungen bestehend) an einen streng aufklärerischen Code gebunden, der dem Zauberhaften und Märchenhaften misstraute und einem moralisierenden Fundamentalismus verpflichtet war. Bis in die 1870er-Jahre nahmen die vorwiegend aus dem Französischen übersetzten moralischen Geschichten (‚contes moraux‘) eine Vorzugsstellung ein. Die erste und zweite Generation der portugiesischen Romantiker haben bei der Öffnung der Kinderliteratur für die ‚Stimme des Volkes‘ fast keine Rolle gespielt. In seiner Abhandlung Da educação (Von der Erziehung) aus dem Jahr 1829 lehnte der romantische Schriftsteller Almeida Garret die Fabeln und Märchen als Lesestoff für Kinder ab, da sie dem Verstand und der Wahrheit widersprächen. Er sprach sich für historische und moralische Erzählungen aus, die seines Erachtens für die moralische Erziehung am geeignetsten waren.1 Noch gut vierzig Jahre später vertrat der einflussreiche portugiesische Pädagoge Simões Ferreira dieselbe Auffassung. In einem 1862 veröffentlichten Artikel hieß es:

A qualquer infante dê-se a ler a história da Bela e da Fera, ou a fábula da Formiga e a Cigarra, que a primeira coisa que nos vêm perguntar é se houve tempo em que as...

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