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Märchen, Mythen und Moderne

200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2

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Edited By Claudia Brinker-von der Heyde, Holger Ehrhardt and Hans-Heino Ewers

Im Dezember 2012 jährte sich zum 200. Mal das Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen. Dieses Jubiläum nahm die Universität Kassel zum Anlass, einen internationalen Kongress mit dem Titel Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu veranstalten. Die vorliegenden Kongressbeiträge nähern sich dem populärsten Werk der Brüder Grimm sowohl literatur- und sprachwissenschaftlich als auch aus Sicht der Kinder- und Jugendliteratur, Psychologie und Pädagogik, Medienwissenschaft und interkulturellen Rezeptionsforschung. Über die Märchen hinaus finden sich Studien zum philologischen, lexikographischen, mythologischen und rechtshistorischen Werk der Brüder Grimm.
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„der lose zusammenhang des rettbaren“. Die Deutsche Mythologie von Jacob Grimm zwischen Universalisierung und Aktualisierung: Ruth Neubauer-Petzoldt

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Ruth Neubauer-Petzoldt

„der lose zusammenhang des rettbaren“.Die Deutsche Mythologie von Jacob Grimm zwischen Universalisierung und Aktualisierung

War das Erscheinen der Kinder-und Hausmärchen ab 1812 und der Deutschen Sagen ab 1816 schon ein Akt nationaler literarischer Selbstversicherung und Archivierung, versuchte Jacob Grimm dies mit seiner dreibändigen Darstellung der Deutschen Mythologie ab 18351 noch zu übertreffen bzw. als Dokumentation einer mythologischen Mentalitätsgeschichte der Deutschen zu erweitern.

Im Folgenden möchte ich die Intention Jacob Grimms skizzieren, die vor allem aus seiner umfangreichen Vorrede zur zweiten Auflage 1844 hervorgeht und im Kontext seiner anderen gewaltigen Forschungsprojekte zu sehen ist, sowie diese im Hinblick auf Inhalt und Darstellung seiner Deutschen Mythologie und die verwendeten Quellen überprüfen. Dieses wissenschaftliche Artefakt wird im Kontext seines Verständnisses von Mythos und Volkspoesie eingeordnet und kritisch hinterfragt. Dabei eröffnet sich ein Spannungsfeld zwischen einer Universalisierung seiner mythologischen Sammlung und der Aktualisierung der mythologischen Überlieferung der Deutschen.

Die Universalisierung zielt auf eine suggestive Ganzheit einer deutschen Mythologie, die selbst einer Mythisierung unterliegt, indem ihr historischer Kontext ausgeblendet wird, und ist eng mit einem romantischen Mythosbegriff verbunden. Die Aktualisierung bedeutet, dass sie mit der ‚aktuell‘ vorhandenen Überlieferungslage auskommen muss und diese für ein vaterländisches Nationalbewusstsein funktionalisiert wird. Aktualisierung heißt auch, dass Grimm im historischen Kontext, wie in Absehung von diesem eine Mythologie rekonstruiert; seine wissenschaftlichen Verfahren sind dabei aufschlussreich und sollen deshalb in ihrer sprachlichen Inszeniertheit untersucht werden: die von Grimm beschworene Volkspoesie...

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