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Von Homer bis Theodosius dem Großen

Sechzehn historische Fiktionen mit Themen der griechischen und römischen Geschichte

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Gunther Gottlieb

Was wäre geschehen, wenn…? Diese Frage wird an zentralen Ereignissen und großen Persönlichkeiten der griechischen und römischen Geschichte bearbeitet, wobei die Einbindung in den jeweils kulturellen Kontext Beachtung findet. Ziel des Buches ist es, Gedankenspiele einzuüben, Argumentationen zu erfinden und zu überprüfen sowie tiefer einzudringen in Pläne, Vorstellungen, Wünsche und Absichten von Einzelpersönlichkeiten oder Gemeinschaften. Die sechzehn Kurzessays verstehen sich als kulturgeschichtlich ausgerichteten Beitrag zur historischen Literatur.
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Vorwort der Herausgeber

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»Mein Bestreben war nicht das des eigentlichen Historikers, schlichtweg festzustellen, wie es gewesen ist; ich suche das Poetische in den geschichtlichen Vorgängen, also das Ewige«. Mit dieser rückblickenden Feststellung hatte die braunschweigische Schriftstellerin Ricarda Huch bei ihrem Festvortrag 1942 in Zürich zu ihrem 50-jährigen Doktorjubiläum einen Grundsatz ihres Verständnisses und ihrer Methode zur Vermittlung von Geschichte definiert. Sie hat dabei deutlich gemacht, daß nicht das oft festgehaltene Diktum »Wir wollen Quellen sprechen lassen« für den Historiker alleine maßgeblich sein kann, sondern subjektives Erkennen in die Rekonstruktion geschichtlicher Zusammenhänge einfließen muß, um die Ursachen des Geschehens in ihrer Ambivalenz erfahrbar zu machen. Schon Thukydides hatte in diesem Sinne von einer Unterscheidung zwischen Erdachtem (res fictae) und Tatsächlichem (res factae) gesprochen. Es ist dies ein Ansatz, der in Fortführung des Huchschen Gedankens zu Fragestellungen führt, die heute in der Diskussion um die Methode der sogenannten kontrafaktischen Geschichte verfeinert und vielfältig angewendet werden.

Dabei war und bleibt Rankes Fragestellung von 1824 zur Absicht und Aufgabe des Historikers, »er will blos zeigen, wie es eigentlich gewesen«, unbestreitbar die oberste Maxime der historischen Wissenschaft und jegliche Abweichung davon galt (und gilt) als zweifelhaft und unwissenschaftlich. Schon 1875 jedoch hatte Friedrich Nietzsche diesem Grundsatz entgegengehalten: »Die Frage: >Was wäre geschehen, wenn das und das nicht eingetreten wäre?< wird fast einstimmig abgelehnt, und doch ist sie gerade die kardinale Frage«. Wie zutreffend Nietzsches Aussage und...

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