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Das Experiment Blum

Die Volksfront in Frankreich und das Ende der Dritten Republik 1936 – 1940

Elisabeth Bokelmann

Soziale Unruhen und politische Ausschreitungen kennzeichnen in den frühen 1930er Jahren die Vorgänge in zahlreichen europäischen Staaten, darunter auch Frankreich. Nach einem blutigen Aufstand antiparlamentarischer Kräfte in Paris, der die Instabilität der republikanischen Ordnung aufzeigt, erklären sich die Parteien des Mitte-Links-Spektrums zu einem Zusammenschluss bereit und gewinnen nach einem engagiert geführten Wahlkampf das Mandat der Wähler. Als Ministerpräsident der Koalition des Front populaire fungiert der Sozialist Léon Blum, der es sich zur Aufgabe macht, überfällige Reformen zu realisieren. Sowohl innenpolitische Zwänge als auch die außenpolitische Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime in Deutschland engen den Spielraum der Volksfront ein und tragen zum dramatischen Ende der Dritten Republik bei.
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3. Die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen

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3.1. Die Krise in Frankreich

Ausgehend vom New Yorker Börsenkrach vom 25.10.1929, dem „Schwarzen Freitag“, zog die umfassende Finanz- und Wirtschaftskrise in schneller Folge die Industriestaaten in ihren Strudel. Der Zusammenbruch von Kreditinstituten und die darauf folgende Zerrüttung der wirtschaftlichen Grundlagen der westlichen Gesellschaften schien zunächst ein Land auszusparen, das sich als „glückliche Insel“33 pries: Frankreich. Hier hatte Poincaré erst 1926 den an einem galoppierenden Wertverlust dahinsiechenden Franc stabilisiert und damit eine seit dem 1. Weltkrieg schwelende Finanzkrise bereinigt. In der Folge erlebten die Franzosen die Jahre 1929 und 1930 als „années culminantes“34 und schrieben ihre wirtschaftliche Stabilität der mit Augenmaß betriebenen industriellen Modernisierung zu.

Erst mit der Abwertung des englischen Pfundes im September 1931 begann das Land in die Krise zu gleiten, weniger abrupt zwar, als dies bei anderen Industriestaaten der Fall gewesen war, aber unaufhaltsam. Den Anfang machte die Landwirtschaft, in der 32% der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigt waren. Die landwirtschaftlichen Produkte, die traditionell einen Hauptanteil der Exporte stellten, Weizen, Wein und Zuckerrüben, verteuerten sich im internationalen Vergleich und konnten nicht mehr abgesetzt werden. Da 73% der französischen landwirtschaftlichen Betriebe über weniger Fläche verfügten als 10 ha, besaßen die Bauern nicht ausreichend Kapital und Rücklagen, um eine längere Absatzschwäche zu überstehen oder die Produktion umzustellen. Bereits seit 1930 waren die Einkünfte in der Landwirtschaft zurückgegangen: kosteten ein Zentner Weizen und ein Hektoliter...

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