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Bürgerliche Familienfeste im Wandel

Spielarten privater Festkultur in Weimar und Jena um 1800

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Susan Baumert

Feste strukturieren Zeit, bilden Rhythmen, ordnen Zusammenhänge und ermöglichen Orientierung. Zudem bringen sie die soziale Identität der Feiernden und deren individuelle Emotionen zum Ausdruck. Aber wie formiert sich am Ende des 18. Jahrhunderts ein neues Verständnis des Festlichen? Welchen Einfluss hat in diesem Zusammenhang das erstarkende Bürgertum? Und wie gestaltet sich diese Transformation in einem dichten Ereignisraum wie Weimar-Jena? Die Autorin gibt einen Überblick über die verschiedenen Formen des Festlichen. Im Mittelpunkt steht dabei der private Raum der bürgerlichen Familie. Anhand zahlreicher bisher noch nicht berücksichtigter Quellen stellt sie die Feste des Lebens- beziehungsweise Jahreslaufes dar. Dabei zeigt gerade der Wandel des Festlichen das erstarkende Selbstverständnis des Bürgertums.
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Kapitel II: Das bürgerliche Weihnachtsfest

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Kapitel II:  Das bürgerliche Weihnachtsfest

Prolog

Die Weihnachtszeit mit dem darauf folgenden Jahreswechsel nimmt fraglos eine Ausnahmestellung im Jahreslauf ein:874 Tage der stimmungsvollen Vorbereitung, Feste besonderer Bedeutung sowie Anlässe für zahlreiche Bräuche folgen dicht aufeinander.875 Dabei stellt die Feier des Heiligen Abends am 24. Dezember den Höhepunkt dieses Festkomplexes dar.876

Wer sich dem umfassenden Phänomen „Weihnachten“ methodisch angemessen zu nähern versucht, gerät in entsprechende Schwierigkeiten: Der theologisch beliebte Weg, sofort zwischen einem christlichen Kern und einem heidnischen Rand bei der Festgestaltung zu unterscheiden, reicht dabei offensichtlich nicht aus.877 Ungeklärt bleibt bei einer solchen Betrachtung die sozialpsychologische Frage, wie ein solches Fest noch immer die Menschen äußerlich und innerlich in Bewegung zu versetzten vermag. Kultursoziologische und emotionale Aspekte, wie beispielsweise das Untersuchen des Phänomens des Gebens und Empfangens ← 233 | 234 → von weihnachtlichen Geschenken sowie deren pädagogische und wertevermittelnden Gesichtspunkte, sollen dabei klärend zur Seite stehen.878 Aber auch das weihnachtliche Festpersonal, wie beispielsweise der Weihnachtsmann, und festliche Requisiten, wie der Weihnachtsbaum oder das Weihnachtslied, werden mit in das Spektrum der Untersuchungen aufgenommen.

Im Ganzen erscheint mir der Versuch einer umfassenden Analyse des Weihnachtsfestes dienlicher zu sein, die im Rahmen kulturhistorischer Überlegungen operiert, denn „[Weihnachten] kann nicht auf eine einzige Geschichte, einen einzigen Ursprung zurückgeführt werden. Die Geschichte des Weihnachtsfestes ist die Geschichte vielgestaltiger kultureller Manifestationen“.879

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