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Rollenspiele

Musikpädagogik zwischen Bühne, Popkultur und Wissenschaft- Festschrift für Mechthild von Schoenebeck zum 65. Geburtstag

Edited By Thomas Erlach and Burkhard Sauerwald

Die wissenschaftliche Musikpädagogik ist auf vielfältige Weise mit benachbarten Disziplinen vernetzt. Hinter dem Titel Rollenspiele verbergen sich 28 Grenzgänge in den Bereichen Musik und Bühne, Musikpädagogik als Wissenschaft sowie Musik und Popularität. Die wissenschaftlichen Beiträge dieses Bandes stammen sowohl von Autorinnen und Autoren des Instituts für Musik und Musikwissenschaft der TU Dortmund als auch von namhaften auswärtigen Verfasserinnen und Verfassern. Sie alle bedanken sich damit bei Mechthild von Schoenebeck für ihr jahrelanges Wirken als Professorin am größten Schulmusik-Institut des Landes.
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Einige Bemerkungen zu Mozarts Oper Le nozze di Figaro: Eva-Maria Houben

Ouvertüre 1: „Keine Zeit!“ – ein möglicher Zugang

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Einige Bemerkungen zuMozarts Oper Le nozze di Figaro

Eva-Maria Houben

Einmal, so berichtet der Erzähler Serenus Zeitblom der staunenden Leserschaft, habe Wendell Kretzschmar einen seiner Musik-Vorträge im „Saal der ‚Gesellschaft für gemeinnützige Thätigkeit‘“ der Frage gewidmet, „warum Beethoven zu der Klaviersonate opus 111 keinen dritten Satz geschrieben habe“. Kretzschmar, an einem „minderen Pianino“ die Musik Beethovens analysierend und den Vortrag illustrierend, habe ausgerufen, Beethoven habe „dem Famulus auf [ebendiese] Frage geantwortet, dass er keine Zeit gehabt und darum lieber den zweiten etwas länger ausgedehnt habe.“ Und Kretzschmar wiederholt die ungeheuerliche Begründung: „Keine Zeit! Und mit ‚Gelassenheit‘ hatte er [Beethoven] es auch noch geäußert.“1

Warum – und diese Frage verdient gewiss auch zu ihrer Erörterung einen Vortrag, eine Abhandlung oder eine längere Diskussion – hat Mozart der Ouvertüre zur Oper Le nozze di Figaro keine Durchführung zukommen lassen? Ganz einfach und aufs Neue: „Keine Zeit!“

Dies ist sicherlich, wie bald zu zeigen sein wird, auch diesmal eine überzeugende Erklärung, wobei die Gründe allerdings anderer Natur sein dürften, weil die Erfüllung eines gewissen Pensums an unterschiedlichen Sätzen bzw. die Dauer eines bestimmten Satzes in einer Oper keine Rolle spielen. Nein: ‚Man‘ hat vielmehr ‚keine Zeit‘ aufgrund und inmitten allgemeiner Sprachlosigkeit und Atemlosigkeit. Und dieses Lebensgefühl im Wirbel eines sprichwörtlichen ‚tollen Tags‘, diese Tollheit aller Protagonisten, affiziert den Komponisten selbst, der sich hineinziehen lässt in...

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