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Die Politisierung der Oper im 19. Jahrhundert

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Maria Birbili

Gegenstand dieser Studie sind die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Oper des 19. Jahrhunderts. Unter Berücksichtigung der Oper der französischen Revolutionszeit, der neapolitanischen Oper unter französischer Herrschaft und der historischen Opern Rossinis für Paris wird die Grand opéra als Produkt eines Austauschprozesses zwischen Pariser Inszenierungstraditionen und italienischer musikalischer Formgebung interpretiert. Anhand neu aufgefundener Quellen läßt diese Studie eine zentrale Epoche der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts in einem neuen Licht erscheinen, indem die häufig aggressive Dramaturgie der Grand opéra wie auch des italienischen Melodramma des Risorgimento als Konsequenz der Schreckenserfahrungen der Französischen Revolution gedeutet wird.
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Vorwort

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Die neuere Opernforschung hat akzeptiert, daß das Libretto nicht an den Kriterien des gesprochenen Dramas und der autonomen Literatur zu messen ist, sondern vor allem daran, inwiefern es ihm gelingt, zu einer Durchdringung von Text und Musik im Bühnenereignis beizutragen. Das gleiche gilt natürlich für die Opernpartitur, die nicht mit dem Maßstab der »absoluten« Instrumentalmusik bewertet werden darf, auch wenn es der Musikwissenschaft stets schwergefallen ist, einen adäquaten Zugang zur Oper des 19. Jahrhunderts zu finden. Zu übermächtig ist die Tradition eines Faches, dessen Methoden an der klassischen deutsch-österreichischen Instrumentalmusik entwickelt worden sind, und ungleich komplizierter erscheint die Gattung Oper, die zum Text und zur Musik auch das szenische Element dazu kommen läßt. Insofern sich die Musikwissenschaft weigert, die Interpretation des Librettos und der Inszenierung Aufmerksamkeit zu schenken, bleibt eine umfassende Auswertung des Phänomens der Oper ausgeschlossen.

Es ist vermutlich noch zu früh, die weitere Entwicklung der librettologischen Theoriebildung vorauszusagen. Offensichtlich erscheint jedoch, daß die Debatte um eine distinkte Librettoforschung als autonome Disziplin nutzlos ist, da die Betrachtung des Librettos nur Grundlage einer das Phänomen umfassend untersuchenden Opernforschung sein kann1. Eine Grundlage, die bitter nötig ist, dennoch nie zum Selbstzweck werden sollte.

Nachdem die Opernforschung sich methodisch unter formalen und strukturellen Ausgangspunkten mit der Untersuchug der Auswirkung der librettistischen Makrostruktur auf die Disposition der musikalischen Nummer2 sowie mit dem Verhältnis zwischen Versifikationsstruktur und melodischer Mikrostruktur3 eingehend befaßte, mag die vorliegende...

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