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Von Homer bis Theodosius dem Großen

Sechzehn historische Fiktionen mit Themen der griechischen und römischen Geschichte

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Gunther Gottlieb

Was wäre geschehen, wenn…? Diese Frage wird an zentralen Ereignissen und großen Persönlichkeiten der griechischen und römischen Geschichte bearbeitet, wobei die Einbindung in den jeweils kulturellen Kontext Beachtung findet. Ziel des Buches ist es, Gedankenspiele einzuüben, Argumentationen zu erfinden und zu überprüfen sowie tiefer einzudringen in Pläne, Vorstellungen, Wünsche und Absichten von Einzelpersönlichkeiten oder Gemeinschaften. Die sechzehn Kurzessays verstehen sich als kulturgeschichtlich ausgerichteten Beitrag zur historischen Literatur.
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Kaiser Konstantin verliert die Schlacht an der Milvischen Brücke (312)

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Zwischen 1452 und 1462 entstand in der Chorkapelle der Kirche San Francesco in Arezzo ein Kunstwerk von höchster Qualität: Piero della Francescas Fresko der Constantinsschlacht, so die Formulierung des Kunsthistorikers Aby Warburg, also der Schlacht an der Milvischen Brücke. Die besiegte Armee des Maxentius, darunter ein sarazenischer Bogenschütze, flieht vor Konstantin, der, mit seinen Truppen am anderen Tiberufer stehend, den Fliehenden ein kleines Kreuz entgegenhält. Konstantin trägt Züge und Kleidung des Griechenkaisers Johannes VIII. Palaiologos (1425–1448), welcher zur nämlichen Zeit das Abendland vergeblich um Hilfe gegen die Osmanen anrief. Damit wird das dargestellte Ereignis in einen zeitgeschichtlichen Kontext und in einen Bezugsrahmen von christlich und antichristlich gerückt110.

Deutung und Erklärung des Frescos sind ein sinnfälliges Beispiel für das, was der schon mehrmals genannte Historiker Volker Sellin in seiner Einführung in die Geschichtswissenschaft zum Thema ‚Verstehen und Erklären’ geschrieben hat. Es geht unter anderem um die Frage nach den Ursachen für eine bestimmte Erscheinung, eine bestimmte Handlung oder uns überlieferte Entscheidung111: Warum wählte Piero della Francesca die Schlacht an der Milvischen Brücke? Warum der sarazenische Reiter? Warum Kaiser Konstantin in der Aufmachung des Griechenkaisers Johannes Paläologus? Warum das kleine Kreuz in der rechten Hand Konstantins? Also die Frage nach den Ursachen steht im Mittelpunkt des methodischen Vorgangs von Verstehen und Erklären. Der Historiker will erklären, warum etwas so oder so verlaufen ist, gesagt, gestaltet, gedeutet...

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